Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Für wen eignet sich ein Teilzeitstudium?

Blick in einen aufgeschlagenen Terminplaner mit Vorlesungs- und Arbeitszeiten
Ein Teilzeitstudium erfordert gute Planung, denn Finanzierungsquellen wie BAföG fallen weg, wenn nicht die volle Arbeitskraft ins Studium gesteckt wird.
Foto: Martin Rehm

Studieren in Teilzeit – Interview

Für wen eignet sich ein Teilzeitstudium?

Die meisten Studierenden können in Vollzeit studieren, dennoch ist so mancher auf Teilzeitmodelle angewiesen. Wie viele sie in Anspruch nehmen, wie deutsche Hochschulen im europäischen Vergleich dastehen und welche Unterstützungen Teilzeitstudierende bekommen, weiß Stefan Grob, Pressesprecher des Deutschen Studierendenwerks (DSW).

abi>> Herr Grob, wie beliebt sind Studienmodelle beziehungsweise Regelungen in Deutschland, die ein reduziertes Studienvolumen erlauben?

Stefan Grob: Die 21. Sozialerhebung des DSW hat ergeben, dass 97 Prozent der Studierenden in einem Vollzeitstudiengang an deutschen Hochschulen eingeschrieben sind. Davon geben fünf Prozent an, dass sie de facto, also inoffiziell, in Teilzeit studieren. Offiziell sind zwei Prozent in Teilzeitstudiengängen eingeschrieben. Ein Prozent studiert mit Teilzeitregelung in einem Vollzeitstudiengang. Begehrt ist das Studium in Teilzeit also nicht.

abi>> Wie haben sich die Zahlen in den vergangenen Jahren entwickelt?

Ein Porträt-Foto von Stefan Grob

Stefan Grob

Foto: Kay Herschelmann

Stefan Grob: Das Teilzeitstudium hat nicht nennenswert an Bedeutung gewonnen: 2016 sind lediglich zwei Prozent in einem formalen Teilzeitstudiengang immatrikuliert, 2012 war es ein Prozent.

abi>> Wie steht die deutsche Hochschullandschaft in diesem Thema im internationalen Vergleich da?

Stefan Grob: Im europäischen Vergleich bildet Deutschland mit drei Prozent offiziellen Teilzeitstudierenden das Schlusslicht. Das hat das Projekt „Eurostudent IV Social and Economic Conditions of Student Life in Europe“ gezeigt, in dessen Ergebnisse auch die 21. Sozialerhebung eingeflossen ist. Polen führt die Liste der Anzahl europäischer Teilzeitstudierender mit 37 Prozent an, im europäischen Mittel sind es 17 Prozent.

abi>> Und wie viele deutsche Studierende unterbrechen ihr Studium?

Stefan Grob: Der Anteil derer, die ihr Studium unterbrechen – offiziell oder inoffiziell für mindestens ein Semester seit Erstimmatrikulation –, lag im Jahr 2016 bei 16 Prozent. Betrachtet nach Hochschulart haben anteilig mehr Studierende an Universitäten (18 Prozent) als an Fachhochschulen (10 Prozent) ihr Studium mindestens einmal unterbrochen.

abi>> Welche Gründe haben sie dafür?

Stefan Grob: In der Studie waren Mehrfachnennungen möglich: Knapp ein Viertel (23 Prozent) der Studienunterbrecher zweifeln am Sinn des Studiums. Jeder Fünfte berichtet von akuten gesundheitlichen Problemen und 19 Prozent geben an, dass sie aufgrund eines Praktikums ihr Studium unterbrochen haben. Knapp ein Sechstel (17 Prozent) berichtet, dass sie diese Entscheidung aufgrund einer Erwerbstätigkeit getroffen haben, 16 Prozent wegen einer finanziellen Problemlage.

abi>> Wie stark ist das Netz der Unterstützung für Teilzeitstudierende oder Studierende im Urlaubssemester, die durch Elternschaft oder Pflege eines Angehörigen mehr Verantwortung tragen oder durch eine Krankheit beeinträchtigt sind?

Stefan Grob: Sowohl das Unterhaltsrecht als auch das BAföG gehen davon aus, dass für eine (Voll-)Finanzierung die volle Arbeitskraft in das Studium gesteckt wird. BAföG und Elternfinanzierung fallen also aus. Wer beispielsweise durch Krankheit, Schwangerschaft oder Gremientätigkeit an der Ausbildung gehindert ist, kann BAföG-Förderung über die Förderungshöchstdauer hinaus erhalten. Das BAföG-Amt gibt für den konkreten Fall Auskunft.
Ein Urlaubssemester nimmt, wer ausnahmsweise gerade nicht studieren kann. Weil kein Studium betrieben wird, kann keine Ausbildungsförderung geleistet werden. Dann ist man unter Umständen auf Arbeitslosengeld II angewiesen. Ob während eines Urlaubssemesters trotzdem Prüfungsleistungen erbracht werden können, regelt das jeweilige Landeshochschulgesetz.

abi>> 29.10.2018