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Dem Berufswunsch Arzt in Asien nachspüren

Eine Gedenkstätte in Japan.
Das Studium unterbrechen und für ein paar Monate nach Asien reisen, um sich dort ehrenamtlich einzusetzen? Ein Urlaubssemester macht's möglich.
Foto: Meramo Studios

Urlaubssemester

Dem Berufswunsch Arzt in Asien nachspüren

Nach vier Semestern Medizinstudium in Münster wollte Thilo Papenroth (21) noch einmal neu für sich entdecken, warum er sich für sein Studienfach entschieden hat. Zusammen mit seiner Freundin nahm er ein Urlaubssemester, engagierte sich in Nepal für Lepra-Kranke und reiste durch Asien.

Ich wollte und will Arzt werden, um etwas zu tun, wovon andere profitieren können. Und natürlich will ich helfen“, erzählt Thilo Papenroth. Er studiert im fünften Semester Humanmedizin an der Uni Münster. Nach den ersten Semestern, in der es hauptsächlich um Wissenserwerb ging, war dieses Ziel für ihn allerdings nicht mehr so deutlich erkennbar. „Im Laufe des zweiten Studienjahres habe ich gemerkt, dass mich das Lernen von dem entfernte, was mich eigentlich zum Studium gebracht hat. Also haben meine Freundin, die ebenfalls Medizin studiert, und ich beschlossen, eine Pause einzulegen. Um die Zeit sinnvoll zu füllen, engagierten wir uns in der Shanti Leprahilfe in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu.“ Der in Dortmund ansässige Verein betreibt in Nepal ein Krankenhaus, eine Schule, unterschiedliche Werkstätten und ökologischen Landbau.

Für den Antrag auf das Urlaubssemester musste Thilo Papenroth die Bescheinigung des Freiwilligendienstes einreichen. Damit wurde das Urlaubssemester von seiner Uni bewilligt. Den Semesterbeitrag musste er trotzdem bezahlen, aber der Betrag für das Semesterticket, das den größten Teil der Gesamtsumme ausmacht, wurde ihm erstattet. Die Bewilligung des Urlaubssemesters musste er anschießend beim BAföG-Amt einreichen, damit die Zahlungen für das halbe Jahr ausgesetzt und nach hinten verlängert werden. Um die Auszeit zu finanzieren, hatte der 21-Jährige neben dem Studium als Fundraiser und in einem Wohnheim für Demenzkranke gejobbt.

Ab ins kalte Wasser!

Ein Porträt-Foto von Thilo Papenroth

Thilo Papenroth

Foto: privat

Im Spätsommer 2015 war es soweit: Seine Freundin und er flogen nach Nepal, um für die nächsten drei Monate bei der Shanti Leprahilfe zu arbeiten. „Die Kranken haben keine aktive Lepra mehr, sind aber von der Gesellschaft ausgeschlossen. Im hinduistischen Glauben gehen die Menschen davon aus, dass die Kranken schlechtes Karma haben und deshalb für ihr Leid selbst verantwortlich sind“, erzählt Thilo Papenroth.

Eine Vorbereitung für den Freiwilligendienst bei Shanti gibt es üblicherweise nicht – Thilo Papenroth und seine Freundin mussten ins kalte Wasser springen und sich selbst Aufgaben suchen. „Am Anfang habe ich mich etwas hilflos gefühlt und dachte, kaum Kompetenzen für diese Art von Entwicklungszusammenarbeit zu haben.“ Seinem Engagement tat das aber keinen Abbruch: Der Medizinstudent organisierte und betreute Ausflüge oder machte mit den Kindern Musik. Er drehte zwei Image-Videos für die Initiative und entwickelte ein Konzept für die Physiotherapie-Abteilung. „Einmal habe ich sogar dabei geholfen, einen fahrradbetriebenen Fahrstuhl zu reparieren“, erinnert er sich schmunzelnd.

Auch aufgrund des Kaltstarts in das selbstgewählte Aufgabenfeld hat die Zeit in Nepal viel bei Thilo Papenroth ausgelöst: „Es war eine sehr erdende Erfahrung, mit so viel Leid konfrontiert zu sein. Und auch wenn das abgedroschen klingt: Ich habe verstanden, wie glücklich ich mich schätzen kann, in Deutschland aufgewachsen zu sein.“

Reisend die Welt ergründen

Die zweite Hälfte des Urlaubssemesters nutzten Thilo Papenroth und seine Freundin fürs Reisen. Zwei Wochen wanderten sie zusammen mit einem Guide in Nepal und umrundeten den mit 8.163 Metern achthöchsten Berg der Erde, den Manaslu.

Kurz nach Weihnachten war das Paar zwei Wochen in Thailand. „Das war ein ziemlicher Kontrast zu Nepal. Die Züge fuhren pünktlich, alles war einfach und übersichtlich. Danach sind wir nach Laos gefahren, um zu wandern, bis wir in Vietnam und Kambodscha für weitere zwei Wochen mit den Eltern meiner Freundin verbracht haben. Da haben wir es uns einfach nur gut gehen lassen.“ Die letzten vier Wochen des Urlaubssemesters verbrachten sie in Myanmar. „Das Reisen war dort etwas mühsamer, trotzdem genossen wir die Zeit sehr.“

Und wie geht es zuhause weiter?

Wieder in Deutschland hat sich Thilo Papenroth an der Uni zurückgemeldet – wie für jedes andere Unisemester auch. Und weil in Münster der Start für das Medizinstudium sowohl zum Sommer- als auch zum Wintersemester möglich ist, werden die Kurse durchgehend angeboten. So konnte er nahtlos an sein vorangehendes Unisemester anschließen.

Einerseits hat der 21-Jährige sofort wieder in den Alltag zurückgefunden; anderseits hat er die Erlebnisse nicht so schnell verarbeiten können und das Zurückkehren auch als frustrierend erlebt: „Bei mir hat sich so viel bewegt und in Münster ist fast alles gefühlt stillgestanden.“

Also veränderte der angehende Mediziner Schritt für Schritt selbst Dinge in seinem Leben: Da ihm sowohl eine Vor- als auch eine Nachbereitung des Freiwilligendienstes gefehlt hatte, engagiert er sich nun in der gemeinnützigen Organisation „Brückenwind“ in Münster und setzt sich dort kritisch mit der Entwicklungszusammenarbeit auseinander. Er kündigte seinen Nebenjob im Heim für Demenzkranke und nahm stattdessen einen Job in einer Klinik im OP-Bereich an. Außerdem macht Thilo Papenroth wieder mehr Musik und kann vor allem das Studium lockerer sehen – ohne sein Ziel, ein guter Arzt zu werden, aus den Augen zu verlieren: „Ich habe tiefer verstanden, dass es nicht nur um Noten geht.“

abi>> 29.10.2018

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