Dem Dienstherrn verbunden

Ein junger Mann bespricht mit einem Kunden den Vertrag.
Studierende der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung erlernen in verschiedenen Praxisphasen etwa die Beratung und Betreuung von Versicherungskunden.
Foto: Isabella Fischer

Studieren im öffentlichen Dienst

Dem Dienstherrn verbunden

Der öffentliche Dienst ist nicht zuletzt wegen der Jobsicherheit für viele ein attraktiver Arbeitgeber. Für Abiturienten bieten sich insbesondere durch ein Studium viele Möglichkeiten, in diesem Berufsfeld Fuß zu fassen.

Roland Weßel wollte mehr: Nach dem Abitur hatte er zunächst bei der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See (KBS) in Bochum eine Ausbildung zum Sozialversicherungsangestellten absolviert. „Damit hätte ich die Laufbahn im mittleren Dienst beginnen können. Ich wollte allerdings die Laufbahn im gehobenen Dienst einschlagen, wofür ich ein Studium brauchte“, erklärt der 25-Jährige.

Daher bewarb er sich bei der KBS für ein duales Studium im Fachbereich Sozialversicherung. Voraussetzung für die Bewerbung war das Abitur. Da die KBS-Studierenden – im Gegensatz zu den Studierenden der Deutschen Rentenversicherung Bund – bereits während ihres Studiums Beamte auf Widerruf sind, müssen sie zudem die Voraussetzungen für die Verbeamtung erfüllen: Sie müssen die deutsche Staatsbürgerschaft oder die Bürgerschaft in einem EU-Mitgliedstaat haben, körperlich und geistig gesund sein und dürfen nicht vorbestraft sein.

Erst Beamter auf Widerruf, dann auf Probe, dann auf Lebenszeit

Ein Porträt-Foto von Roland Weßel

Roland Weßel

Foto: privat

Seine Bewerbung hatte Erfolg und er startete nach seiner Ausbildung ins Studium. „Die ersten sieben Monate lernten wir an der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung in Berlin. Danach ging es abwechselnd in die Praxisphasen bei der KBS und in die Theoriephasen in einer Außenstelle der Hochschule des Bundes in Bochum, wo wir unter anderem spezielle Kenntnisse für die Knappschaft erworben haben, die etwas anders sind als für die Rentenversicherung allgemein.“ Die Knappschaft-Bahn-See geht auf einen Jahrhunderte alten Zusammenschluss von Bergleuten zurück, die dadurch zum einen – ähnlich einer Gewerkschaft – geschlossen ihre Interessen gegenüber ihrer Arbeitgeber vertraten und sich zum anderen, etwa im Fall von Krankheit oder Tod, gegenseitig sozial absicherten. Auch heute bietet die KBS im Gegensatz zur Rentenversicherung noch weitere Dienstleistungen an. In den Praxiseinsätzen lernten Roland Weßel und seine Kommilitonen die unterschiedlichen Bereiche der Behörde kennen: Rentenversicherung, Krankenversicherung, Pflegeversicherung. „Ein Praxiseinsatz am Ende des Studiums führte uns zudem in die Minijob-Zentrale“, berichtet er. (Mehr zum Thema Jobvermittlung erfährst du in der Studienreportage „Vermittler in die Berufswelt“.)

Nach seinem Bachelorabschluss stieg der 25-Jährige als Sachbearbeiter im Bereich Rentenversicherung ein. Er errechnet zum Beispiel die Renten der Mitglieder, bearbeitet Anfragen der Sozialversicherungsträger und ist Ansprechpartner für Fragen der Versicherten. Noch im Studium war er Beamter auf Widerruf, derzeit ist er Beamter auf Probe und nach drei Jahren wird er Beamter auf Lebenszeit. Dann kann er sich auch auf weitere Stellen in der KBS bewerben. „Irgendwann würde ich gerne als Gruppenleiter arbeiten“, sagt Roland Weßel und fügt an: „Aber bis dahin muss ich noch viel lernen.“

Mehr Personal vor allem im sozialen Bereich

Die Rentenversicherung ist nur ein möglicher Arbeitgeber im öffentlichen Dienst. Darüber hinaus gibt es viele weitere Behörden und Institutionen. Dazu zählen etwa Bund, Länder, Landkreise und Kommunen. Hinzu kommen die Bundeswehr, Gerichte, Schulen, Hochschulen sowie staatliche Krankenhäuser. (Mögliche Berufe im nicht-technischen gehobenen Dienst listet die Übersicht „Arbeitgeber von Kommune bis Bund“ auf.)

