Blockchains: Viel mehr als Bitcoins

Screenshot eines Internetshops mit verschiedenen Icons diverser Bezahlmöglichkeiten
Geldgeschäfte im Internet sind beliebte Ziele von Hackerangriffen. Kryptowährungen wie der Bitcoin basieren auf der Blockchain-Technologie und sollen mehr Schutz bieten.
Foto: Martin Rehm

Die Blockchain studieren

Blockchains: Viel mehr als Bitcoins

Von der Währung Bitcoin haben viele schon gehört. Dahinter steckt die Technologie der Blockchains – und die eröffnet zahlreiche, spannende Studienmöglichkeiten.

Wer im Internet Waren kauft, bezahlt meist über die Kreditkarte, Online-Bezahldienste oder per Abbuchung vom Konto. Doch es gibt auch eine andere Möglichkeit, Geschäfte im Netz abzuwickeln: mit der Kryptowährung Bitcoin, die in den vergangenen Jahren enorm an Bekanntheit gewonnen hat. Wie aber funktioniert das genau?

„Als erstes muss man sich Bitcoins kaufen“, erklärt Florian Glatz, Präsident des Blockchain Bundesverbandes. Das sei relativ einfach über entsprechende Anbieter-Websites möglich. Dieses „digitale Bargeld“ verwahrt man dann unter einer eigenen Bitcoinadresse, einem sogenannten „Wallet“. Das ist eine lange Ziffernfolge, die ähnlich wie eine Kontonummer funktioniert. Will man nun ein Geschäft abwickeln, benötigt man die Bitcoinadresse der Person, die Geld von einem erhalten soll. Der Handel erfolgt dann „Peer-to-Peer“, also von einer Person zur anderen – ganz ohne Banken und andere Zwischenhändler.

„Das geht viel schneller als bei einer Banküberweisung, weil man nur angeben muss, an wen man wie viel bezahlen möchte und das mit Hilfe einer elektronischen Unterschrift signiert“, erläutert Florian Glatz. Man kann so weltweit in einer einheitlichen Währung und ohne Kontoführungsgebühren bezahlen und braucht dafür lediglich einen Internetzugang, aber kein Bankkonto.

Guter Schutz gegen Manipulation

Ein Porträt-Foto von Florian Glatz

Florian Glatz

Foto: Merav Maroody

Bitcoins basieren auf der Blockchain-Technologie, die eigens für die Kryptowährung erfunden wurde. Wie der Name schon andeutet, geht es dabei um eine Kette von Informationsblöcken, in denen verschiedenste Daten gespeichert werden, zum Beispiel die Überweisung eines Geldbetrages von einer Person an eine andere. Jeder weitere Block ist durch sogenannte Hash-Werte mit dem vorherigen Block verbunden – es entsteht eine Kette von Informationsblöcken, die Blockchain. Die Hashs sind dabei zufällig generierte Reihen von Buchstaben und Zahlen, die so individuell wie ein Fingerabdruck sind.

Würde jemand die gespeicherten Daten eines Blocks manipulieren, würde sich auch dessen Hash verändern und alle folgenden Blöcke hätten einen falschen Vorgänger-Hash und wären unbrauchbar. Der Betrug würde allen Beteiligten also schnell auffallen – ein relativ sicheres System. Ein Beispiel: Eine Person erwirbt von einer anderen Person ein Auto. Die Information darüber, für welchen Betrag das Auto den Besitzer gewechselt hat, landet in der Blockchain und bleibt darin für immer gespeichert. Das alles geschieht dezentral, da diese Information an jeden nachfolgenden Block weitervererbt wird. Der Verkäufer kann später also nicht behaupten, das Geld für das Auto nicht erhalten zu haben.

Die Blockchain-Technologie eignet sich aber nicht nur für Bitcoin-Zahlungen (siehe die Animation „Pizza trifft Blockchain“). „Sie kann in vielen Bereichen eingesetzt werden“, sagt Florian Glatz. So eignen sich Blockchains zum Beispiel gut für die Buchhaltung, insbesondere im Unternehmensbereich. „Der Vorteil ist, dass eine Blockchain-Datenbank dezentral und von mehreren Unternehmen verwaltet werden kann, die sich nicht unbedingt vertrauen müssen.“ Auch die Rechte an Musikwerken und Filmen könnten mit Blockchains eindeutig protokolliert werden, genauso wie Produktionsketten mit allen beteiligten Herstellern und Zulieferern von Lebensmitteln, Kleidung und anderen Produkten.

