Mit Recht Karriere machen

Detailaufnahme von einem aufgeschlagenen Fachbuch
Hoher Lernaufwand: Das Jurastudium ist in verschiedene Abschnitte unterteilt, die jeweils mit einer Zwischenprüfung abschließen.
Foto: Sebastian Reimold

Im Trend: Jura studieren

Mit Recht Karriere machen

Juristen sind gefragt. Im Studium lernen sie nicht nur das deutsche Rechtssystem kennen, sondern werden zu Generalisten ausgebildet, die strukturiert denken und sich gewählt ausdrücken können. Neben dem klassischen Jurastudium gibt es auch Bachelor- und Masterangebote mit besonderen Schwerpunkten.

Für Tim Rosenbohm ist das Ende des Studiums in Sichtweite: Der Jurastudent der Universität Bayreuth bereitet sich auf seine erste juristische Prüfung vor, die er im September 2018 absolvieren will. „Für die Abschlussprüfungen muss man sich sehr intensiv vorbereiten, um nicht durchzufallen. Alles unter einem Jahr ist unrealistisch“, betont der 21-Jährige. Er studiert mittlerweile im siebten Semester in der Wiederholungs- und Vertiefungsphase.

Aufbau des Studiums

Ein Porträt-Foto von Tim Rosenbohm

Tim Rosenbohm

Foto: privat

„Begonnen hat mein Jurastudium mit der Grundphase. Hier wird das Basiswissen in den drei großen Bereichen Zivilrecht, Strafrecht und Öffentliches Recht vermittelt“, erzählt er. Auch Rechtsphilosophie und -geschichte stehen auf dem Lehrplan. Diese Phase endet mit der Zwischenprüfung nach dem zweiten Semester.

Es folgt die Mittelphase, an anderen Universitäten auch Hauptstudium genannt, in der die Kenntnisse vertieft werden und Schwerpunktbereiche dazukommen. Tim Rosenbohm wählte den Schwerpunkt „Geistiges Eigentum und Wettbewerb“, denn „mich hat gereizt, dass sich dieser von den Pflichtbereichen komplett unterscheidet.“ In Übungen und Tutorien werden die vermittelten Kenntnisse gefestigt und auf Fälle angewandt.

Erstes und zweites Staatsexamen

Einen Blick in die Praxis werfen die Studierenden in den insgesamt drei Monaten Praktikum. „Ich habe meine praktischen Phasen in einer Anwaltskanzlei, in einer Strafrechtskanzlei in Großbritannien und in einem Ministerium in Baden-Württemberg absolviert“, erzählt Tim Rosenbohm und zieht aus dieser Zeit das Fazit: „Ich möchte später in meinem Beruf mit Menschen zu tun haben. Eine Tätigkeit als Richter oder als Anwalt in einer kleinen Kanzlei kann ich mir deshalb gut vorstellen.“

Zuvor muss er allerdings noch zwei juristische Prüfungen bestehen. Die erste juristische Prüfung, auf die sich der Student gerade vorbereitet, besteht zu 70 Prozent aus einer Staatsprüfung, bei der die Klausuren zentral von den Bundesländern gestellt werden. Diese sechs Klausuren werden in den drei Hauptbereichen belegt. Die Universität prüft dann zusätzlich im Schwerpunktbereich.

Volljurist oder nicht?

Stephan Puls von der Arbeitsagentur Düsseldorf erläutert den weiteren Weg: „Nach dem ersten Staatsexamen durchlaufen die Juristen einen zweijährigen Vorbereitungsdienst am Zivilgericht, bei der Staatsanwaltschaft, in der Verwaltung, beim Rechtsanwalt und an einer Wahlstation, die viele im Ausland absolvieren. Darauf folgt die Prüfung zum zweiten Staatsexamen.“

Wer diese Stationen des klassischen Jurastudiums absolviert hat, gilt als Volljurist und hat damit die nötige Qualifikation, um Richter, Staatsanwalt und Rechtsanwalt zu werden oder in den Höheren Dienst des Verwaltungsbereichs zu gehen. Aber auch im Bereich Wirtschaft oder Politik sind Volljuristen gefragt.

