Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Mit Recht Karriere machen

Detailaufnahme von einem aufgeschlagenen Fachbuch
Hoher Lernaufwand: Das Jurastudium ist in verschiedene Abschnitte unterteilt, die jeweils mit einer Zwischenprüfung abschließen.
Foto: Sebastian Reimold

Im Trend: Jura studieren – Hintergrund

Mit Recht Karriere machen

Juristen sind gefragt. Im Studium lernen sie nicht nur das deutsche Rechtssystem kennen, sondern werden zu Generalisten ausgebildet, die strukturiert denken und sich gewählt ausdrücken können. Neben dem klassischen Jurastudium gibt es auch Bachelor- und Masterangebote mit besonderen Schwerpunkten.

Für Tim Rosenbohm ist das Ende des Studiums in Sichtweite: Der Jurastudent der Universität Bayreuth bereitet sich auf seine erste juristische Prüfung vor, die er im September 2018 absolvieren will. „Für die Abschlussprüfungen muss man sich sehr intensiv vorbereiten, um nicht durchzufallen. Alles unter einem Jahr ist unrealistisch“, betont der 21-Jährige. Er studiert mittlerweile im siebten Semester in der Wiederholungs- und Vertiefungsphase.

Aufbau des Studiums

Ein Porträt-Foto von Tim Rosenbohm

Tim Rosenbohm

Foto: privat

„Begonnen hat mein Jurastudium mit der Grundphase. Hier wird das Basiswissen in den drei großen Bereichen Zivilrecht, Strafrecht und Öffentliches Recht vermittelt“, erzählt er. Auch Rechtsphilosophie und -geschichte stehen auf dem Lehrplan. Diese Phase endet mit der Zwischenprüfung nach dem zweiten Semester.

Es folgt die Mittelphase, an anderen Universitäten auch Hauptstudium genannt, in der die Kenntnisse vertieft werden und Schwerpunktbereiche dazukommen. Tim Rosenbohm wählte den Schwerpunkt „Geistiges Eigentum und Wettbewerb“, denn „mich hat gereizt, dass sich dieser von den Pflichtbereichen komplett unterscheidet.“ In Übungen und Tutorien werden die vermittelten Kenntnisse gefestigt und auf Fälle angewandt.

Erstes und zweites Staatsexamen

Einen Blick in die Praxis werfen die Studierenden in den insgesamt drei Monaten Praktikum. „Ich habe meine praktischen Phasen in einer Anwaltskanzlei, in einer Strafrechtskanzlei in Großbritannien und in einem Ministerium in Baden-Württemberg absolviert“, erzählt Tim Rosenbohm und zieht aus dieser Zeit das Fazit: „Ich möchte später in meinem Beruf mit Menschen zu tun haben. Eine Tätigkeit als Richter oder als Anwalt in einer kleinen Kanzlei kann ich mir deshalb gut vorstellen.“

Zuvor muss er allerdings noch zwei juristische Prüfungen bestehen. Die erste juristische Prüfung, auf die sich der Student gerade vorbereitet, besteht zu 70 Prozent aus einer Staatsprüfung, bei der die Klausuren zentral von den Bundesländern gestellt werden. Diese sechs Klausuren werden in den drei Hauptbereichen belegt. Die Universität prüft dann zusätzlich im Schwerpunktbereich.

Volljurist oder nicht?

Stephan Puls von der Arbeitsagentur Düsseldorf erläutert den weiteren Weg: „Nach dem ersten Staatsexamen durchlaufen die Juristen einen zweijährigen Vorbereitungsdienst am Zivilgericht, bei der Staatsanwaltschaft, in der Verwaltung, beim Rechtsanwalt und an einer Wahlstation, die viele im Ausland absolvieren. Darauf folgt die Prüfung zum zweiten Staatsexamen.“

Wer diese Stationen des klassischen Jurastudiums absolviert hat, gilt als Volljurist und hat damit die nötige Qualifikation, um Richter, Staatsanwalt und Rechtsanwalt zu werden oder in den Höheren Dienst des Verwaltungsbereichs zu gehen. Aber auch im Bereich Wirtschaft oder Politik sind Volljuristen gefragt.

