Traut euch in das MINT-Studium, Mädels!

Eine junge Frau schreibt eine mathematische Formel an eine Tafel.
Frauen unter sich: In Deutschland bestehen sechs, bald sieben Frauenstudiengänge zum Beispiel in Informatik, Wirtschafsingenieurwesen oder Elektrotechnik, in denen die Studentinnen unter sich lernen. Ohne den Druck der männlichen Konkurrenz sollen sich so mehr junge Frauen in diesen MINT-Bereich trauen.
Foto: Karmann

Frauenstudiengänge

Traut euch in das MINT-Studium, Mädels!

Seit 1997 sind deutschlandweit sechs Frauenstudiengänge in naturwissenschaftlichen und technischen Fächern entstanden. In diesen wird ein Teil oder das komplette Studium monoedukativ gestaltet: Frauen studieren dort nur zusammen mit anderen Frauen. Das soll Hemmschwellen vor der männlichen Konkurrenz senken und der Wirtschaft das Potenzial weiblicher Fachkräfte eröffnen.

Die Wilhelmshavener sind Pioniere in Sachen Frauenstudiengänge. Als erste deutsche Hochschule richtete die Jade Hochschule Wilhelmshaven 1997 das Bachelorstudium „Wirtschaftsingenieurwesen für Frauen“ ein. „Damals beschäftigte man sich zunehmend mit der Rolle von Frauen in den mathematischen, ingenieurwissenschaftlichen, naturwissenschaftlichen, und technischen Studiengängen, den sogenannten MINT-Fächern“, berichtet Ulrike Schleier, Professorin für Mathematik und Statistik sowie Beauftragte für den Frauenstudiengang an der Hochschule.

Man hatte einerseits festgestellt, dass der Frauenanteil dort sehr niedrig war – „bei uns lag er damals beispielsweise in Wirtschaftsingenieurwesen bei unter fünf Prozent“. Andererseits suchten die Unternehmen nach Absolventen dieser Fächer, männlichen wie weiblichen. „Unser übergeordnetes Ziel war und ist es also, den Frauenanteil in diesem Studiengang zu erhöhen“, sagt die Professorin. Jetzt, zwanzig Jahre später, zeigt sich der Erfolg: Der Anteil der Studentinnen ist tatsächlich gestiegen und das nicht nur in dem Frauenstudiengang selbst, sondern auch im gemischten – koedukativen – Zweig, der parallel dazu läuft.

Sicheres Studienumfeld für Frauen

Porträtbild von Ulrike Schleier

Ulrike Schleier

Foto: Marie Czubinzki

Der Bachelorstudiengang Wirtschaftsingenieurwesen für Frauen umfasst sieben Semester. Das letzte absolvieren die Studentinnen als Praxisphase in einem Unternehmen, um dort ihre Bachelorarbeit zu schreiben. An der Jade Hochschule sind allerdings – im Gegensatz etwa zum Frauenstudiengang „Informatik und Wirtschaft für Frauen“ an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin – nur die ersten drei Semester monoedukativ. „Das hört sich wenig an, ist aber für die Studentinnen sehr bedeutsam“, sagt Ulrike Schleier.

Sie erklärt die Vorteile dieses Systems: „Wir wissen aus den USA und aus Frankreich, dass junge Frauen in reinen Frauenhochschulen zufriedener und selbstbewusster sind, weil sie die ungeteilte Aufmerksamkeit der Lehrkräfte erhalten. Außerdem können wir in einer Frauengruppe männliche und weibliche Rollenbilder aus dem Lehr- und Lernprozess heraushalten.“ So können gewisse Situationen vermieden werden – etwa, dass ein Student seiner Kommilitonin ungefragt seine Hilfe im Praktikum aufdrängt oder umgekehrt, dass sich junge Frauen auf die Hilfe von Männern verlassen.

In den sechs Frauenstudiengängen sollen zudem das Arbeiten in kleinen Gruppen, verstärkt kommunikative Veranstaltungen, Mentoring-Programme, Kooperationen mit der Wirtschaft und Kinderbetreuungsangebote ein sicheres akademisches und soziales Umfeld bilden. (In „Selbstbewusste Fachfrau für die IT-Branche“ erzählt eine Studentin, wie sie die Vorteile des Frauenstudiengangs erlebt hat.)

