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Die Geheimnisse der Ozeane erforschen

Ein junger Mann untersucht Fische
Die Gewässer unserer Erde und ihre Lebewesen sind bis heute nahezu unerforscht.
Foto: Thorsten Mischke

Aus der Forschung: Studiengänge rund ums Meer

Die Geheimnisse der Ozeane erforschen

Physik, Chemie, Biologie, Geologie, Mathematik – wer in der interdisziplinär und international ausgerichteten Küsten- und Meeresforschung arbeiten will, muss Spaß an Naturwissenschaften haben. abi>> zeigt dir auf, welche Studienwege in diesen Bereich führen und mit welchen Themen sich die Forscher zurzeit besonders intensiv beschäftigen.

Für ein Studienpraktikum im mittelamerikanischen Panama begleitete Anja Rebelein einen Meeresbiologen, der das Sehvermögen von Fischen untersucht. „Tauchen, Fischhaltung, Laborarbeit, Anträge schreiben, Gelder einwerben – ich erhielt einen Einblick in die Bandbreite dessen, was Meeresforschung alles beinhaltet“, sagt die 22-Jährige. Nach ihrem Bachelor in Biologie entschied sie sich daher, sich durch ihren Master in diese Richtung zu orientieren.

Ein Porträt-Foto von Anja Rebelein

Anja Rebelein

Foto: privat

Die ersten zwei Semester ihres Masterstudiengangs „Marine Biology“ an der Uni Bremen sind für Vorlesungen und Praktika vorgesehen. Neben meeresbiologischen Themen stehen auch solche wie physikalische Ozeanographie und Statistik auf ihrem Stundenplan. „Das dritte Semester ist individuell gestaltbar, so kann ich zum Beispiel an einem eigenen Projekt forschen“, erzählt sie. Anja Rebelein möchte noch eine Ausbildung zur geprüften Forschungstaucherin absolvieren, bevor sie im vierten Semester ihre Masterarbeit voraussichtlich im Bereich Aquakultur (siehe auch die Studienreportage „Von Fischorganen und Meer“) schreiben wird.

Unterrichtssprache oft Englisch

Danach möchte die Studentin gerne promovieren und in die Forschung gehen. „Um meine Chancen hierfür zu erhöhen, war es mir wichtig, ein englischsprachiges Masterprogramm zu wählen – denn Englisch ist die Sprache der Wissenschaft.“

Wie das Masterstudium von Anja Rebelein werden auch viele andere meereskundliche Masterangebote in Deutschland komplett auf Englisch gelehrt. „Davon sollte man sich nicht abschrecken lassen“, sagt Gerrit Görrissen, Berufsberater der Agentur für Arbeit Flensburg: „In der Anwendung lernt man die Sprache ohnehin am besten, zudem werden oft Sprachkurse angeboten.“

Die Ozeane als Klimamotor

Ein Porträt-Foto von Ingo Harms

Ingo Harms

Foto: UHH/CEN

Doch was genau erkunden Küsten- und Meeresforscher überhaupt? Ein vorherrschendes Thema ist derzeit das Klima. Die Ozeane bedecken mehr als zwei Drittel der Erdoberfläche und gelten als „wesentliche Klimamotoren des Erdsystems“, betont Dr. Ingo Harms, Ozeanograph und Koordinator der „School of Integrated Climate System Sciences“ der Uni Hamburg. Aktuell wichtige Forschungsgebiete sind zum Beispiel der Meeresspiegelanstieg durch schmelzendes Polareis, die Auswirkungen der Klimaveränderung auf das Leben im Meer, die Verschmutzung der Ozeane oder die Überfischung der Meere.

Zudem feilen Forscher derzeit an der Sensorik für die Satellitenozeanographie. „Die Fernerkundung liefert wichtige Daten über Temperatur und Salzgehalt auf einer großen Fläche“, erklärt Ingo Harms. Satelliten können allerdings nur Informationen über die Wasseroberfläche sammeln. Deswegen ist die Weiterentwicklung autonomer Messsysteme von besonderer Bedeutung. Als unbemannte Mini-U-Boote sind diese Geräte in den Ozeanen unterwegs und registrieren Daten. Auch für Unternehmen kann die Forschung interessant werden, etwa, wenn Geologen ideale Verankerungstechnik für Offshore-Windparks mitentwickeln.

Um auf das größte Ökosystem der Erde und dessen Erforschung aufmerksam zu machen, wurde das Wissenschaftsjahr 2016/17 der Küsten- und Meeresforschung gewidmet. Diese Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung „hat entscheidend dazu beigetragen, dass komplexe Forschungsthemen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und das Bewusstsein vor allem für Umwelt- und Naturschutzthemen geschärft wurde“, freut sich Ingo Harms von der Uni Hamburg.

