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Ein Europa, ein Hochschulraum

Die Flaggen von Deutschland und der Europäischen Union als Anstecknadel.
Die Bologna-Reform hat die Hochschullandschaft in Europa nachhaltig verändert.
Foto: Nicole Schwab

Stand der Europäischen Studienreform - Hintergrund

Ein Europa, ein Hochschulraum

Wenn Europa zusammenwächst, müssen Studierende und Wissenschaftler sich in einem Raum bewegen können. Das ist der Grundgedanke der Europäischen Studienreform, die seit 1999 die Hochschullandschaft auch in Deutschland verändert wie keine zweite. Drei wichtige Ziele standen am Beginn: die Qualität der Hochschulen verbessern, Abschlüsse vergleichbar machen und gegenseitig anerkennen sowie die Mobilität stärken.

Darauf verständigten sich Bildungsminister aus Deutschland, Frankreich, Italien und dem Vereinigten Königreich, als sie im Mai 1998 die „Sorbonne-Erklärung“ unterzeichneten. Ein Jahr später unterzeichneten 30 europäische Staaten die „Bologna-Erklärung“; inzwischen gehören dem damals begründeten Europäischen Hochschulraum 48 Mitgliedsstaaten an. Jüngstes Mitglied ist Weißrussland, das 2015 aufgenommen wurde.

Sechs Kernziele von Bologna

Sechs Kernziele wurden in Bologna benannt. Die größte Öffentlichkeitswirksamkeit hatte sicher die Einführung gestufter Studiengänge – Bachelor und Master –, die Diplom- und Magisterstudiengänge ablösen sollte und weitgehend abgeschlossen ist. Zum Wintersemester 2014/15 waren der Hochschulrektorenkonferenz zufolge 88 Prozent aller Studiengänge umgestellt; mehr als drei Viertel der Studierenden sind dort eingeschrieben. Es gibt noch immer einige Studiengänge, die mit Staatsexamen, Diplom oder auch Magister abschließen; in einigen Fällen – zum Beispiel Medizin, Rechtswissenschaft, Theologie oder teilweise Lehramt (siehe auch den Beitrag „Lehramt studieren“, verlinkt wird auf den Artikel) – wird sich dies auch (vorerst) nicht ändern.

Auch das Kreditpunkte-System (European Credit Transfer and Accumulation System = ECTS) ist an deutschen Hochschulen längst etabliert.
Die Vereinfachung der gegenseitigen Anerkennung scheint erfolgreich zu sein: 2013 wurden – laut einer Befragung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) – bei zwei Dritteln der Studierenden, die im Ausland waren, alle dort erbrachten Studienleistungen an der Heimathochschule anerkannt.

Zudem sind Studierende wie Wissenschaftler mobiler geworden. 1998 waren rund 46.000 deutsche Studierende im Ausland eingeschrieben, 2012 schon dreimal so viele. Auch die Zahl der Ausländer, die in Deutschland studieren, steigt überproportional: Im Studienjahr 2013/14 lag ihr Anteil bei 11,5 Prozent an allen Studierenden.

Zudem vereinbaren die Länder eine europäische Zusammenarbeit bei der Qualitätssicherung und die Stärkung der europäischen Dimension der Hochschulbildung – beides treiben die beteiligten Länder voran. Ihre Bildungsminister bilanzieren die Fortschritte alle zwei Jahre bei Bologna-Nachfolgekonferenzen.

Weiterentwicklung und neue Ziele

Längst ist Bologna etabliert. So beschlossen die beteiligten Staaten schon 2009 im „Leuvener Kommuniqué“, dass sie die gute Zusammenarbeit bis 2020 fortsetzen wollen. Unterdessen wandeln sich die Ziele und werden weiterentwickelt: 2012 etwa bekannten sich die Bildungsminister zur Investition in Bildung, die Beschäftigungsbefähigung rückte in den Blick und erneut wurde die Förderung der Mobilität angemahnt. Daneben stehen weitere Themen auf der Agenda: zum Beispiel lebenslanges Lernen und der Wunsch, dass Hochschulen nicht nur fachliche Kenntnisse vermitteln, sondern Studierende zu selbstbewussten und kritischen Menschen heranbilden.

Die Studierenden haben die Bologna-Reform immer wieder kritisch hinterfragt. So bestreikten 2009 europaweit über 200.000 Studierende ihre Hochschulen: Das Studium sei zu verschult, der Prüfungsdruck zu groß und die Hochschulen überlastet. 2014 protestierten sie erneut: Die Hochschulen seien nicht eingerichtet auf die wachsende Zahl von Studierenden. Immerhin sind aktuell 2,7 Millionen Studierende in Deutschland eingeschrieben. Die Studierendenprognosen der letzten Jahre wurden von der Realität überrollt: Statt 275.000 prognostizierten Studienanfängern starteten dem Statistischen Bundesamt zufolge im Jahr 2014 über 500.000 junge Menschen in ein Studium.

Weitere Informationen

Hochschulrektorenkonferenz (HRK)

freiwilliger Zusammenschluss der staatlichen und staatlich anerkannten Universitäten und Hochschulen in Deutschland.
www.hrk.de
Die HRK informiert über den aktuellen Stand der Europäischen Studienreform:
www.bolognanet.hrk.de

Projekt nexus

Das Projekt nexus informiert über Studieneingangsphase, Anerkennung und Kompetenzvermittlung, außerdem verschiedene Fachrichtungen und Good-practice-Beispiele.
www.hrk-nexus.de

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Das BMBF listet unter dem Suchbegriff Bologna die neuesten Nachrichten auf. Sei es die Mobilitätsstatistik oder die Geschichte der Reform.
www.bmbf.de

European Higher Education Area

Zum zehnjährigen Jubiläum des Bologna-Prozesses wurde die European Higher Education Area ins Leben gerufen. Sie begleitet den Prozess in der laufenden Dekade. Auf der Webseite sind unter anderem wichtige Dokumente und Länderreports zu finden.
www.ehea.info

Kultusministerkonferenz (KMK)

In der KMK sind die 16 deutschen Bundesländer vertreten, die laut Grundgesetz Kulturhoheit besitzen. Sie stimmen sich in Belangen von übergreifender Bedeutung in Bildung, Wissenschaft und Kultur ab. Auf der Seite finden sich Informationen zu Bologna aus Ländersicht.
www.kmk.org

Centrum für Hochschulentwicklung (CHE)

Das gemeinnütige CHE-Zentrum setzt sich für ein leistungsstarkes und faires Hochschulsystem ein und unterstützt Hochschulen dabei, ihre Autonomie zu nutzen und vielfältige Profile zu entwickeln.
www.che.de

 

abi>> 14.01.2016