Viele Lebensbereiche könnten sich ändern

Darüber hinaus ist der Einsatz für verschiedenste staatliche Verzeichnisse denkbar. „Bisher sind das Handels- und Standesregister sowie das Grundbuch oft noch nicht digitalisiert, sondern mit vielen analogen Prozessen verbunden“, sagt Florian Glatz. Mit Hilfe der Blockchain-Technologie könnten diese Daten nicht nur erfasst werden, sondern seien auch gegen Korruption und Betrug geschützt. „Denn wenn einmal festgehalten wird, wie groß ein Grundstück ist, kann diese Angabe im Nachhinein nicht beliebig verändert werden“, erläutert der Experte. Gleiches gelte für die Identität des Inhabers. Stattdessen wäre stets klar ersichtlich, wem ein bestimmtes Stück Land gerade gehört. „Die Technologie könnte helfen, die Kosten für Anwälte, Gerichte und Wirtschaftsprüfer zu sparen, weil viele Daten einfach nicht mehr strittig wären.“

Wie diese Beispiele schon andeuten, könnten Blockchains viele Bereiche unseres Lebens betreffen – und spielen deswegen in unterschiedlichsten Branchen und Berufen eine Rolle. „Informatiker sind sehr gefragt, weil sie die technischen Komponenten verstehen und die Technologie für verschiedene Nutzer programmieren und zugänglich machen“, sagt der Blockchain-Experte. Aber auch Wirtschaftswissenschaftler werden künftig häufiger mit diesem Thema konfrontiert werden, ebenso wie Juristen und andere Rechtsexperten.

Hochschulen haben Thema erkannt

Nicht jeder, der sich mit Blockchains beschäftigt, muss sie programmieren können. „Ein gewisses Interesse an technischen und digitalen Themen ist aber für alle wichtig, die über diese Technologie und deren Einsatzmöglichkeiten nachdenken“, sagt Florian Glatz.

Auch Hochschulen in Deutschland haben bereits das Thema und seine Wichtigkeit erkannt. „Die Hochschule Mittweida beispielsweise bietet den Masterstudiengang ‚Blockchain & Distributed Ledger Technologies‘ an“, berichtet Berufsberaterin Petra Piper-Freisem von der Agentur für Arbeit Helmstedt. Voraussetzung sei ein Bachelorabschluss in Informatik oder einem ähnlichen Fach (siehe Porträt „Studentischer Pionier“). Die private und gebührenpflichtige Frankfurt School of Finance & Management hat wiederum ein Blockchain Center und den halbjährigen Kurs „Certified Blockchain Expert“ gestartet, während es an der Privatuniversität CODE in Berlin das gebührenpflichtige Bachelorstudium „Software Engineering“ mit einem Schwerpunkt auf Blockchains gibt.

Vorreiter im Ausland

Ein Porträt-Foto von Petra Piper-Freisern

Petra Piper-Freisern

Foto: privat

„Hinzu kommen Kooperationen zwischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen“, berichtet Petra Piper-Freisem. So arbeite insbesondere die RWTH Aachen eng mit dem dortigen Fraunhofer-Institut zusammen. Darüber hinaus finden sich an anderen Hochschulen und Studiengängen Vorträge und Kurse zu Blockchains.

„Die Universitäten in Deutschland stehen auf diesem Gebiet noch am Anfang, international ist man da schon weiter“, sagt die Berufsberaterin. Vorreiter seien bisher Universitäten in den USA und Großbritannien. „Die Cornell University in den USA gilt als die beste Blockchain-Uni der Welt, aber auch die University of Cambridge, die University of London und das Massachusetts Institute of Technology sind sehr gefragt.“ Weitere Angebote gibt es in Liechtenstein, Luxemburg und auf Zypern. Die Expertin rät daher: „Wer sich schon früh sehr sicher ist, dass er oder sie später im Bereich Blockchains arbeiten will, sollte derzeit globaler und in anderen Ländern nach einem passenden Studium suchen.“ Gleichzeitig sei aber ein Informatikstudium in Deutschland auch in diesen Fällen eine gute Grundlage.