Alternative Wege

Daneben gibt es andere Studiengänge mit unterschiedlichen Schwerpunkten, die ebenfalls rechtliche Kenntnisse vermitteln, aber nicht zum Volljuristen ausbilden. „Es gibt ein großes Angebot an Bachelor- und Masterstudiengängen im Bereich Wirtschaftsrecht“, berichtet Stephan Puls (siehe auch „Schnittstelle zwischen BWL und Jura“). „Absolventen arbeiten später in Unternehmen beispielsweise in Rechtsabteilungen.“ Andere bilden binational aus und vermitteln zusätzlich Kenntnisse aus dem Rechtssystem eines anderen Landes (siehe auch „Zwei Rechtswelten intensiv erleben“). In einem breiten Angebot an Masterstudiengängen kann man sich in speziellen Themen wie Lizenzrecht oder Chinesischem Recht weiter qualifizieren.

Wer ein duales Studium mit rechtlichen Inhalten absolvieren will, kann Schwerpunktstudiengänge belegen, etwa zum Thema Steuern, oder findet ein breites Angebot im öffentlichen Dienst – von der Rechtspflege über den Polizeidienst bis hin zu zahlreichen verwaltenden Stellen.

Bachelor-und Masterstudiengänge sowie duale Studiengänge eignen sich für Studierende, die bereits sehr genau wissen, in welchem Bereich sie später arbeiten möchten. Der Berufseinstieg für duale Studierende gestaltet sich in der Regel problemlos. „Um den Berufseinstieg nach einem Bachelor- und Masterstudiengang zu schaffen, sollte man während des Studiums möglichst viel praktische Erfahrung sammeln“, rät der Experte der Agentur für Arbeit Düsseldorf.

Sprachfertigkeit und Disziplin erwünscht

Die Zugangsvoraussetzungen für juristische Studiengänge weisen eine große Bandbreite auf. Während an manchen Universitäten für eine sofortige Zulassung ein sehr gutes Abitur nötig ist, liegen die Hürden anderswo niedriger.

„Wer sich für ein rechtswissenschaftliches Studium interessiert, sollte gut mit der deutschen Sprache umgehen können und gerne mit Texten arbeiten. Oftmals müssen komplizierte Gesetzestexte erfasst und schlüssige Argumentationsketten entworfen werden. Dies bedarf einer hohen Sprachfertigkeit. Außerdem ist das Studium sehr lernintensiv und erfordert viel Selbstdisziplin“, betont Berufsberater Stephan Puls.

Nachfrage nach Absolventen auf Rekordhoch

Ist das Studium geschafft, sind die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt für Juristen vielversprechend. „Die Zahl der gemeldeten Stellenangebote befindet sich derzeit auf Rekordniveau“, weiß Ralf Beckmann von der Bundesagentur für Arbeit. „Derzeit gibt es gegenüber 2006 ein Viertel mehr Erwerbstätige mit einem rechtswissenschaftlichen Studienabschluss.“

Allerdings sind nur zwei von drei Personen, die einmal Jura studiert haben, aktuell mit juristischen Aufgabenstellungen betraut. Rund jeder dritte Jurist arbeitet dagegen fachfremd. „Steigende Studierendenzahlen könnten zudem in den nächsten Jahren zu mehr Konkurrenz führen“, gibt er zu bedenken (siehe auch Arbeitsmarkt Juristinnen und Juristen).

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchworte: Jurist, Richter, Staatsanwalt)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Suchworte: Jura, Rechtswissenschaften)
www.studienwahl.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

http://www.jobboerse.arbeitsagentur.de

Branchenverbände:

Bundesrechtsanwaltskammer

www.brak.de

Deutscher Richterbund e.V.

www.drb.de

Deutscher Anwaltverein

Informationen zum Berufseinstieg
www.anwaltverein.de

Deutscher Juristen-Fakultätentag

www.djft.de

Bundesverband der Wirtschaftsjuristen e.V.

Bietet Informationen zu Studium, Stellenangeboten und Praktika
www.wjfh.de

 

Im Trend: Jura studieren – Interview

Legal Tech: Jura trifft auf Technik

Martin Fries ist Privatdozent an der Ludwig-Maximilians-Universität München und beschäftigt sich in seiner Forschung mit dem Thema Digitalisierung im juristischen Bereich. Für Studierende bietet er Seminare zum Thema Legal Tech an. Im Interview mit abi>> erläutert er, was die technische Entwicklung für den Beruf des Juristen bedeutet.

abi>> Herr Fries, was versteht man unter Legal Tech?

