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Strategien für Studienzweifler

Frau schaut nachdenklich im Hörsaal.
Ein Studienabbruch kann vielfältige Gründe haben und ist keine Seltenheit. Studienberater Stefan Hatz gibt Studienzweiflern Tipps.
Foto: Martin Rehm

Studienum- und -ausstieg: Szenarien

Strategien für Studienzweifler

Gründe für einen Fachwechsel oder den Ausstieg aus dem Studium gibt es viele. Stefan Hatz, Studienberater der Ernst-Moritz-Arndt-Universität in Greifswald, hat Tipps für verschiedene Szenarien.

1. Szenario: Falsches Studienfach

Es ist einer der häufigsten Gründe für den Studienwechsel: Man ist einfach nicht glücklich mit seinem Fach. Deswegen sollte man sich nun überlegen: Was macht mir mehr Spaß? Und wo möchte ich beruflich hinkommen? „Nach dem Studium wird man schließlich viele Jahre lang arbeiten. Deswegen muss es eine Tätigkeit sein, für die man gerne aufsteht“, findet Studienberater Stefan Hatz. Diese Fragen hat man sich wahrscheinlich schon während des Abiturs gestellt – nun kann man aber besser die konkreten Studienbedingungen einschätzen.

Die Nähe zu einer Hochschule kann auch bei der Suche nach einem neuen Fach helfen. „Ich kann nur raten, sich einmal andere Lehrveranstaltungen anzuhören und sich zum Beispiel in die Vorlesungen eines Faches zu setzen, das einen interessieren könnte“, sagt Stefan Hatz. Gut sei auch, andere Studierende zu befragen, wie ihr Studium aussieht und was sie dort genau machen.

2. Szenario: Mangelnde Leistungen

Die guten Noten bleiben dauerhaft aus. Was nun? „Ich glaube, dass mangelnde Leistungen darauf hinweisen, dass man das falsche Fach gewählt hat“, erklärt Stefan Hatz. Immerhin hätte das auch viel mit Motivation zu tun: Wer keine Lust zum Lernen hat, sollte sich ernsthaft fragen, ob ein anderes Studienfach nicht passender wäre. Das gelte auch für ungeliebte Kurse wie zum Beispiel Statistik in Psychologie oder Latein im Geschichtsstudium. „Wenn ich motiviert bin, weil ich das Studium schaffen will, komme ich meist selbst durch solche Prüfungen.“ Deswegen sollten sich Studierende mit dauerhaft schlechten Noten ähnliche Fragen stellen wie beim Szenario „Falsches Studienfach“.

3. Szenario: Nicht praxisnah genug

Vielen Studienanfängern ist nicht bewusst, wie theoretisch ein Studium an der Universität sein kann. „Eine Möglichkeit ist, sich Praktika oder einen Job in dem angestrebten Berufsfeld zu suchen“, sagt Stefan Hatz. So müsse man zwar weiterhin die Theorie pauken, könne sich aber auch mit praktischen Aufgaben beschäftigen. Wer allerdings merkt, dass diese Kombination nicht praxisnah genug ist, sollte über einen Wechsel nachdenken.

Berater der Agenturen für Arbeit haben einen guten Überblick über weitere Optionen: An Fachhochschulen werden die Fächer deutlich praxisbezogener gelehrt, noch mehr Praxisbezug gibt es in einem dualen Studium. „Außerdem entscheiden sich zahlreiche Abiturienten für eine Ausbildung“, sagt Stefan Hatz. Laut der Bundesagentur für Arbeit waren es 148.200 Abiturienten, die 2016 eine Ausbildung begannen (zum Vergleich: 506.000 Abiturienten nahmen 2016 ein Studium auf). Daher sei das auch für Studienabbrecher eine Alternative. Mit einer Ausbildung hat man weiterhin die Option, noch ein Studium anzuschließen.

4. Szenario: Finanzielle Probleme

Viele Studierende müssen nebenbei jobben. Doch die Mehrbelastung kann dazu führen, dass das Studium leidet. Wer zu viel jobbt und zu wenig lernt, läuft zudem Gefahr, sein Studium deutlich über die Regelstudienzeit hinauszuziehen. Und Langzeitstudierende müssen oft Studiengebühren zahlen – eine zusätzliche Belastung.
„Was viele nicht wissen: In den meisten Bundesländern kann man einen Antrag auf Teilzeitstudium stellen“, sagt Experte Stefan Hatz. Das habe den Vorteil, dass man nicht voll studieren und nebenher arbeiten müsse. Stattdessen kann man den Druck aus der Situation nehmen, was häufig zu besseren Studienergebnissen führt. „Es ist wichtig, die Hochschule früh zu informieren und ein Teilzeitstudium zu vereinbaren, damit es nicht zu spät und die Situation zu verfahren ist“, betont Stefan Hatz.

5. Szenario: Falsche Stadt und Heimweh

Neue Stadt, neue Leute – ein Studienanfang geht mit vielen Veränderungen einher. Häufig gewöhnt man sich an diese, doch bei manchem bleibt das starke Heimweh bestehen. „Das passiert gerade dann, wenn man seine Heimat nicht verlassen wollte, zum Beispiel wegen der Zulassungsbeschränkung aber doch woanders hinziehen musste“, berichtet Stefan Hatz. „Man sollte der neuen Stadt aber auch eine Chance geben“ – also nicht jedes Wochenende nach Hause fahren, sondern neue Kontakte suchen oder Lerngruppen bilden. „Wenn aber alles nichts hilft, muss man klären, ob man in der Heimat auch das studieren kann, was man möchte.“
Hin und wieder ist es gar nicht das Heimweh: Manch einer fühlt sich in der neuen Stadt einfach nicht wohl. Sie ist einem zu groß oder zu provinziell, es fehlen die Berge oder das Meer. Gut ist daher immer, sich den neuen Studienort vorab anzuschauen und auf sein Bauchgefühl zu hören. Erste Informationen und Eindrücke von Studierenden zu den Hochschulstandorten in Deutschland bietet das abi>> Hochschulpanorama.

6. Szenario: Private Krisen

Die erste große Liebe bricht auseinander, ein Elternteil wird schwer krank, die Großeltern sterben: Wer so etwas erlebt, kann in ein tiefes Loch fallen. Hausärzte, Psychologen oder die psychologische Beratungsstelle der Hochschulen sind gute Anlaufstellen für Hilfe. „Oft ist es dann gut, sich ein Semester beurlauben zu lassen“, erklärt Berater Stefan Hatz. „Meist sehen die Dinge danach schon wieder viel besser aus.“ So könne man in Ruhe wieder zu sich finden und die Regelstudienzeit trotzdem einhalten.

abi>> 27.02.2017