Wer dagegen noch kein ganz klares Berufsziel vor Augen hat, sollte sich laut Petra Piper-Freisem erst einmal breiter aufstellen und beispielsweise Informatik studieren. „Mit diesem Wissen gibt es viele Entwicklungsmöglichkeiten, auch in Richtung Blockchains.“ Das spiegele sich in der derzeitigen Nachfrage wider. „Man findet zwar Stellenangebote für Blockchain-Spezialisten, meist sind aber Software-Ingenieure gesucht.“ Eine Prognose über die Zukunft und gefragte Berufsbereiche sei noch etwas schwierig. „Experten sind aber sehr optimistisch, dass Blockchain-Fachleute gute Chancen haben werden“, sagt die Berufsberaterin.

Weitere Informationen

Berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung. Weitere Informationen zum Thema „Informatik“ sowie zu verwandten interessanten Berufen findest du im Teilberufsfeld „Informatik und IT“.
www.berufsfeld-info.de

 

studienwahl.de
Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

 

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit
www.jobboerse.arbeitsagentur.de

 

BERUFENET
Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Blockchain-Entwickler/in)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

 

BERUFETV
Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit
www.berufe.tv

 

Blockchain Bundesverband
Verein zur Förderung der Blockchaintechnologie in Deutschland.
https://bundesblock.de/de/

 

eco – Verband der Internetwirtschaft
Internationaler Interessenverband für die Entwicklung des Internets.
www.eco.de

 

EU Blockchain Observatory and Forum
Initiative zur Entwicklung und Vernetzung von Blockchain-Projekte innerhalb der EU. Die Initiative wird unter anderem von der Europäischen Kommission gesponsort.
www.eublockchainforum.eu

 

Blockchain-Masterstudium an der Hochschule Mittweida
Ausbildung im Bereich der Blockchain-Technologie.
www.cb.hs-mittweida.de/studienangebote-der-fakultaet/blockchain-distributed-ledger-technologies-dlt.html

 

Die Blockchain studieren - Interview

„Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt“

Dr. Nina-Luisa Siedler ist Rechtsanwältin für Finanzrecht und spezialisiert auf Fragen rund um die Blockchain-Technologie. Sie ist Partnerin bei der DWF Germany Rechtsanwaltsgesellschaft mbH in Berlin, Gründungsmitglied des Blockchain Bundesverbandes sowie im Vorstand der Interplanetary Database Foundation und des thinkBLOCKtank. Im Interview mit abi>> geht sie auf Chancen und berufliche Möglichkeiten durch die Blockchain-Technologie ein.

abi>> Inwiefern ist die Blockchain-Technologie revolutionär?

Dr. Nina-Luisa Siedler: Sie verfolgt eine andere Idee, als wir sie bisher in der Wirtschaft gesehen haben. Die Blockchain wurde entwickelt, um der starken Monopolisierung in bestimmten Bereichen entgegenzuwirken. Es ist eine Gegenbewegung gegen die großen Wirtschafts- und Internetunternehmen wie Amazon und Facebook, die große Mengen an Daten sammeln und auswerten – und so ihre Positionen immer weiter ausbauen konnten. Mit der Blockchain-Technologie sollen Daten nicht mehr zentral gespeichert und von einem Unternehmen (Anm. d. Red.: etwa einer Bank) „besessen“ werden. Die Idealvorstellung ist, dass die Daten von denjenigen verwaltet werden können, die sie kreieren, nämlich den Nutzern, und dass diese bestimmen können, wer diese Daten nutzen darf.

abi>> Welche neuen Möglichkeiten eröffnet diese Technologie?

Ein Porträt-Foto von Dr. Nina-Luisa Siedler

Dr. Nina-Luisa Siedler

Foto: Aliki Nassoufis

Dr. Nina-Luisa Siedler: Bisher hat zum Beispiel Amazon eine große Masse an Daten über seine Käufer und deren Kaufverhalten und kann diese damit gezielt ansprechen. Außerdem haben diese Unternehmen damit eine große Macht auf die Wertschöpfungskette und können kleinere Unternehmen und den Mittelstand immer weiter in die Ecke drängen, indem sie Regeln vorgeben. Wenn man aber mit dezentralen Systemen arbeitet, kann man gegen diese Monopolisierung angehen, weil jeder die gleichen Chancen bekommt, Daten zu nutzen und damit Geschäftsmodelle aufzubauen.

abi>> Welche Risiken oder Probleme birgt die Blockchain-Technologie?

