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Brückenbauer zwischen Beruf und Wissenschaft

Studierende laufen durch einen Gang an der Hochschule.
Zwischen zwei Welten: An der Hochschule wird dual Studierenden das wissenschaftliche Arbeiten beigebracht, im Unternehmen wiederum bekommen sie vertiefte Einblicke in den beruflichen Alltag
Foto: Katharina Kemme

Duales Studium – Hintergrund

Brückenbauer zwischen Beruf und Wissenschaft

Um eine besonders praxisnahe Variante des Studierens zu schaffen, wurde vor mehr als 40 Jahren das duale Studium eingeführt – ein Modell, das sich großer Beliebtheit erfreut: Mittlerweile werden in Deutschland mehr als 1.600 duale Studiengänge angeboten.

Den Alltag der Heizungssanitärbranche lernte Sebastian Bleser schon als Kind im Betrieb seines Vaters kennen. Früher durfte er in den Schulferien dort aushelfen. Doch während sein Vater noch eine klassische Ausbildung absolvierte, hat sich Sebastian Bleser für ein duales Studium entschieden.

Seit 2004 bieten in Trier die Hochschule, die Handwerkskammer, die Berufsbildende Schule für Gewerbe und Technik sowie die Innung für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik ein duales Studium in der technischen Gebäudeausrüstung und Versorgungstechnik an. Für Sebastian Bleser, mittlerweile Student im sechsten Semester, war das genau der passende Ausbildungsweg: „Der Berufszweig hat mich interessiert, außerdem werden in der Branche immer Fachkräfte gebraucht“, sagt er – das ist er mit Studium und Ausbildung in einem gleich in doppelter Hinsicht.

Parallel lernen und arbeiten

Dank des dualen Studiums konnte er frühzeitig Praxiserfahrungen sammeln. „Jetzt weiß ich, in welchen Situationen Probleme auftreten können und wie man damit umgeht – der Beruf wirkt dadurch nicht mehr so abstrakt“, sagt er. Ein weiterer Pluspunkt: Innerhalb von fünf Jahren erlangt er zwei Abschlüsse – den Bachelor of Engineering und einen Berufsabschluss als Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik.

Dafür absolvierte er eine verkürzte und modifizierte betriebliche Lehre sowie ein Studium, außerdem besuchte er eine Berufsschule. Den ersten Teil der Ausbildung begann Sebastian Bleser vor seinem Studium – 17 Monate verbrachte er in einer Firma, die Ein- und Mehrfamilienhäuser ausstattet. „Anschließend ging es für vier Semester an die Hochschule“, erinnert sich der duale Student. „Dann folgt ein Praxissemester, in dem ich mich auf die Gesellenprüfung vorbereitete. In der Zeit war ich in einer Heizungssanitärfirma tätig, die auf große, öffentliche Gebäude spezialisiert ist.“ Die Ausbildung dauert insgesamt zwei Jahre – die Praxisphasen können sich die dual Studierenden zwischen der Zeit vor Studienbeginn, den Semesterferien und dem Praxissemester aufteilen.

Das sechste und siebte Semester verbringen die Studierenden wieder an der Hochschule und schreiben im letzten Semester ihre Bachelorarbeit.

Pauken im Dreierpack

Ein Porträt-Foto von Sebastian Bleser

Sebastian Bleser

Foto: privat

Sebastian Blesers Bewerbung verlief problemlos: „Beide Firmen haben mich sofort eingestellt und waren begeistert vom dualen Konzept: Sie haben gemerkt, dass dual Studierende besonders motiviert und leistungsbereit sind“, schildert er. An der Hochschule Trier war die einzige Zulassungsvoraussetzung die Fachhochschulreife beziehungsweise die allgemeine Hochschulreife.

In den Betrieben wurde ihm vor allem handwerkliches Wissen zu Abfluss- und Heizungssystemen vermittelt: „Ich absolvierte eine normale Ausbildung, in der ich zum Beispiel auch Regelwerke kennenlernte, die an Baustellen zu beachten sind.“ Mit Grundlagenfächern wie Physik, Chemie und technischer Thermodynamik befasste er sich im Studium. „Später wurde es mit ingenieurtechnischen Fächern spezifischer. Vertiefende Einblicke in die jeweiligen Themen erhielten wir auch in Seminaren und Exkursionen.“ Die naturwissenschaftlichen Fächer hätten die meisten seiner Kommilitonen als besonders schwer empfunden, sagt Sebastian Bleser. „Das Lernen an der Hochschule ist anders als an der Berufsschule – das darf man nicht zu locker nehmen.“

Über seine berufliche Zukunft macht er sich keine Sorgen: „Auf dem Arbeitsmarkt herrscht eine unglaublich große Nachfrage in diesem Fachbereich. Ich könnte mir vorstellen, in einem Ingenieurbüro zu arbeiten. Später würde ich auch gerne in die Firma meines Vaters einsteigen“, erzählt der duale Student. Doch bis es soweit ist, möchte er zuerst noch einen Master absolvieren.

Zwei Modelle für Abiturienten

Ein Porträt-Foto von Silvia Hofmann.

