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„Die Zahl studierender Eltern steigt“

Eine junge Mutter hilft ihrer Tochter bei den Hausaufgaben.
Familie, Hochschule, Job, Haushalt, Partnerschaft: Studierende Eltern müssen so einiges unter einen Hut bekommen. Sichere Finanzen und eine verlässliche Kinderbetreuung sind da das A und O.
Foto: Axel Jusseit

Studieren mit Kind

„Die Zahl studierender Eltern steigt“

Studieren mit Kind, wie kann das funktionieren? Marie Touloue von der Servicestelle Familienfreundliches Studium des Deutschen Studentenwerks spricht über Möglichkeiten und Herausforderungen.

abi>> Frau Touloue, wie viele studierende Eltern gibt es in Deutschland? Ist hier eine Entwicklung über die Jahre erkennbar?

Marie Touloue: Laut der 21. Sozialerhebung zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der Studierenden, die das Deutsche Studentenwerk jährlich durchführt, gibt es in Deutschland aktuell 131.000 Studierende mit Kind, ein Anteil von sechs Prozent. Prozentual ist der Anteil der Studierenden mit einem Kind oder mehreren Kindern in den vergangenen Jahren weitestgehend konstant geblieben, absolut nimmt die Zahl dieser Gruppe aber zu – aufgrund der höheren Studierendenzahl hat sie sich seit 2012 insgesamt um etwa 30.000 erhöht. Das zeigt, dass die Vereinbarkeit grundsätzlich gut möglich ist.

abi>> Dennoch bringt das Studieren mit Kind einige Herausforderungen mit sich …

Ein Porträtbild von Marie Toloue

Marie Toloue

Foto: privat

Marie Touloue: Definitiv. Studierende mit Kind müssen Familie, Hochschule, Erwerbstätigkeit und Haushalt unter einen Hut bekommen. Auch die Partnerschaft, soziale Kontakte zu Kommilitonen, anderen Eltern und der Kita, Freunden und der eigenen Herkunftsfamilie wollen gepflegt werden. Hinzu kommt, dass der Großteil der studierenden Eltern sehr junge Kinder mit besonderem Betreuungs- und Familienzeitbedarf hat: 46 Prozent von ihnen haben Kinder unter drei Jahren, weitere 16 Prozent zwischen drei und sechs Jahren. Es wundert deshalb nicht, dass zehn Prozent der Studierenden mit Kind faktisch ein Teilzeitstudium betreiben – das heißt, sie sind in einem Vollzeitstudium eingeschrieben, studieren aber mit geringeren Zeitkapazitäten. Eine Förderung nach dem BAföG ist bei einem offiziellen Teilzeitstudium übrigens ausgeschlossen.

abi>> Welche Geldquellen bestehen neben BAföG?

Marie Touloue: Finanzierungsquellen sind unter anderem die eigenen Eltern, Stipendien und Kredite. Außerdem gibt es familienpolitische Leistungen wie Kindergeld, SGB-II-Leistungen für die Studierenden oder ihre Kinder, Unterhaltsleistungen, Stiftungsmittel oder auch Wohngeld.

abi>> Welche organisatorischen Schwierigkeiten können auf studierende Eltern zukommen?

Marie Touloue: Beispielsweise sind Lehrangebote in den Abendstunden und am Wochenende für sie stets eine Herausforderung, weil es für diese Zeiten keine reguläre Kinderbetreuungsangebote gibt und viele diese Zeit ohnehin mit den Kindern verbringen möchten. Auch Präsenzpflichten lassen sich mit Kinderkrankheiten schwer vereinbaren. Und Pflicht-Blockseminare mit Reiseaufwand sind ebenfalls schwer umsetzbar. Alle diese Herausforderungen verstärken sich noch einmal bei den zehn Prozent der studierenden Eltern, die alleinerziehend sind.

abi>> Mit welchen Maßnahmen können Studierende mit Kind ihren Studien- und Familienalltag gut organisieren?

Marie Touloue: Eine verlässliche und adäquate Kinderbetreuung ist eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg im Studium, vor allem für die Alleinerziehenden. Zudem können studierende Eltern oft nicht auf ein familiäres Netzwerk zurückgreifen, weil sie an einem anderen Ort studieren oder weil die eigenen Eltern selbst noch berufstätig sind. Darum bauen die Studentenwerke ihre Kinderbetreuungsangebote seit Jahren intensiv aus. Entstanden ist ein vielfältiges Angebot: Aus unserer Statistik „Studentenwerke im Zahlenspiegel von 2016/17“ geht hervor, dass mittlerweile bundesweit 220 Kindertageseinrichtungen mit mehr als 8.800 Plätzen angeboten werden. Für die Altersgruppe bis drei Jahre standen fast 4.700 Plätze zur Verfügung, für die Drei- bis Sechsjährigen wurden mehr als 3.300 Plätze angeboten. Der größte Bedarf besteht aktuell an Plätzen für unter Dreijährige.

abi>> Und wenn ihnen trotzdem einmal alles über den Kopf wächst: Wo finden studierende Eltern Beratung und Hilfe?

Marie Touloue: In der Psychologischen Beratung der Studentenwerke erhalten sie jederzeit Unterstützung, um ihr Studium zu meistern. Auch die Sozialberatungen beraten bei Fragen zu Sozialleistungen, Studienfinanzierung oder rechtlichen Regelungen wie der Krankenversicherung.

Mehr Informationen

arbeitsagentur.de – Familie und Beruf vereinbaren

Auf ihrer Internetseite informiert die Bundesagentur für Arbeit unter anderem über Themen wie Kindergeld oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

www.arbeitsagentur.de/familie-beruf-vereinbaren

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen, auch nach Teilzeitstudiengängen.

www.studienwahl.de

BAföG

Informationen über die Bewerbung und die Konditionen der Förderung

www.bafög.de

Deutsches Studentenwerk

Bietet über die Servicestellte Familienfreundliches Studium Informationen und Unterstützung für studierende Eltern

www.studentenwerke.de/de/content/sfs

21. Sozialerhebung (2016)

Zahlen und Fakten zum Thema „Studieren mit Kind“ liefert die 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks.

www.sozialerhebung.de

„Studentenwerke im Zahlenspiegel von 2016/17“

Erhebung des Deutschen Studentenwerks über Angebot der Studentenwerke in Deutschland, etwa Unterstützung für studierende Eltern (PDF-Format)

www.studentenwerke.de/sites/default/
files/dsw_zahlenspiegel_2016_2017_internet.pdf

Verband Alleinerziehender Mütter und Väter

In Niederlassungen in ganz Deutschland berät der Verband zu Fragen wie Existenzsicherung und Kinderbetreuung.

www.vamv.de

Deutscher Familienverband

Engagiert sich seit 90 Jahren für die Belange der Familien in Deutschland auf lokaler, regionaler und bundesweiter Ebene

www.deutscher-familienverband.de

abi>> 07.03.2018