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Studium mit zwei Kindern? Eine Frage der Organisation

Ein junger Mann tröstet ein Kind und umarmt es.
Angebote wie Familienwohnungen im Wohnheim erleichtern studierenden Eltern den Alltag.
Foto: Meramo Studios

Studierendenfamilie im Wohnheim

Studium mit zwei Kindern? Eine Frage der Organisation

Während des Studiums Kinder bekommen? Christina Mpaltatzis (25) und Tobias Maurer (27) haben es gewagt. Gemeinsam mit ihren beiden Söhnen wohnen sie in einer Familienwohnung des Studierendenwerks Tübingen-Hohenheim – und haben die Entscheidung für die frühe Elternschaft nie bereut.

Christina Mpaltatzis und Tobias Maurer wollten früh Eltern werden. Die beiden gebürtigen Düsseldorfer sind schon seit der Schulzeit ein Paar und kamen 2013 gemeinsam zum Studium nach Tübingen: Sie schrieb sich für Geographie und Biologie auf Lehramt ein, er für Economics and Business Administration. Schon bald haben sie sich ihren Wunsch erfüllt: Ihre beiden Söhne Milan und Levin sind mittlerweile drei und eineinhalb Jahre alt.

Gemeinsam leben die vier in einer Familienwohnung des Studierendenwerks Tübingen-Hohenheim. „Als Milan ein halbes Jahr alt war, erfuhren wir bei einem Treffen mit anderen studierenden Eltern von diesem Angebot. Wir haben uns sofort dafür beworben“, erinnert sich das Paar. Sie hatten Glück und ergatterten eine der beliebten Familienwohnungen. Die 80 Quadratmeter kosten sie 700 Euro warm im Monat: „Das sind 30 bis 40 Prozent weniger als wir auf dem privaten Wohnungsmarkt zahlen müssten“, betont Tobias Maurer.

Aber nicht nur aus diesem Grund war der Umzug eine gute Entscheidung: „Besonders schön ist, dass es im Haus noch viele andere studentische Familien mit Kindern gibt, die mittlerweile unsere Freunde geworden sind. Im Sommer sitzen wir häufig im Garten zusammen, im Winter treffen wir uns – Babyphone sei Dank – regelmäßig in unseren Wohnzimmern, wenn die Kinder schon schlafen. So haben wir zusätzlich zur Wohnung auch noch ein tolles soziales Umfeld bekommen.“

Mit Kind in die Vorlesung

Ein bBld von Tobias Maurer und Christina Mpaltatzis mit ihren Söhnen Milan und Levin.

Tobias Maurer und Christina Mpaltatzis mit ihren Söhnen Milan (links) und Levin.

Foto: privat

Auch außerhalb des Wohnheims erfahren die 25-Jährige und der 27-Jährige meistens Zuspruch. Zum Beispiel als Christina Mpaltatzis den schlafenden Milan in den ersten Monaten nach seiner Geburt in der Trage mit in eine Veranstaltung nahm. „Es gab allerdings auch negative Stimmen, auch von Seiten der Dozenten“, erinnert sie sich. „Aber daran darf man sich nicht stören. Insgesamt hatte kaum jemand ein Problem, wenn unser Sohn mit in eine Vorlesung kam.“

Mittlerweile gehen Milan und Levin von morgens bis nachmittags um 16 Uhr in eine städtische Kita, die nicht weit entfernt vom Wohnheim liegt. In dieser Zeit besuchen die studierenden Eltern Seminare und Vorlesungen an der Hochschule. „Die Pflichtveranstaltungen liegen alle am Vormittag, sodass wir sie problemlos belegen können. Auf das eine oder andere spannende Angebot müssen wir leider verzichten, wenn es abends stattfindet und wir die Kinder nicht alleine lassen können“, erklärt Tobias Maurer.

Vier Urlaubssemester hat Christina Mpaltatzis wegen der Geburten ihrer Söhne eingelegt. In dieser Zeit bekam sie jeweils ein monatliches Elterngeld in Höhe von 300 Euro. Im Moment bestehen ihre Einkünfte aus dem Kindergeld für die beiden Jungs, zudem zahlen ihre und seine Eltern jeweils Unterhalt in Höhe des BAföG-Satzes. „Zusätzlich bekommen wir Wohngeld und einen Zuschlag zum Kindergeld“, erklärt die junge Mutter. Knapp wird das Geld trotzdem manchmal, denn Zeit für einen Nebenjob bleibt den beiden nicht. „In einer Notsituation könnten wir uns aber immer an unsere Eltern wenden, die uns finanziell unter die Arme greifen würden“, sagt sie.

Flexibler als Berufstätige

Ganz so einfach, wie sie sich die Kombination aus Studium und Kindern vorgestellt hatten, ist es manchmal also doch nicht, gibt Christina Mpaltatzis offen zu. Dennoch: „Bereut haben wir unsere Entscheidung nicht für eine Sekunde. Unser Ziel war es immer, gemeinsam mit unseren Kindern groß zu werden und möglichst viel mit ihnen machen zu können.“ So nahmen die beiden Milan in der Anfangszeit häufig mit zu WG-Partys und wenn beide mal einen veranstaltungsfreien Nachmittag haben, holen sie die Kinder früher aus der Kita ab, um gemeinsam etwas zu unternehmen. „Diese Freiheit und Flexibilität, sich seinen Tag weitgehend selbst einteilen zu können, hat ein Studierender eher als ein Berufstätiger“, findet die 25-Jährige.

Und auch für sich selbst haben die jungen Eltern jetzt, wo die Kinder etwas größer sind, wieder mehr Zeit. „Ich gehe auch ab und zu mit Freunden feiern“, sagt Christina Mpaltatzis, „dann passt Tobi auf die Jungs auf – und umgekehrt. Wichtig ist eine gute Planung, dann ist alles machbar.“ Angst, etwas zu verpassen, hatten die beiden jedenfalls nie. „Bevor Milan auf die Welt kam, haben wir gespürt: jetzt ist der richtige Zeitpunkt. Klar, das Leben hat sich verändert – aber definitiv zum Guten.“

abi>> 07.03.2018