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„BWL-Experten für Digitalisierung werden händeringend gesucht“

Jemand lernt mithilfe von Fachliteratur.
Aufgrund der Masse an Studierenden im Bereich BWL ist eine frühzeitige Spezialisierung sinnvoll.
Foto: Susanne Erler

Im Trend: BWL studieren – Interview

„BWL-Experten für Digitalisierung werden händeringend gesucht“

Die Konkurrenz unter Absolventen von BWL-Studiengängen ist groß. Wie sieht es da mit den Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt aus? Dr. Matthias Meyer-Schwarzenberger, Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Volks- und Betriebswirte, gibt abi>> Einblick in die Branche.

abi>> Herr Dr. Meyer-Schwarzenberger, wie können sich BWL-Absolventen von der Masse abheben?

Matthias Meyer-Schwarzenberger: Mit der zunehmenden Spezialisierung vieler Jobs sind die Ansprüche gewachsen. Gute Englischkenntnisse, Auslandserfahrung, Teamfähigkeit und Praktika gehören inzwischen zur Grundausstattung jedes marktfähigen Bewerbers. Wer positiv auffallen will, muss deutlich machen, dass er dem Unternehmen einen zur Unternehmenskultur passenden Mehrwert bietet. Auszeichnen kann man sich entweder durch fundierte Spezialkenntnisse – zum Beispiel Data-Mining zur Analyse großer Datenmengen für die Bestimmung von Trends, Statistik, Social Media Marketing – oder durch die eigene Persönlichkeit, die immer stärker in den Fokus der Personalverantwortlichen gerückt ist. In beiden Bereichen können durch ehrenamtliche Tätigkeiten oder die Mitgliedschaft in einem Verband Pluspunkte gesammelt werden. Außerdem sollte man unbedingt Praktika machen. Wer schon einmal gearbeitet hat, findet schneller und selbständiger in die gegebene Aufgabenstellung oder in neue Arbeitsgebiete hinein. Wer dagegen noch gar keine Praxisluft geschnuppert hat, wirkt auf Personalverantwortliche ein wenig wie die Katze im Sack: Wer weiß, vielleicht wird sich der Bewerber in der angestrebten Position gar nicht wohlfühlen oder Schwierigkeiten haben, abstrakte Theoriekenntnisse in die Praxis umzusetzen? Der Start fällt beiden Seiten leichter, wenn der Bewerber gewisse Erfahrungen mitbringt.

abi>> Wann ist eine Spezialisierung im Studium sinnvoll?

Ein Porträt-Foto von Matthias Meyer Schwarzenberger

Matthias Meyer-Schwarzenberger

Foto: Adrian Stancin

Matthias Meyer-Schwarzenberger: Spätestens durch die Masterarbeit und ein bis zwei thematisch passende Kurse sollte ein persönliches Profil deutlich erkennbar werden, sonst wird die Stellensuche schwierig. Wie man zu dieser Spezialisierung gelangt, hängt aber von der eigenen Persönlichkeit ab: Manche wissen schon früh, für welches Fachgebiet sie sich interessieren, und wählen deswegen einen spezialisierten Studiengang wie Internationales Marketing, Logistik oder Gesundheitswirtschaft. Andere wollen zunächst ein breites Spektrum von Grundkenntnissen erwerben. An Universitäten werden spezialisierte Studiengänge häufig erst auf Masterebene angeboten. Wichtiger als die Spezialisierung ist also die Wahl des richtigen Hochschultyps – auch im Hinblick auf die spätere Laufbahn. Für den schnellen Berufseinstieg ist ein praxisorientiertes Fachhochschulstudium oft hilfreicher als ein theorielastiges Unistudium. In bestimmten Branchen, zum Beispiel Consulting, und im Hinblick auf die langfristigen Karrierechancen kann die abstraktere Ausbildung einer Universität aber von Vorteil sein.
Eine sehr interessante Form der Spezialisierung, die zugleich eine Verbreiterung ist, bieten fachübergreifende Studiengänge wie Wirtschaftsinformatik oder Wirtschaftsrecht. Der große Vorteil ist, dass man die typischen Denkweisen, Begriffe und Entscheidungskriterien aus verschiedenen Welten kennenlernt. Dadurch kann man zwischen diesen Welten vermitteln – und das wird in der Zukunft immer wichtiger.

abi>> Welche Spezialisierungen sind am Arbeitsmarkt zurzeit besonders gefragt?

Matthias Meyer-Schwarzenberger: Wachsender Bedarf besteht vor allem in den Bereichen Wirtschaftsinformatik und Consulting. Das liegt am Megatrend unserer Zeit, der Digitalisierung: veränderte Geschäftsprozesse, neue Datenerhebungs- und Analysemethoden, neue Vertriebs- und Kommunikationskanäle, neue Wettbewerber bis hin zu aufgekauften Start-Ups, die ins eigene Unternehmen integriert werden müssen – Wirtschaftsinformatiker und Berater, die sich in diesen Themen auskennen, werden händeringend gesucht.

abi>> Welche Aufstiegschancen haben BWL-Absolventen?

Matthias Meyer-Schwarzenberger: Es gibt tendenziell weniger Aufstiegschancen als früher, weil die Abschaffung von Zwischenebenen in der Management-Hierarchie zu einer kleineren Zahl von Führungspositionen führt. Mit einem BWL-Master in Fächern wie Controlling oder Unternehmensführung kann man gut auf eine Führungskarriere hinarbeiten. Ein Doktortitel ist in den meisten Fällen eher hinderlich und zahlt sich, wenn überhaupt, nur in bestimmten Branchen oder in späteren Stadien der Karriere aus, wenn es um Vorstands- und Aufsichtsratsmandate geht.
Die besten Aufstiegschancen hat man in großen Unternehmen, zum Beispiel Beratungsgesellschaften und Konzernen, die für Berufseinsteiger schon von Anfang an eine bestimmte Laufbahn vorgesehen haben. Solche Stellen sind aber nicht mehr so häufig und im Konzern ist viel Durchsetzungs- und Beharrungsvermögen gefragt, Entscheidungsprozesse sind manchmal recht komplex und die Möglichkeiten zur eigenen Entfaltung begrenzt – das ist nicht jedermanns Sache. Wer ein dynamisches Umfeld sucht, sich persönlich schnell weiterentwickeln und Verantwortung übernehmen will, der sollte sich unbedingt mit mittelständischen Unternehmen auseinandersetzen.

abi>> 03.07.2017

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