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Über den eigenen Schatten springen

Schild mit der Aufschrift "Traumberuf" an einen Baum genagelt.
Ein freiwilliges Praktikum kann den Einstieg in die Berufswelt erleichtern.
Foto: Martin Rehm

Praktikum im Studium

Über den eigenen Schatten springen

Seit zwei Jahren arbeitet Jessica Kühnle (29) in der Presseabteilung der Deutschen Welthungerhilfe in Bonn. Schon während ihres Studiums der Asienwissenschaften an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn war sie als studentische Aushilfe für die Hilfsorganisation tätig. Ein freiwilliges Praktikum am Ende ihres Bachelorstudiums erleichterte ihr nun den beruflichen Einstieg.

„Neben meinem Studium arbeitete ich in der Personalabteilung der Welthungerhilfe. Eine Kollegin dort wusste, dass ich mich für Myanmar interessiere, und schlug vor, ein Praktikum bei dem gemeinnützigen Verein ‚Nila‘ zu absolvieren. Dieser unterstützt unter anderem Waisenhäuser in dem südostasiatischen Land“, schildert die 29-Jährige. Für sie war das eine reizvolle Chance: „Ohnehin wollte ich für meine Bachelorarbeit dokumentieren, wie sich das dortige Bildungssystem nach dem Ende der Militärdiktatur entwickelt hat. So konnte ich mir gleich vor Ort ein Bild machen“, sagt sie.

Da der Verein Nila noch nicht lange existiert, war die Asienwissenschaftlerin eine der ersten Praktikantinnen. „Deshalb war das Praktikum nicht bis ins Detail durchorganisiert – vieles habe ich selbst geplant“, berichtet Jessica Kühnle. So habe sie auch gelernt, sich in einem fremden Land zurechtzufinden.

Organisieren und unterrichten

Ein Porträt-Foto von Jessica Kühnle

Jessica Kühnle

Foto: privat

In den zwei Monaten ihres Praktikums arbeitete die junge Frau in mehreren Waisenhäusern und daran angegliederten Schulen. „Zuerst sollte ich prüfen, wie die Spendengelder verwendet werden. Die Schule, in der ich am Anfang gearbeitet habe, wünschte sich neues Sportzubehör wie Badmintonschläger. Also habe ich mit den Mitteln des Vereins dafür gesorgt, dass sie diese Sachen bekommen“, erläutert Jessica Kühnle.

Außerdem nahm sie an Teambesprechungen teil, betreute die Kinder und Jugendlichen der Waisenhäuser und erteilte ihnen Englischunterricht. „Der Englischlehrer überließ mir, wie ich den Unterricht gestalte. Also ging ich am Anfang ein Übungsheft mit den Schülern durch – das war für mich eine besonders schöne Erfahrung, weil der Klassenraum am nächsten Tag doppelt so voll war.“ Die meisten Schüler waren nämlich Frontalunterricht gewohnt und dankbar, dass sie sich aktiver beteiligen durften, erinnert sich Jessica Kühnle. Für ihre Bachelorarbeit konnte die damalige Studentin ebenfalls recherchieren: „Ich hatte Fragebögen für die Schüler erstellt, um Daten zu erheben.“

Orientierung und persönliche Entwicklung

Ihr Praktikum habe ihr bestätigt, dass sie auch nach ihrem Uni-Abschluss in der Entwicklungszusammenarbeit tätig sein möchte. „Mir ist klar geworden, dass ich mit den Herausforderungen, die fremde Länder und Kulturen mit sich bringen, und dem extremen Leid, das man dort sieht, umgehen kann“, sagt die 29-Jährige. „Persönlich habe ich mich sehr weiterentwickelt und gelernt, mich zu verständigen und über meinen eigenen Schatten zu springen.“

Da das Praktikum nicht vergütet wurde, musste Jessica Kühnle ihren Aufenthalt aus eigener Tasche bezahlen: „Die Möglichkeit für das Praktikum hat sich kurzfristig ergeben, deshalb blieb keine Zeit, eine Förderung zu beantragen.“ Trotzdem ist sie froh, diese Entscheidung getroffen zu haben: „Ich erzähle immer wieder von dieser Zeit, weil die Arbeit mich nachhaltig beeindruckt hat und ich mich neu entdecken konnte – ich würde daher jedem Studierenden ein Praktikum im eigenen Fachgebiet empfehlen.“

Vorteile für den Berufseinstieg

Als die Welthungerhilfe eine Stelle in der Presseabteilung ausschrieb, bewarb sie sich sofort. „Ich hatte zwar keine Erfahrung in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, aber durch meinen Aushilfsjob kannten die Kollegen mich bereits.“ Weitere Vorteile waren ihr Studium und ihr absolviertes Praktikum in Myanmar.

Nun steht sie im Berufsleben und konnte ihre Erfahrungen bereits ideal einsetzen: „Die Welthungerhilfe organisiert mehrmals im Jahr Journalistenreisen in einzelne Projektländer. Als wir eine solche nach Myanmar umsetzten, durfte ich eine Journalistin begleiten, weil ich umfangreiches Hintergrundwissen über das Land, die Menschen und die Kultur besitze“, schildert Jessica Kühnle und fügt an: „Es ist ein tolles Gefühl, den Menschen, die sonst nicht gehört werden, eine Stimme zu geben.“

 

abi>> 06.02.2017