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Weniger ist manchmal mehr

Ein junger Mann sitzt auf einem Balkon und studiert ein Informatik-Fachbuch.
Wer keine 40 Stunden in der Woche für sein Studium aufbringen kann, für den könnte ein Teilzeitstudium eine gute Alternative darstellen.
Foto: Andreas Franke

Studieren in Teilzeit

Weniger ist manchmal mehr

Für ein normales Vollzeitstudium wenden Studierende rund 40 Stunden pro Woche auf. Doch was, wenn man nicht so viel Zeit in das Studium investieren kann? Dafür gibt es unterschiedliche Gründe – und entsprechende Möglichkeiten, das Studienvolumen zu reduzieren.

Mara Krax hat einen zweigeteilten Tag: Sie ist einerseits Kauffrau für Büromanagement und studiert andererseits im achten Fachsemester Wirtschaftswissenschaften – beides an der FernUniversität in Hagen. An der Hochschule ist sie im Bereich Personal tätig. „Ich arbeite Vollzeit und studiere nach Feierabend in Teilzeit. Pro Woche lerne ich in der Regel etwa für fünf bis sechs Stunden“, erzählt die 24-Jährige. An Wochenenden versucht sie, mit einem Studien- und einem Freizeittag ein Gleichgewicht zu finden.

„Da ich das Studium innerhalb von fünf Jahren abschließen möchte, belege ich pro Semester zwei bis drei Module von insgesamt 16 und schreibe am Schluss meine Bachelorarbeit“, erklärt sie. Ein straffes Programm, doch die berufstätige Studentin hat ihren Weg gefunden: „Es ist alles eine Frage des Zeitmanagements. Jeder muss zudem seine eigene Lernmethode finden.“

Präsenz- gegen Fernstudium getauscht

Ein Porträt-Foto von Mara Krass

Mara Krax

Foto: Veit Mette

Ihrem Weg ging ein kurzer Umweg voraus: Nach dem Abitur hatte Mara Krax zunächst an der Fachhochschule Dortmund ein Semester lang Energiewirtschaft studiert, bis ihr klar wurde, dass ihr die dort gelehrte höhere Mathematik nicht liegt. Stattdessen sollte es die Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement sein. Einen Ausbildungsplatz ergatterte sie bei der FernUni Hagen, wollte aber zugleich gerne weiter studieren – daher nahm sie parallel das Bachelorstudium in Wirtschaftswissenschaften an der Hochschule auf, nun aber in Teilzeit. Nach Ausbildungsabschluss wurde Mara Krax übernommen, arbeitet und studiert seither weiter in Hagen.

Der Richtungswechsel stellte sich als goldrichtig für sie heraus: „In meinem ersten Studium war ich nur eine von vielen in der Masse. Jetzt kann ich mir aussuchen, ob ich alleine arbeiten will oder mit einer Lerngruppe. Auch im Fernstudium gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, mit anderen Studierenden in Kontakt zu kommen“, erzählt sie. Und damit nicht genug: Wenn Mara Krax den Bachelor of Science abgeschlossen hat, möchte sie gerne berufsbegleitend ein Masterstudium anschließen.

Manchmal geht es nur in Teilzeit

Ein klassischer Grund für ein Teilzeitstudium ist wie bei Mara Krax eine Arbeit, die in ihrem Umfang über einen Nebenjob hinausgeht. Aber auch besondere Lebenssituationen können erfordern, die Zeit für das Studium zu reduzieren, wenn man beispielsweise hochschulpolitisch engagiert oder Leistungssportler ist, ein Kind bekommt, Angehörige pflegt oder selbst gesundheitlich eingeschränkt ist. Rund 11 Prozent der Studierenden in Deutschland sind chronisch krank, körperlich oder psychisch beeinträchtigt. Aber auch für Studierende, die ihr Studium durch Jobben finanzieren müssen, kann ein Teilzeitstudium sinnvoll sein. (Wie viele Studierende das Angebot nutzen und wie deutsche Hochschulen im europäischen Vergleich dastehen, erfährst du im Interview „Für wen eignet sich ein Teilzeitstudium?“.)

„Hochschulen sind gesetzlich verpflichtet, ein Teilzeitstudium zu ermöglichen“, erklärt Katja Barth, Studierendenberaterin an der Beuth Hochschule für Technik in Berlin. „Die Regelungen dafür sind von Bundesland zu Bundesland verschieden, vor allem aber sind sie von der Satzung der einzelnen Hochschule abhängig. Über Möglichkeiten eines Teilzeitstudiums können die Studienberatungsstellen der Hochschulen informieren.“

In manchen Lebenslagen kann es auch nötig sein, das Studium für kurze Zeit auszusetzen. Eine offizielle Beurlaubung, das Urlaubssemester, kann in diesen Fällen Luft verschaffen und einem Studienabbruch vorbeugen. (Mehr zum Thema erfährst du in der Reportage „Dem Berufswunsch Arzt in Asien nachspüren“ sowie in den FAQ „Alles rund ums Urlaubssemester“.)