Laut dem Statistischen Bundesamt waren am 30. Juni 2016 rund 4,7 Millionen Beschäftigte im öffentlichen Dienst tätig, fast ein Prozent mehr als im Vorjahr. Vor allem im sozialen Bereich – hier besonders in der Hilfe für Asylbewerber oder beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) – wuchs der Personalstand stark an.

Rund 36 Prozent der Beschäftigten des öffentlichen Dienstes waren Mitte 2016 im Beamtenverhältnis oder als Richter tätig, 61 Prozent als Arbeitnehmer, der Rest als Berufs- und Zeitsoldaten. (Über weitere Jobmöglichkeiten bei der Bundeswehr liest du in der Reportage „Drohnen und Co. auf dem Prüfstand.") „Angestellte können im Gegensatz zu Beamten gekündigt werden, aber auch einfacher in die Wirtschaft wechseln“, erklärt Kurt Hägerbäumer, Berufsberater bei der Agentur für Arbeit in Bonn. (Mehr zu den Vor- und Nachteilen des Beamtenstatus sowie den Chancen für Absolventen liest du hier „Der Beamtenstatus ist ein Trumpf“.) „Allerdings verdienen sie im öffentlichen Dienst in der Regel weniger als bei einem Unternehmen“, ergänzt der Berufsberater. Das Gehalt eines Beamten ist in Besoldungsgruppen gestaffelt, die sich an Alter und Berufserfahrung orientieren.

Berufswunsch bedingt den Abschluss

Bachelorabsolventen können im öffentlichen Dienst Laufbahnen des gehobenen technischen oder nicht-technischen Dienstes einschlagen und arbeiten zum Beispiel als Sachbearbeiter oder als Sachgebietsleiter. (Ein Beispiel bietet dir die Reportage „Die Diplomatin von morgen“.) Für den höheren Dienst, die höchste Beamtenlaufbahn, ist ein Masterabschluss Voraussetzung. „Dabei muss das Studium nicht unbedingt an einer Verwaltungshochschule erfolgt sein“, erklärt Kurt Hägerbäumer. Auch mit Jura, Public Management, Ingenieurwissenschaften, Verwaltungsinformatik und anderen Studiengängen ist ein Einstieg in den öffentlichen Dienst möglich.

Übrigens: Manche Bundesländer nennen die Laufbahn zum höheren Dienst auch „Zweites Einstiegsamt der zweiten Laufbahngruppe“ oder Qualifikationsebene 4. Ohnehin können sich Regelungen von Bundesland zu Bundesland unterscheiden.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Öffentlicher Dienst) www.berufenet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

http://www.jobboerse.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.

www.studienwahl.de

durchstaaten.de

Online-Portal der Bundesregierung mit Informationen rund um das Arbeiten im öffentlichen Dienst

www.durchstaaten.de

Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung

www.hsbund.de

Hochschule der Bundesagentur für Arbeit (HdBA)

www.hdba.de

Universität der Bundeswehr München

www.unibw.de

DBB Beamtenbund und Tarifunion

www.dbb.de

DBB jugend

www.dbb.de/der-dbb/jugend.html

 

 

Studieren im öffentlichen Dienst – Interview

„Der Beamtenstatus ist ein Trumpf“

Welche Vor- und Nachteile bieten sich Beamten im öffentlichen Dienst? Und wie steht es überhaupt um die Chancen für heutige Abiturienten, die Polizisten, Richter, Sachbearbeiter und Co. werden möchten? abi>> sprach mit Dr. Frank Zitka, Pressesprecher der Gewerkschaft DBB Beamtenbund und Tarifunion.

abi>> Herr Dr. Zitka, wie stehen derzeit die Chancen, verbeamtet zu werden?