Martin Fries: Das bedeutet, dass Computer und juristische Arbeit zusammenkommen. Das ist im einfachsten Fall eine Software zum Kanzleimanagement. Es geht aber auch komplizierter. Irgendwann könnte es möglich sein, dass man mit bestimmten rechtlichen Fragen nicht mehr einen Anwalt aufsucht, sondern sich an einen Computer wendet.

abi>> Wo werden die digitalen Möglichkeiten schon heute genutzt?

Martin Fries: Bisher dienen sie zum einen der Erleichterung anwaltlicher Arbeit. So kann der Computer Texte erkennen und in Dokumenten vielleicht auch schon manche Begriffe verstehen. Zum anderen gibt es Vertragsgeneratoren im Internet, die schon heute Bausteine für gängige Dokumente, wie Miet- oder Kündigungsverträge, zusammenfügen. Verbraucher müssen sie dann nur noch herunterladen und ausdrucken. Bei allen juristischen Fragen, die nicht individuell sind und in großer Zahl vorkommen, zum Beispiel bei Schadensersatzforderungen von Fluggästen, spielt Legal Tech schon heute eine große Rolle.

abi>> Welche Entwicklungen stehen den Rechtswissenschaften voraussichtlich noch bevor?

Martin Fries: In den nächsten Jahren wird schrittweise der so genannte elektronische Rechtsverkehr eingeführt. Dann können die Teilnehmer an gerichtlichen Verfahren Dokumente auch elektronisch einreichen und bekommen. Der Weg zum Einsatz künstlicher Intelligenz ist dagegen noch weit. Bis etwas anderes als standardisierte Fälle durch Computer bearbeitet werden können, ist noch viel Forschung nötig.

abi>> Besteht dann nicht die Gefahr, dass Juristen wegen Legal Tech weniger zu tun bekommen?

Martin Fries: Bisher ermöglicht die Technik vor allem, dass viele kleine Ansprüche, die sonst nicht zum Anwalt gekommen wären, nun doch erhoben werden. Sie ersetzt somit nicht die anwaltliche Arbeit, sondern ergänzt sie eher. Allerdings wird es in Zukunft für Juristen immer wichtiger werden, mit Programmierern zur technischen Umsetzung zusammenzuarbeiten.

abi>> Wie sollte sich die Entwicklung zukünftig auf die Ausbildung von Juristen auswirken?

Martin Fries: Angehende Juristen sollten in jedem Fall intensiver an die technische Arbeit herangeführt werden, denn sie wird für den Beruf immer wichtiger. Allerdings sehe ich diesen Teil der Ausbildung weniger im Studium, wo es mehr darum geht, zu lernen, wer Recht hat. Das Referendariat scheint mir der geeignetere Zeitpunkt zu sein.

abi>> Welchen Vorteil hat der Verbraucher von der Legal-Tech-Entwicklung?

Martin Fries: Die Technik schafft dem Verbraucher einen neuen Zugang zum Recht. Geringwertige Ansprüche werden eher geltend gemacht und die Angebote kostengünstiger Portale sind für jeden erschwinglich. Eine zusätzliche Sicherheit in der Rechtsberatung erhält der Verbraucher über Software, die anwaltliche Arbeit in der Zukunft vorbereiten und kritisch überprüfen kann. Diese kann den Juristen nicht ersetzen, aber seine Arbeit im Sinne des Verbrauchers ergänzen.

 

abi» Quiz

Autokauf für einen Euro?

Im Jurastudium dreht sich alles um Fälle und Recht. Einige der kuriosesten Gerichtsurteile haben wir für dich im abi>> Quiz gesammelt. Errate, welche Fälle sich so zugetragen und welche wir uns nur ausgedacht haben.

Foto: Nancy Heusel

 

Jura binational

Zwei Rechtswelten intensiv erleben

Andere Länder, andere Gesetze: Die Rechtssysteme verschiedener Staaten unterscheiden sich oft grundlegend. Deshalb braucht man Experten, die sich in beiden Welten auskennen. Florian Weiss absolviert deshalb einen binationalen Bachelorstudiengang in Jura.

