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Eintauchen in eine neue Welt

Junger Mann sitzt in einer Kabine und trägt eine VR-Brille.
Virtual-Reality-Brillen für Endverbraucher sind eine der neuesten Erfindungen auf dem Markt und lassen den Anwender in eine virtuelle Welt abtauchen.
Foto: Julien Fertl

Aus der Forschung: Virtual Reality studieren

Eintauchen in eine neue Welt

Ein Spaziergang durch ein digitales Flugzeug, nie da gewesene Einblicke in den menschlichen Körper oder rein zum Vergnügen: Virtual Reality lässt den Anwender sowohl realitätsnahe als auch ganz und gar fantastische virtuelle Welten erleben. Die Möglichkeiten für den Einsatz, aber auch den Einstieg in die Branche, sind dabei äußerst vielseitig. Schon im Studium können Abiturienten dafür den Grundstein legen.

Maximilian Stürzl steuert das Golfcart geradeaus über kurz gemähtes Gras. Nebenbei schaut er sich in seiner Umgebung um – noch ist alles in Ordnung. Doch biegt der 21-Jährige ab oder lenkt das Fahrzeug eine Steigung hinauf, meldet ihm sein Gehirn, dass etwas nicht stimmt. Zu groß ist der Unterschied zwischen der Bewegung im virtuellen Golfcart und dem Stillstand in der wahren Welt, wo der Student mit dem Controller in der Hand und einer Datenbrille vor den Augen dasteht.

Hochspannend, aber manchmal auch frustrierend war es für Maximilian Stürzl, im jungen Feld der Virtual Reality, im Bachelorstudiengang „Virtuelle Realitäten“ der Hochschule Heidelberg, eigene Spiele zu programmieren. „Virtual Reality steckt im Gaming-Bereich noch in den Kinderschuhen. Das heißt, dass sich viele neue, technische Möglichkeiten für virtuelle Erlebnisse bieten, man aber auch schnell an die Grenzen stößt. Da muss man kreativ werden“, sagt der Student.

Ein Porträt-Foto von Maximilian Stürzl

Maximilian Stürzl

Foto: Svenja Erichsen

Nach dem erfolgreichen Abschluss seines Bachelor of Science vertieft sich der 21-Jährige seit dem Wintersemester 2016/17 im Masterstudiengang Angewandte Informatik weiter ins Programmieren. Dieses und die Virtual Reality fesseln ihn derart, dass er sein Wissen als Tutor an Kommilitonen weitergibt. „Natürlich sieht man als Anwender zunächst noch, dass die virtuelle Welt nicht real ist. Aber dann verschwimmt die Grenze zunehmend – sich darauf einzulassen, ist unglaublich spannend“, findet er.

Doch was ist Virtual Reality überhaupt? Andreas Geiger vom Fraunhofer Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik in Berlin, kurz IPK, erklärt: „Virtual Reality ist eine computergenerierte, dreidimensionale Darstellung einer Realität, in die der Anwender durch entsprechende Hardware wie Virtual-Reality-Brillen oder Projektionsräume visuell komplett eintaucht. Außerdem kann er sich darin bewegen, seine Perspektive wählen und interagieren.“ Im Idealfall empfindet er das virtuelle Erlebnis als real und wird Teil davon. Doch dafür müssen zum Beispiel Interaktionen, physikalische Eigenschaften oder Proportionen plausibel sein, betont der Experte. (siehe hierzu auch „Die Vernetzung von Mensch und Maschine“)

Virtuelle Prototypen für die Industrie

Ein Porträtbild von Andreas Geiger.

Andreas Geiger

Foto: Fraunhofer IPK

Das Fraunhofer IPK arbeitet mit Unternehmen und anderen Forschungsinstituten an Technologien, die für die Industrie relevant sind. Andreas Geiger und seine Kollegen forschen zum Beispiel derzeit daran, ein digitales Modell eines Menschen aus einer herkömmlichen 3-D-Software in eine Virtual-Reality-Umgebung zu übertragen: „Dabei soll der Anwender nicht über einen Controller interagieren müssen, sondern er sieht seine Hände in der virtuellen Welt und kann direkt und intuitiv Teile greifen und das Modell bewegen“, beschreibt er. Mit diesem soll dann getestet werden, wie sich eine immer gleiche Arbeitsbewegung auf den Körper eines Menschen auswirkt und wie hoch die (partielle) Belastung ist.

„Für Ingenieure ist die virtuelle Realität insofern interessant, als dass sie Arbeitsabläufe einfacher und schneller, damit billiger oder für den Mitarbeiter erleichternd machen kann“, sagt Andreas Geiger und ergänzt: „Die Hardware ist mittlerweile für einige tausend Euro zu haben und somit auch für kleine und mittelständische Unternehmen attraktiv – sofern es die passende Software für den Bedarf dieses Unternehmens gibt. Hier sind durch die stete Entwicklung immer neue, kreative Lösungen möglich.“

Eben solche interaktive Virtual-Reality-Software für die Industrie erstellt beispielsweise die Firma Livingsolids aus Magdeburg. Mitgeschäftsführer Stefan Stüring erklärt: „Unsere Software wird seit mehr als zehn Jahren in der Produktentwicklung und -herstellung eingesetzt, etwa für den Bau von Flugzeugen, Autos oder Maschinen. Dadurch können Prototypen virtuell auf Baubarkeit oder Ergonomie getestet werden, noch bevor sie tatsächlich gebaut werden.“

Ein weiteres Projekt der Firma war zum Beispiel eine interaktive Ausbildung für Flugbegleiter der Lufthansa: „Wir hatten einen virtuellen Airbus A380 programmiert, in dem die angehenden Flugbegleiter Aufgaben lösen mussten. Man lernt einfach besser, wenn man selbst aktiv wird, statt nur ein Lehrvideo anzusehen“, ist Stefan Stüring überzeugt. (Siehe auch: „Abtauchen in virtuelle Welten“)

Spezialisieren oder breit aufstellen

Ein Porträtbild von Tim Frerichs.