Dr. Frank Zitka: Es gibt einen enormen Nachwuchsmangel im öffentlichen Dienst, unter anderem aufgrund des demografischen Wandels. Polizisten, Lehrer, Sozialarbeiter, Erzieher und andere Beamte sind derzeit gesucht. Auch im technischen Bereich, etwa bei Ingenieuren oder Lehrern an Berufsschulen, herrscht schon lange ein Mangel an Bewerbern. Das liegt vor allem daran, dass Wirtschaftsunternehmen Absolventen mit technischem Abschluss oder IT-Kenntnissen wesentlich besser bezahlen und damit eine große Konkurrenz für den öffentlichen Dienst sind. Je höher die geforderte Qualifikation, umso schwieriger ist es für die Behörden, geeignete Leute zu finden.

abi>> Wird jeder, der für den öffentlichen Dienst studiert, auch verbeamtet?

Ein Porträt-Foto von Dr. Frank Zitka

Dr. Frank Zitka

Foto: Marco Urban

Dr. Frank Zitka: In manchen Berufen ist es Pflicht, Beamter zu sein, etwa als Polizist, im Justizvollzug oder als Oberstufenlehrer in Westdeutschland. In anderen, vor allem technischen Berufen, ist es komplizierter. Dort gibt es einen häufigeren Wechsel zwischen öffentlichem Dienst und Privatwirtschaft. Wenn sie aber, wie als Beamter, ihre Versorgungsansprüche beim Wechseln nicht mitnehmen können, ist das schwierig. Generell ist aber der Beamtenstatus für die Arbeitgeber im öffentlichen Dienst ein Trumpf, um bei der Suche nach Bewerbern zu punkten. Als Beamter hat man eine sehr sichere Berufsperspektive bis in den Ruhestand hinein. Außerdem wird das Thema familienfreundliche Arbeitszeiten im öffentlichen Dienst größer geschrieben als in der freien Wirtschaft.

abi>> Wie flexibel müssen Beamte sein, wenn es um Versetzungen geht?

Dr. Frank Zitka: Man muss innerhalb des Gebiets seines Dienstherrn flexibel sein, also innerhalb einer Kommune, eines Bundeslandes oder im ganzen Land – zum Beispiel als Bundespolizist oder in einem Bundesministerium. Allerdings wird hier durchaus Rücksicht auf Familienplanung und persönliche Wünsche genommen. Aber theoretisch besteht für Beamte die Pflicht, sich nach Bedarf des Dienstherrn im Rahmen ihrer Qualifikation versetzen zu lassen.

abi>> Was sind die Vorteile eines Einstiegs in den öffentlichen Dienst?

Dr. Frank Zitka: Der wichtigste Vorteil ist die soziale Absicherung. Man kann im öffentlichen Dienst nicht reich werden, aber man erhält eine planbare Perspektive im Hinblick auf den beruflichen Werdegang, die Einkommensentwicklung und die Pensionsaussichten. Manchen Menschen ist Sicherheit besonders wichtig, die sind als Beamte gut aufgehoben. Auch wer gerne fürs Gemeinwohl arbeiten möchte, wird als Beamter seine Erfüllung finden.

abi>> Und was sind die Nachteile?

Dr. Frank Zitka: Menschen, die flexibel durchs Leben gehen und viel Geld verdienen wollen, werden wahrscheinlich als Beamte nicht so glücklich werden. Dienstherr und Beschäftigte binden sich nun mal aneinander – das empfinden manche als Nachteil. Im Grunde ist es also auch eine Typfrage, ob jemand Beamter werden sollte oder nicht.

 

Studieren im öffentlichen Dienst – Berufsübersicht

Arbeitgeber von Kommune bis Bund

Für welche Arbeitgeber können Beamte und Angestellte im gehobenen nicht-technischen Dienst tätig sein? abi>> zeigt dir einige Beispiele auf.

