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Generalist oder Spezialist – Betriebswirte sind immer stärker gefragt

Eine junge Frau sitzt an einem Tisch und macht Rechenübungen mithilfe eines Taschenrechners.
Das Studienfach Betriebswirtschaftslehre gilt als Türöffner für zahlreiche Branchen.
Foto: Michael Fehlauer

Im Trend: BWL studieren – Hintergrund

Generalist oder Spezialist – Betriebswirte sind immer stärker gefragt

Betriebswirtschaftslehre (BWL) ist das meistgewählte Studienfach in Deutschland. Die Zahl der Absolventen ist also hoch – genau wie die Nachfrage nach ihnen auf dem Arbeitsmarkt.

„Nach dem Abitur habe ich mich über verschiedene Studiengänge informiert und entschied mich aus Vernunft für BWL“, erzählt Carolin Seiffert, die im sechsten Semester Betriebswirtschaft an der Frankfurt University of Applied Sciences studiert. „Denn mit 18 Jahren war ich mir nicht sicher, welchen Beruf ich später ausüben möchte und wollte daher einen generalistischen Studiengang wählen. Im Vergleich zu anderen Studienfächern kann man mit einem BWL-Abschluss viele Richtungen einschlagen.“

Anfangs lernte die 23-Jährige in ihrem Bachelorstudium Basiswissen in Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre und Rechtswissenschaft. „Die ersten Semester waren mit Modulen wie Rechnungswesen und Statistik sehr mathelastig“, erinnert sie sich.

Durch Schwerpunkte eigene Interessen verfolgen

Ein Porträt-Foto von Carolin Seiffert

Carolin Seiffert

Foto: privat

Im vierten Semester konnte Carolin Seiffert dann zwei Schwerpunkte wählen. Sie entschied sich für Personal- und Organisationsmanagement und belegte, als sie 2016 ein Auslandssemester in der niederländischen Hafenstadt Vlissingen verbrachte, als zweiten Schwerpunkt das Modul „21st Century Business Skills“. Zusätzlich werden an der Frankfurt University Wahlpflichtmodule wie Betriebsorganisation, interkulturelle Kommunikation und Unternehmensethik angeboten. Carolin Seiffert hat unter anderem Niederländisch zur Vorbereitung auf ihren Auslandsaufenthalt gewählt.

Auch die Praxis kommt nicht zu kurz: „Im Moment absolviere ich in Berlin ein Pflichtpraktikum in einem Unternehmen, das online gebrauchte Elektronik- und Unterhaltungsartikel anbietet. Dort arbeite ich in der Personalabteilung und helfe beim Auswählen neuer Talente“, berichtet die Studentin. Nach ihrem Abschluss will sie ebenfalls im Bereich Personal arbeiten. Ob sie zuerst ein Masterstudium anschließt, steht noch nicht fest, sagt sie: „Wenn ich ein gutes Angebot bekäme, könnte ich mir vorstellen, direkt nach dem Bachelor in den Job zu gehen.“

Große Auswahl an Studiengängen

Betriebswirtschaftslehre ist das meistgewählte Studienfach in Deutschland. Im Wintersemester 2015/16 studierten dem Statistischem Bundesamt zufolge 113.611 Frauen und 121.104 Männer dieses Fach.

Abiturienten steht eine große Zahl an BWL-Studiengängen zur Wahl, laut studienwahl.de sind es 1018 Bachelor- sowie 544 Masterstudiengänge: „Neben klassischen BWL-Studiengängen bieten Hochschulen auch Spezialisierungsstudiengänge an, die auf bestimmte Branchen oder Aufgabenbereiche ausgerichtet sind – zum Beispiel auf internationales Management, Logistik, oder Gesundheitsökonomie“, erläutert Prof. Dr. Carsten Müller, Studiengangsleiter für den Masterstudiengang „Accounting, Finance, Controlling“ an der Hochschule Fulda. „Ein klassischer BWL-Bachelorstudiengang bietet eine gute Grundlage, um sich später auf einen Schwerpunkt zu spezialisieren. Auch die umgekehrte Variante ist möglich: Zuerst spezialisiert man sich im Bachelorstudium und belegt später einen breit angelegten Masterstudiengang.“ (Mehr hierzu findest du in „Vorliebe für Zahlen und Statistik“).