Silvia Hofmann

Foto: Edmund Schenk

Ungeachtet der Fachrichtung zeichnet das duale Studium im Vergleich zu klassischen Studiengängen ein höherer Praxisbezug aus, definiert AusbildungPlus, ein Projekt des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) (siehe auch „Ein direkter Zugang zum Arbeitsalltag“). Das heißt: Die Berufspraxis im Betrieb und das Studium an der Hochschule sind organisatorisch und inhaltlich eng miteinander verknüpft. Projektsprecherin Silvia Hofmann erklärt: „Zu unterscheiden sind vier Formate: In der Erstausbildung das ausbildungsintegrierende und das praxisintegrierende, im Bereich der Weiterbildung ebenfalls das praxisintegrierende sowie das berufsintegrierende duale Studium. Für die berufliche Weiterbildung sind das Angebote, wenn bereits ein erster berufsqualifizierender Abschluss vorliegt.“ Für Abiturienten sind daher die ausbildungs- und praxisintegrierenden Studiengänge interessant. (Eine Übersicht über die verschiedenen Studien- und Ausbildungsmodelle kannst du dir hier herunterladen.)

Duale Studienmodelle bieten verschiedene Vorteile: „Teilnehmer können wissenschaftlich-theoretisches Wissen mit berufspraktischen Kompetenzen verbinden; später haben sie sehr gute Übernahmechancen in Unternehmen“, schildert Silvia Hofmann (siehe auch „Berufseinstieg leicht gemacht“). Außerdem erhalten sie einen besseren Eindruck von der Praxis und können ihr theoretisches Wissen unmittelbar im Betrieb anwenden. „Das wiederum steigert die Lernmotivation“, fügt sie an.

Allerdings gibt es auch Nachteile: „Die Anforderungen, was die zeitliche Organisation und die große Belastung bezüglich der Lernzeiten betrifft, sind sehr hoch. Da es eine begehrte Studienform ist, können außerdem die Bewerbungsverfahren langwierig und anspruchsvoll sein“, stellt Silvia Hofmann klar. Da die Praxisphasen oft in einem Unternehmen absolviert werden, könne das auch zu einer starken Ausrichtung auf einen Betrieb führen.

Das Angebot wächst

Dass die Nachfrage trotz der hohen Anforderungen wächst, beweist die steigende Zahl der Studiengänge: Standen laut AusbildungPlus im Jahr 2011 noch knapp 900 Angebote für die Erstausbildung zur Verfügung, waren es im Januar 2017 bereits 1.592. „Die Zahl ist stark gestiegen, da nach Alternativen gesucht wurde, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken“, berichtet Silvia Hofmann.

Mit 1.100 dualen Studiengängen gehören Fachhochschulen zu den größten Anbietern. Die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) bietet 211 duale Studiengänge, Berufsakademien haben 186 und Universitäten 69 Angebote. Regional gesehen verteilen sich die dualen Studiengänge vor allem auf Bayern (321 Angebote), Nordrhein-Westfalen (311) und Baden-Württemberg (275). Laut AusbildungPlus sind in puncto Fachrichtung insbesondere die Ingenieurwissenschaften mit einem Anteil von 39 Prozent sowie die Wirtschaftswissenschaften mit 32 Prozent beliebt. An dritter Stelle steht die Informatik, danach folgt der Bereich Soziales, Pflege, Erziehung und Gesundheit (siehe auch „Tiefe Einblicke in das System Krankenhaus“).

 

>>Hinweis: Zum Thema „Bewerbung für ein duales Studium“ kannst du dich zudem umfassend in der abi>> bewerbungsbox informieren.

Weitere Informationen

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Im „Finder“ kannst du nach einzelnen dualen Studiengangstypen oder nach allen dualen Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

Hier kannst du unter anderem gezielt nach Arbeitgebern suchen, die ein duales Studium anbieten.
www.jobboerse.arbeitsagentur.de

AusbildungPlus

Das datenbankbasierte Informationssystem „AusbildungPlus“ ist ein Projekt des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Hier werden Informationen zu den Themen duale Studiengänge und Zusatzqualifikationen in der beruflichen Erstausbildung bereitgestellt.
www.ausbildungplus.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studienangebote, Ansprechpartner und internationale Kooperationen
www.hochschulkompass.de

Duale Hochschule Baden-Württemberg

Die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) ist die erste staatliche duale, das heißt praxisintegrierende Hochschule in Deutschland. Mit neun Standorten ist sie bundesweit die größte Fachhochschule.
www.dhbw.de

hochschule dual

Eine Initiative von Hochschule Bayern e.V. zu dualen Studiengängen in Bayern
www.hochschule-dual.de

Duale Hochschule Rheinland-Pfalz

dualehochschule.rlp.de

Duales Studium Hessen

www.dualesstudium-hessen.de

Dual Studieren im Rheinland

Informationsangebot der Industrie- und Handelskammer über duale Studienangebote im Rheinland
www.dual-studieren-im-rheinland.de

Duale Hochschule Gera-Eisenach

www.dhge.de

abi>> 25.09.2017