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Wichtige Expertise aus der Nische

Junge Frau in Laborkittel arbeitet als Bioinformatikern an verschiedensten Geräten im Labor. Hier:Pipetierroboter - Screening Pipeline identifizieren eines Bakteriums anhand gewünschter Merkmale im rohen Durchsatz
Kleine Fächer bieten spannende Möglichkeiten, beispielsweise im Bereich der Wissenschaft und Forschung.
Foto: Sonja Trabandt

Kleine Fächer: Expertenstatements

Wichtige Expertise aus der Nische

Die sogenannten kleinen Fächer helfen dabei, globale Krisen zu verstehen und naturwissenschaftliche Expertise zu liefern. Über diese wichtige Aufgabe, Klassiker und Trends sowie die Chancen für Absolventen hat abi>> mit drei Experten gesprochen.

Susanne Lindner, Abteilung Statistik/Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit:

Ein Porträt-Foto von Susanne Lindner

Susanne Lindner

Foto: privat

Der Arbeitsmarkt in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren sehr gut entwickelt. Davon haben Akademiker in besonderem Maße profitiert – auch Absolventen kleiner Fächer. So haben zum Beispiel Naturwissenschaftler, die sich auch für Technik oder Informatik interessieren – wie Bio- oder Medizininformatiker – die Nase vorn: Die Beschäftigung ist stark gewachsen und die Nachfrage ist ebenfalls gestiegen. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass die Zahl der Stellenangebote, die sich explizit an diese Spezialisten wenden, nach wie vor eher überschaubar ist.

Aber auch für Geisteswissenschaftler, die sich mit Zukunftsthemen beschäftigen, bieten sich zunehmend gute Arbeitsmarktchancen: Bei den Gerontologen – Stichwort Überalterung der Gesellschaft – hat sich die Zahl der Beschäftigten seit 2014 mehr als verdoppelt (2016 gab es 2.100 Beschäftigte) und auch die Nachfrage ist gestiegen. Doch auch hier wenden sich nach wie vor sehr wenige Stellenangebote direkt an Gerontologen.

Für „altbekannte Exoten“ wie Religionswissenschaftler hat sich in den vergangenen Jahren hingegen wenig verändert: Die Zahl der Beschäftigten war leicht rückläufig und die Stellenmeldungen bewegen sich nach wie vor auf sehr niedrigem Niveau. Erfreulich ist jedoch, dass zumindest die Arbeitslosigkeit auch rückläufig war.

Theresia Bauer, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg:

Ein Porträt-Foto von Theresia Bauer

Theresia Bauer

Foto: Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

Ob Altorientalistik, Computerlinguistik, Geophysik oder Klimatologie – die kleinen Fächer beschäftigen sich mit Phänomenen von globaler Tragweite. Sie sind überall gegenwärtig und liefern wichtige Erkenntnisse, um unsere komplexe und vielfältige Welt besser zu verstehen. Dies reicht von der Frage, woher wir kommen, über den täglichen Wetterbericht bis hin zur Analyse weltpolitischer Krisen. Mit ihrer ganz eigenen Perspektive geben sie Orientierung in Zeiten, die von großen Umbrüchen und schnellen Veränderungen geprägt sind. Wir können auf ihre Expertise und Leistungsfähigkeit nicht verzichten. Baden-Württemberg hat deshalb eine Landesinitiative gestartet, um die kleinen Fächer an den Universitäten zu sichern. Studierende der sogenannten Orchideenfächer entscheiden sich damit nicht für brotlose Kunst, sondern für hochrelevante Fachgebiete mit großem Potenzial.

Prof. Dr. Horst Hippler, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK):

Ein Porträt-Foto von Dr. Horst Hippler

Dr. Horst Hippler

Foto: HRK/Lichtenscheidt

Die kleinen Fächer bieten sehr spannende Studienmöglichkeiten. Sie sind Exoten nur in dem Sinne, dass sich ihnen wenige Wissenschaftler verschrieben haben, sie an nur wenigen Hochschulstandorten zu finden sind und es auch entsprechend wenige Studierende gibt. Aber sie sind wichtig als Teil einer Vielfalt, wie sie geistig rege Gesellschaften brauchen. Unter diesen kleinen Fächern sind besonders viele Geistes- und Kulturwissenschaften. Diese können Brücken zwischen den Kulturen bauen. Kulturhistorische Fächer wie die Byzantinistik sind Teil eines europäischen kulturellen Erbes, das immer auch das Bewusstsein für die gemeinsamen Grundlagen und Werte wachruft. Regionalwissenschaften wie die Indologie bewahren und entwickeln das Wissen über andere Länder und Regionen der Welt. Gerade erkennt man am Bespiel der Islamwissenschaften, wie wichtig unsere Exoten sind.

abi>> 27.03.2017

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