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Bereicherung für Praktikant und Betrieb

Azubi unterhält sich mit Ausbilder.
Personalverantwortliche haben konkrete Erwartungen an Praktikanten im eigenen Unternehmen.
Foto: Martin Rehm

Praktikum im Studium: Personalerstatements

Bereicherung für Praktikant und Betrieb

Praktika können Studierenden einen Einblick in die Berufswelt geben und sich als prägende und lehrreiche Erfahrung erweisen. Doch welche Bedeutung haben Praktika für Arbeitgeber? Und welche Anforderungen müssen Bewerber aus ihrer Sicht erfüllen? Drei Personalverantwortliche aus den Branchen Automobil, Gesundheit und Medien berichten.

Christiane Matalla, Personalreferentin bei der Ford-Werke GmbH in Köln:

Ein Porträt-Foto von Christiane Mafalla

Christiane Matalla

Foto: Mustafa Ergün

„Praktika und Abschlussarbeiten haben für unseren Konzern einen hohen Stellenwert für die Gewinnung neuer Fachkräfte: Wer im Unternehmen einen positiven Eindruck hinterlässt, ist im Auswahlverfahren für Hochschulabsolventen im Vorteil“, betont Christiane Matalla. Umgekehrt betrachtet erhielten die Studierenden einen authentischen Einblick in den Arbeitsalltag und hätten eine solide Entscheidungsgrundlage für ihren Berufseinstieg beim Autokonzern. Von Praktikanten erwartet der Konzern überdurchschnittliche Studienleistungen und sehr gute Deutsch- und Englischkenntnisse. „Als Unternehmen, das in hohem Maße durch die Arbeit in globalen Teams geprägt ist, sind weiterhin Offenheit für kulturelle Vielfalt, kommunikative Kompetenzen sowie Teamfähigkeit sehr wichtig“, erklärt Christiane Matalla.

Bei Bewerbungen achtet die Personalreferentin darauf, dass die eingereichten Unterlagen vollständig sind: „Daran ist die Ernsthaftigkeit der Bewerbung zu erkennen; Anschreiben und Lebenslauf sollten deutlich auf die jeweilige Ausschreibung Bezug nehmen.“ Die Höhe der Vergütung der drei- bis sechsmonatigen Praktika sei abhängig vom Studienfortschritt. Wohnt der Praktikant mehr als 200 Kilometer vom Unternehmensstandort entfernt, zahle der Konzern einen Wohngeldzuschuss.

Kristin Hamaguchi, Personalreferentin des Städtischen Klinikums Karlsruhe:

„Wir nehmen normalerweise nur Bewerber an, wenn ein Praktikum im Studienplan vorgesehen ist – gehen solche Bewerbungen ein, prüfen wir, ob die entsprechenden Fachkliniken Kapazitäten für einen Praktikanten haben“, erläutert Kristin Hamaguchi, Personalreferentin des Städtischen Klinikums Karlsruhe. „Wenn Studierende gerne ein Praktikum bei uns absolvieren möchten, legen wir Wert darauf, dass sie sich persönlich bei uns vorstellen – im Gespräch versuchen wir herauszufinden, wie viel Fachwissen der Bewerber besitzt und ob er zu uns passt.“

Die Arbeitszeiten der Praktikanten seien betriebsbedingt vorgegeben, deshalb seien auch Früh- oder Spätschichten möglich, sagt die Personalreferentin. Vergütet werde ein Praktikum, sobald es länger als drei Monate dauert. „Da Praktika in den meisten unserer Kliniken mit einem nicht unerheblichen Aufwand verbunden sind, dauern sie in der Regel sechs bis acht Wochen“, berichtet Kristin Hamaguchi. „Das Klinikum ist überdies akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Freiburg. Deshalb bieten wir Medizinstudierenden zusätzlich die Möglichkeit zur Famulatur (ein vorgeschriebenes Praktikum für angehende Ärzte und Apotheker) in den einzelnen Fachkliniken und Instituten.“ Die Rahmenbedingungen der Praktikumsplätze richten sich nach gesetzlichen und gegebenenfalls tariflichen Regelungen, sagt die Personalreferentin.

Gerald Mechnich, Referatsleiter Ausbildung beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) Hamburg:

Ein Porträt-Foto von Gerald Mechnich

Gerald Mechnich

Foto: privat

„Beim NDR Hamburg setzen wir auf Initiativbewerbungen“, schildert Gerald Mechnich, Leiter des Referats Ausbildung bei dem Rundfunksender. Studierende sollten sich deshalb bei den für sie interessanten Abteilungen des NDR erkundigen, ob ein Praktikum in dem gewünschten Zeitraum möglich ist. „Wenn ja, laden wir die Studierenden nach Bewerbungseingang zu einem Vorgespräch ein.“ Beim NDR sind sowohl Pflichtpraktika als auch freiwillige Praktika möglich – beispielsweise im Ingenieursbereich, in der Produktion oder in den Redaktionen. Praktikanten sollten selbstständig und gut im Team arbeiten können.

„Die Pflichtpraktika dauern in der Regel drei bis sechs Monate – angesichts eines solch langen Zeitraums nehmen wir nicht viele Pflichtpraktikanten, da sie sonst nicht ausreichend betreut werden können.“ Für ein solches müsse ein Beleg der Hochschule eingereicht werden, aus dem hervorgeht, dass das Praktikum vorgeschrieben ist. Die freiwilligen Praktika dagegen dauern sechs Wochen, höchstens drei Monate.

„Wir hoffen, dass die Praktikanten nach ihrem Abschluss den NDR als zukünftigen Arbeitgeber in Betracht ziehen. Ohnehin profitieren beide Seiten: Die Studierenden haben die Möglichkeit einen realen Betrieb kennenzulernen, während sie auch eine Leistung für uns erbringen und ihre Fachkenntnisse einsetzen. Außerdem erfahren wir auf diese Weise, was derzeit an den Hochschulen passiert“, sagt Gerald Mechnich und ergänzt: „Wir geben den Praktikanten auch die Möglichkeit, ihre Masterarbeit bei uns schreiben.“ Der Referatsleiter fügt zudem an: „Die Studierenden erhalten einen Standardvertrag, aber leider können wir die Praktika nicht vergüten.“ Für die Dauer des Praktikums sind sie über die Verwaltungsberufsgenossenschaft gegen Unfälle auf dem Betriebsgelände versichert. Eine Krankenversicherung müssen die Studierenden selbst abschließen.

abi>> 06.02.2017