Dr. Nina-Luisa Siedler: Das bekannteste Beispiel dieser Technologie ist der Bitcoin. Kritisiert wird hierbei die Möglichkeit der Geldwäsche, weil es ein pseudonymisiertes Verfahren darstellt, bei dem anstelle von Klarnamen Pseudonyme in Form von Buchstaben- und Zahlenkombinationen verwendet werden. Außerdem wird der hohe Energieverbrauch durch den sogenannten Konsensmechnismus wie proof-of-work kritisiert (siehe Glossar „Blockchains, Coins & Co.“). Dieser Mechanismus sorgt dafür, dass alle Beteiligten immer den gleichen Stand haben, was wiederum große Rechenleistungen und damit einen hohen Energieverbrauch erfordert.

abi>> Welche Branchen wird die Technologie aus Ihrer Sicht am meisten betreffen und verändern?

Dr. Nina-Luisa Siedler: Alles, was sich digitalisieren lässt, wird davon betroffen sein. Da sind der Fantasie grundsätzlich keine Grenzen gesetzt. Die Blockchain-Technologie bietet sich immer dann an, wenn viele verschiedene Parteien in Vorgänge involviert sind. Die Finanzbranche etwa wird sich auf alle Fälle damit auseinandersetzen müssen, auch im Bereich Supply-Chain sind viele Parteien involviert. Weitere Themen sind die digitale Gesundheitsakte sowie der Bereich Provenienz, also etwa der Herkunftsnachweis für Medikamente oder Lebensmittel, so dass einfacher nachverfolgt werden kann, welche Zutaten verwendet und unter welchen Bedingungen etwas produziert, gelagert und transportiert wurde. Weitere Beispiele sind spezielle Industrie-Netzwerke, wie die Energy Web Foundation, die ein Netz speziell für die Energieindustrie aufbaut.

abi>> Wie weit sind deutsche Start-ups, Unternehmen und Privatleute in Sachen Blockchains?

Dr. Nina-Luisa Siedler: Die Verbraucher sind da noch relativ wenig involviert. Die Technologie hat sich innerhalb der Tech-Community entwickelt, weshalb auf Nutzerfreundlichkeit bisher wenig Rücksicht genommen wurde. Wer wenig technologieaffin ist, tut sich noch schwer mitzumachen. Das trifft auch viele Unternehmen, weil die oft auch kein eigenes Know-how in diesem Bereich haben. Das Thema Nutzerfreundlichkeit ist im vergangenen Jahr aber deutlich in den Fokus gerückt. Deswegen gehe ich davon aus, dass wir demnächst Apps haben werden, bei denen die Nutzer gar nicht wissen, dass dahinter eine Blockchain steht.

abi>> Was tut sich in puncto Blockchain-Technologie im Ausland?

Dr. Nina-Luisa Siedler: Berlin hat eine sehr starke Blockchain-Community. Es gibt viele Unternehmen aus dem Ausland, die hierherkommen, weil sie hier Experten finden. Natürlich gibt es aber auch rund um den Globus Blockchain-Entwicklungen. Asien und die USA sind relativ stark involviert. In Europa ist wiederum die Europäische Kommission sehr weit und baut eine Europa-Chain auf, die von den Mitgliedsstaaten betrieben werden soll. Außerdem gibt es mit dem „EU Blockchain Observatory and Forum“ eine Plattform, über die sich die EU mit der Blockchain-Community verbinden will. Auf deren Website gibt es beispielsweise eine Landkarte, in die sich Blockchain-Projekte eintragen können und über die man sich über solche Projekte informieren kann.

abi>> Welche beruflichen Möglichkeiten rund um Blockchains bieten sich heutigen Abiturienten in Deutschland?

Dr. Nina-Luisa Siedler: Blockchain ist eine Grundlagen-Technologie, was bedeutet, dass wir Spezialisten aus allen Fachbereichen brauchen. Man braucht Software-Spezialisten, aber auch welche aus den Bereichen Wirtschaft, Politik und Recht – vom Gesellschaftsrecht, Datenschutz über Immobilienrecht bis hin zum Finanzaufsichtsrecht. Wenn man sich für das Thema interessiert, kann man also aus einer breiten Spanne an Studienmöglichkeiten und späteren Berufsfeldern wählen. Darüber hinaus gibt es noch eine Menge Forschungsbedarf, auch das sind denkbare Einsatzmöglichkeiten.

