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Weniger Stress dank guter Planung

Orangener Wecker zeigt die Uhrzeit zwölf Uhr neun.
Ein Wecker kann helfen, sich beim Lernen klare Zeitspannen zu setzen.
Foto: Julien Fertl

Zeitmanagement im Studium

Weniger Stress dank guter Planung

Vorlesungen und Seminare vor- und nachbereiten, für Klausuren pauken, Hausarbeiten schreiben – außerdem Zeit für Nebenjobs, Freunde und Praktika. Wer all dies koordinieren will, braucht ein gutes Zeitmanagement.

Dass der Übergang von der Schule zur Uni nicht leicht werden würde, ahnte Lisa Köllner (20) schon vor Studienbeginn. Bevor sie sich im Wintersemester vergangenen Jahres für Rechtswissenschaft an der Universität Bielefeld einschrieb, absolvierte sie zwei Praktika im juristischen Bereich und informierte sich bei Hochschulveranstaltungen über den Studiengang und dessen Anforderungen. „Trotzdem fühlte ich mich in den ersten Wochen meines Studiums überwältigt von dem, was auf mich einströmte“, erinnert sie sich. „Das eigenverantwortliche Lernen war für mich zuerst befremdlich.“ Lisa Köllner nahm daher am Programm „Richtig einsteigen“ der Uni Bielefeld teil, in dem Studierende beispielsweise an wissenschaftliche Arbeitsweisen herangeführt werden. Außerdem helfen Studienfachberater dabei, das Studium sinnvoll zu planen. „Das Programm ist freiwillig, aber ich würde jedem empfehlen, daran teilzunehmen“, sagt Lisa Köllner. Die Mitlernzentrale, die von Studierenden der Uni Bielefeld organisiert wird, gebe ebenfalls Tipps für eine gute Zeiteinteilung.

Ablenkung vermeiden

Ein Porträt-Foto von Lisa Köllner

Lisa Köllner

Foto: privat

Mit dem Wissen aus dem Programm kann Lisa Köllner ihren Studienalltag besser strukturieren. „Abends gehe ich neue Inhalte nochmal durch und überprüfe, ob ich alles verstanden habe. Vorlesungsbegleitend fasse ich auf Karteikarten wichtige Punkte zusammen, damit ich den Stoff später gut wiederholen kann.“ Zum Lernen geht sie in die Bibliothek oder arbeitet zuhause. „Oft stelle ich mir dann den Wecker und versuche, mich in dieser Zeit voll und ganz auf den Lernstoff zu konzentrieren.“ Außerdem vermeidet sie Ablenkung, indem sie zum Beispiel ihr Smartphone außer Reichweite legt. Ebenfalls hilfreich sei es, sich mit Kommilitonen auszutauschen: „Wenn ich das Gelernte nochmal erkläre, bleibt das Wissen besser hängen, und ich merke, ob es noch Unklarheiten gibt.“

Selbstorganisation als Hürde

Nicht alle Studierenden entwickeln so schnell ein effizientes Lernsystem wie Lisa Köllner: Aus einer aktuellen Studie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) geht hervor, dass viele Studierende gerade in der Anfangszeit Probleme haben, sich gut auf Prüfungen vorzubereiten und ihr Studium im Voraus zu planen. Das bestätigt auch Wilfried Schumann, Leiter des gemeinsamen Psychologischen Beratungsservices von Universität und Studentenwerk Oldenburg. „In der Schule wird jeder viel intensiver begleitet; an der Hochschule müssen Studierende in der Lage sein, sich selbst zu organisieren.“

Studentenwerke bieten Hilfe

Die Studentenwerke bieten Beratung bei Schwierigkeiten in Sachen Selbstmanagement. „Meine Kollegen und ich haben täglich mit Studierenden zu tun, die uns von Stresssymptomen und einem Gefühl der Überforderung berichten – in Einzelberatungen erörtern wir die persönlichen Probleme und suchen individuell nach Wegen, damit umzugehen“, erläutert Wilfried Schumann.

Insgesamt ließen sich im Jahr 2014 fast 30.000 Studierende beraten, wie das Deutsche Studentenwerk berichtet; im Jahr zuvor waren es noch 27.000. Zu den häufigsten Themen gehörten Lern- und Arbeitsstörungen, Leistungsprobleme, Arbeitsorganisation, Zeitmanagement und Prüfungsangst.