Derzeit lebt Florian Weiss in Paris und studiert im sechsten Semester des Deutsch-Französischen Bachelorstudiengangs Rechtswissenschaften der Universität zu Köln und der Universität Paris 1/Panthéon-Sorbonne. Dieses binationale Studium wird jeweils zwei Jahre in Köln und in Paris absolviert. „In der Schule ist Französisch als Fremdsprache zwar gerade nicht mehr so in Mode, wird aber dringend gebraucht“, erzählt der 21-Jährige und begründet: „Frankreich ist in der Wirtschaft ein wichtiger Partner für Deutschland. Englisch allein ist nicht alles.“

Die Faszination für das Französische hat sich bei ihm während eines Schüleraustausches entwickelt. „Es war schon immer mein Traum, später nach Frankreich zu gehen“, berichtet er. „Da ich mich für Politik interessiere und gerne diskutiere, war Jura für mich die richtige Wahl.“

Nach einem Aufnahmetest, der unter anderem die Sprachkenntnisse überprüft, wurde der ausschließlich mit Deutsch als Muttersprache aufgewachsene Student für den Studiengang zugelassen. Er studiert nun in einer exklusiven Gruppe aus 30 deutschen und 30 französischen Studierenden. „In dieser überschaubaren Gruppe hat man gleich Anschluss. Man lernt zusammen und ist mit Deutschen und Franzosen von Beginn an befreundet“, erzählt er.

Deutsches und französisches Rechtssystem

En Porträt-Foto von Florian Weiss

Florian Weiss

Foto: Anne Roßius

In den ersten zwei Jahren in Köln hat Florian Weiss sein Grundstudium zusammen mit den Studierenden absolviert, die Jura für das Staatsexamen studieren. „Der Neuanfang in Paris hat mir großen Spaß gemacht“, sagt der Student. „Es war zwar eine große Umstellung, aber ich bin flexibler geworden und habe über den Tellerrand geschaut. Das Studium in Frankreich ist in vieler Hinsicht anders als in Deutschland. So kann man von beiden Systemen profitieren.“

Nach den Grundlagenfächern Zivilrecht, Strafrecht und öffentlichem Recht in Deutschland steht nun französisches Recht auf dem Lehrplan. „Mit der französischen Juristensprache habe ich kein Problem“, meint Florian Weiss: „Man muss die Ausdrücke eben lernen.“

Ein weiterer Vorteil des kleinen deutsch-französischen Studiengangs ist das Netzwerk, von dem auch schon die Studierenden profitieren. Dieses kann bei der Praktikumssuche hilfreich sein, weil viele Ehemalige des Studienganges heute in Großkanzleien tätig sind. Florian Weiss hat so in einer Großkanzlei in Köln seine ersten praktischen Erfahrungen sammeln können. In Paris kam ein Praktikum in einer deutsch-französischen Kanzlei hinzu. „Der Vorteil des Studiengangs ist, dass man später in Deutschland und in Frankreich einsetzbar ist. Der Abschluss wird in beiden Ländern anerkannt und Absolventen sind gesucht“, weiß der angehende Jurist.

Berechtigt fürs erste deutsche Staatsexamen

Wenn Florian Weiss sein zweites Jahr in Paris beendet hat, will er zurück nach Deutschland gehen. „Da ich in Köln die Zwischenprüfung in den Grundlagenfächern abgelegt habe, bin ich berechtigt, an der ersten juristischen Prüfung zum Staatsexamen teilzunehmen“, sagt er. Denn er hat lediglich mit dem französischen Recht einen anderen Schwerpunkt gewählt als die Jurastudierenden in Deutschland.

Am Ende des Studiums erlangt er somit einen französischen Bachelorabschluss und ein deutsches Staatsexamen, das ihn zum Vorbereitungsdienst berechtigt. „Ich würde später gerne in die Richtung Wirtschafts- oder Arbeitsrecht gehen und Unternehmen beraten. Ich denke, ich werde gute Chancen haben, eine Stelle zu finden, denn Juristen mit guten französischen Sprachkenntnissen werden händeringend gesucht“, erklärt Florian Weiss.

 

Wirtschaftsrecht

Schnittstelle zwischen BWL und Jura

In führenden Positionen arbeiten sie für große Unternehmen dort, wo rechtssichere Entscheidungen getroffen werden müssen: Wirtschaftsjuristen. Ausgebildet werden sie im Studiengang Wirtschaftsrecht – wie auch Stefanie Stark.