Beamter/Beamtin im gehobenen Dienst der Allgemeinen (Inneren) Verwaltung

Aufgaben: nehmen Sachbearbeitungs- und Führungsaufgaben wahr; treffen Verwaltungsentscheidungen auf Grundlage rechtlicher Vorschriften; überwachen die Einhaltung von Gesetzen; beraten Bürger

Mögliche Arbeitgeber: Bundes-, Landes- oder Kommunalbehörden der allgemeinen und inneren Verwaltung, zum Beispiel in der Bauverwaltung, Wirtschaftsförderung, im Verkehrswesen, bei Landesbehörden der allgemeinen Verwaltung oder der Staatsfinanzverwaltung

Arbeitsmarktmanager/in

Aufgaben: vermitteln, beraten und integrieren Arbeitnehmerkunden; unterstützen Arbeitgeberkunden zum Beispiel bei der Personalbeschaffung; bearbeiten Anträge auf Leistungen der Arbeitsförderung; nehmen Aufgaben im Personalbereich, im Controlling oder bei der Aufbereitung von Daten wahr

Mögliche Arbeitgeber: Agenturen für Arbeit, Jobcenter, Unternehmen der privatwirtschaftlichen Arbeitsvermittlung, Karriereberatungen

Beamter/Beamtin im gehobenen Bundeskriminaldienst

Aufgaben: ermitteln Straftäter, die bundesweit oder im internationalen Bereich aktiv sind, und nehmen sie fest; erfüllen den gesetzlichen Auftrag der Polizei zur Abwehr von Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung

Arbeitgeber: Bundeskriminalamt

Beamter/Beamtin im gehobenen Auswärtigen Dienst

Aufgaben: erledigen Sachbearbeitungs- und Verwaltungsaufgaben in der Zentrale des Auswärtigen Amts in Berlin sowie bei den Auslandsvertretungen der Bundesrepublik, unter anderem im Rechts- und Konsularbereich, in Verwaltung, Wirtschaft, entwicklungspolitischer Zusammenarbeit, Kultur oder Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mögliche Arbeitgeber: Deutsche Auslandsvertretungen weltweit, etwa Botschaften, Generalkonsulate, Konsulate, Außenstellen und Verbindungsbüros, Ständige Vertretungen bei internationalen Organisationen; Zentrale des Auswärtigen Amts in Deutschland

Beamter/Beamtin im gehobenen Dienst der Wehrverwaltung

Aufgaben: Leitungs- und Verwaltungstätigkeiten in den verschiedenen Aufgabenbereichen der Bundeswehrverwaltung ausführen, etwa im Personal-, Haushalts-, Beschaffungs- oder im Liegenschafts- und Bauwesen

Mögliche Arbeitgeber: Dienststellen der Bundeswehrverwaltung, etwa das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr, das Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr, nachgeordnete Dienststellen, das Bundesverwaltungsamt oder Bundesministerium der Verteidigung

 

Beratung für Bildung, Beruf und Beschäftigung

Vermittler in die Berufswelt

Der duale Bachelorstudiengang „Beratung für Bildung, Beruf und Beschäftigung“ ist einmalig in Deutschland. Jannik Gaspers (23) studiert diesen an der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit (HdBA) in Mannheim und arbeitet in den Praxistrimestern bei verschiedenen Agenturen für Arbeit rund um Mönchengladbach.

Nach seinem Abitur und einem Freiwilligen Sozialen Jahr wollte Jannik Gaspers „Soziale Arbeit“ studieren, ergatterte aber keinen Studienplatz. „Meine Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit stellte mir daraufhin andere Studiengänge und duale Berufsausbildungen vor. Da mir der Kontakt mit Menschen, ein abwechslungsreicher Berufsalltag, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie eine gewisse Jobsicherheit sehr wichtig waren, entschied ich mich für ein Studium bei der Bundesagentur für Arbeit“, berichtet der 23-Jährige.

