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„Der Beamtenstatus ist ein Trumpf“

Hohe Regale mit vielen Steuerakten
Der Beamtenstatus sichert die Berufsperspektive bis in den Ruhestand hinein, erschwert aber auch die Flexibilität der Beschäftigten.
Foto: Martin Rehm

Studieren im öffentlichen Dienst – Interview

„Der Beamtenstatus ist ein Trumpf“

Welche Vor- und Nachteile bieten sich Beamten im öffentlichen Dienst? Und wie steht es überhaupt um die Chancen für heutige Abiturienten, die Polizisten, Richter, Sachbearbeiter und Co. werden möchten? abi>> sprach mit Dr. Frank Zitka, Pressesprecher der Gewerkschaft DBB Beamtenbund und Tarifunion.

abi>> Herr Dr. Zitka, wie stehen derzeit die Chancen, verbeamtet zu werden?

Dr. Frank Zitka: Es gibt einen enormen Nachwuchsmangel im öffentlichen Dienst, unter anderem aufgrund des demografischen Wandels. Polizisten, Lehrer, Sozialarbeiter, Erzieher und andere Beamte sind derzeit gesucht. Auch im technischen Bereich, etwa bei Ingenieuren oder Lehrern an Berufsschulen, herrscht schon lange ein Mangel an Bewerbern. Das liegt vor allem daran, dass Wirtschaftsunternehmen Absolventen mit technischem Abschluss oder IT-Kenntnissen wesentlich besser bezahlen und damit eine große Konkurrenz für den öffentlichen Dienst sind. Je höher die geforderte Qualifikation, umso schwieriger ist es für die Behörden, geeignete Leute zu finden.

abi>> Wird jeder, der für den öffentlichen Dienst studiert, auch verbeamtet?

Ein Porträt-Foto von Dr. Frank Zitka

Dr. Frank Zitka

Foto: Marco Urban

Dr. Frank Zitka: In manchen Berufen ist es Pflicht, Beamter zu sein, etwa als Polizist, im Justizvollzug oder als Oberstufenlehrer in Westdeutschland. In anderen, vor allem technischen Berufen, ist es komplizierter. Dort gibt es einen häufigeren Wechsel zwischen öffentlichem Dienst und Privatwirtschaft. Wenn sie aber, wie als Beamter, ihre Versorgungsansprüche beim Wechseln nicht mitnehmen können, ist das schwierig. Generell ist aber der Beamtenstatus für die Arbeitgeber im öffentlichen Dienst ein Trumpf, um bei der Suche nach Bewerbern zu punkten. Als Beamter hat man eine sehr sichere Berufsperspektive bis in den Ruhestand hinein. Außerdem wird das Thema familienfreundliche Arbeitszeiten im öffentlichen Dienst größer geschrieben als in der freien Wirtschaft.

abi>> Wie flexibel müssen Beamte sein, wenn es um Versetzungen geht?

Dr. Frank Zitka: Man muss innerhalb des Gebiets seines Dienstherrn flexibel sein, also innerhalb einer Kommune, eines Bundeslandes oder im ganzen Land – zum Beispiel als Bundespolizist oder in einem Bundesministerium. Allerdings wird hier durchaus Rücksicht auf Familienplanung und persönliche Wünsche genommen. Aber theoretisch besteht für Beamte die Pflicht, sich nach Bedarf des Dienstherrn im Rahmen ihrer Qualifikation versetzen zu lassen.

abi>> Was sind die Vorteile eines Einstiegs in den öffentlichen Dienst?

Dr. Frank Zitka: Der wichtigste Vorteil ist die soziale Absicherung. Man kann im öffentlichen Dienst nicht reich werden, aber man erhält eine planbare Perspektive im Hinblick auf den beruflichen Werdegang, die Einkommensentwicklung und die Pensionsaussichten. Manchen Menschen ist Sicherheit besonders wichtig, die sind als Beamte gut aufgehoben. Auch wer gerne fürs Gemeinwohl arbeiten möchte, wird als Beamter seine Erfüllung finden.

abi>> Und was sind die Nachteile?

Dr. Frank Zitka: Menschen, die flexibel durchs Leben gehen und viel Geld verdienen wollen, werden wahrscheinlich als Beamte nicht so glücklich werden. Dienstherr und Beschäftigte binden sich nun mal aneinander – das empfinden manche als Nachteil. Im Grunde ist es also auch eine Typfrage, ob jemand Beamter werden sollte oder nicht.

abi>> 29.01.2018