Sabine Sklenarz, Berufsberaterin der Agentur für Arbeit Düsseldorf, kennt besonders exotische Teilgebiete: „Inzwischen gibt es sogar Spezialisierungsstudiengänge wie ‚Horse Management‘ – dort geht es um Pferdezucht, agrarspezifische Grundlagen und den Handel mit Pferden.“ Zur Auswahl stehen außerdem Schnittstellenstudiengänge, zum Beispiel Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftsingenieurwesen oder Wirtschaftspsychologie, die zwei Disziplinen miteinander verbinden, berichtet die Berufsberaterin. „Viele Hochschulen bieten auch duale BWL-Studiengänge, in denen man theoretische Kenntnisse gleich in der Praxis anwenden kann.“ (siehe auch „Dank Studium in die Personalabteilung“). Außerdem möglich seien international ausgerichtete BWL-Studiengänge, deren Vorlesungen und Seminare überwiegend auf Englisch gehalten werden und in denen oft Auslandssemester oder -praktika vorgesehen sind, ergänzt Carsten Müller von der HS Fulda (siehe auch „Von der Bank übers Hotel bis zur Klinik“).

Bestimmte Inhalte werden aber in jedem BWL-Studiengang vermittelt: „Mathematik, Statistik und wissenschaftliches Arbeiten gehören zum Kerncurriculum“, sagt Carsten Müller. „Ebenso wie betriebswirtschaftliche Grundlagen, darunter Buchführung, Bilanzierung, Marketing, Rechnungswesen, Steuern, Personalwirtschaft und juristische Grundkenntnisse sowie ein volkswirtschaftlicher Anteil.“

Mathe und analytisches Denken spielen große Rolle

Ein Porträt-Foto von Prof. Dr. Carsten Müller

Prof. Dr. Carsten Müller

Foto: Hochschule Fulda

„Um erfolgreich BWL zu studieren, sollte man vor allem gute Mathekenntnisse besitzen und Spaß an logischen, analytischen Aufgaben haben“, betont Berufsberaterin Sabine Sklenarz. Die Mathematik- und Statistikkenntnisse seien bei Studienanfängern sehr unterschiedlich, weiß Carsten Müller. „Um alle möglichst auf ein Niveau zu bringen, bieten wir an der HS Fulda beispielsweise Propädeutika an“, also Vorbereitungskurse. Unverzichtbar seien auch gute Englischkenntnisse. Zusätzlich erlangen die angehenden Betriebswirte Softskills wie Verhandlungsführung und Konfliktlösung. Sabine Sklenarz empfiehlt außerdem ein Interesse an kaufmännischen und gesellschaftspolitischen Themen: „Zum Beispiel befassen sich Betriebswirte nach politischen Wahlen mit den wirtschaftlichen Folgen.“

Wer sich später auf dem Arbeitsmarkt durchsetzen will, sollte Eigeninitiative zeigen und sein Profil schärfen. „Arbeitgeber legen viel Wert auf Praxiserfahrungen – die können Studierende zum Beispiel in Praktika oder mit ersten Nebenjobs sammeln“, berichtet die Berufsberaterin (siehe auch „BWL-Experten für Digitalisierung werden händeringend gesucht“).

Steigende Nachfrage nach Fachkräften

Gute Jobchancen hätten Absolventen Sabine Sklenarz zufolge unter anderem in kaufmännischen Bereichen wie Marketing, Finanzierungen, Controlling, sowie Unternehmensberatung und -verwaltung.

Auch die Bundesagentur für Arbeit bestätigt die hohe Nachfrage nach BWL-Absolventen: Fachkräfte, die sich mit betriebs- oder volkswirtschaftlichen Aufgaben befassen, seien immer stärker gefragt. 2016 wurden rund 39.000 Stellenangebote gemeldet, zwölf Prozent mehr als im Vorjahr.

Weitere Informationen

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Suchworte: BWL, Betriebswirtschaft)
www.studienwahl.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchworte: BWL, Betriebswirtschaft)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

Bundesverband Deutscher Volks- und Betriebswirte e.V.

Seit 1901 vertritt der bdvb die Interessen aller Wirtschaftswissenschaftler in Deutschland.
www.bdvb.de

abi>> 03.07.2017

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