Gleiche Bedingungen für alle

Ulrike Schleier unterstreicht dabei, dass im Frauenstudiengang in Wilhelmshaven die gleichen Inhalte gelehrt werden wie im koedukativen Studiengang. „Manchmal wird unterstellt, wir würden die Anforderungen dort senken, um Frauen einen Abschluss zu ermöglichen. Das ist falsch.“

Auch die Anforderungen an Studienanfänger sind bei beiden Zweigen gleich, nämlich „Neugier, Lernbereitschaft und ein gutes Schulwissen in den relevanten Fächern. Wir erwarten weder technisch noch wirtschaftlich besondere Vorkenntnisse, sondern fangen bei Null an“, erklärt die Professorin.

„Kein Angriff auf die Gleichberechtigung“

Der Frauenstudiengang Wirtschaftsingenieurwesen an der Jade Hochschule hat in den vergangenen zwanzig Jahren viele Absolventinnen hervorgebracht, die gut ins Berufsleben gestartet sind (Erfahre mehr über einen erfolgreichen Berufseinstieg in „Leichter Berufseinstieg dank Frauenstudiengang“.) Das macht die Organisatoren selbstbewusst.

Es gibt aber auch Kritik an dem Konzept: „Viele Menschen sehen es berechtigterweise als Fortschritt für die Gleichberechtigung, dass – anders als in früheren Jahrhunderten – heutzutage beide Geschlechter gemeinsam lernen“, räumt Ulrike Schleier ein, fügt aber an: „Manche setzen sich jedoch nicht damit auseinander, dass geschlechtergetrenntes Lernen trotzdem in einigen Situationen sinnvoll sein kann. Sie empfinden Monoedukation fälschlich als Angriff auf die Gleichberechtigung, weil sie ihrer Meinung nach Frauen als schutzbedürftig dastehen lässt.“

Ein weiterer Vorwurf ist, dass Frauenstudiengänge Männer diskriminieren würden – ist das Angebot überhaupt rechtmäßig? „Darauf gibt es keine rechtssichere Antwort“, meint die Wilhelmshavener Professorin. Dies wäre erst dann der Fall, wenn dazu ein Gerichtsurteil ergangen wäre. Aus ihrer Sicht seien Frauenstudiengänge zulässig, weil sie die freie Berufswahl der Männer nicht einschränken: „Es existieren ja parallel Studiengänge derselben Fachrichtung auch für Männer. Mit den Frauenstudiengängen nehmen die Hochschulen den Männern also nichts weg, sondern sie bieten zusätzlich etwas für Frauen an.“

Unterstützung aus der Wirtschaft

Rückendeckung für die Hochschulen mit Frauenstudiengängen kommt auch aus der Wirtschaft, etwa vom größten Branchenverband der digitalen Wirtschaft, Bitkom. Dieser untersuchte 2016 in einer Studie, wie sinnvoll das monoedukative Modell ist. Natalie Barkei, Bitkom-Projektmanagerin Smart School/Digital Women, betont aus diesen Erkenntnissen heraus, wie wichtig Frauenstudiengänge sein können: „Vielen jungen Frauen fehlt der Mut, sich zum Beispiel für ein Informatikstudium zu entscheiden. Sie denken, dass man technische Vorkenntnisse mitbringen müsse, oder sie unterschätzen ihre Fähigkeiten. Daher kann ein Studium speziell für Frauen ein sinnvoller Ansatz sein.“

Natalie Barkei ist überzeugt, dass weibliche Absolventen in der IT-Branche die gleichen Chancen haben wie männliche, wenn sie dieselben Abschlüsse mitbringen. „Es fehlen deutschlandweit rund 50 000 Fachkräfte in dieser Branche – gute Aussichten also für Männer wie Frauen.“

Bald sieben Frauenstudiengänge

Neben der Jade Hochschule Wilhelmshaven bieten in Deutschland derzeit noch fünf weitere Hochschulen Frauenstudiengänge an. Dies sind die Fachhochschule Stralsund mit „Wirtschaftsingenieurwesen“, die Hochschule Bremen mit dem „Internationalen Frauenstudiengang Informatik“, die Hochschule Furtwangen mit „Wirtschaftsnetze/eBusiness“, die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin mit „Informatik und Wirtschaft für Frauen“ und die Ernst-Abbe-Hochschule Jena mit „Elektrotechnik/Informationstechnik“ (Mehr zu den Angeboten erfährst du in „Zahlen und Fakten zu Frauenstudiengängen in Deutschland“.).