 

Glossar

Blockchains, Coins & Co.

Experte Florian Glatz vom Blockchain Bundesverband gibt abi>> einen Überblick über wichtige Begriffe rund um das Thema „Blockchain“.

Blockchain

Eine Datenbank, die über ein Netzwerk verteilt ist. Sie ermöglicht die sichere Buchführung von Geschäftsabläufen, ohne dabei auf einen zentralen Server zurückzugreifen. Dies funktioniert, indem die Informationen über das Netzwerk verteilt werden. Die einzelnen Abläufe werden dabei in Datenblöcken gebündelt. Mittels sogenannter „Hash“-Werte sind diese Datenblöcke miteinander verkettet und bilden die Blockchain (deutsch: Blockkette).

Hash (deutsch: Streuwert)

Code aus Zahlen und Buchstaben, der als eindeutiger, digitaler Fingerabdruck einer digitalen Datei dient. Erzeugt wird der Hashwert durch eine sogenannte Hash-Funktion. Wird eine Datei auch nur um ein Zeichen manipuliert, ändert sich der Hashwert vollständig. Da in einer Blockchain der Hashwert eines Datenblocks im darauffolgenden Datenblock enthalten ist, fallen Unstimmigkeiten unter den Hashwerten leicht auf.

Proof-of-Work

Das Prinzip einer Blockchain (insbesondere bei Bitcoins), das sicherstellt, dass alle Teilnehmenden eines Blockchain-Netzwerks dieselbe sichere Kopie der Datenbank benutzen. So wird die Blockchain vor Manipulationen geschützt.

Dezentrales/zentrales Netzwerk

Ein Netzwerk gilt als zentral, wenn alle Datenpakete über den Server eines bestimmten Unternehmens geschickt werden. Heute ist das bei quasi allen digitalen Diensten der Fall, die wir nutzen. Ein dezentrales Netzwerk fungiert ohne zentralen Server. Im Falle einer Blockchain gibt es dennoch eine zentrale „Wahrheit“, auf die sich alle Netzwerkteilnehmenden verlassen können.

Altcoins

Altcoins (abgeleitet von „alternativ“) sind Kryptowährungen, die nicht Bitcoin sind. Der Begriff wurde geprägt, als Bitcoin (die erste Kryptowährung) noch ein Alleinstellungsmerkmal hatte. Heute gibt es viele tausend Altcoins.

Smart Contracts

Softwareprogramme, die mittels einer Blockchain ausgeführt werden. Sobald im Vorhinein definierte Bedingungen eintreffen, können mit Hilfe eines Smart Contracts automatisch bestimmte Aktionen durchgeführt werden, ohne dass ein Mensch aktiv eingreifen muss.

Identity-Management

Das Verwalten von Identitäten. In einer Blockchain werden Identitäten durch private und öffentliche Schlüsselpaare gebildet. Jeder Teilnehmende einer Blockchain hat eines oder mehrere solcher Schlüsselpaare. Mit dem privaten Schlüssel werden Transaktionen signiert. Der öffentliche Schlüssel dient der Authentifizierung gegenüber Dritten.

Peer-to-Peer

Als Peer-to-Peer (auch: P2P) werden Rechner-zu-Rechner-Verbindungen bezeichnet, bei denen alle Computer in einem Netzwerk gleichberechtigt sind. Das Gegenteil von diesem Peer-to-Peer-Modell ist das Client-Server-Modell, bei dem ein Server für mehrere Computer (Clients) arbeitet.

 

Blockchain & Distributed Ledger Technologies

Studentischer Pionier

Christoph Menzer (32) absolviert an der Hochschule Mittweida den Masterstudiengang „Blockchain & Distributed Ledger Technologies“. Eine wichtige Grundlage ist dabei sein abgeschlossenes Informatikstudium.

Christoph Menzer ist so etwas wie ein Pionier – zumindest in studentischer Hinsicht. Denn er gehört zu dem allerersten Jahrgang eines brandneuen Studienganges. Der 32-Jährige studiert an der Hochschule Mittweida in Sachsen „Blockchain & Distributed Ledger Technologies“. Dieses Studium ist bundesweit eine Seltenheit, schließlich gibt es in Deutschland bisher nur sehr wenige Studienangebote zu Blockchains.

