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Wenn es normal ist, verschieden zu sein

Rollstuhlfahrerin wird geschoben
Inklusion bedeutet, dass Menschen, egal mit welcher Beeinträchtigung befähigt werden, ein ganz normales Leben zu führen.
Foto: Martin Rehm

Inklusion studieren

Wenn es normal ist, verschieden zu sein

Inklusion bedeutet, dass Menschen mit und ohne Behinderungen ganz natürlich dazu gehören, überall dabei sein und selbstbestimmt leben können. Seit 2008 ist Inklusion als Menschenrecht in der UN-Behindertenrechtskonvention festgeschrieben. Auch Deutschland hat sich verpflichtet, Inklusion in ihrer ganzen Bandbreite umzusetzen. Damit das gelingt, bilden neue Studiengänge Experten auf dem Gebiet Inklusion aus.

Lea Schnell studiert im sechsten Semester Heilpädagogik an der Hochschule Nordhausen. Sie möchte Menschen helfen, selbstbestimmt leben zu können und ihr Recht auf Selbstständigkeit auszuüben: „Das Ziel ist dabei immer, dass die Menschen, egal mit welcher Beeinträchtigung, befähigt werden, ein ganz normales Leben zu führen“, erklärt die 22-Jährige. Dafür arbeitet sie in ihrem Praxissemester mit jungen Menschen mit und ohne Behinderungen, die in einem Wohnprojekt zusammenleben. Sie hilft Menschen, ihre eigenen Vorstellungen von einem für sie stimmigen Leben herauszufinden und umzusetzen. „Es gefällt mir, wenn ich sehe, dass die Menschen wachsen und sich entwickeln und so Teilhabe erlangen“, sagt sie.

Ein Porträt-Foto von Lea Schnell

Lea Schnell

Foto: privat

Schon während der Schulzeit hat Lea Schnell in einem kirchlichen Ehrenamt mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet. Nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr wusste sie endgültig, dass sie Heilpädagogik studieren möchte. Am Studium gefällt ihr besonders, dass die Seminargruppen relativ klein sind, so dass man sich leicht austauschen kann. „Uns wird ein praxisorientierter Ansatz vermittelt, wie Teilhabe und Selbstbestimmung aussehen können und wie beides umgesetzt werden kann.“

Was genau ist Inklusion überhaupt?

Ein Porträt-Foto von Christina Marx

Christina Marx

Foto: privat

Christina Marx, Bereichsleiterin Aufklärung bei „Aktion Mensch e.V.“ erklärt: „Inklusion bedeutet, alle Menschen können in allen gesellschaftlichen Bereichen partizipieren – und zwar unabhängig von Herkunft, Alter, Geschlecht oder Beeinträchtigung.“ Besonders essentiell ist Inklusion im Bereich Bildung. „Inklusion bedeutet hier, dass Kinder mit und ohne Behinderung zusammen in den Kindergarten gehen, die Schule besuchen oder eine Ausbildung machen. Wer bereits in der Kita oder in der Schule mit Inklusion vertraut ist, kann später anders damit umgehen. In der Arbeitswelt weiß man heute, dass Arbeitsergebnisse umso erfolgreicher sind, je gemischter ein Team ist. Nur haben Arbeitgeber oft gar kein Bewusstsein dafür, was ein Mensch mit Behinderung kann, dass er genauso leistungsfähig ist, wie ein Mensch ohne Behinderung“, erklärt Christina Marx.

Universitäten und Hochschulen warten in den letzten Jahren mit neuen Studiengängen auf, die nicht nur im sozialen und pädagogischen Bereich angesiedelt sind. Christina Marx weiß: „Es gibt immer mehr Studiengänge, die sich mit künstlicher Intelligenz beschäftigen, wie beispielsweise ‚Ambient Assisted Living’, das sich Technologien vom Smart Home zunutze macht und deren Anwendung für den Bedarf von Menschen mit Behinderungen erweitert. Auch im Bereich Sprachsteuerung und Sprachausgabe wird sich viel tun – nicht zuletzt deshalb, weil auch Menschen ohne Behinderung davon profitieren.“