Ein weiteres Angebot steht in den Startlöchern: Die Hochschule Ruhr West wird ihren bestehenden Studiengang Maschinenbau ab dem Wintersemester 2018/19 auch im monoedukativen Modell anbieten.

Mehr Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.

www.berufenet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.

www.studienwahl.de

Bitkom

Deutscher Branchenverband der digitalen Wirtschaft, der sich für innovative Wirtschaftspolitik, die Modernisierung des Bildungssystems und eine zukunftsorientierte Netzpolitik einsetzt.

www.bitkom.org

Bitkom-Studie zu Frauenstudiengängen (PDF)

www.bitkom.org/noindex/Publikationen/2016/Sonstiges/MINT-Frauenstudiengaenge-in-Deutschland/160419-MINT-Frauenstudiengaenge-Uebersicht.pdf

Scientifica

Portal für Frauen in Wissenschaft und Technik in Baden-Württemberg mit Informationen rund um Frauenstudiengänge

www.scientifica.de/bildungsangebote/frauenstudiengaenge

 

Wirtschaftsnetze/eBusiness

Selbstbewusste Fachfrau für die IT-Branche

Ursprünglich hatte Ramona Buser den Studiengang Wirtschaftsnetze/eBusiness an der Hochschule Furtwangen aus rein fachlichen Gründen gewählt: Die 26-Jährige fand die Kombination aus Wirtschaft, Sozialem und Informatik spannend. Doch rückblickend schätzt sie, dass die Dozierenden dieses Frauenstudiengangs ihr und ihren Kommilitoninnen Selbstvertrauen vermittelten.

Ramona Buser aus Emmendingen in Baden-Württemberg ist eine IT-affine junge Frau. Sie entdeckte während ihrer Ausbildung zur Automobilkauffrau, wie sehr sie Technik und Informatik interessieren. Daher wollte die heute 26-Jährige ein Studium in dieser Fachrichtung anschließen.

Während ihrer Internetrecherche blieb sie bei der Webseite der Hochschule Furtwangen hängen: „Der Studiengang Wirtschaftsnetze/eBusiness mit seiner Kombination aus Wirtschaft, Sozialem und Informatik sprach mich an, auch weil ich wusste, dass dies bei Arbeitgebern gefragt ist. Ich fand gut, dass er den Studentinnen Flexibilität bei den Wahlfächern zugesteht und viel Praxisbezug und eine gute Infrastruktur bietet.“ Dass es sich um einen Frauenstudiengang handelte, war für Ramona Buser zunächst zweitrangig. Sie bewarb sich und wurde zugelassen.

Grundlagenwissen in der Praxis

Porträtbild von Ramona Buser

Ramona Buser

Foto: Gräber

In den ersten zwei Semestern widmete sich die Studentin den Grundlagen der Wirtschaftsinformatik. Der Schwerpunkt liegt auf Methoden des eBusiness, mit denen Unternehmen und ihre Geschäftsprozesse fit für die Digitalisierung gemacht werden. Zu Studienbeginn ging es vor allem um Betriebswirtschaftslehre, Informatik und das Verbessern von Sozialkompetenzen. „Nach diesem anspruchsvollen Grundstudium konnten wir mit Wahlpflichtfächern wie eTourismus oder Programmierung unsere eigenen Schwerpunkte setzen“, berichtet Ramona Buser.

Ihr Praxissemester verbrachte sie gemäß ihres Schwerpunkts im IT-Projektmanagement von Burda Solutions in Offenburg, dem IT-Dienstleister des Burda-Medienkonzerns. „Dieser Tätigkeitsbereich gefällt mir besonders, da man dort an der Schnittstelle zwischen Kunden und Entwicklern arbeitet. In dieser Zeit erwarb ich wertvolle Praxiserfahrung, auch bezüglich der Unternehmenssoftware SAP. Das war mir wichtig, da ich später im Projektmanagement oder in der Prozessoptimierung mit SAP-Produkten arbeiten möchte“, sagt sie.

