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Des einen Leid, des anderen Freud

Eine junge Frau sitzt auf einer Treppe und tippt auf einem Computer.
Auf Online-Plattformen oder in sozialen Medien können Studierende, die mit ihrem Studienplatz oder ihrer Hochschulstadt unzufrieden sind, nach einem Tauschpartner suchen.
Foto: Karmann

Studienplatztausch – Interview

Des einen Leid, des anderen Freud

Wer an seiner Hochschule unglücklich ist, kann – unter bestimmten Umständen – seinen Studienplatz mit jemandem an einer anderen Uni tauschen. Einen solchen Tauschpartner findet man beispielsweise auf studienplatztausch.de – einer Plattform vom Verein zur Förderung studentischer Belange (VSB). Projektleiter Manfred Bähr erklärt im Interview, wie die Börse funktioniert.

abi>> Herr Bähr, warum gibt es die Tauschbörse studienplatztausch.de?

Manfred Bähr: Der VSB ist ein Zusammenschluss der Studierendenvertretungen von 35 Unis in Deutschland. Die Plattform gibt es seit 1990, weil wir gesehen haben, dass es in Fächern wie Medizin, Pharmazie, Psychologie, Jura oder BWL viel zu wenige Studienplätze gibt. Die Tauschbörse ändert daran natürlich nichts. Aber wir wollen helfen, dass die, die einen Studienplatz haben, dort studieren können, wo sie wollen. Denn die Verteilung funktioniert nicht zur vollen Zufriedenheit der Studierenden. Uns erreichen jährlich circa 10.000 Suchanfragen von Studierenden, die tauschen wollen. Noch mal so viele suchen über andere Plattformen wie soziale Medien.

abi>> Sie haben bereits ein paar Studiengänge genannt. Für wen kommt ein Studienplatztausch noch infrage?

Manfred Bähr: Im Prinzip sind das alle zulassungsbeschränkten Studiengänge, also sowohl die, die bundesweit vergeben werden, als auch die, bei denen es örtliche Auswahlverfahren gibt. Für alle anderen Studiengänge bewerben sich Studierende direkt an der Wunschuni – auch in höheren Semestern. Das empfehle ich übrigens jedem, der wechseln möchte. Aufgrund von Abbrechern haben die Unis auch für zulassungsbeschränkte Fächer oft wieder Plätze frei. In Jura oder BWL stehen die Chancen gut, in Psychologie oder Lehramt dagegen nicht.

abi>> Warum möchten denn so viele tauschen?

Manfred Bähr: 60 Prozent sind in höheren Semestern. Die meisten davon möchten einen anderen fachlichen Schwerpunkt. Natürlich gibt es auch persönliche Beweggründe, etwa die große Liebe, die weit weg wohnt – viel häufiger werden aber finanzielle Aspekte genannt. Das Leben in einer Großstadt wie München ist sehr teuer. Und Erstsemester wollen oft so nah wie möglich am Heimatort bleiben.

abi>> Worauf sollte man beim Tausch achten?

Manfred Bähr: Zunächst sollte man sich nach der Einschreibefrist erkundigen. Bis dahin muss man einen Tauschpartner gefunden haben und am besten mit ihm vor Ort persönlich erscheinen. Wer bereits studiert, sollte sich mindestens ein halbes Jahr vor dem neuen Semester kümmern. So weit im Voraus können Erstsemester natürlich nicht planen. Sie müssen sofort mit der Suche beginnen, wenn sie erfahren haben, dass es nicht ihr Wunschort geworden ist. Wichtig ist, sich trotzdem einzuschreiben, sonst ist der Platz und damit die Tauschoption weg.

abi>> Wie gehe ich denn bei der Suche am besten vor?

