Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Vorbereitet auf das Unvorhersehbare

Polizist verhaftet Mann
Diebstahl, Raub, Körperverletzung – auch Praxiseinsätze gehören für Polizeikommissaranwärter dazu.
Foto: Nancy Heusel

Studieren bei der Bundespolizei

Vorbereitet auf das Unvorhersehbare

Ob an Bahnhöfen, Flughäfen oder Landesgrenzen – Bundespolizisten werden in ganz Deutschland und im Ausland eingesetzt. Auch Polizeikommissaranwärter Carsten Ziebler (22) ist während seines Studiums schon viel herumgekommen: Aktuell studiert er an der Bundespolizeiakademie in Lübeck. Vorherige Stationen des Studiums haben ihn unter anderem nach Brühl und Trier geführt.

Ein Jahr vor seinem Abitur hatte sich Carsten Ziebler bei sechs verschiedenen Polizeien beworben: „Polizist werden war ein Kindheitstraum von mir.“ Als die Zusage von der Bundespolizei kam, musste er nicht lange überlegen. Einen Einblick in den Beruf hatte er während zweier Praktika bei der Bundespolizei und der Landespolizei Hessen erhalten, die er während der Schulzeit absolvierte. „Ich komme aus einem Dorf. Deshalb hat mir die Aussicht besonders gut gefallen, im Rahmen der Ausbildung viel unterwegs zu sein, etwas zu sehen und später deutschlandweit oder sogar international arbeiten zu können“, erklärt er. Vorab hatte er sich bei einem Einstellungsberater der Polizei über das Bewerbungsverfahren und die -fristen informiert.

Das erste Mal „auf der Straße“ unterwegs

Ein Porträt-Foto von Carsten Ziebler

Carsten Ziebler

Foto: privat

Nach der dreimonatigen Basisausbildung mit Einsatztraining und Sporteinheiten kam er für das sechsmonatige Grundstudium an die Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung in Brühl in Nordrhein-Westfalen, wo vor allem Fächer wie polizeiliches Einsatzrecht und allgemeines Verwaltungsrecht, aber auch Betriebs- und Volkswirtschaftslehre auf dem Stundenplan stehen. An der Hochschule studieren alle Beamten des öffentlichen Dienstes gemeinsam, also beispielsweise auch Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes und Verwaltungsangestellte. Ihr gemeinsames Ziel ist ein Diplom als Verwaltungswirt.

In seinem ersten dreimonatigen Praktikum im Rahmen des Studiums lernte Carsten Ziebler die Arbeit der Bundespolizei am Frankfurter Hauptbahnhof kennen. „Das war definitiv bisher die spannendste Station des Studiums. Ich war das erste Mal so richtig auf der Straße unterwegs, wurde von Anfang an voll eingebunden und habe jeden Tag eine Menge erlebt. Bahnhöfe und Bahnhofsviertel sind Anziehungspunkte für Drogendelikte und Taschendiebstähle. In einer Zwölf-Stunden-Schicht passiert da wahnsinnig viel.“

Zahlreiche Einsätze Tag und Nacht

Diebstahl, Raub, Körperverletzung – jeden Tag und jede Nacht wurden er und die Kollegen zu zahlreichen Einsätzen gerufen. „Natürlich hat man uns auf den Praxiseinsatz vorbereitet, unter anderem gehören zum Studium Fächer wie Psychologie und Berufsethik. Aber in meinem ersten Nachtdienst hatte ich es direkt mit einer Leiche auf den Bahngleisen zu tun. Trotz Vorbereitung ist es unmöglich vorauszusagen, wie man auf so eine Situation reagiert. Da geht es jedem anders. Ich kann nur schwer beschreiben, wie ich mich in diesem Moment gefühlt habe“, sagt der 22-Jährige. „Aber bei der Polizei bekommt jeder viel Unterstützung von den Kollegen, man spricht darüber, was man im Dienst erlebt, und kann sich an die Polizeiseelsorge wenden, wenn einen das Erlebte nicht mehr loslässt“, schildert er.

Aber auch schöne Erlebnisse gehörten zum Praktikumsalltag: „Zum Beispiel haben wir ein Kind, das in der Menge verloren gegangen war, zu seinen Eltern zurückgebracht oder wir konnten einen Täter stellen, der gerade ein älteres Ehepaar überfallen hatte.“ Das Verhältnis zu seinen Kollegen und Kommilitonen beschreibt der Polizeikommissaranwärter als sehr eng und familiär.

Vorbereitung auf Führungsposition

Neben der Arbeit am Bahnhof war Carsten Ziebler im Rahmen von Praktika am Frankfurter Flughafen, bei der Bereitschaftspolizei und der Grenzpolizei in Trier im Einsatz. Während insgesamt drei Studienabschnitten an der Bundespolizeiakademie in Lübeck hat der Polizeikommissaranwärter verschiedene Rechtsfächer wie Strafprozessrecht und Verwaltungsrecht belegt, außerdem wurden in den Vorlesungen internationale und europäische Themen wie das Schengener Grenzabkommen behandelt. In Fächern wie Polizeitaktik, Einsatz- und Führungslehre wurden er und die anderen angehenden Bundespolizisten auf ihre künftige Arbeit vorbereitet.

„Der gehobene Dienst sieht eine Führungsposition vor, deshalb werden wir im Studium auch als Gruppenleiter ausgebildet und lernen zum Beispiel, wie man eine Polizeieinheit führt und mit Mitarbeitern umgeht“, sagt er. Während seiner Praktika bei der Grenzpolizei und der Bereitschaftspolizei wurde der 22-Jährige bereits als stellvertretender Gruppenleiter beziehungsweise Gruppenführer eingesetzt.

„Bisher hat mich der Bahnbereich am meisten interessiert. Aber auch am Flughafen ist die Arbeit abwechslungsreich. Dort hat man mit internationalen Gästen und Passagierrecht zu tun und wird unter anderem in der Gepäck- und Passagierkontrolle eingesetzt.“ Im Anschluss an das Studium will er sich deshalb beim Frankfurter Flughafen bewerben. „Aufgrund der vielen Geflüchteten, die derzeit nach Deutschland kommen, besteht dort momentan ein großer Bedarf.“

abi>> 05.09.2016