Die 27-Jährige studiert im dritten Semester im Masterstudiengang Wirtschaftsrecht an der Technischen Hochschule Nürnberg und hat nur noch ihre Masterarbeit vor sich. Die gelernte Industriekauffrau hatte zunächst drei Jahre in ihrem Beruf gearbeitet, bevor sie über die Weiterbildung zum Wirtschaftsfachwirt zum Bachelorstudiengang Betriebswirtschaft und Recht an der Hochschule Aschaffenburg kam.
„Während der Weiterbildung zum Wirtschaftsfachwirt habe ich meine Leidenschaft für das Recht entdeckt“, erzählt die Studentin. „Da ich nicht sicher war, ob es tatsächlich etwas für mich ist, habe ich mich für die Kombination Wirtschaft und Jura entschieden. Fälle anhand der Gesetze zu bearbeiten, macht mir aber tatsächlich am meisten Spaß.“

Recht in der Wirtschaft

Ein Porträt-Foto von Stefanie Stark

Stefanie Stark

Foto: privat

Für den Masterstudiengang an der TH Nürnberg können alle Studierenden mit einem Bachelor in Jura, Betriebswirtschaft oder Wirtschaftsrecht mit einem entsprechenden NC oder mit einem gleichwertigen Berufsabschluss zugelassen werden. „Deshalb müssen in der ersten Studienphase die Betriebswirtschaftler auch Kenntnisse in juristischer Arbeitsweise und die Juristen wirtschaftliches Grundwissen nachholen. In den Pflichtmodulen im Masterstudiengang geht es dann um die Spezialisierung in Bereichen des nationalen und internationalen Wirtschafts- und Unternehmensrechts mit europäischen Bezügen, also beispielsweise Arbeitsrecht, Vertiefung gewerblicher Rechtschutz sowie deutsches, europäisches und internationales Kapitalgesellschaftsrecht“, erklärt sie.

Die Pflichtmodule werden durch ein Wahlpflichtfach ergänzt. Stefanie Stark hat sich für „English Law“ entschieden. An der TH Nürnberg gibt es aber auch die Möglichkeit, technische Fächer als Ergänzung zu wählen. „Ich habe mich für das Studium in Nürnberg entschieden, weil der Studiengang thematisch sehr breit gefächert ist“, erzählt die angehende Wirtschaftsjuristin. „Man spezialisiert sich nicht sehr stark, sondern bekommt Kenntnisse in vielen Bereichen des Wirtschafts- und Unternehmensrechts vermittelt.“

Praxis sammeln im Studium

Ein weiterer Vorteil der Hochschule ist für die Studentin die praxisbezogene Lehrweise: „Wir werden von vielen Lehrbeauftragten unterrichtet, die hauptberuflich beispielsweise als Anwalt arbeiten. Dadurch bekommt man einen sehr guten Einblick in die Praxis“, sagt Stefanie Stark und ergänzt: „Da der Studiengang sehr klein ist, sind das Lernklima und die Atmosphäre sehr persönlich. Dadurch hat man gute Möglichkeiten, viel zu diskutieren und nachzufragen.“

Praktika werden in ihrem Masterstudium nicht mehr verlangt. Wer allerdings im Bachelor kein Praktikum gemacht hatte, musste es dann im Master nachholen. „Mir wurde meine dreijährige Berufstätigkeit als Praktikum angerechnet“, erzählt die Masterstudentin. „Trotzdem habe ich noch ein Auslandspraktikum im Personalmanagement eines Unternehmens in China absolviert.“

Zwei Fachbereiche beruflich kombinieren

Wenn Stefanie Stark in einem halben Jahr ihre Abschlussarbeit fertiggestellt hat, wird sie den Abschluss Master of Laws erlangen. Danach möchte sie gerne an der Schnittstelle von Wirtschaft und Recht tätig sein, für die sie im Studium ausgebildet wurde: „Ich kann mir gut vorstellen, in einem großen, international ausgerichteten Unternehmen zu arbeiten“, sagt sie.

Derzeit ist sie als Werkstudentin bei Siemens im Bereich Steuern für Global Mobility tätig. „Dies ist auch eine Richtung, die mir gefällt. Grundsätzlich suchen große Unternehmen immer Mitarbeiter, die sich nicht nur mit Betriebswirtschaft, sondern auch in mit den dazugehörigen Rechtssystemen auskennen. Da hat man mit dem Abschluss in Wirtschaftsrecht gute Chancen“, erklärt die Masterstudentin.

 

Richter

„Jurist und Psychologe in einem“

Verhandlungen in Robe führen, Urteile schreiben und verkünden, Gütetermine moderieren: Jakob Schmidkonz (32) ist Richter für Mietrecht am Amtsgericht München.