Nach seiner Bewerbung bei der Agentur für Arbeit Mönchengladbach absolvierte er einen computerbasierten Eignungstest, sprach mit einer Berufspsychologin und durchlief ein Assessment Center. „Ein paar Wochen später bekam ich die Zusage für den Studiengang ‚Beratung für Bildung, Beruf und Beschäftigung‘“, erzählt er.

Wirtschaft, Soziales und Recht im Fokus

Ein Porträt-Foto von Jannik Gaspers

Jannik Gaspers

Foto: privat

Seit Studienbeginn wechselt er alle vier Monate den Einsatzort, denn das Studium an der HdBA ist in Trimester aufgeteilt: Die Theorie erlernt Jannik Gaspers an der Hochschule in Mannheim, wo er sich eine Wohnung mit einem Kommilitonen teilt. Die Praxisphasen finden in Mönchengladbach und den dazugehörigen Agenturen für Arbeit statt, sodass der Student für diese bei seinen Eltern in Neuss wohnen kann.

Das duale Studium dauert insgesamt drei Jahre und schließt mit einem Bachelor of Arts ab. „Es beinhaltet eine Kombination aus Wirtschafts-, Sozial- und Rechtswissenschaften. Hinzu kommen übergreifende Fächer, zum Beispiel Statistik oder ein Forschungsseminar“, berichtet der Student, der gerade das zweite Studienjahr begonnen hat. Im dritten praktischen Trimester haben die Studierenden die Möglichkeit, ein Auslandspraktikum zu absolvieren, zum Beispiel im Career Center einer Universität. „Außerdem haben wir eine Woche in einer sozialen Einrichtung hospitiert. Ich war bei der Caritas“, erzählt er.

Jeder Kunde ist anders

In den Praxiseinheiten in verschiedenen Agenturen für Arbeit hat er bereits mehrere Abteilungen kennengelernt – von der Leistungsabteilung über die Berufsberatung und den Arbeitgeberservice bis zur Arbeitsvermittlung. Auch ein Einsatz im Jobcenter und am Empfang war dabei. „Anfangs habe ich den Mitarbeitenden hauptsächlich über die Schulter geschaut, mittlerweile darf ich schon selbst – in Begleitung eines erfahrenen Kollegen – Beratungsgespräche führen“, sagt Jannik Gaspers.

„Das Spannende an der Arbeit ist, dass sich jeder Kunde und dadurch jedes Anliegen unterscheidet, was zu einem abwechslungsreichen Arbeitsalltag führt. Berufsberater müssen sich flexibel auf verschiedene Situationen einstellen können“, lautet sein bisheriges Fazit. „Manche Schicksale unserer Kunden können auch belastend für die Mitarbeiter sein. Daher ist es wichtig, Privates und Berufliches zu trennen“, hat der Student gelernt. Im Zweifel stehen immer auch der Vorgesetzte oder andere Kollegen für Gespräche bereit.

Nach seinem Studium möchte der 23-Jährige am liebsten in der Berufs- oder der Rehabilitationsberatung tätig sein. Letztere umfasst die Wiedereingliederung von Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen in den Arbeitsalltag. Die Bundesagentur für Arbeit bietet den Studierenden der HdBA im Anschluss an das erfolgreich abgeschlossene Studium ein unbefristetes Arbeitsverhältnis an.

 

Vorbereitungsdienst Auswärtiges Amt

Die Diplomatin von morgen

Joelle Maureen Heidemann studiert unter anderem an der Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung in Berlin und bereitet sich dort auf ihren Dienst für das Auswärtigen Amt vor.

„Ich wollte ein Studium wählen, dass verschiedene Fachbereiche vereint: Sprachen, Recht, Wirtschaft und mehr. Dadurch bin ich auf den Vorbereitungsdienst für das Auswärtige Amt aufmerksam geworden“, erinnert sich Joelle Maureen Heidemann. Nach dem Abitur verbrachte sie zunächst sechs Monate in Taiwan, um Chinesisch zu lernen. Von dort aus bewarb sie sich online auf das Studium an der Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung im Fachbereich Auswärtige Angelegenheiten.

