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Assistenten fürs Studium

Eine Person liest mit einer Braille-Zeile an einem Computer.
Ob Fachliteratur, Prüfungsordnungen oder Skripte: Im Studium muss man jede Menge lesen. Blinde oder sehbehinderte Studierende sind daher auf Hilfsmittel wie Braille-Zeilen am Computer oder die Unterstützung durch Assistenten angewiesen.
Foto: Martin Rehm

Studieren mit Sehbehinderung

Assistenten fürs Studium

Lisa Schmidt ist blind und absolviert das Lehramtsstudium in den Fächern Deutsch und Englisch an der Philipps-Universität Marburg. Die 25-Jährige kommt dank guter Organisation, Unterstützung und Ehrgeiz ihrem Wunsch immer näher, später an Gymnasien zu unterrichten.

„Erst wollte ich Radiomoderatorin werden. Aber im Studio funktioniert viel über einen Touchscreen, den ich nicht bedienen kann. Also habe ich mich fürs Lehramt entschieden, weil ich gerne mein Wissen weitergebe“, erzählt Lisa Schmidt. Sie studiert mittlerweile im siebten Semester an der Philipps-Universität Marburg und ist gerade von einem Auslandssemester in Irland zurückgekehrt.

Für Marburg hat sie sich entschieden, weil sie hier schon zur Schule gegangen ist. Außerdem unterstützt die Philipps-Universität schon seit Jahren Studierende mit Behinderung, was vieles für Lisa Schmidt und ihre Kommilitonen mit Einschränkungen einfacher macht. „In der Uni-Bibliothek gibt es zum Beispiel Leitstreifen und Computer für Blinde, auf denen Zeichen in Brailleschrift dargestellt werden, die wir mit den Fingern lesen können“, erklärt Lisa Schmidt. Dozenten stellen ihre PowerPoint-Folien auf eine Lernplattform, von der die Studierenden sie nach der Vorlesung herunterladen können. „In manchen Kursen bitte ich darum, dass die Folien vorher zur Verfügung stehen, damit ich mich vorbereiten kann“, sagt sie. Kann sie eine Folie mal nicht lesen, etwa weil sie als Bild statt als PDF abgespeichert wurde, spricht die Studentin mit den Dozenten und erklärt ihnen das Problem. „Die allermeisten sind einsichtig. Ohnehin finde ich es wichtig, dass man immer sagt, wo man Hilfe braucht“, lautet ihr Tipp.

Hilfe bei Literaturrecherche und Co.

Ein Porträtbild von Lisa Schmidt

Lisa Schmidt

Foto: privat

Unterstützung bekommt die 25-Jährige auch von mehreren Assistenten, die sie liebevoll „meine Elfen“ nennt. Mehrere Studentinnen suchen für sie in der Bibliothek Studienliteratur und scannen diese ein, damit Lisa Schmidt sie sich mit einem Screenreader am Computer vorlesen lassen kann. Die Assistenten helfen ihr bei der Vorbereitung von Präsentationen für Referate oder bei der Formatierung von Hausarbeiten.

Bezahlt werden sie vom Sozialamt. „Mit einem Schreiben der Servicestelle für Studierende mit Behinderung, das besagte, wie viele Stunden in der Woche ich Hilfe benötige, habe ich einen Antrag auf Eingliederungshilfe gestellt. Derzeit arbeiten drei Assistentinnen für mich – zum Examen werde ich sicherlich mehr brauchen, denn es hat ja nicht immer jede für mich Zeit.“ Ihre „Elfen“ findet Lisa Schmidt vor allem auf Facebook, wo sie die Nebenjobs postet.

Vieles braucht schlicht mehr Zeit

In den Vorlesungen macht sich die 25-Jährige mit dem Laptop viele Notizen. „Daher ist es wichtig, dass ich immer einen Platz mit Tisch bekomme, um meinen Laptop nutzen zu können. Bei vollen Vorlesungen bin ich daher gern frühzeitig im Hörsaal.“ Auch für Referate muss sie mehr Vorbereitungszeit einplanen als ihre Kommilitonen: „Ich muss Texte komplett lesen und kann sie nicht einfach überfliegen und mit einem Textmarker bearbeiten.“

Für Klausuren bekommt sie mehr Bearbeitungszeit, weil sie ihre Antworten mit dem Computer schreibt statt per Hand. Diesen Nachteilsausgleich hat sie beim Prüfungsamt beantragt. Schwierig wurde es bei einer Linguistik-Klausur, in der es um das Schreiben von Lautschrift ging, was Lisa Schmidt ohne Sehvermögen nicht kann. „Ich habe dann mit dem Dozenten vereinbart, dass ich statt in Lautschrift zusätzlich in anderen Bereichen geprüft werde.“

Gutes Netzwerk und Durchhaltevermögen

Derzeit macht die angehende Lehrerin ein Praktikum an einem Gymnasium und freut sich, dass sie von Schülern und Lehrerkollegen gut aufgenommen wird. „Das Unterrichten ist für mich eine Herausforderung, aber das war das Studium am Anfang auch – wie wahrscheinlich für alle Erstsemester. Wenn man sich ein gutes Netzwerk aufbaut und sich nicht unterkriegen lässt, ist aber auch mit Behinderung ein Studium gut zu schaffen“, ist sie überzeugt.

abi>> 21.12.2018

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