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Stärke zeigen mit Mut zur Veränderung

Der Studienberater bei einem Beratungsgespräch  mit einem Interessenten in einem Besprechungsraum.Er hält Informationsmaterial der AKAD in der Hand.
Ein Studienabbruch im Lebenslauf ist für Personalverantwortliche nicht immer ein negatives Indiz.
Foto: Frank Pieth

Studienum- und -ausstieg: Personalerstatements

Stärke zeigen mit Mut zur Veränderung

Ist ein Studienum- oder -ausstieg ein Makel im Lebenslauf? Welche Erfahrungen machen Unternehmen mit Studienaussteigern? Und wie kann man die vermeintliche Schwäche in eine Stärke umwandeln? abi>> hat drei Personalverantwortliche gefragt.

Katrin Sünderhauf, Leiterin des Schüler-Recruiting der Deutschen Bahn AG

Ein Porträt-Foto von Katrin Sünderhauf

Katrin Sünderhauf

Foto: Deutsche Bahn

Ein Studienwechsel oder -abbruch ist kein Makel mehr im Lebenslauf. Es ist vielmehr gut, wenn man früh erkennt, dass man sich für die falsche Richtung entschieden hat und dann konsequent den Kurs ändert. Die Erkenntnis darüber, was einem gefällt und wo die eigenen Stärken sind, ist wertvoll für die Neuorientierung. Und das macht auch Mut, neue Wege zu gehen, zum Beispiel eine Ausbildung statt eines Studiums zu absolvieren.

Wir haben bei der Deutschen Bahn gute Erfahrungen mit Studienaussteigern gemacht. Unsere Ausbildungen, zum Beispiel Fahrdienstleiter, Lokführer oder Elektroniker, sind anspruchsvoll. Sie erfordern gute Kenntnisse und Fertigkeiten in Bereichen wie Mathematik, Physik oder allgemein der Technik. Auch Abiturienten können sich auf einen von 3.300 Ausbildungsplätzen in diesem Jahr bewerben. Wir profitieren dabei von der persönlichen Reife der Studienaussteiger. Wer sich schon einmal selbst erproben konnte, kennt sich und die eigenen Stärken und Entwicklungsfelder gut.

Und wer schon einmal gescheitert ist, hat viel über sich und seine Veränderungsbereitschaft erfahren. Uns als Arbeitgeber interessiert dabei, was die Kandidaten daraus gelernt haben und wie sie zukünftig ähnliche Situationen vermeiden können. Der Umgang mit dem Scheitern ist eine wichtige Kompetenz, die sich im Leben mehrfach anwenden lässt.

Stefan Scheller, Experte Personalmarketing/Recruiting bei der Datev eG

Ein Porträt-Foto von Stefan Scheller

Stefan Scheller

Foto: akindofart

Der Studienausstieg ist stets im Gesamtzusammenhang zu sehen, da es dafür unterschiedliche Gründe geben kann. Zunehmend werden in unseren Stellenanzeigen Formulierungen verwendet, die ebenfalls einen nicht-akademischen Abschluss ermöglichen, zum Beispiel „(…) oder besitzen eine vergleichbare Erfahrung/Ausbildung“.

Bei unseren Erfahrungen mit Studienaussteigern kommt es auf den Einzelfall an. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass eine sehr gut abgeschlossene alternative Ausbildung gegenüber einem sehr schlechten Hochschulabschluss eher Vorteile in der Beurteilung bringen kann. Bei Stellen, die nach Ansicht des Fachbereichs vor allem akademische Kenntnisse voraussetzen, mag der Studienausstieg dagegen eher nachteilig wirken.

Die vermeintliche Schwäche in eine Stärke umwandeln können Bewerber, indem sie die Gründe für den Studienausstieg bereits in der Bewerbung mitteilen und einen kommunikativen Schwerpunkt auf die vorhandenen fachlichen und persönlichen Stärken legen. Zudem erhöhen sie die Erfolgsquote, indem sie sich nicht unbedingt auf Stellen bewerben, die zwingend einen akademischen Abschluss benötigen.

Anja Königstein, Manager Human Resources Marketing bei der Aldi Süd GmbH & Co. KG

Ein Porträt-Foto von Anja Königstein

Anja Königstein

Foto: ALDI SÜD

Heutzutage sind Lebensläufe schon lange nicht mehr so geradlinig wie früher. Insofern ist ein Studienausstieg sicherlich kein K.o.-Kriterium im Bewerbungsprozess. Es ist wichtig, dass der Bewerber den Ausstieg begründen kann und aufzeigt, wie solche Entscheidungen zukünftig besser getroffen werden können.

Wir bieten speziell für Abiturienten das Abiturientenprogramm zum geprüften Handelsfachwirt an. Dieses praxisnahe Programm findet über 36 Monate in unseren Filialen statt und bildet die Nachwuchskräfte für Führungsaufgaben im Verkauf aus. Auf dieses Programm bewerben sich viele Kandidaten, die erkannt haben, dass ihnen die reine Theorie im Hörsaal nicht liegt. Beim Abiturientenprogramm gibt es jede Menge Praxis und gleichzeitig hervorragende Zukunftsperspektiven.

Wer sein Studium frühzeitig beendet, hat bereits erste Erfahrungen gesammelt und weiß, was er oder sie nicht möchte. Von dieser Erkenntnis lässt sich im Bewerbungsprozess profitieren: Einen positiven Eindruck macht, wer aufzeigen kann, was er oder sie aus den ersten Studienerlebnissen für das Berufsleben gelernt hat. Unternehmen suchen schließlich nicht nur Akademiker, sondern viele Bereiche fordern pragmatische und praxisnahe Bewerber.“

abi>> 27.02.2017