Voraussetzung für eine Bewerbung ist das Abitur, die deutsche Staatsangehörigkeit und Kenntnisse in Englisch und Französisch oder einer anderen Fremdsprache. „Ich durchlief nach meiner Rückkehr aus Taiwan einen Test zum Allgemeinwissen, zu rechtlichen Fragen, zum politischen Verständnis und zur interkulturellen Kompetenz und wurde als eine unter 55 Studierenden ausgewählt“, freut sich Joelle Maureen Heidemann noch heute.

Fokus auf Sprachen, Recht und Wirtschaft

Ein Porträt-Foto von Joelle Heidemann

Joelle Heidemann

Foto: privat

Ihr duales Studium begann mit dem Grundstudium an der Akademie des Auswärtigen Amtes in Berlin-Tegel, in dem unter anderem Sprachen, Recht, Betriebs- und Volkswirtschaftslehre auf dem Stundenplan standen. „Nach sieben Monaten ging es ins fünfmonatige Inlandspraktikum in der Zentrale des Auswärtigen Amtes, wo wir eine der sieben Abteilungen kennengelernt haben. Ich war im Wirtschaftsreferat eingesetzt“, berichtet die 20-Jährige.

Im anschließenden ersten Teil des Hauptstudiums an der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege in Berlin, das die Studentin mittlerweile erreicht hat, liegt der Schwerpunkt ein halbes Jahr lang auf Rechtsthemen – vom Erb- über das Familien- bis zum Wirtschaftsrecht. „Für mein Auslandspraktikum werde ich acht Monate an unsere Auslandsvertretung nach Shanghai gehen, um meine Chinesischkenntnisse weiter zu verbessern“, sagt Joelle Maureen Heidemann. In den letzten neun Monaten werden ein Sprachintensivkurs und der zweite Abschnitt des Hauptstudiums stattfinden, in dem es noch einmal um rechtliche und wirtschaftliche Themen geht. Mit dem Studienabschluss darf sich die Studentin Diplom-Verwaltungswirtin (FH) nennen. „Bereits seit meinem Studienbeginn bin ich Beamtin auf Widerruf“, erklärt Joelle Maureen Heidemann. „Nach bestandener Abschlussprüfung bin ich Beamtin auf Probe, nach weiteren fünf Jahren Beamtin auf Lebenszeit.“

Flexibilität ist das A und O für Diplomaten

Schon jetzt weiß die Studentin, dass sie in ihrem Beruf alle vier Jahre Einsatzort und Aufgaben wechseln wird. „Genau das finde ich so reizvoll am Beruf des Diplomaten“, betont die angehende Verwaltungswirtin – und hat daher einen Tipp für alle, die ebenfalls später beim Auswärtigen Amt arbeiten möchten: „Man sollte sich vorher Gedanken machen, ob man der Typ für ständige Orts- und Aufgabenwechsel ist. Außerdem ist nicht nur die fachliche Kompetenz wichtig, sondern auch kommunikative und soziale Fähigkeiten. Schließlich hat man es als Diplomat mir vielen unterschiedlichen Menschen in den verschiedensten Kulturen zu tun.“

Wo sie nach dem Studium eingesetzt wird, steht derzeit noch offen. Die Liste der möglichen Einsatzorte, auf die sie sich bewerben kann, erhält sie erst ein Jahr vor ihrem Einsatz – auch Krisengebiete könnten darunter sein. „Wir verpflichten uns, grundsätzlich uneingeschränkt weltweit eingesetzt zu werden.“ Dennoch hat sie einen Wunsch: „Gerne würde ich länger in Südostasien arbeiten. Taiwan hat mir einen ersten Einblick in diese Region gegeben, die ich noch näher kennenlernen möchte.“

 

Technischer Verwaltungsdienst

Drohnen und Co. auf dem Prüfstand

Nach ihrem Ingenieurstudium an der Universität der Bundeswehr arbeitet Maria Rathke nun als angehende Musterprüferin beim Luftfahrtamt der Bundeswehr.

