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Die Produktion von morgen entwickeln

Detailaufnahme aus einer Rundstrickmaschine bei der eine Nadel gewechselt wird.
Die Digitalisierung bewegt nahezu alle Unternehmen in Deutschland. Unter dem Schlagwort "Industrie 4.0" sind unter anderem Gebiete der Mechatronik, Automation und Energieversorgung zusammengefasst.
Foto: Hans-Martin Issler

Industrie 4.0 studieren – Hintergrund

Die Produktion von morgen entwickeln

Die Digitalisierung erfasst immer mehr Berufsbereiche und Branchen. Prozesse in der Herstellung sollen effizienter und kostengünstiger gestaltet, der Mensch durch Maschinen nicht ersetzt, aber unterstützt werden. Die verschiedenen Aspekte dazu werden unter dem Begriff „Industrie 4.0“ zusammengefasst – ein großes Gebiet für künftige Fachkräfte.

Für seinen Master suchte Marius Widmann einen fächerübergreifenden Studiengang. „Nach meinem Bachelorabschluss in Mechatronik für Automatisierungstechnik wollte ich mich mehr auf die Softwareentwicklung fokussieren, ohne die Mechanik aus den Augen zu verlieren“, berichtet der 25-Jährige. Seine Wünsche wurden erfüllt: Seit einem Semester studiert er am Hochschulcampus Tuttlingen an der Hochschule Furtwangen Mechatronische Systeme, wo Informatik, Elektrotechnik und Mechanik im Mittelpunkt stehen.

Das Studium ist flexibel aufgebaut. „Wir können die meisten Fächer selbst wählen und bekommen durch die Interdisziplinarität einen guten Einblick in die Industrie 4.0.“ Seine Projektarbeit dreht sich beispielswiese um intelligente Heizungssysteme in sogenannten Smart Homes – dabei kommunizieren verschiedene Sensoren im Haus mit der Heizung, um eigenständig und stets effizient zu heizen. Mit solchen Systemen möchte sich der 25-Jährige nach der Masterarbeit im dritten Semester auch im Beruf beschäftigen: „Beruflich sehe ich mich eindeutig im Bereich Industrie 4.0.“

Was ist Industrie 4.0?

Wie im Studium von Marius Widmann spielt Industrie 4.0 auch bereits in vielen anderen Studiengängen in Deutschland eine wichtige Rolle. Doch was bedeutet „Industrie 4.0“ eigentlich? „Dieser Begriff beschreibt die Digitalisierung, Vernetzung, Datenerhebung und deren intelligente Verarbeitung sowie Nutzung in verschiedensten Branchen der Industrie“, fasst Andreas Faath, Referent beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) im Forum Industrie 4.0, zusammen und ergänzt: „Die Informationstechnologie entwickelt sich immer weiter, sodass man immer mehr Möglichkeiten hat, eine Produktion zu optimieren.“

Die Idee ist also, gesamte Herstellungsprozesse effizienter und kostengünstiger zu gestalten. Es geht dabei nicht darum, die Arbeitsplätze für Menschen abzubauen und durch Roboter zu ersetzen, betont Andreas Faath: „Eine rein automatische Produktion käme in vielen Fällen schnell an ihre Grenzen.“ Vielmehr sind qualifizierte Mitarbeiter gefragt, um die neuen Anforderungen auch umsetzen zu können. „Mit Industrie 4.0. soll unter anderem die Interaktion von Mensch und Maschinen verbessert werden und damit letztendlich die Produktion und Produkte.“ Dies gilt für die Automobilbranche genauso wie für die Herstellung von Möbeln und viele andere Industriebereiche.

Wettbewerbsfähig bleiben

Maschinen und Sensoren können beispielsweise so programmiert werden, dass sie melden, wann bestimmte Bauteile nachbestellt werden müssen – und anhand bereits abgewickelter Bestellungen präzise berechnen, wie viele tatsächlich benötigt werden. Ein anderes Beispiel ist die Herstellung von einzelnen Produkten, die genau auf die Wünsche eines Kunden zugeschnitten und dennoch wirtschaftlich sinnvoll sind. Der Individualisierung kommt eine immer größere Bedeutung zu, worauf Smart Factories reagieren können: (Was hinter den Fachbegriffen von Industrie 4.0 steckt, erfährst du im abi>> Glossar „Was tut ein Cobot in einer Smart Factory?“).

Kurzum: „Industrie 4.0 ist sehr relevant für die wirtschaftliche Zukunft, weil Betriebe und Unternehmen so flexibler sind, neue Geschäftsmodelle schaffen können und damit wettbewerbsfähig bleiben“, sagt Andreas Faath.