Trotzdem hatte Christoph Menzer in den vergangenen Jahren immer mal wieder mit der Thematik zu tun: Nach seiner Ausbildung zum Fachinformatiker holte er zunächst sein Abitur nach, bevor er dann an der Hochschule Mittweida ein Informatikstudium mit dem Schwerpunkt IT-Sicherheit begann. Schon in dieser Zeit stand ein Modul zu Blockchains auf dem Lehrplan, in dem es speziell um die Kryptowährung Bitcoins ging.

Technische Grundlagen sind sehr wichtig

Ein Porträt-Foto von Christoph Menzer

Christoph Menzer

Foto: privat

Gegen Ende des Bachelorstudiums entschied sich Christoph Menzer, sein mehrwöchiges Pflichtpraktikum bei einem großen Unternehmen im IT-Bereich zu absolvieren. „Dort gab es mehrere Projekte mit Blockchain-Bezug“, erinnert er sich. Das fand der Student so interessant, dass er schließlich auch seine Bachelorarbeit in diesem Unternehmen schrieb. „Ich habe anhand eines konkreten Kunden evaluiert, wie dieser die Blockchain-Technologie einsetzen könnte.“

Damals erfuhr er auch von dem neuen Masterstudiengang, den die Hochschule zum Herbst 2018 starten wollte. „Ich wollte mich intensiver mit Blockchains beschäftigen und verstehen, wie sie genau funktionieren, welche Technologien es dabei gibt und wie diese zusammenwirken“, erinnert sich Christoph Menzer. Das Bachelorstudium der Informatik habe ein gutes Grundlagenwissen vermittelt. „Mit dem Master erhoffe ich mir nun aber ein tieferes Verständnis, die Thematik interessiert mich sehr.“

Für das Studium sind vier Fachsemester geplant. In den ersten beiden steht viel Theorie in Form von Vorlesungen und Seminaren an. „Mathematik ist dabei sehr wichtig, beispielsweise für die ‚Grundlagen der Kryptologie‘“, sagt der 32-Jährige. Außerdem gibt es Schwerpunkte zu Blockchains sowie Wahlpflichtmodule. Christoph Menzer belegte etwa „Entrepreneurship & Digital Innovation Management“. In diesem Fach ging es um Gründungsfragen, während im „IT-Recht“ juristische Fragen im Zusammenhang mit Blockchains besprochen wurden. Weitere Angebote sind technische Aspekte wie Supply Chain, also logistische Lieferketten, oder das Internet der Dinge (IoT), wie in Smart Homes.

Nächster Schritt: Pflichtpraktikum

„Gleich zu Beginn des Studiums ist schnell klar geworden, wie wichtig für uns Studierende ein technischer Hintergrund ist, um mit den Studieninhalten mitzukommen“, erklärt Christoph Menzer. Auch deswegen sei ein Studium der Informatik oder eines verwandten Studiengangs die entscheidende Zulassungsvoraussetzung für den Master.

Für das nächste Semester ist ein Pflichtpraktikum in einem Unternehmen oder an der Hochschule geplant. Christoph Menzer wird dies wahrscheinlich beim Blockchain Competence Center Mittweida (BCCM) absolvieren. Das BCCM gehört zur Fakultät der Angewandten Computer- und Biowissenschaften und gilt als wichtiger Ansprech- und Entwicklungspartner für Institutionen und Unternehmen der Finanzwirtschaft, der Politik und des Staatswesens. Zwischen dem BCCM und dem Masterstudium „Blockchain & Distributed Ledger Technologies“ gibt es eine enge Kooperation: So sind etwa Experten als Dozenten an der Hochschule tätig. Und die Studierenden haben die Möglichkeit, im vierten Semester ihre Abschlussarbeit am BCCM zu schreiben. Was den Berufsweg nach seinem Masterabschluss betrifft, hat Christoph Menzer derzeit noch kein festes Ziel vor Augen. Mit seinem Blockchain-Master bietet sich ihm sicher ein interessantes Beschäftigungsfeld mit Wachstumspotenzial.

 

Doppelmaster in Aachen und Peking

Blockchain-Lösungen für die Logistikbranche

Nicolas Kremer (24) studiert Wirtschaftsingenieurwesen in einem Doppelmaster-Programm an der an der RWTH Aachen und der Tsinghua Universität in Peking. In seiner Abschlussarbeit untersucht er, wie eine Blockchain-Applikation für die Logistikbranche aussehen könnte.

