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„Für Einsteiger eine große Chance“

Ein Mann hat ein Strickmodul aus einer Rundstrickmaschine ausgebaut.
Im Bereich Industrie 4.0 sind technisches Grundverständnis, ein fachübergreifender Blickwinkel sowie Kooperationskompetenz wichtig.
Foto: Hans-Martin Issler

Industrie 4.0 studieren – Interview

„Für Einsteiger eine große Chance“

Welche Möglichkeiten bieten sich Absolventen im Bereich Industrie 4.0? Und wie gelingt der Start ins Berufsleben? Antworten darauf hat Dr. Jonas Gallenkämper, Geschäftsführer des Fachbeirats Ingenieurausbildung beim Verein Deutscher Ingenieure (VDI).

abi>> Herr Gallenkämper, welche Trends und aktuellen Entwicklungen gibt es bei Industrie 4.0?

Jonas Gallenkämper: Hier sind zurzeit zahlreiche Trends auf dem Markt. Sie alle haben gemein, dass sie auf Schnittstellen von Technologiedomänen wie IT, Elektrotechnik oder Maschinenbau liegen. Darüber hinaus wandeln sich bisherige Geschäftsmodelle: Hat man früher hauptsächlich ein Produkt verkauft, so bindet man heute den Kunden langfristig über Serviceverträge an das eigene Unternehmen. Dies geschieht in der Regel kundenspezifisch über die Daten, die der Kunde bei der Nutzung des Produkts produziert und die der Hersteller auswertet und für Optimierungen nutzt.
Und dadurch, dass IT-gestützte Systeme zunehmend Routineaufgaben übernehmen und sogar antizipieren, was als nächstes ansteht – zum Beispiel eine Reparatur beim Auto, bevor etwas tatsächlich nicht mehr funktionstüchtig ist –, können wir uns stärker auf kreative Entwicklungsarbeiten konzentrieren. Hier entstehen gerade viele neue Projekte und Jobs.

abi>> Welche Fähigkeiten sind in diesem Bereich besonders gefragt?

Ein Porträt-Foto von Jonas Gallenkämper

Jonas Gallenkämper

Foto: privat

Jonas Gallenkämper: Neben einem Grundverständnis der technischen Möglichkeiten und Anforderungen aus dem Bereich der Digitalisierung ist die Kooperationskompetenz wichtig. Den Einzelkämpfer wird es nicht mehr geben, denn in aller Regel wird in interdisziplinären Teams mit Personen unterschiedlicher Fachrichtungen zusammengearbeitet – zunehmend auch außerhalb des eigenen Unternehmens.

abi>> Die Bundesregierung rief 2013 – in Anlehnung an die früheren industriellen Revolutionen – die vierte industrielle Revolution aus. Welches Fazit können Sie heute ziehen?

Jonas Gallenkämper: Wir stecken mittendrin. Wir sehen, dass alte Geschäftsmodelle zunehmend von Plattformen wie Amazon oder Google ersetzt werden. Nehmen Sie nur den Musik-Markt: Hier haben iTunes und Co. mal eben die gesamte datenträgerbasierte Musikindustrie beinahe obsolet gemacht. Man muss sich also ständig neu erfinden, um zu bestehen. Ich denke, die Dringlichkeit ist den Firmen bewusst, wir stehen häufig aber noch am Anfang. Hier sind frische Ideen „out of the box“ gefragt – für Einsteiger natürlich eine große Chance. Sie stecken noch nicht in den üblichen Prozessen und hinterfragen scheinbar festgesetzte Standards.

abi>> Wie sehen die beruflichen Chancen für heutige Abiturienten aus?

Jonas Gallenkämper: Für Ingenieurstudierende bieten sich später hochspannende Projekte, in denen Kreativität und Teamgeist gebraucht werden gepaart mit einem fundierten Technologieverständnis. Dadurch, dass die Teams zunehmend diverser werden, ergeben sich aber auch Chancen für Absolventen abseits der Ingenieurwissenschaften.

abi>> Und welche Tipps haben Sie, damit der Berufseinstieg gut gelingt?

Jonas Gallenkämper: Engagieren Sie sich im Ehrenamt an ihren Hochschulen und in Studierendeninitiativen, etwa bei den VDI-Hochschulgruppen. Hier lernen Sie enorm wertvolle Soft Skills, die der erste Arbeitgeber zu schätzen wissen wird. Haben Sie zum Beispiel die gröbsten Erfahrungen für eine Veranstaltungsplanung bereits dort einmal gelernt, klappt‘s im Job gleich viel besser. Bleiben Sie außerdem immer neugierig. Zeigen Sie, dass Sie sich etwa in einem Praktikum selbstständig mit spannenden Fragestellungen beschäftigen können. Dazu eignen sich im Bereich Industrie 4.0 natürlich besonders Aspekte der Digitalisierung.

abi>> 27.08.2018

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