Drei Varianten des Teilzeitstudiums

Grundsätzlich bestehen drei Möglichkeiten, in Teilzeit zu studieren: Erstens kann ein Studium von vornherein als Teilzeitstudium angeboten und beispielsweise berufsbegleitend absolviert werden. Zweitens können Studierende formell eine Genehmigung ihrer Hochschule dafür erhalten, ein Studium von Vollzeit auf Teilzeit zu reduzieren, wenn sie wichtige Gründe vorbringen können. (Ein Beispiel zeigt die Reportage „Spitzensport und Studium unter einen Hut bringen“ auf.) Drittens gibt es Vollzeitstudierende, die weniger Veranstaltungen besuchen und dafür ein Überschreiten der Regelstudienzeit in Kauf nehmen – und informell, aber de facto in Teilzeit studieren. (Weitere Informationen liefert dir die Übersicht „Modelle fürs Studieren in Teilzeit“.)

Zu beachten ist, dass für ein Studium in Teilzeit kein BAföG gezahlt wird. Auch erlischt der Kindergeldanspruch für Studierende bis zum 25. Lebensjahr, wenn sie mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten. Wenn man allerdings zu 50 Prozent dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht, kann man unter bestimmten Voraussetzungen Arbeitslosengeld I beantragen.

Berufsbegleitend studieren

Wer parallel zu einer Berufstätigkeit studieren möchte, kann also berufsbegleitend studieren im Präsenz- oder Fernstudium oder ein normales Präsenzstudium in Teilzeit absolvieren. „Für berufsbegleitende Studiengänge sind sehr häufig Semestergebühren zu zahlen“, merkt Carsten Ebbinghaus an, Berufsberater der Agentur für Arbeit Hamburg. „Die größte Hürde hierbei ist die eigene Motivation. Sich zusätzlich zur Arbeit mit den Studieninhalten auseinanderzusetzen, ist eine relativ große Belastung. Das gilt für ein Fernstudium in Eigenregie genauso wie für ein berufsbegleitendes Studium, das man nach dem Job abends oder am Wochenende absolviert.“

Bei Option zwei ist es wichtig, die notwendigen Absprachen bereits im Vorfeld mit dem Arbeitgeber zu treffen, rät Carsten Ebbinghaus: „Die Voraussetzung ist, dass der Arbeitgeber flexible Arbeitszeiten gewährt. Ein Studium – auch in Teilzeit – ist auf Vollzeitstudierende ausgelegt, die tagsüber Zeit haben. Und wer in einem Semester montags und dienstags Kurse belegen konnte, ist vielleicht im nächsten Semester darauf angewiesen, donnerstags und freitags in die Uni gehen zu können.“ Dafür kann man seinen Arbeitsplatz behalten und erhält – je nach Absprache – weiterhin ein Gehalt. Auch ermöglicht einem das Studium womöglich den beruflichen Aufstieg im Unternehmen.

Den Zugang zu anderen Studierenden oder zu Lerngruppen zu finden, kann sich aber schwierig gestalten. „Wer erheblich länger studiert, erlebt zwei oder sogar drei Jahrgänge von Studierenden. Außerdem stellt sich hier unter Umständen weniger die Frage, welche Kurse interessieren mich inhaltlich, sondern welche passen zeitlich zu mir“, weiß der Berufsberater.

Mehr Informationen

BERUFENET
Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

 

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen, die du unter anderem auch nach Teilzeitangeboten filtern kannst.
www.studienwahl.de

 

Hochschulkompass
Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studienangebote, Ansprechpartner und internationale Kooperationen
www.hochschulkompass.de

 

Deutsches Studentenwerk (DSW)
Allgemeine Infos für Studierende zum Thema Wohnen, zu Versicherungen, Ausbildungsförderung etc.
www.studentenwerke.de

 

21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes
www.sozialerhebung.de/Hintergrund/ueberdiesozialerhebung

 

Centrum für Hochschulentwicklung (CHE)
Das gemeinnützige CHE hat Teilzeitstudiengänge unter die Lupe genommen und Teilzeitstudierende befragt. (PDF)
www.che.de/downloads/CHE_AP_213_Teilzeitstudium_Check_2018_19.pdf

 

Eurostudent
Projekt mit Studien zu Hochschulen und Studierenden in Europa
www.eurostudent.eu

abi>> 29.10.2018

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