Tim Frerichs

Foto: privat

Nur wenige Studiengänge in Deutschland befassen sich derzeit direkt mit Virtual Reality und dann meist mit einer speziellen Ausrichtung. So zielen Bachelorstudiengänge wie „Game Design“ der Designhochschule Schwerin oder „Digitale Medien und Spiele“ der Hochschule Trier auf die virtuellen Spielewelten. Gestaltung und Darstellung spielen dafür in den Masterstudiengängen „Media Spaces“ der privaten, staatlich anerkannten Technischen Kunsthochschule Berlin oder „Geoinformation und Visualisierung“ an der Universität Potsdam eine große Rolle.

An der Hochschule Heidelberg wird der Bachelor „Virtuelle Realitäten“ mit drei Schwerpunkten angeboten: Filminformatik, Virtuelle und Augmentierte Realitäten sowie Game Development. „Im ersten Jahr lernten alle Studierenden gemeinsam Grundlagen wie Storytelling, Design, 3-D-Modellierung und Animation, bevor es für mich als Spezialist für Game Development vertiefend um Programmieren und Softwareentwicklung ging“, erzählt der Masterstudent Maximilian Stürzl.

Eine andere Möglichkeit ist es, sich für ein breiter aufgestelltes Studienfach zu entscheiden, schlägt Berufsberater Tim Frerichs der Agentur für Arbeit Osnabrück vor: „So hat man die Grundlagen für eine sich schnell verändernde Berufswelt und kann flexibel bleiben. Und wenn einen das Thema Virtual Reality stärker interessiert, kann man dieses ja in seiner Bachelor- oder Masterarbeit aufgreifen.“ (Siehe auch: „Im virtuellen Bahnhofstrubel“)

Die Entscheidung für ein Studienfach in diesem Bereich sollte laut Tim Frerichs auf der eigenen Neigung fußen: „Bin ich zum Beispiel gut in Mathe und interessiere mich fürs Programmieren, ist Informatik als Studienfach eine Möglichkeit, und spezieller die Medieninformatik, wenn ich das Programmieren von Anwendungen spannend finde. Sind Computerspiele meine Passion, bietet sich Game Design an. Und möchte ich mich eher kreativ für die Darstellung von Apps und Co. einbringen, wäre Mediendesign eine gute Wahl fürs Studium.“ (siehe auch: „Mitwirken an der Zukunft“)

Seine Nische finden

Maximilian Stürzl hat seine Passion gefunden und auch schon eine Vorstellung davon, was er beruflich machen möchte: „Bei einem größeren Unternehmen in der Spieleentwicklung arbeiten oder ein Start-Up gründen – das würde mir Spaß machen. Denn es sind schon jetzt großartige Projekte mit Virtual Reality möglich und ich bin neugierig, wie die Entwicklung weitergeht und wie ich mich werde einbringen können.“

Auch in der Forschung, der Hardware- und Softwareentwicklung, der Medizintechnik, den Materialwissenschaften oder im Maschinenbau können Fachleute mit technischem Knowhow und einer Affinität zu Virtual Reality einen Einstieg in die Berufswelt finden, zählt Berufsberater Tim Frerichs auf und findet: „Das ist ein vielschichtiger Wachstumsmarkt, für den Fachkräfte gefragt sind.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwörter: Virtual, Informatik, Mediendesign)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen und die Ergebnisse nach deinen Wünschen filtern.
www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studien- und Promotionsmöglichkeiten sowie internationale Kooperationen
www.hochschulkompass.de

abi>> Infomappen

Willst du wissen, welche Studienberufe es im Bereich Informatik und IT noch gibt? Dann schau mal in die abi>> Infomappe 6 „Informatik und IT“ in deinem Berufsinformationszentrum (BiZ). Den Online-Katalog zur Auswahl interessanter Mappen gibt es unter
www.biz-medien.de/abi.

Bitkom

Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. vertritt gegenüber der Politik die Interessen von mehr als 2.400 Unternehmen der digitalen Wirtschaft. Telekommunikation, Internet, Recht, Hard- und Software sowie Wirtschaft sind Themen des Verbandes.
www.bitkom.org

Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau

Der VDMA ist Europas größter Industrieverband und vertritt 3.100 vorrangig mittelständische Unternehmen aus dem Bereich Maschinenbau.
www.vdma.org

Virtual Reality Magazin

www.virtual-reality-magazin.de

VR-Nerds – Virtual Reality Blog

www.vrnerds.de

abi>> 12.12.2016

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