Seit die 26-Jährige den ersten Teil ihres Bachelorstudiums in Furtwangen durchlief, hat die Hochschule den Studienaufbau etwas verändert: Nun erwerben die Studentinnen in den ersten drei Semestern die Grundlagen, absolvieren dann das Praxissemester und arbeiten im fünften und sechsten Semester vertieft an ihren Schwerpunkten, was auch im Ausland möglich ist. Im siebten Semester verfassen sie ihre Bachelorarbeit – meist in Kooperation mit einem Unternehmen – und schließen dann das Studium mit dem Bachelor of Science ab.

Ohne Scheu, aber auch ohne Stützräder

Wirtschaftsnetze/eBusiness in Furtwangen ist ein intensiver Frauenstudiengang: Mehr als 90 Prozent der Lehrveranstaltungen – so schätzt Ramona Buser – fanden nur unter Frauen statt. Das betraf sowohl die Vorlesungen als auch die Tutorien und Projektarbeiten. „Nur ganz vereinzelt arbeiteten wir mit Männern zusammen, zum Beispiel in einigen Wahlpflichtfächern oder bei einem Softwareprojekt“, erzählt sie. Die Studentinnengruppen waren klein, die Atmosphäre war familiär und die Dozierenden hatten stets ein offenes Ohr.

All diese Dinge gefielen der Studentin, sie sind aber keine Alleinstellungsmerkmale von Frauenstudiengängen. Was war also aus ihrer Sicht das Besondere? „Unter Frauen kann man einerseits ohne Scheu fachliche Fragen stellen, ohne dass einen die anwesenden Männer abfällig anschauen, weil sie glauben, mehr von der Materie zu verstehen. Andererseits ist es nicht möglich, sich hinter den Männern zu verstecken“, berichtet sie.

Die Studentin lobt zudem ausdrücklich, wie die Dozierenden sie und ihre Kommilitoninnen ermutigten: „Sie haben uns gewissermaßen zu Selbstbewusstsein erzogen. Die Botschaft war: Ihr könnt etwas! Lasst euch nicht unterbuttern, auch wenn ihr in einer männerdominierten Branche arbeiten werdet.‘“

Master nun auch mit männlichen Kommilitonen

Ramona Buser weiß mittlerweile, dass sie nicht nur im geschützten Umfeld eines Frauenstudiengangs, sondern auch in einem geschlechtergemischten Studienfeld zurechtkommt: Nach ihrem Bachelorabschluss studiert sie nun im ersten Mastersemester „Business Application Architectures“, ebenfalls an der Hochschule Furtwangen.

 

Frauenstudiengänge – Übersicht

Zahlen und Fakten zu Frauenstudiengängen in Deutschland

An sechs deutschen Hochschulen werden Frauenstudiengänge angeboten, einer startet im Wintersemester 2018/19. Das Lernen ohne Männer soll Studentinnen gerade in MINT-Fächern Sicherheit geben und den guten Einstieg in eine männerdominierte Branche ermöglichen. abi>> hat eine Übersicht über die Angebote zusammengestellt.

Wirtschaftsingenieurwesen – Jade Hochschule Wilhelmshaven

Studienbeginn

Wintersemester

Zulassungsbeschränkung

keine 

Studienplätze

Gruppengröße mindestens 15

Dauer

7 Semester 

Praxis- oder Auslandssemester

12 Wochen Praxis im siebten
Semester, internationales Projekt
im fünften Semester 

Vorpraktikum

nicht erforderlich 

Monoedukativ / koedukativ

im ersten Semester mono-
edukativ, im zweiten und dritten
bei Mindestgruppengröße von
15 Studentinnen

Abschluss

Bachelor of Engineering 

Link

Jade Hochschule Wilhelmshaven

Wirtschaftsingenieurwesen – Hochschule Stralsund

Studienbeginn

Wintersemester

Zulassungsbeschränkung

keine 

Studienplätze

keine feste Zahl

Dauer

7 Semester 

Praxis- oder Auslandssemester

berufliches Praktikum im siebten
Semester 

Vorpraktikum

8 Wochen, abzuleisten bis Ende
des vierten Semesters 

Monoedukativ / koedukativ

in den ersten drei Semestern
monoedukativ

Abschluss

Bachelor of Engineering 

Link

Hochschule Stralsund

Internationaler Frauenstudiengang Informatik – Hochschule Bremen

Studienbeginn

Wintersemester

Zulassungsbeschränkung

N.c. 