Interdisziplinäre Studiengänge

Ein Porträt-Foto von Kathrin Müller

Kathrin Müller

Foto: privat

Um Menschen zu befähigen, Inklusion in allen Lebensbereichen umzusetzen, bieten Universitäten und Hochschulen neben den klassischen humanistischen Studiengängen im pädagogischen und sozialen Bereich interdisziplinäre Studiengänge an. Kathrin Müller, Berufs- und Studienberaterin der Agentur für Arbeit in Cottbus, berichtet: „Zum Beispiel bietet die Universität Siegen den Bachelor ‚Pädagogik: Entwicklung und Inklusion’ an. Der Studiengang zielt darauf ab, Absolventinnen und Absolventen Möglichkeiten zu eröffnen, in pädagogischen Handlungsfeldern tätig zu werden, die vor allem durch die Reorganisation des Bildungssystems und angrenzender Bereiche entstehen.“

Und die Frankfurt University of Applied Sciences bietet seit dem Sommersemester 2017 den Masterstudiengang „Diversität und Inklusion“ an. „Die Studierenden lernen unter anderem, Institutionen und Einrichtungen der Sozialen Arbeit für Diversität und Inklusion als Querschnittsthemen zu sensibilisieren. Hier wird interdisziplinär mit dem Masterstudiengang ‚Performative Künste in sozialen Feldern‘ zusammengearbeitet, um direkt auf soziale Felder einzuwirken. Studierende lernen hier, Kunstprojekte in kulturellen, sozialen und politischen Kontexten zu konzipieren und durchzuführen“, erklärt Kathrin Müller. An der gleichen Universität wird der Masterstudiengang „Barrierefreie Systeme“ angeboten. Der interdisziplinäre Studiengang wartet mit drei Schwerpunkten auf: „Planen und Bauen“, „Intelligente Systeme“ und „Case Management“. Barrierefreie Systeme sollen Menschen unabhängig von Alter und möglicher funktionaler Einschränkung eine selbstbestimmte und selbstständige Lebensführung ermöglichen.

Arbeitsmöglichkeiten an Schulen und im Bereich Soziale Arbeit

Wer im schulischen oder sozialen Bereich arbeiten möchte und sich auf Inklusion speialisiert, hat gute Chancen, weiß Claudia Suttner vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit: „Der Lehrkräftebedarf stellt sich nach Bundesländern, Schulformen und Schulfächern unterschiedlich dar. Die Arbeitslosigkeit ist im Verhältnis zu den erwerbstätigen Lehrern mit einer Quote von unter zwei Prozent sehr gering. Dem Thema Inklusion kommt aber überall eine wachsende Bedeutung zu.“

Der Arbeitsmarkt im Bereich Soziale Arbeit und Sozialpädagogik hat sich ebenso in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt, berichtet die Arbeitsmarktexpertin: „Die Beschäftigungsstatistik weist für 2018 rund 338.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in der Sozialen Arbeit aus – darunter sind 17.000 Heilpädagogen, das sind zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Bezogen auf alle Erwerbstätigen waren akademische Fachkräfte im Bereich der Sozialen Arbeit wenig von Arbeitslosigkeit betroffen. Ihre studienfachspezifische Arbeitslosenquote lag bei 1,7 Prozent.“ Durchaus keine schlechten Berufsaussichten für Studierende im Bereich Inklusion.

Weitere Informationen

studienwahl.de
Informationsportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Im „Finder“ kannst du nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwort: Inklusion).

studienwahl.de

 

Hochschulkompass
In der Datenbank der Hochschulrektorenkonferenz kannst du nach Studiengängen recherchieren.
www.hochschulkompass.de

 

JÖBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit
jobboerse.arbeitsagentur.de

 

Bundesministerium für Bildung und Forschung
www.bmbf.de

 

Aktion Mensch
Soziallotterie, die sich für die Förderung von Inklusion und die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen einsetzt.
www.aktion-mensch.de

 

Bundesteilhabegesetzt des BMAS
Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) klärt über die Auswirkungen des Bundesteilhabegesetzes (BTHG) auf und liefert Informationen zum Thema Inklusion.
www.bmas.de/DE/Schwerpunkte/Inklusion/
bundesteilhabegesetz.html

 

Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen
Der Beauftragte wird für die Dauer einer Legislaturperiode bestellt und soll darauf hinwirken, dass in allen Gesellschaftsbereichen gleichwertige Lebensbedingungen für Menschen mit und ohne Behinderungen ermöglicht werden.
www.behindertenbeauftragter.de/DE/DerBeauftragte/
DerBeauftragte_node.html

abi>> 05.08.2019

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