Darf der Vermieter wegen Eigenbedarf kündigen? Ist die Nebenkostenabrechnung korrekt? Muss der Mieter noch ausstehende Zahlungen leisten? Diese Fragen sind Alltag für den seit eineinhalb Jahren als Richter tätigen Juristen Jakob Schmidkonz. Immer an seinen Verhandlungstagen, dienstags und freitags, spricht er in Robe im Sitzungssaal Recht oder versucht, in sogenannten Güteterminen eine Einigung ohne Beweisaufnahme zu erzielen. „Ich bin ein Streitrichter, wie man ihn aus dem Fernsehen kennt“, erklärt der 32-Jährige. Die anderen Tage der Woche nutzt er zur Vor- und Nachbereitung, zum Vereinbaren von Verhandlungsterminen, zum Einholen von Gutachten und für andere ergänzende Tätigkeiten.

Langer Weg zur Richterstelle

Ein Porträt-Foto von Jakob Schmidkonz

Jakob Schmidkonz

Foto: Amtsgericht München

Um die Stelle zu bekommen, hat Jakob Schmidkonz einen langen Ausbildungsweg hinter sich gebracht. Begonnen hatte er in München mit einem Politikstudium, bevor er sich für Jura entschied. „Als Schwerpunkte habe ich Kriminologie und Jugendstrafrecht gewählt“, erzählt der heutige Richter. „Strafrecht ist immer noch meine fachliche Leidenschaft. Im Staatsdienst wird man aber eher als Allrounder eingesetzt.“

Nach dem ersten Staatsexamen war Jakob Schmidkonz zunächst zwei Jahre als externer Doktorand an der Universität Göttingen eingeschrieben. Um sich zu finanzieren, jobbte er in einer Kanzlei und als Korrektor für Klausuren. Es folgte der juristische Vorbereitungsdienst mit Stationen in Heilbronn und Stuttgart sowie die letzte Prüfung zum zweiten Staatsexamen, ungefähr zehn Jahre nach Studienbeginn.

„Ich wollte schon während des Studiums gerne Richter oder Staatsanwalt werden“, erzählt Jakob Schmidkonz. In Bayern bewirbt man sich für die Justiz, in anderen Bundesländern auch speziell für das Richteramt oder die Staatsanwaltschaft, direkt bei den Landesbehörden. „Die Note ist für die Einstellung das entscheidende Kriterium. Zwar werden auch die Soft Skills beachtet, aber ohne den entsprechenden Notendurchschnitt kommt man nicht rein“, meint der Richter.

Konstruktive Lösungen erarbeiten

Hat man die Zusage für eine Stelle, kann es dann ganz schnell gehen. „Man ist sehr lange in der Ausbildung und hat die Praxis nur als Referendar kennengelernt. Dann bekommt man eine Stelle als Richter und darf nach Studium und zweijähriger Referendarzeit mit erfahrenen Fachanwälten verhandeln und gegebenenfalls entscheiden. Das war schon eine faszinierende Herausforderung“, erzählt Jakob Schmidkonz.

Er schätzt die Unabhängigkeit seines Berufs. „Meine Vorgabe ist, dass ich eine gewisse Anzahl von Fällen im Monat bearbeiten muss, das sogenannte Pensum. Wann und wie ich das mache, kann ich im Wesentlichen selbst bestimmen. Da kann ich im Rahmen der Gesetze viel selbst gestalten“, berichtet er. Ein hohes Maß an Flexibilität braucht der Richter für Mietrecht auch bei den Verhandlungen, in denen es oft nicht nur um die Sache geht: „Das Menschliche steht in dem Beruf sehr im Vordergrund. Da gibt es oft angestaute Wut und Missstimmung zwischen den Parteien. Wenn man es da schafft, einen Vergleich zu schließen und so auch den Streit aufzulösen, hat man für die Zukunft viel Konstruktives geschaffen“, meint Jakob Schmidkonz. „Da ist man zu 70 Prozent Jurist und zu 30 Prozent Psychologe.“

In der Zukunft warten noch weitere Tätigkeiten auf den Münchner Juristen: In den ersten vier Jahren im bayerischen Staatsdienst sind zwei Jahre Richteramt und zwei Jahre Tätigkeit für die Staatsanwaltschaft vorgesehen, die er im Frühjahr beginnt. Danach wird individuell und nach Personalbedarf entschieden, mit welcher Stelle die Karriere weitergeht.


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Stand: 18.06.2019