„Ich habe erst gedacht, dass ich in der Pflege Schwierigkeiten habe als Mann. Das ist aber gar nicht so. Es gibt sogar einige Vorteile, zum Beispiel beim Tragen der Patienten“, berichtet Martin Jennerjahn. Pflegerische Einrichtungen hat der 22-Jährige schon früh von innen kennengelernt: Seine Mutter führt einen Frisörsalon in
einem Pflegeheim. Als der duale Studiengang Pflegewissenschaft/Pflegemanagement an seiner Schule vorgestellt wurde, hat ihn das sofort interessiert: „Die Kombination von Theorie und Praxis fand ich ideal. Und auch die Tatsache, dass ich Zeit spare.“ Der duale Studiengang dauert viereinhalb Jahre. Eine Ausbildung mit anschließendem Studium würde mindestens sechs Jahre in Anspruch nehmen. „Auf eine fundierte wissenschaftliche Ausbildung wollte ich auch nicht verzichten, den Job jedoch von der Pike auf lernen“, erklärt Martin Jennerjahn.
Dankbarkeit als Ansporn
Mittlerweile ist er im siebten Semester des neunsemestrigen Bachelorstudiengangs angelangt. Drei Männer und elf Frauen studieren in seinem Semester. Inzwischen kann er auch auf reichlich Praxiserfahrung zurückgreifen: Vor dem Studium absolvierte er zwei Praktika in einem Pflegeheim, während des Studiums ist er ebenfalls regelmäßig in verschiedenen Stationen des Dietrich-Bonhoeffer-Klinikums Neubrandenburg, das den Studiengang mit initiiert hat, im Einsatz. Auch in der Diakonie-Sozialstation Penzlin und im Pflegeheim Burg Stargard hat er bereits gearbeitet. Die Vorbehalte gegen den Pflegeberuf kann er aber nachvollziehen. „Klar kann es abschrecken, beispielsweise einen kranken oder alten Menschen zu waschen. Ich konnte nach der Schule auch nicht wirklich wissen, ob das etwas für mich ist. Aber man wächst da rein.“ Ansporn sei immer das positive Feedback der Kollegen und die Dankbarkeit der Patienten.
Ebenso gewöhnungsbedürftig war für Martin Jennerjahn die Doppelbelastung von Studium und Ausbildung, denn zum Studium kommt neben den Praxiseinsätzen noch der Unterricht in der beruflichen Schule am Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum hinzu. „Die erste Zeit fand ich sehr anstrengend, weil man sich erst in dieses Studium, in das wissenschaftliche Arbeiten, rein finden muss und gleichzeitig die Ausbildung macht. Die Arbeitsbelastung ist jetzt immer noch hoch, aber ich komme gut zurecht“, erzählt er. Neben fachspezifischen Kursen stehen auch pädagogische, betriebswirtschaftliche, rechtliche oder psychologische Veranstaltungen auf dem Lehrplan. So qualifizieren sich die Studierenden für die verschiedensten Berufe im Gesundheitswesen, zum Beispiel im Management oder in der Pflegeberatung.
Martin Jennerjahn ist sich noch unschlüssig, ob er einen Master im Gesundheits- bzw. Pflegemanagement anhängen soll oder erst in die Praxis gehen. Für die Zukunft könnte er sich vorstellen, in der Pflegedienstleitung eines Krankenhauses oder im Fallmanagement, also der Organisation der Pflege für einzelne Patienten, tätig zu sein. „Um schneller in höhere Positionen aufsteigen zu können, wäre ein Master natürlich von Vorteil“, sagt er.






