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Die Digitalisierung der Wissenschaft

Informatiker bereitet Daten an einem Whiteboard auf.
Das in den letzten Jahren neu entstandene Berufsfeld Digital Humanities hält Berufe in den verschiedensten Bereichen bereit.
Foto: Axel Jusseit

Aus der Forschung: Geisteswissenschaften go IT – Hintergrund

Die Digitalisierung der Wissenschaft

In Online-Archiven wird Wissen haltbar und für jeden zugänglich gemacht, mithilfe spezieller Software können riesige Datenmengen ausgewertet werden und Computerlinguisten bringen PCs bei, Texte zu verstehen. Im Zuge der Digitalisierung sind Geisteswissenschaftler mit Informatikkenntnissen gefragte Fachleute.

Die Zeiten sind lange vorbei, in denen Geisteswissenschaftler wie Germanisten, Historiker oder Theologen ihr Wissen allein aus dicken Wälzern bezogen. Digitale Werkzeuge wie Online-Archive, Datenbanken oder Textverarbeitungsprogramme sind in den Geisteswissenschaften mittlerweile unverzichtbar. Die Digitalisierung erleichtert nicht nur den Zugang zu Daten, mit denen Geisteswissenschaftler arbeiten. Sie eröffnet auch ganz neue Möglichkeiten bei der Aufbereitung und Auswertung dieser Daten. So lassen sich mithilfe spezieller Software zum Beispiel riesige Textmengen auf bestimmte Wörter hin untersuchen oder historische Funde am Computer rekonstruieren.

Digital Humanities bewahren kulturelles Erbe

Ein Porträt-Foto von Patrick Sahle.

Patrick Sahle

Foto: privat

Längst ist daraus ein eigener, interdisziplinärer Fachbereich entstanden: Die Digital Humanities oder eHumanities verknüpfen die Geisteswissenschaften mit der angewandten Informatik (siehe auch „Das Beste aus zwei Welten“). Was zunächst nach einer ungewöhnlichen Mischung klingt, macht bei näherem Hinsehen durchaus Sinn: „Die Arbeit in fast allen Bereichen unseres Lebens setzt heute das Verständnis digitaler Daten, von Softwarewerkzeugen, Informationssystemen und Internetanwendungen voraus. Einrichtungen in der Wissenschaft, im Kulturerbe, der Kulturproduktion und der allgemeinen Wirtschaft arbeiten täglich mit digitalen Wissensbeständen, speziellen Datenformaten, Informationssystemen und Internetanwendungen“, erklärt Professor Patrick Sahle, Geschäftsführer des Cologne Center für eHumanities (CCeH). „Dafür brauchen diese Einrichtungen Spezialisten, die sowohl eine geisteswissenschaftliche Ausbildung als auch spezielle IT-Kompetenzen mitbringen.“

Es reicht nicht aus, wenn sich die Geisteswissenschaftler bei den Informatikern bedienen, um die Möglichkeiten der Digitalisierung für sich zu nutzen. „Dieser Bereich benötigt Spezialanwendungen, die von der ‚normalen‘ Informatik nicht bereitgestellt werden. Nur mit einem Verständnis für die besonderen Bedingungen, beispielsweisen von Texten und Bildern, ist eine sachgerechte Weiterentwicklung von entsprechenden Technologien möglich“, betont der Experte. (Mehr zu Studienmöglichkeiten findest du hier: „Auf eine ungewöhnliche Mischung einlassen“)

Das CCeH ist ein Forschungszentrum der Universität Köln, das mit Vertretern aus allen Geisteswissenschaften in Forschungsprojekten zu Themen wie kulturelle Objekte, Texte, Sprachen, Medien und Geschichte zusammenarbeitet. Ein Beispiel ist die Kölner Papyrussammlung, für die mehr als 3400 Objekte und 4200 Texte digitalisiert wurden, die nun im Internet abrufbar sind.

Unterschiedliche Einsatzgebiete

Das Wissen von Digital-Humanities-Experten wird in zahlreichen Bereichen genutzt: An Universitäten und in Forschungseinrichtungen, in Bibliotheken, Archiven und Museen, in Verlagen, bei Rundfunk und Fernsehen, in IT-Firmen und in anderen Unternehmen, die mit Wissensverarbeitung zu tun haben. „Digital-Humanities-Verfahren können überall da zum Einsatz kommen, wo zum Beispiel mit digitalen Medien, mit elektronischen Texten, mit Sprachdaten oder mit strukturierten Wissensbeständen gearbeitet wird“, sagt Patrick Sahle. Berufseinsteiger mit entsprechenden Kenntnissen können dadurch nicht nur in der Forschung Fuß fassen: „Auch in Industrie und Wirtschaft werden Fachleute für Digital Humanities immer dann gerne eingesetzt, wenn es um die Modellierung und Verarbeitung von spezifischen Wissensbereichen geht“, führt der Experte aus.

„Darüber hinaus spielen Kompetenzen im Bereich der Sprachdatenverarbeitung und des Text-Mining, aber auch der Umgang mit Bild- und Audiodaten eine große Rolle.“ Beim Text-Mining werden Textdokumente mit Hilfe von Software analysiert (siehe auch „Computern beibringen, Texte zu verstehen"). „Einen Wettbewerbsvorteil gegenüber breit aufgestellten Informatikern oder Absolventen aus der angewandten Informatik haben Digital-Humanities-Spezialisten gerade durch ihre zusätzliche geisteswissenschaftliche Ausbildung“, erklärt der Experte (siehe auch „Wegbereiterin der Digitalisierung“). Denn anders als reine Informatiker verfügen sie beispielsweise über ein breiteres kulturelles Verständnis und kennen sich mit der Produktion komplexer Texte aus.

Weitere Informationen

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Stichworte: Digital Humanities, IT)
www.studienwahl.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Stichworte: Digitale Geisteswissenschaften, Computerphilologie)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

Digital Humanities im deutschsprachigen Raum (DHd)

Der Fachverband ist Forum und Interessenvertretung für alle, die sich im deutschsprachigen Raum in Forschung und Lehre mit Digital Humanities beschäftigen.
https://dig-hum.de/

Interdisziplinärer Forschungsverband Digital Humanities in Berlin

Der Verbund fungiert als Forum für Fragen aus Forschung, Lehre und nachhaltiger Datenbereitstellung rund um das Thema Digital Humanities.
www.ifdhberlin.de

Cologne Center for eHumanities (CCeH)

Das Forschungszentrum bündelt alle Forschungsprojekte der Uni Köln rund um den Bereich Digital Humanities.
cceh.uni-koeln.de

abi>> 31.07.2017

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