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Auf der sicheren Seite

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Foto: WillmyCC

Praktikum — mehr als eine Pflicht

Auf der sicheren Seite

Woran kann man ein seriöses Praktikum erkennen? Wie genau sollten die Tätigkeiten im Vertrag vereinbart sein und wie lange sollte es dauern und wie kann ich es finanzieren? abi>> hat recherchiert.

„Kennzeichen eines seriösen Praktikums ist dessen Dauer. Freiwillige Praktika sollten nicht länger als drei Monate dauern“, sagt Jessica Heyser, Referentin bei

Das Foto zeigt ein Porträt von Jessica Heyser. Sie hat braune lange Haare und trägt einen weißen Schal.

Jessica Heyser

Foto: Privat

der DGB-Jugend, der Jugendabteilung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Denn je länger die Praxiserfahrung, desto eher besteht die Gefahr, dass das Lernen in den Hintergrund tritt und Routineaufgaben im Unternehmen übernommen werden. „Eine ausführliche Praktikumsausschreibung kann im positiven Fall bedeuten, dass Praktikanten viele verschiedene Tätigkeiten kennenlernen können, im negativen Fall, dass sie letztlich reguläre Tätigkeiten übernehmen sollen“, gibt Jessica Heyser zu bedenken. Auch ein fester Ansprechpartner sei wichtig. „Ob tatsächlich jemand da ist, um Praktikanten zu betreuen, kann man im Vorstellungsgespräch abklären.“

Berufsberaterin Stefanie Langen von der Agentur für Arbeit in München ergänzt, dass es in bestimmten Branchen durchaus sinnvoll sein kann, auch ein halbjähriges Praktikum anzutreten. „Wer etwa in der Medien- und Verlagsbranche eine Stelle finden will, der hat in der Regel keine Wahl, weil kürzere Praktika gar nicht angeboten werden“, erzählt die Beraterin aus der Berufspraxis. Bachelorstudierende, die das halbe Jahr nicht mit dem Studienplan vereinbaren können, rät sie sogar dazu, ein Urlaubssemester zu nehmen.

Generell gilt: Wenn möglich, sollte mit dem Praktikumsgeber ein schriftlicher Vertrag vereinbart werden. Wie ausführlich darin formuliert ist, welche beruflichen Erfahrungen und Kenntnisse vermittelt werden sollen, hängt von der Art des Praktikums sowie der Größe des Unternehmens ab. „In einem großen Unternehmen mit vielen Abteilungen kann es sinnvoll sein, dies auszuformulieren“, rät Kristina Huke, Referentin für Arbeitsrecht bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). „Bei Pflichtpraktika ist in den Studienordnungen bereits vorgeschrieben, welche Inhalte abgedeckt werden müssen. Bei freiwilligen Praktika trägt die vorherige Festlegung der Einsatzbereiche und der zu erwerbenden Erfahrungen und Kenntnisse dazu bei, Klarheit über die konkreten Bedingungen und damit auch eine Vertrauensbasis auf beiden Seiten zu schaffen.“ Der BDA hat gemeinsam mit anderen Institutionen, wie etwa dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), eine Broschüre mit dem Titel „Praktika – Nutzen für Praktikanten und Unternehmen“ erarbeitet. Diese informiert über die Ziele verschiedener Arten von Praktika, über wichtige Regelungen, wie Arbeitszeiten, Arbeitsschutz und Urlaubsansprüche, sowie über Fragen der Sozialversicherung. Außerdem enthält sie einen Mustervertrag für ein Praktikum.

Bezahlung aushandeln

Die Verhandlungsposition, um eine Bezahlung während des Praktikums auszuhandeln, ist nach Einschätzung von Kristina Huke nach ein paar Semestern besser als zu Beginn des Studiums. „Praktikanten, die erst am Anfang ihres Studiums stehen, bedeuten für die Unternehmen oftmals mehr Aufwand als Nutzen“, räumt die Juristin ein.

Jessica Heyser rät jedoch: „Praktikanten sollten immer nach einer Bezahlung fragen. Auch wenn der Praktikumsgeber dies nicht vorgesehen hat, kann in vielen Fällen eine finanzielle Anerkennung ausgehandelt werden.“ Einige Studierende werden auch während des Praktikums zum Beispiel über ein Stipendium gefördert. „Für sie ist eine finanzielle Entschädigung nicht unbedingt notwendig“, sagt die Referentin bei der DGB-Jugend. Zum Teil finanzieren die zwölf großen Begabtenförderungswerke die Praktika ihrer Stipendiaten. Aber auch andere Stiftungen, Unternehmen oder Hochschulen vergeben Stipendien für Praktika. Recherchieren kann man Stipendiengeber beispielsweise über den Stipendienlotsen des BMBF (http://www.stipendienlotse.de). Praktika im Ausland fördert beispielsweise der DAAD, etwa über das „Kurzstipendium für Praktika im Ausland“. Auch im Rahmen des ERASMUS-Programms können Auslandspraktika gefördert werden.

„Bedingungen werden sich wahrscheinlich verbessern“

Ein Praktikum nach Studienabschluss kann den Berufseinstieg erleichtern. Allerdings gibt es auch Alternativen: „Nach dem Studium kann man auch nach einer alternativen Beschäftigungsform suchen, um die Zeit bis zum ersten festen Job zu überbrücken“, sagt Jessica Heyser. Das kann zum Beispiel eine freie Mitarbeit – etwa im Bereich Medien – oder eine Honorarstelle sein. Im Unterschied zu einer Festeinstellung werden Honorarkräfte stunden- oder tageweise je nach Arbeitseinsatz bezahlt. Das gilt zum Beispiel für viele Dozenten in der Erwachsenenbildung. Manchmal ist auch ein Praktikum im Ausland sinnvoll, das dazu dient, die Sprachkenntnisse zu perfektionieren.

Klaus Wienecke hat kurze Haare, trägt ein dunkelblaues Sakko über einem gestreiften Hemd sowie eine Brille.

Dr. Klaus Wienecke, Arbeitsagentur Hannover

Foto: Arbeitsagentur Hannover

Und welche Bedeutung werden Praktika voraussichtlich in Zukunft haben? „Aufgrund der demografischen Entwicklung werden bis zum Jahr 2030 etwa 5,5 Millionen Arbeitskräfte fehlen. Das ist ein kräftiges Pfund, mit dem Studierende und Absolventen künftig wuchern können, langfristig werden sich die Bedingungen für Praktika wahrscheinlich verbessern“, prognostiziert Dr. Klaus Wienecke, Berufsberater bei der Arbeitsagentur Hannover.

abi>> 11.06.2012