Ihre Familie war Maria Rathke in Sachen Studien- und Berufswahl eine große Inspiration: „Meine Eltern sind sehr technikaffin und da mir Fächer wie Mathematik und Physik schon in der Schule Spaß gemacht haben, wollte ich ein Ingenieurstudium aufnehmen.“ Über ihre Mutter, die bei der Bundeswehr in der Personalabteilung im Recruiting arbeitet, kam sie auf die Idee des dualen Studiums bei der Bundeswehr. „Ich bewarb mich erfolgreich auf den Studiengang Wehrtechnik, ein Maschinenbaustudium mit integrierter Laufbahnausbildung für den gehobenen Dienst“, erzählt die heute 25-jährige Absolventin. Für diesen hatte sie den Schwerpunkt Luftfahrtechnik gewählt. Parallel zum Studium an der Universität der Bundeswehr in München absolvierte die Studentin zwei jeweils dreimonatige Praktika in verschiedenen Dienststellen der Bundeswehr.

Seit ihrem Abschluss darf sie sich Technische Regierungsoberinspektorin nennen. „Das Besondere an diesem Weg ist, dass ich schon im Studium Beamtin auf Widerruf war. Nun bin ich Beamtin auf Probe und mache beim Luftfahrtamt der Bundeswehr in Köln eine weitere, vierjährige Ausbildung zur Musterprüferin.“ Nach einigen Jahren Berufserfahrung wird sie Beamtin auf Lebenszeit sein.

Flugzeugbauern auf die Finger schauen

Ein Porträt-Foto von Maria Rathke

Maria Rathke

Foto: privat

Musterprüfer haben die Aufgabe, neue Luftfahrzeuge auf ihre Verkehrssicherheit hin zu überprüfen. Maria Rathke ist in mehreren Projekten eingesetzt, ihr Schwerpunkt liegt derzeit auf der Prüfung eines unbemannten Luftfahrzeugsystems, also einer Drohne, die in wenigen Jahren an die Bundeswehr geliefert werden soll. „Wir fahren regelmäßig zu der Firma, die das Luftfahrzeug produziert, besprechen unsere Anforderungen und überprüfen, ob die Vereinbarungen für die Zulassungen eingehalten werden. Die produzierenden Firmen und wir müssen uns an strengen internationalen und nationalen Standards orientieren“, erklärt sie ihre Aufgaben. Wie müssen die Systeme entwickelt werden, damit sie in Deutschland geflogen werden dürfen? Ist der Zulassungsplan noch in der Zeit? Stimmen die Leistungsdaten, die für die Sicherheit vereinbart wurden? Mit diesen und vielen weiteren Fragen beschäftigt sie sich täglich.

Etwa die Hälfte ihrer Arbeitszeit ist Maria Rathke für Besprechungen – intern und mit den Firmen – sowie für zahlreiche Lehrgänge in ganz Deutschland und im Ausland unterwegs. Die andere Hälfte verbringt sie im Büro, um die Dokumentationen der Firmen zu prüfen und die Ergebnisse der Besprechungen schriftlich festzuhalten. Für ihre Vorgesetzten muss sie zudem regelmäßig Sachstandinformationen zum Verlauf der Projekte schreiben.

Technikaffin und durchsetzungsfähig

„Für die Arbeit als Musterprüfer muss man ein gutes Organisationstalent und viel technisches Verständnis mitbringen“, sagt die Maschinenbauingenieurin. Außerdem wird hohe Flexibilität und Mobilität für die vielen Dienstreisen, ebenso Durchsetzungsvermögen verlangt. „Man darf in den Besprechungen nicht schüchtern sein, sondern muss genau nachfragen, damit alle Vorgänge korrekt ausgeführt werden“, betont sie.

Je mehr Erfahrung sie sammelt, desto mehr Aufgaben kann sie eigenverantwortlich übernehmen. „Das Maschinenbaustudium hat mich auf jeden Fall gut auf meine heutigen Aufgaben vorbereitet“, findet sie. „Und der Wissenserwerb nimmt kein Ende, denn in einem schnelllebigen Technikbereich wie der Luftfahrt lernt man schließlich nie aus.“


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Stand: 18.09.2019