Meist über das Allgemeine ins Spezielle

Ein Porträt-Foto von Gerrit Görrissen

Gerrit Görrissen

Foto: privat

Der Weg in die Küsten- und Meeresforschung beginnt meist mit einem naturwissenschaftlichen Bachelorstudiengang wie Physik, Geologie, Biologie oder Umweltwissenschaften – wie das auch bei Masterstudentin Anja Rebelein der Fall war. Ist man sich dann sicher, welche Spezialisierung einen am meisten interessiert, stehen verschiedene Masterprogramme zur Auswahl. „Bereits während des Bachelors sollte man sich über Zulassungsbedingungen für das angestrebte Masterangebot informieren, um sein Studium entsprechend auszurichten“, rät Berufsberater Gerrit Görrissen. (Mehr zu verschiedenen Studienrichtungen erfährst du in der Übersicht „Von Meeresbiologie bis Ozeanografie“.) Auch einige wenige Bachelorangebote sind bereits auf den Bereich Meereskunde spezialisiert (siehe etwa die Studienreportage „Die Physik des Ozeans verstehen lernen“).

Promotion oft Voraussetzung für Job in der Forschung

Unabhängig vom Studiengang sollten sich Studierende ein Netzwerk aufbauen: „Wer in der Wissenschaft Fuß fassen will, muss spätestens ab dem Master unterschiedliche Institutionen und Personen kennenlernen und sich selbst bekannt machen“, betont der Berufsberater. Auch wichtig ist es, sich eine thematische Nische zu suchen. „Das erste eigene Forschungsvorhaben ist die Masterarbeit. Besonders elegant kann es sein, das Thema in einer Dissertation zu vertiefen“, findet Gerrit Görrissen. (Mehr dazu in der Forschungsreportage „Gemeinsam an einem Meeresrätsel puzzeln“.)

Ohnehin ist eine Promotion meist notwendig, um in die Forschung einsteigen zu können. Interessierte müssen sich zudem bewusst sein, dass oft nur projektbezogene Zeitverträge geschlossen werden, da die Forschung auf öffentliche Gelder angewiesen ist und diese immer wieder beantragt werden müssen. Um lehren zu dürfen, ist an manchen Hochschulen und je nach Stelle auch eine Habilitation vonnöten, die höchstrangige Hochschulprüfung in vielen europäischen Ländern.

Doch nicht nur an Hochschulen wird Küsten- und Meeresforschung betrieben. Daneben gibt es für Absolventen Einsatzgebiete im angewandten Bereich, vor allem im Zusammenhang mit Natur-, Umwelt- und Klimaschutzthemen, etwa als Berater in Unternehmen der Offshore-Windpark-Branche, bei Umweltschutzbehörden, Naturschutzorganisationen und in der Politik. (Mehr zu möglichen Tätigkeiten in diesem Fachbereich liest du im Interview „Immer neugierig bleiben“.)

Mehr Infos

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Wort und Bild (Suchworte: Meeresbiologie, Ozeanografie etc.).
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchworte: Meeresbiologie, Ozeanografie etc.).
www.studienwahl.de

Wissenschaftsjahr 2016/17 – Meere und Ozeane

Das Wissenschaftsjahr 2016/17 brachte die Forschung der Meere und Ozeane, ihren Schutz und eine nachhaltige Nutzung einer breiten Öffentlichkeit näher. Die Wissenschaftsjahre sind ein Forum für fächerübergreifenden Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Sie werden seit 2000 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam mit Wissenschaft im Dialog (WiD) zu jährlich wechselnden Themenschwerpunkten ausgerichtet.
www.wissenschaftsjahr.de

Nordwest-Verbunds Meeresforschung e.V. (NWVM)

Netzwerk von bremischen und niedersächsischen Forschungseinrichtungen für die Meeres-, Klima- und Polarforschung
www.nwv-meeresforschung.de

Konsortium Deutsche Meeresforschung (KDM)

Fördert die Meeresforschung und das öffentliche Bewusstsein für marine Wissenschaften
www.deutsche-meeresforschung.de

Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Eine der weltweit führenden Einrichtungen für Meeresforschung im Bereich der chemischen, physikalischen, biologischen und geologischen Prozesse im Ozean und ihre Wechselwirkung mit dem Meeresboden und der Atmosphäre
www.geomar.de

Alfred-Wegener-Institut (AWI)

Als Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung koordiniert das Alfred-Wegener-Institut die deutsche Polarforschung, erforscht aber auch die Nordsee und ihre deutschen Küstenregionen.
www.awi.de

Zentrum für Marine Umweltwissenschaften (MARUM)

International anerkanntes Zentrum für Meeresforschung mit Schwerpunkt in den Geowissenschaften, angesiedelt an der Uni Bremen
www.marum.de

Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)

Das ZMT in Bremen ist deutschlandweit das einzige wissenschaftliche Institut, das ausschließlich tropische und subtropische Küstenökosysteme und ihre Bedeutung für Natur und Menschen erforscht.
www.leibniz-zmt.de

Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

Die Gesellschaft ist eine der wichtigsten Forschungseinrichtungen rund um die biologische Vielfalt. Das Institut „Senckenberg am Meer Wilhelmshaven“ besteht aus der Abteilung Meeresforschung und dem Deutschen Zentrum für Marine Biodiversitätsforschung (DZMB).
www.senckenberg.de

Universität Hamburg

School of Integrated Climate System Sciences

www.sicss.de

Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit

www.cen.uni-hamburg.de

abi>> 08.01.2018

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