Alternative Wege

Daneben gibt es andere Studiengänge mit unterschiedlichen Schwerpunkten, die ebenfalls rechtliche Kenntnisse vermitteln, aber nicht zum Volljuristen ausbilden. „Es gibt ein großes Angebot an Bachelor- und Masterstudiengängen im Bereich Wirtschaftsrecht“, berichtet Stephan Puls (siehe auch „Schnittstelle zwischen BWL und Jura“). „Absolventen arbeiten später in Unternehmen beispielsweise in Rechtsabteilungen.“ Andere bilden binational aus und vermitteln zusätzlich Kenntnisse aus dem Rechtssystem eines anderen Landes (siehe auch „Zwei Rechtswelten intensiv erleben“). In einem breiten Angebot an Masterstudiengängen kann man sich in speziellen Themen wie Lizenzrecht oder Chinesischem Recht weiter qualifizieren.

Wer ein duales Studium mit rechtlichen Inhalten absolvieren will, kann Schwerpunktstudiengänge belegen, etwa zum Thema Steuern, oder findet ein breites Angebot im öffentlichen Dienst – von der Rechtspflege über den Polizeidienst bis hin zu zahlreichen verwaltenden Stellen.

Bachelor-und Masterstudiengänge sowie duale Studiengänge eignen sich für Studierende, die bereits sehr genau wissen, in welchem Bereich sie später arbeiten möchten. Der Berufseinstieg für duale Studierende gestaltet sich in der Regel problemlos. „Um den Berufseinstieg nach einem Bachelor- und Masterstudiengang zu schaffen, sollte man während des Studiums möglichst viel praktische Erfahrung sammeln“, rät der Experte der Agentur für Arbeit Düsseldorf.

Sprachfertigkeit und Disziplin erwünscht

Die Zugangsvoraussetzungen für juristische Studiengänge weisen eine große Bandbreite auf. Während an manchen Universitäten für eine sofortige Zulassung ein sehr gutes Abitur nötig ist, liegen die Hürden anderswo niedriger.

„Wer sich für ein rechtswissenschaftliches Studium interessiert, sollte gut mit der deutschen Sprache umgehen können und gerne mit Texten arbeiten. Oftmals müssen komplizierte Gesetzestexte erfasst und schlüssige Argumentationsketten entworfen werden. Dies bedarf einer hohen Sprachfertigkeit. Außerdem ist das Studium sehr lernintensiv und erfordert viel Selbstdisziplin“, betont Berufsberater Stephan Puls.

Nachfrage nach Absolventen auf Rekordhoch

Ist das Studium geschafft, sind die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt für Juristen vielversprechend. „Die Zahl der gemeldeten Stellenangebote befindet sich derzeit auf Rekordniveau“, weiß Ralf Beckmann von der Bundesagentur für Arbeit. „Derzeit gibt es gegenüber 2006 ein Viertel mehr Erwerbstätige mit einem rechtswissenschaftlichen Studienabschluss.“

Allerdings sind nur zwei von drei Personen, die einmal Jura studiert haben, aktuell mit juristischen Aufgabenstellungen betraut. Rund jeder dritte Jurist arbeitet dagegen fachfremd. „Steigende Studierendenzahlen könnten zudem in den nächsten Jahren zu mehr Konkurrenz führen“, gibt er zu bedenken (siehe auch Arbeitsmarkt Juristinnen und Juristen).

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchworte: Jurist, Richter, Staatsanwalt)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Suchworte: Jura, Rechtswissenschaften)
www.studienwahl.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

http://www.jobboerse.arbeitsagentur.de

Branchenverbände:

Bundesrechtsanwaltskammer

www.brak.de

Deutscher Richterbund e.V.

www.drb.de

Deutscher Anwaltverein

Informationen zum Berufseinstieg
www.anwaltverein.de

Deutscher Juristen-Fakultätentag

www.djft.de

Bundesverband der Wirtschaftsjuristen e.V.

Bietet Informationen zu Studium, Stellenangeboten und Praktika
www.wjfh.de

abi>> 14.08.2017

weitere beiträge

  • zu BERUFE.TV (Öffnet sich in neuem Fenster)
  • zu den abi>> Podcasts