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Vielfalt in Verwaltung & Co.

Akten hängen in einem Schrank
Von wegen trocken: Die Möglichkeiten im öffentlichen Dienst sind sehr vielfältig, genau wie die dualen Studiengänge, die dafür den Zugang bieten.
Foto: Nancy Heusel

Studieren im öffentlichen Dienst

Vielfalt in Verwaltung & Co.

Wer im öffentlichen Dienst arbeitet, nimmt Aufgaben wahr, die dem Staat unterliegen. Deswegen spricht man auch vom Staatsdienst. Der Einstieg in den gehobenen nichttechnischen Dienst bei Bundes-, Landes- und kommunalen Institutionen erfolgt üblicherweise über ein duales Studium an den Fachhochschulen für öffentliche Verwaltung des Bundes oder der Länder.

„Die Arbeit in der Verwaltung ist alles andere als trocken. Es gibt viele interessante Aufgaben in den unterschiedlichsten Bereichen – von der EU bis zum Sozialdienst.“ Andrea Risse weiß das. Die 28-Jährige hat an der Hochschule (HS) des Bundes in Brühl Verwaltungsmanagement studiert. Während der Praxisphasen hat sie die Personalarbeit am Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information in Köln genauso kennengelernt wie das Haushaltsreferat des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. „Das Studium hatte einen großen juristischen Anteil. Ich persönlich habe mich aber schon immer lieber mit Zahlen beschäftigt. Deshalb habe ich mich nach dem dualen Studium für eine Stelle im Haushaltsbereich entschieden“, erzählt Andrea Risse.

Bei der HS des Bundes war sie vier Jahre lang für die Verwaltung des Budgets zuständig. Anschließend wechselte sie zur Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) nach Bonn. Dort koordiniert sie für sechs Haushaltsstellen – darunter die Öffentlichkeitsarbeit und das Büro der Präsidentin – das Budget, genehmigt Rechnungen und macht die Jahresabschlüsse. „Das meiste ist Computerarbeit, aber ich muss mich auch mit Kollegen aus anderen Haushaltsbereichen abstimmen.“ Zu schätzen weiß die Mutter einer Tochter vor allem den sicheren Job als Beamtin. „Dass wir während des dualen Studiums schon Praxiserfahrung sammeln konnten und ein Beamtenanwärtergehalt bezahlt wurde, hatte natürlich auch seine Vorteile.“

Vom Auswärtigen Dienst bis Zoll

Zu sehen ist Andrea Risse im Büro.

Andrea Risse

Foto: Privat

Verwaltungsmanagement ist einer der zwölf Bachelor- und Diplom-Studiengänge für den gehobenen nichttechnischen Dienst an der HS des Bundes. Die weiteren Möglichkeiten: Kriminaldienst des Bundes, Sozialversicherung, Auswärtiger Dienst, Bundesnachrichtendienst, Polizeivollzugsdienst in der Bundespolizei, Verfassungsschutz des Bundes, Verwaltungsdienst der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau, Verwaltungsdienst in der Bundeswehrverwaltung, Verwaltungsinformatik, Wetterdienst/Geophysikalischer Beratungsdienst der Bundeswehr und Zolldienst des Bundes. Bewerbungen erfolgen je nach Studiengang bei der zuständigen Einstellungsbehörde beziehungsweise beim Fachbereich der Hochschule.

„Neben der Hochschule des Bundes gibt es noch die Hochschule der Deutschen Bundesbank und die Hochschule der Bundesagentur für Arbeit, die auf Bundesebene ausbilden“, erklärt Steve Winter, Pressesprecher der HS des Bundes.

„Für den Landesdienst hingegen gibt es in einigen Ländern eigene Fachhochschulen für öffentliche Verwaltung. Andere nutzen private oder staatliche Hochschulen für die Ausbildung.“ Zum Beispiel wird in Berlin für den allgemeinen inneren Verwaltungsdienst an der dortigen öffentlichen Hochschule für Wirtschaft und Recht ausgebildet. Die Hochschule dort hat – wie etwa auch die Hochschule Harz – Dozenten aus ehemaligen Landeshochschulen übernommen, sodass die Qualität der Lehre gewährleistet ist. „Andere Hochschulen bieten vielleicht nicht immer das Niveau der Landeshochschulen. Das ist im Einzelfall zu prüfen“, gibt Steve Winter zu bedenken.

Mindestens Note drei in wichtigen Fächern

Der öffentliche Dienst ist ein breites Feld, das von Polizei und Zoll über das Auswärtige Amt bis zum Wetterdienst reicht. „Auch die Deutsche Rentenversicherung, die Feuerwehr, Justizvollzugsanstalten und diverse Verwaltungen auf Bundes-, Landes- oder Kommunalebene sind Arbeitgeber für Beamte und auch Angestellte im öffentlichen Dienst“, betont Axel Beckmann, Berufsberater für Abiturienten in der Agentur für Arbeit in Euskirchen. An Amts- und Landgerichten oder in der Staatsanwaltschaft arbeiten außerdem Rechtspfleger. Sie treffen dort in ihrem Befugnisbereich eigene gerichtliche Entscheidungen.

Für den gehobenen nichttechnischen und technischen Dienst ist ein Bachelor- oder Diplomabschluss notwendig. Letzterer wird noch an einigen Verwaltungshochschulen des Bundes und der Länder angeboten. Der höhere Dienst erfordert ein abgeschlossenes Masterstudium oder etwas Vergleichbares (siehe Animation „Laufbahnen im öffentlichen Dienst“). Während für den Zugang zum gehobenen technischen Dienst ein Abschluss im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich Voraussetzung ist, kann man in das Studium für gehobene nichttechnische Laufbahnen gleich nach der Schule einsteigen. „Voraussetzung für das duale Studium ist ein abgeschlossenes Abitur oder die Fachhochschulreife und in den für den Studiengang wichtigsten Schulfächern in der Regel mindestens die Note befriedigend“, weiß Axel Beckmann.

Einstellungskriterien variieren je nach Behörde

Wer später verbeamtet werden will, muss außerdem die deutsche oder eine EU-Staatsangehörigkeit vorweisen, für die freiheitliche demokratische Grundordnung eintreten, dienstfähig sein – das heißt körperlich, geistig und charakterlich fit – und einen guten Leumund haben, also nicht vorbestraft sein. „Die Eingangskriterien zur Dienstfähigkeit sind je nach Behörde unterschiedlich“, sagt der Berufsberater. „Bei der Polizei etwa wird ganz andere körperliche Fitness erwartet als für einen Beruf in der Verwaltung.“ Wer sich bei einer Bundesbehörde bewirbt, sollte zudem Flexibilität mitbringen, weil er deutschlandweit eingesetzt werden kann. Bei landesspezifischen Einsatzbereichen ist es andererseits nicht immer einfach, das Bundesland zu wechseln.

Diese Voraussetzungen gelten auch nach der aktuellen Reform des Dienstrechts in einigen Bundesländern. So haben beispielsweise Berlin, Niedersachsen, Sachsen und fünf weitere Länder die Laufbahnen des gehobenen und höheren Dienstes in der Laufbahngruppe 2 zusammengefasst, der einfache und mittlere Dienst gehört zur Laufbahngruppe 1. In Bayern und Rheinland-Pfalz wurde eine einheitliche Laufbahn eingeführt, in die man je nach Vorbildung in vier unterschiedliche Qualifikationsebenen einsteigt.

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abi>> 27.07.2015