Detaillierter beschäftigte Nicolas Kremer sich erstmals mit der Blockchain-Technologie während seines Auslandsjahres in Peking. „In China war das Thema in aller Munde“, erzählt er. „An der Uni ist Blockchain ein zentraler Forschungsaspekt und viele Unternehmen entdecken die Technologie für sich.“ Nun beschäftigt sich der 24-Jährige für seine Masterarbeit selbst mit dem Thema.

„Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht ein neuer Anwendungsfall für Blockchain diskutiert wird. Wirklich durchgesetzt hat sich die Technologie in der Wirtschaft allerdings noch nicht“, sagt Nicolas Kremer. „Um zu entscheiden, ob eine Blockchain einen tatsächlichen Nutzen schaffen kann, wollte ich die Technik dahinter verstehen und kritisch hinterfragen.“

Nach dem Abitur ging Nicolas Kremer zunächst an die RWTH Aachen und studierte im Bachelor Wirtschaftsingenieurwesen mit Fachrichtung Maschinenbau, wo wirtschaftliche und technische Grundlagen behandelt wurden. Im Anschluss nahm er ein Masterstudium an der RWTH Aachen auf und hatte die Möglichkeit, durch die Teilnahme an einem Doppel-Masterprogramm für ein Jahr an die Tsinghua Universität in Peking zu gehen.

Die Suche nach dem richtigen Modell

Ein Porträt-Foto von Nicolas Kremer

Nicolas Kremer

Foto: privat

Das Masterstudium in Aachen sieht eine halbjährige Abschlussarbeit vor. Nicolas Kremer schreibt diese am Forschungsinstitut für Rationalisierung (FIR). „Seit Herbst erarbeite ich ein Modell, mit dem Blockchain-Lösungen für verschiedene Branchen abgebildet werden können.“ Es gebe zwar zahlreiche Unternehmen, die bereits Blockchain-Anwendungen nutzen. „Allerdings gibt es noch keine einheitlich anerkannte Lösung. Stattdessen sucht sich jede Industrie und jedes Unternehmen einen eigenen Ansatz“, erklärt der Student, der dies nun ändern will. „Mein Ziel ist, mit meiner Masterarbeit den Entscheidungsprozess von Unternehmen zu unterstützen, die eine passende Blockchain-Lösung suchen.“ Dieses übergreifende Modell entwickelt er sowohl durch Literaturrecherchen als auch durch Experteninterviews mit Vertretern der Industrie.

Testen möchte es der 24-Jährige in einem konkreten Anwendungsfall. „Ich schaue mir die Anforderungen und Ansprüche verschiedenster Akteure im Supply-Chain-Management an und plane ein Modell, das für Kunden, Lieferanten und Produzenten gleichermaßen gilt.“ Schwierig sei hierbei unter anderem, dass jeder Akteur eigene Ziele verfolge und seinen Gewinn maximieren wolle. Eine Blockchain hingegen baue auf Transparenz, dezentrale Datenverteilung und Zusammenarbeit einzelner Teilnehmer. „Diese Extreme miteinander zu vereinigen, macht für mich die Attraktivität des Themas aus“, sagt Nicolas Kremer.

Anforderungen aus der Wirtschaft verstehen

Auf eine breite Literaturbasis kann er sich dabei nicht verlassen. „Es gibt zwar viele Veröffentlichungen zum Thema Blockchain, eine einheitliche und gemeinsame Herangehensweise findet sich allerdings noch nicht.“ Auch die Anwendung im Supply-Chain-Management sei noch nicht vollständig erschlossen. „Ich muss die Probleme der Unternehmen verstehen, um zu entscheiden, wie eine sinnvolle Anwendung der Blockchain-Technologie für das Supply-Chain-Management realisiert werden kann.“

Inwiefern ihn das Thema Blockchain in seiner beruflichen Zukunft begleiten wird, weiß Nicolas Kremer noch nicht. „Ich kann mir durchaus vorstellen, auch später noch Berührungspunkte mit den Forschungsthemen der Arbeit zu haben“, sagt er. Nach dem Abschluss der Masterarbeit im Sommer sieht er für sich verschiedene Möglichkeiten. Eine davon wäre eine Promotion an der RWTH Aachen. „Das stelle ich mir sehr spannend vor, da hier in vielen industriebezogenen Bereichen geforscht wird.“


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Stand: 24.08.2019