Mittlerweile bieten viele Studentenwerke und Hochschulen Workshops und Seminare an, in denen die Teilnehmer Methoden für ein besseres Zeitmanagement sowie hilfreiche Konzentrationstechniken kennenlernen (siehe auch die Studienreportage Mehr Zeit für ehrenamtliches Engagement"). So wird auch gezeigt, wie man richtig regeneriert: „Viele Studierende berücksichtigen nicht, dass sie auch Pausen einlegen müssen: Gehen sie Freizeitbeschäftigungen nach, empfinden sie oft ein schlechtes Gewissen.“ In Workshops für Langzeitstudierende werden hingegen typische Hindernisse analysiert und Anregungen gegeben, damit der Studienabschluss doch noch gelingt.

Gründe für die Überforderung

Überforderungserscheinungen im Studium können verschiedene Ursachen haben, weiß Hans-Werner Rückert, Leiter der Psychologischen Beratungsstelle der Freien Universität Berlin. „Viele Studierende haben idealisierte Vorstellungen und wollen am liebsten einen 1,0-Abschluss, zwei Auslandsaufenthalte und ein paar Praktika in ihrem Lebenslauf – ein solches Szenario kann nur Stress verursachen.“ Laut Hans-Werner Rückert nehmen viele Studierende ihr Leben als Projekt wahr und setzen sich auch in ihrer Freizeit unter Druck: „Ihre freie Zeit sehen sie nicht als Erholung, sondern nehmen beispielsweise ihr Sportprogramm ebenfalls als Verpflichtung wahr.“ Darüber hinaus sei auch die Umstellung auf das Bachelor- und Mastersystem mit höherem Stundenpensum und verkürzter Regelstudienzeit bis zum ersten berufsqualifizierenden Abschluss mitverantwortlich für den steigenden Beratungsbedarf.

Gute Work-Life-Balance

Um dem Leistungsdruck standzuhalten, empfiehlt Hans-Werner Rückert Betroffenen, ihre Work-Life-Balance genauer unter die Lupe zu nehmen: „Das ist besonders wichtig bei Aufschiebern, die es nicht schaffen, Aufgaben in einer bestimmten Zeit zu erledigen. Sie denken sich: ‚Der Tag hat ja 24 Stunden, also kann ich mich auch später noch an die Arbeit setzen‘.“ Diese Menschen müssten laut Experten erst wieder eine Struktur etablieren, indem sie Arbeitszeiten als solche sehen und diese strikt von ihrer Freizeit trennen. Wer dazu tendiert, sich zu viel vorzunehmen, könnte sich laut Hans-Werner Rückert überlegen, ob es wirklich notwendig ist, die Regelstudienzeit einzuhalten. Weitere Tipps zum Thema Zeitmanagement gibt Expertin Cordula Nussbaum im Interview.

Weitere Informationen

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen und nach deinen Wünschen filtern.
www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studien- und Promotionsmöglichkeiten sowie internationale Kooperationen
www.hochschulkompass.de

Deutsches Studentenwerk (DSW)

Die bundesweit 58 Studentenwerke kümmern sich um die soziale, wirtschaftliche, kulturelle und gesundheitliche Förderung.
www.studentenwerke.de

Deutsches Studentenwerk, Ansprechpartnersuche

Hier kannst du nach einem Psychologischen Berater des DSW an deinem Hochschulort suchen.
http://www.studentenwerke.de/de/ansprechpersonen-psb

Buchtipps

Organisieren Sie noch oder leben Sie schon? Zeitmanagement für kreative Chaoten

Cordula Nussbaum
Campus Verlag, 19,99 Euro

Noch mehr Zeit für das Wesentliche. Zeitmanagement neu entdecken

Lothar Seiwert
Goldmann Taschenbuch, 9,99 Euro

Zeitmanagement (Haufe TaschenGuide)

Jörg Knoblauch, Holger Wöltje, Markus B. Hausner, Martin Kimmich, Siegfried Lachmann
Haufe Lexware Verlag, 9,99 Euro

abi>> 15.07.2016