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Tiefe Einblicke in das System Krankenhaus

Junge Krankenpflegerin bereitet eine Patientin für eine Infusion vor.
In der Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin lernt Melanie Hertschek den Alltag im Krankenhaus kennen.
Foto: Julien Fertl

Angewandte Gesundheitswissenschaften für Pflege dual

Tiefe Einblicke in das System Krankenhaus

Vier Jahre dauert das duale Studium „Angewandte Gesundheitswissenschaften für Pflege“ von Melanie Hertschek aus Stuttgart. Wenn sie es abgeschlossen hat, kann sie gleich zwei Abschlüsse vorweisen: den Bachelor of Arts und die Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin.

Studieren und gleichzeitig eine Ausbildung absolvieren – dieser Weg hat Melanie Hertschek überzeugt. Nach ihrem Abitur 2012 entschied sie sich zunächst für ein praxisintegrierendes Studium an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Stuttgart im Studiengang „BWL-Finanzdienstleistungen“. Dieser entsprach jedoch nicht ihren Vorstellungen – das duale Studienmodell hingegen schon: „Mir gefiel, dass Studium und Ausbildung eng miteinander verknüpft sind – wenn man schon früh Praxiserfahrungen sammelt, merkt man auch schnell, ob der Studiengang zu einem passt.“

Erfolgreicher Wechsel

Ein Porträt-Foto von Melanie Hertschek

Melanie Hertschek

Foto: privat

Also blieb sie beim dualen System, wechselte aber ins Fach „Angewandte Gesundheitswissenschaften für Pflege“. „Während eines Praktikums in einem Pflegeheim stellte ich fest, dass ich zukünftig im Bereich Pflege und Gesundheit arbeiten möchte“, begründet Melanie Hertschek ihre Wahl. „Bei meiner Recherche stieß ich auf das duale Ausbildungsangebot des Robert-Bosch-Krankenhauses in Stuttgart und bewarb mich dort.“ Denn um an der DHBW für einen ausbildungsintegrierten Studienplatz zugelassen zu werden, ist ein Studien- und Ausbildungsvertrag eines Partnerbetriebs erforderlich.

Mit rund 30 weiteren Bewerbern wurde Melanie Hertschek zu einem Assessment-Center eingeladen. „Wir bekamen verschiedene Aufgaben – unter anderem sollten wir an Gruppendiskussionen teilnehmen. Zwei Personaler haben beobachtet, wie sich die Teilnehmer einbringen, und sortierten danach die ersten Bewerber aus“, erinnert sich die duale Studentin. „In der zweiten Hälfte fanden Einzelgespräche mit den verbliebenen Teilnehmern statt.“ Melanie Hertschek schlug sich gut und gehörte zu den erfolgreichen Bewerbern – somit konnte sie sich auch kurz darauf an der Hochschule einschreiben.

Ausbildung startet zuerst

Ihre dreijährige praktische Ausbildung begann im Oktober 2013 – ein Jahr vor der Studienphase. „Wie normale Azubis auch, haben wir den Stationsalltag kennengelernt: Zum Beispiel, wie wir die Patientenversorgung mitgestalten, evaluieren und welche Aspekte verbessert werden könnten“, sagt Melanie Hertschek. „In der Palliativstation habe ich erfahren, wie Pfleger Patienten bei der Schmerztherapie begleiten. Und in der hämatologisch-onkologischen Station befasste ich mich mit Stammzelltransplantationen.“ Als duale Studentin erhielt sie vom Krankenhaus eine ähnliche Vergütung wie normale Azubis.

Ab dem zweiten Ausbildungsjahr besuchte sie auch die DHBW Stuttgart. „Während der Ausbildung dauerten die Präsenzphasen an der Hochschule drei bis vier Wochen pro Semester“, erläutert die Studentin, die nun im sechsten Semester ist. Inhaltlich wurden Grundlagen aus der Pflege, den Gesundheitswissenschaften und der Gesundheitswirtschaft vermittelt. Zum Beispiel beschäftigten sich die Studierenden mit komplexen Pflege- und Betreuungssituationen, Rehabilitation aktuellen Forschungen und Grundfragen der Ethik. Auch wirtschaftliche Aspekte standen auf dem Lehrplan, ebenso wie Schlüsselkompetenzen in Bereichen wie wissenschaftliches Arbeiten und IT. Außerdem besuchten die dualen Studierenden eine Krankenpflegeschule.

Gutes Zeitmanagement

Wer sich für diese Studienvariante entscheidet, müsse gut organisiert sein und ein gewisses Maß an Disziplin mitbringen, findet Melanie Hertschek: „Vor allem, als wir das Examen an der Krankenpflegeschule vorbereitet haben, standen wir unter Zeitdruck. Denn in derselben Zeit mussten wir für die Hochschule eine bis zu 30 Seiten lange Projektarbeit schreiben.“ Doch mit einem guten Zeitmanagement könne man das duale Studium erfolgreich absolvieren.

Nachdem sie ihre Ausbildung 2016 abgeschlossen hat, folgt nun die letzte Phase des dualen Studiums. Diese verbringt sie zur einen Hälfte in der Hochschule, zur anderen im Krankenhaus, wo sie als Gesundheits- und Krankenpflegerin arbeitet.

Job bereits in der Tasche

Wie es nach ihrem Bachelorabschluss weitergeht, weiß sie bereits: „Ab Oktober arbeite ich für die Techniker-Krankenkasse in der Abrechnungsabteilung“, erklärt Melanie Hertschek. Unter anderem wird sie die Abrechnungen von Krankenhäusern auf ihre Richtigkeit überprüfen.

„Die Gesundheitsbranche befindet sich in Deutschland noch im Umbruch und leider gibt es hier noch nicht viele Stellen für Absolventen dualer Studiengänge. Ich habe also Glück, dass ich so schnell eine Stelle gefunden habe, bei der ich auch mein im Studium erlangtes gesundheitsökonomisches Wissen anwenden kann“, betont die duale Studentin.

abi>> 19.09.2017