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Zehn wichtige Regelungen rund ums Praktikum

Auszubildender legt ein Dokument in den Kopierer.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) informiert über einige Rahmenbedingungen, die es bei Praktika zu beachten gilt.
Foto: Elizaveta Shlosberg

Praktikum im Studium: Übersicht

Zehn wichtige Regelungen rund ums Praktikum

Studierende mit einer Zusage für einen Praktikumsplatz sollten darauf achten, dass auch die Rahmenbedingungen stimmen. abi>> hat mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) über die wichtigsten Regelungen gesprochen.

Dauer

Wie lange Pflichtpraktika dauern, ist in der Studienordnung der einzelnen Hochschulen vorgegeben. Wenn die Praktika in der vorlesungsfreien Zeit absolviert werden sollen, dauern sie nur sechs bis acht Wochen. Sie können aber auch ein halbes Jahr umfassen, wenn ein ganzes Praxissemester vorgesehen ist.

Die Dauer von freiwilligen Praktika kann hingegen von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich sein. Die DGB Jugend empfiehlt bei freiwilligen Praktika, drei Monate nicht zu überschreiten, damit die Studierenden ihre praktischen Erfahrungen während der Semesterferien sammeln können und nicht ein Semester aussetzen müssen.

Vertrag

Praktikanten haben Anspruch auf einen schriftlichen Praktikumsvertrag. Laut DGB Jugend werden Praktika mit einem Vertragsverhältnis als „Praktikum zu Ausbildungszwecken“ geregelt. Darin festgehalten werden der Ablauf und Inhalt des Praktikums sowie die Dauer, die Arbeitszeiten und Urlaubsansprüche. Auch die Höhe der Vergütung, Kündigungsvoraussetzungen und die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall werden vertraglich bestimmt.

Vergütung

 „Bei Pflichtpraktika haben Studierende keinen Anspruch auf den Mindestlohn“, sagt Michael Wagner, Referent bei der DGB Jugend. Per Gesetz sind freiwillige Praktika vom Mindestlohn ausgenommen, wenn sie nicht länger als drei Monate dauern. Ansonsten haben Praktikanten einen Anspruch auf den Mindestlohn in Höhe von 8,84 Euro pro Stunde.

 Kranken- und Pflegeversicherung

Studierende sind dazu verpflichtet, eine Kranken- und Pflegeversicherung abzuschließen, wenn sie älter als 25 Jahre sind. „Vorher sind sie in der Regel über ihre Eltern versichert“, schildert Michael Wagner. Ab ihrem 26. Lebensjahr zahlen Studierende einen Betrag in Höhe von etwa 80 Euro pro Monat. „Für Auslandpraktika gilt hingegen dasselbe wie für längere Reisen in ein anderes Land: Man sollte zusätzlich eine Auslandskrankenversicherung abschließen“, sagt Michael Wagner.

Sozialversicherung

Ein Porträt-Foto von Michael Wagner

Michael Wagner

Foto: privat

Pflichtpraktika gelten in der Regel als sozialversicherungsfrei. „Auch wenn das Pflichtpraktikum vergütet wird, müssen daraus keine Beiträge an die Sozialversicherung gezahlt werden. Liegt das Einkommen bei mehr als 425 Euro, kann allerdings die kostenlose Mitversicherung in der Familienversicherung der gesetzlichen Krankenkassen wegfallen“, sagt Michael Wagner.

Bei freiwilligen Praktika ist die Arbeitszeit und Vergütungshöhe entscheidend: „Freiwillige Praktika sind bei Vergütung in der Regel versicherungs- und beitragspflichtig zur Rentenversicherung, wenn sie mit mehr als 450 Euro vergütet werden. Falls die wöchentliche Arbeitszeit bei mehr als 20 Stunden liegt, werden neben den obligatorischen Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung auch noch Beiträge zur Arbeitslosenversicherung fällig“, erklärt der DGB-Jugend-Vertreter.

Unfallversicherung

„Der Arbeitgeber ist gesetzlich dazu verpflichtet, eine Unfallversicherung für alle Praktikanten im Betrieb abzuschließen“, betont Michael Wagner. Abgedeckt würden Kosten, die für Behandlung und Rehabilitation anfallen, falls der Praktikant während der Arbeit oder auf dem direkten Hin- oder Rückweg einen Unfall hat.

Steuer

Verdienen Praktikanten mehr als 450 Euro pro Monat, sind die Einkünfte steuerpflichtig – unabhängig davon, ob es sich um ein freiwilliges oder verpflichtendes Praktikum handelt. Bleibt in einem Jahr das gesamte Einkommen unter dem Grundfreibetrag von derzeit 8.820 Euro, kann die bezahlte Lohnsteuer über die Steuererklärung zurück gefordert werden.

BAföG

Wer ein Pflichtpraktikum absolviert, erhält in der Regel weiter regulär BAföG. Wenn Studierende für ihr Pflichtpraktikum ins Ausland gehen, werden sie wie bei einem Auslandsstudium gefördert. „Wichtig: Studierende, die BAföG erhalten, müssen das Praktikum angeben, da es voll angerechnet wird“, erklärt Michael Wagner und ergänzt: „Auch bei freiwilligen Praktika bleibt der BAföG-Anspruch grundsätzlich bestehen.“ Hier wird das Entgelt als normales Einkommen betrachtet und es gelten die regulären Freibeträge.

Arbeitsrecht

„Pflichtpraktikanten haben im Gegensatz zu freiwilligen Praktikanten keinen Rechtsanspruch auf Urlaub, Kündigungsschutz oder Lohnfortzahlung im Krankheitsfall“, sagt Michael Wagner. Möchten Studierende ihr Praktikum früher beenden, sollten sie sich vom Praktikumsamt, dem Studiensekretariat ihrer Hochschule oder der Gewerkschaftsjugend vor Ort beraten lassen.

Im Vergleich dazu werden freiwillige Praktika wie normale Arbeitsverhältnisse behandelt, Praktikanten haben daher Anspruch auf Urlaub. Möchte der Studierende kündigen, sollte das Praktikumsverhältnis schriftlich übereinstimmend beendet werden. Eine fristlose Kündigung ist möglich, wenn es dafür einen triftigen Grund gibt – zum Beispiel, wenn der Vertrag nicht eingehalten wird. „Befristete Verträge können allerdings nur dann ordentlich gekündigt werden, wenn dies im Vertrag vereinbart wurde oder der Tarifvertrag das vorsieht“, schildert Michael Wagner.

Zeugnis

Die Arbeitgeber sind verpflichtet, Praktikanten zum Abschluss ein Zeugnis auszustellen. „Praktikanten haben dabei das Recht, ein einfaches oder ein ausführliches Zeugnis zu beantragen“, erläutert der DGB-Jugend-Experte. Ein einfaches Zeugnis sollte mindestens die Art der Tätigkeit beschreiben, während in einem ausführlichen Zeugnis auch die Leistung und Führung des Praktikanten bewertet werden. Neben den inhaltlichen Schwerpunkten muss das Zeugnis laut DGB Jugend auch eine mindestens wohlwollende Bewertung des Praktikanten enthalten. Bei Pflichtpraktika folgt außerdem eine Bestätigung über die Teilnahme, so wie sie in der Studienordnung vorgeschrieben wird.

 

abi>> 06.02.2017