Studienplätze

38 pro Jahr

Dauer

7 Semester 

Praxis- oder Auslandssemester

Auslandssemester im fünften
Semester, betriebliches Praxis-
semester im siebten Semester 

Vorpraktikum

nicht erforderlich 

Monoedukativ / koedukativ

Grundlegende Veranstaltungen
in den ersten zwei Semestern
monoedukativ

Abschluss

Bachelor of Science 

Link

Hochschule Bremen

Wirtschaftsnetze/eBusiness – Hochschule Furtwangen

Studienbeginn

Sommer- und Wintersemester

Zulassungsbeschränkung

N.c. für 90 Prozent der Plätze

Studienplätze

70 pro Jahr

Dauer

7 Semester 

Praxis- oder Auslandssemester

Praxissemester im vierten
Semester, Auslandssemester
optional 

Vorpraktikum

nicht erforderlich 

Monoedukativ / koedukativ

alle Pflichtveranstaltungen monoedukativ, ein Projekt im
sechsten Semester koedukativ

Abschluss

Bachelor of Science 

Link

Hochschule Furtwangen

Informatik und Wirtschaft für Frauen – Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin

Studienbeginn

Wintersemester

Zulassungsbeschränkung

N.c. nach Abitur-Note bei zu
vielen Bewerberinnen 

Studienplätze

40 pro Jahr

Dauer

6 Semester 

Praxis- oder Auslandssemester

17-wöchiges Praktikum im
vierten Semester 

Vorpraktikum

nicht erforderlich

Monoedukativ /koedukativ

komplett monoedukativ

Abschluss

Bachelor of Science 

Link

Hochschule für Technik und
Wirtschaft Berlin

Elektrotechnik/Informationstechnik – Ernst-Abbe-Hochschule Jena

Studienbeginn

Wintersemester

Zulassungsbeschränkung

keine 

Studienplätze

15 pro Jahr

Dauer

7 Semester 

Praxis- oder Auslandssemester

Industriepraktikum, Auslands-
semester optional 

Vorpraktikum

für Bewerber ohne entsprechende Berufsausbildung 8 Wochen, zu absolvieren bis Ende des dritten Semesters 

Monoedukativ

in den ersten beiden Semestern monoedukativ

Abschluss

Bachelor of Engineering 

Link

Ernst-Abbe-Hochschule Jena

Maschinenbau – Hochschule Ruhr West

Studienbeginn

jeweils zum Wintersemester

Zulassungsbeschränkung

N.c. 

Studienplätze

keine Angaben

Dauer

7 Semester 

Praxis- oder Auslandssemester

semesterübergreifendes Praxis-
semester im sechsten und
siebten Semester, auch als
Auslandssemester möglich 

Vorpraktikum

nicht erforderlich 

Monoedukativ / koedukativ

erste vier Semester mono-
edukativ

Abschluss

Bachelor of Engineering 

Link

Hochschule Ruhr West

 

Informatikerin

Leichter Berufseinstieg dank Frauenstudiengang

Imen Hachani (35) absolvierte an der Hochschule Bremen den Internationalen Frauenstudiengang Informatik und schwärmt von den guten Studienbedingungen mit kleinen Gruppen und intensiver Betreuung durch die Dozierenden. Zudem ermöglichten ihr Pflichtpraktika im Studium, ihren heutigen Arbeitgeber Airbus Defence and Space in Bremen kennenzulernen.

Wer Airbus hört, sieht wohl als erstes riesige Flugzeuge vor sich, die zu Interkontinentalflügen abheben. Doch in dem Teil des internationalen Unternehmens, in dem Imen Hachani tätig ist, geht es um noch längere Flugstrecken: Als Entwicklungsingenieurin bei Airbus Defence and Space arbeitet die 35-Jährige an Projekten im Bereich Raumfahrt.