Manfred Bähr: Am besten platziert man selbst eine Annonce. Bei uns führt ein Eingabeassistent den Nutzer durch die Anmeldung und fragt die aktuelle Uni, den Wunschort, das Fach, das Fachsemester und die Leistung – also wichtige Scheine oder Abinote – ab. Denn nur, wenn die Leistung vergleichbar ist, werden die Unis den Tausch zulassen. Und wir brauchen natürlich die Kontaktdaten, die wir vertraulich behandeln. Dann überprüfen wir alle Angaben und nehmen Kontakt auf, falls wir feststellen, dass ein Wechsel zum jetzigen Zeitpunkt fatal wäre. Wir pflegen enge Kontakte zu den Fakultäten und kennen die Studieninhalte genau. Wer vor einer Zwischenprüfung tauscht oder einen bestimmten Schein nicht mitbringt, kann später große Nachteile haben.

abi>> Und wie finden Sie den geeigneten Tauschpartner?

Manfred Bähr: Das erledigt unsere Datenbank. Stündlich werden alle Anzeigen miteinander abgeglichen – ergeben sich Übereinstimmungen, werden die möglichen Tauschpartner per E-Mail automatisch informiert. Sie erhalten dabei die gegenseitigen Kontaktdaten und können alles Weitere direkt miteinander ausmachen. Sollte es über längere Zeit in unserer Datenbank keine Treffer ergeben, suchen wir aktiv in anderen Foren.

abi>> Bei der Eingabe der Daten wird man auch gefragt, ob man einem Ringtausch zustimmt. Was ist das?

Manfred Bähr: Ein Ringtausch ist, wenn mindestens drei Leute miteinander tauschen. Sagen wir Person A studiert in München, möchte aber nach Leipzig. Person B studiert in Leipzig möchte aber nach Hamburg. Person C wiederum studiert in Hamburg und möchte nach München. Tauschen diese miteinander im Dreieck, landet am Ende jeder dort, wo er studieren möchte. Das ist eine simple Logikaufgabe für unsere Datenbank, bedeutet aber mehr Abstimmungsaufwand für die Studierenden. Alle drei müssen miteinander telefonieren und brauchen jeweils die abgestempelten Tauschformulare der involvierten Unis. Das klappt aber gut und wird von den Hochschulverwaltungen akzeptiert. Mein Kompliment dafür an die Studi-Sekretariate!

abi>> Wie hoch ist Ihre Erfolgsquote?

Manfred Bähr: Die liegt bei etwa 30 Prozent. Sie ist nicht höher, weil es Hürden in der Vergleichbarkeit gibt. Das fängt bei den unterschiedlichen Studienplänen an. Dazu kommen die individuellen Kriterien bei den örtlichen Auswahlverfahren. Manche Hochschulen wollen Leute mit Berufserfahrung oder mit absolviertem Freiwilligendienst, einige haben eine Ausländerquote. Und wenn ich wegen einer schlechten Abinote den Studienplatz in einer begehrten Großstadt nicht bekommen habe, dafür aber auf dem Land, dann bringt mir auch ein Tauschpartner nichts. Eine Hochschule lässt keinen Studierenden mit einem 1,0-Schnitt für einen mit einem 2,5-Schnitt ziehen. Das ist ihr gutes Recht.

abi>> Kann auch ins Ausland getauscht werden?

Manfred Bähr: Nein, das ist keine Option.

abi>> Was kostet ein Tausch?

Manfred Bähr: Wir verlangen einmalig 5,10 Euro, egal, ob es für uns nur ein Mausklick ist oder eine monatelange Suche. Seitens der Hochschulen müssen natürlich die üblichen Semester- und Immatrikulationsgebühren bezahlt werden. Bereits geleistete Beiträge erstattet die vorige Uni in der Regel zurück. Wer BAföG bekommt, meldet sich einfach beim neuen, zuständigen Amt an. Meine Bitte: rechtzeitig drum kümmern! Was man noch beachten sollte: Ein Stipendium kann an eine Hochschule gebunden sein.

abi>> 09.11.2017