Mehrere Studienmöglichkeiten

Dabei gibt es nicht die eine Universallösung für Unternehmen, denn je nach Betrieb sind unterschiedliche Aspekte wichtig. Deswegen werden Fachleute verschiedenster Fachrichtungen gesucht. Jörg Friedrich, Leiter der Abteilung Bildung beim VDMA, nennt drei Kernstudiengänge: „Bei Industrie 4.0 wird vor allem das Wissen aus den Bereichen Informatik sowie den Ingenieurwissenschaften Maschinenbau und Elektrotechnik benötigt.“

Wer später rund um Industrie 4.0 tätig sein möchte, sollte an Mathe und Physik interessiert sein und ein grundlegendes Verständnis für alle Naturwissenschaften mitbringen. „Maschinenbauer und Elektrotechniker konstruieren und bauen, während Informatiker eher modellieren und viel in der Theorie durchspielen müssen“, erklärt Jörg Friedrich. Hinzu kommen Varianten dieser Studiengänge: Robotik, Automation, Mechatronik, Produktionstechnik, Ingenieurspsychologie, Energietechnik und Wirtschaftswissenschaft.

Allerdings spielt bei allen die Interdisziplinarität eine große Rolle: „Man muss daher darauf achten, dass man von den anderen Fachgebieten ebenfalls etwas lernt. Als Maschinenbauer muss man nicht programmieren können, aber ein Verständnis von Informatik ist sinnvoll.“ Er empfiehlt, möglichst viele Praxiserfahrungen durch Praktika und die Bachelorarbeit zu sammeln. (Von einem interdisziplinären Studiengang erfährst du in „Roboter in Bewegung bringen“.)

Spezialisierung mit dem Master

Ein weiterer Tipp: „Ich empfehle, erst einen grundständigen Bachelorstudiengang wie Maschinenbau oder Elektrotechnik zu wählen und anschließend im Master ein Thema zu vertiefen“, sagt der Experte. (Von einem spezialisierten Masterstudiengang kannst du in „Forschen in Deutschland und Südafrika“ lesen.)

Das kann auch Simone Schober-Wischkony unterschreiben, Berufsberaterin der Agentur für Arbeit in Braunschweig: „In Hinblick auf Industrie 4.0 tut sich bei den spezialisierten Masterstudiengängen derzeit viel. Da lohnt es sich, neue Angebote im Blick zu behalten.“ Beispiele seien Masterstudiengänge wie Digitale Logistik oder Digital Health Management. „Am besten schaut man sich an, was dort jeweils auf dem Lehrplan steht, und ob das die eigenen Interessen weckt.“

Ohnehin: „Für Industrie 4.0 gibt es nicht DEN einen Studiengang, denn mittelfristig verändern sich alle Branchen“, sagt sie und führt aus: „Im Gartenbau können Gewächshäuser digital gesteuert, in der Landwirtschaft die Tierschlachtung effizienter organisiert, im Gesundheitswesen neue Versorgungsmöglichkeiten entwickelt werden – im Endeffekt betrifft Industrie 4.0 alle Jobs mit Dienstleistungen und Produktion.“

Nach dem Studium sind zahlreiche Einsatzfelder in unterschiedlichen Branchen denkbar, von der Forschung über die Entwicklung bis zur Produktion, in kleinen, mittelständischen und großen Unternehmen, wie Jörg Friedrich vom VDMA erklärt: „Das Interesse am Thema Vernetzung wird in den kommenden Jahren stark steigen, genauso die Nachfrage nach entsprechend ausgebildeten Fachleuten.“ Beraterin Schober-Wischkony ergänzt: „Wer in seinem Bereich offen auf diese neuen Anforderungen zugeht, ist für die Zukunft bestens gewappnet.“ (Mehr über Trends und den Berufseinstieg im Bereich Industrie 4.0 erfährst du in „Für Einsteiger eine große Chance“.)

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchworte: Automatisierungstechnik, Robotik, Autonome Systeme)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Suchworte: Industrie 4.0, Automation, Robotik)
www.studienwahl.de

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung. Informationen zu passenden Studiengängen und -berufen findest du zum Beispiel in den Teilberufsfeldern „Mechatronik und Automatisierungstechnik“, „Neue Technologien“ oder „Informations- und Kommunikationstechnik.
www.berufsfeld-info.de/abi

BERUFE TV

Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit.
www.berufe.tv

Verein Deutscher Ingenieure (VDI)

www.vdi.de

Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik

Fachgesellschaft des VDI und des Verbands der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE)
www.vdi.de/technik/fachthemen/mess-und-automatisierungstechnik

Bundesverband der deutschen Industrie (BDI)

https://bdi.eu

Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA)

www.vdma.org

Forum Industrie 4.0

Plattform des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau
https://industrie40.vdma.org

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Informationen zur vierten industriellen Revolution
www.bmbf.de/de/zukunftsprojekt-industrie-4-0-848.html

abi>> 27.08.2018

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