Unter anderem entwickelt sie mit ihren Kollegen Roboter, die den Astronauten auf der internationalen Raumstation ISS helfen, kaputte Wasserpumpen zu reparieren oder Werkzeuge zu lokalisieren, die im Raum schweben. Auch unterstützt die Raumfahrer ein Simulator, den Imen Hachanis Team erdacht hat: Er simuliert die Übertragung von Daten zwischen den Astronauten im All und der Bodenstation. Dieses Gerät wird zur Vorbereitung auf Weltalleinsätze genutzt. Außerdem erstellt und wartet die gebürtige Tunesierin ein System, das die weltweiten Firmenstandorte von Airbus verbindet. „Unser Unternehmen ist international und bietet abwechslungsreiche Aufgaben. Wir arbeiten unter anderem mit der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA, dem europäischen Pendant ESA oder dem Unternehmen Boeing zusammen“, berichtet sie.

Die junge Informatikerin ist seit 2009 bei Airbus Defence and Space beschäftigt. Der Einstieg gelang ihr über ein Praktikum dort, das sie während ihres Studiums im Frauenstudiengang Informatik an der Hochschule Bremen absolvierte, um ihre Bachelorarbeit zu verfassen. „Über das Studium kam ich früh mit meinem jetzigen Arbeitgeber in Berührung. Das hat mir den Berufseinstieg sehr erleichtert“, sagt Imen Hachani.

Lernen unter Frauen sorgt für Sicherheit

Ein Porträtbild von Imen Hachani

Imen Hachani

Foto: Siegfried Monsen / Airbus

Der hohe Stellenwert, den Praxiserfahrung in ihrem Frauenstudiengang einnahm, ist dabei nur ein Aspekt, den sie an diesem Modell lobt: „Wir lernten außerdem in kleinen Gruppen und die Dozierenden unterstützten uns sehr. Alles lief harmonisch ab. Besonders in den ersten zwei Semestern, als wir Frauen unter uns waren, fiel es mir leicht, Fragen zu stellen und mich einzubringen“, berichtet die Informatikerin. Sie hatte im Vorfeld nicht explizit nach einem Frauenstudiengang gesucht. „Ich wusste nur, dass ich Informatik studieren wollte. Sie ist vielseitig einsetzbar und spielt in fast allen Branchen eine große Rolle. Dass ich bei meiner Suche den Frauenstudiengang in Bremen entdeckte, sehe ich im Nachhinein als Glücksfall.“

Imen Hachani schätzte die gute Atmosphäre in diesem Studiengang besonders deshalb, weil sie sie mit einer früheren Studiensituation vergleichen konnte: Die junge Frau war nach der Schule und einem Studium in ihrer Heimat Tunesien im Jahr 2004 nach Deutschland gekommen. Sie musste zunächst die deutsche Sprache lernen und ihre Sprachkenntnisse prüfen lassen, ehe sie hier ein Studium beginnen konnte. Während sie sich an der Technischen Universität Braunschweig auf ihre Sprachprüfung vorbereitete, nahm sie dort als Gasthörerin an einigen Lehrveranstaltungen der Wirtschaftsinformatik teil. „Damals war ich die einzige Frau im Hörsaal und fühlte mich immer beobachtet“, erinnert sie sich.

Rüstzeug für eine erfolgreiche Karriere

Der Frauenstudiengang Informatik bescherte ihr nicht nur eine schöne Studienzeit, sondern bereitete sie gut auf das Berufsleben vor. Bei Airbus Defence and Space nimmt sie nun eine verantwortungsvolle Position ein. „Um dabei erfolgreich zu sein, braucht man strategisches Denken, Flexibilität und Eigeninitiative. Man sollte fähig sein, selbstständig, aber auch im Team zu arbeiten und seine Anliegen gut zu kommunizieren“, fasst die junge Frau zusammen.

Imen Hachani hat mittlerweile so viel Berufserfahrung gesammelt, dass sie demnächst gerne die Position als Systemingenieurin bei einem größeren Raumfahrtprojekt übernehmen möchte.


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Stand: 19.09.2019