Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Seine Begabung zum Beruf machen

Frau singt in ein Mikrofon.
Viele junge Menschen träumen von einer Karriere als Künstler. Insgesamt 94.000 Studierende waren im Wintersemester 2017/18 in einem künstlerischen Studiengang eingeschrieben.
Foto: Gerhard Blank

Künstlerische Studiengänge – Hintergrund

Seine Begabung zum Beruf machen

Sänger, Maler, Schauspieler, Designer – es gibt viele Berufe, in denen man seine künstlerische Ader ausleben kann. Doch was braucht es außer Talent, um erfolgreich zu sein? Die Grundlage hierfür kann einer der rund 1.700 künstlerischen Studiengänge in Deutschland sein.

Berühmt werden, die großen Bühnen der Welt erobern – davon träumen viele Künstler. So auch die angehende Opernsängerin Valerie Eickhoff. Im Alter von zehn Jahren entdeckte sie ihre Leidenschaft fürs Singen: „Meine damalige Gitarrenlehrerin meinte, ich hätte eine schöne Stimme und solle Gesangsunterricht nehmen.“ Gesagt, getan. Dass diese Entscheidung richtig war, zeigt sich allein dadurch, dass sie bereits mit 16 Jahren parallel zur Schule ein zweijähriges Jungstudium an der Robert-Schumann-Hochschule (RSH) in Düsseldorf aufnehmen durfte. Mittlerweile absolviert sie dort seit 2014 den Vollzeitbachelorstudiengang Gesang.

Damit gehörte die 22-Jährige im Wintersemester 2017/18 zu den insgesamt etwa 94.000 Studierenden – inklusive angehender Lehrer im musischen Bereich –, die in Deutschland in einem künstlerischen Studiengang eingeschrieben waren.

Große Vielfalt an Studiengängen

Ein Porträt-Foto von Valerie Eickhoff

Valerie Eickhoff

Foto: Susanne Diesmer

Insgesamt gab es im Wintersemester 2017/18 rund 1.700 Studiengänge im Bereich Kunst, Musik und Design – knapp 80 mehr als noch ein Jahr zuvor; von A wie Alte Musik über D wie Dirigieren, K wie Kunst & Medien, S wie Szenisches Schreiben, bis hin zu T wie Tanz und Choreographie und V wie Visuelle Kommunikation. „Es haben sich in der Vergangenheit auch ganz neue Studiengänge hinzugesellt, im Rahmen der Digitalisierung zum Beispiel Digital Art und Interface Design, aber auch Literarisches Schreiben“, ergänzt Kirsten Mantho, Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit in Potsdam. Darüber hinaus verbinden Studiengänge wie Musical, Performance Studies oder 3-D-Animation mehrere Disziplinen miteinander. (Mehr über den Beruf des Creative Producers erfährst du in „Alle kreativen Fäden in der Hand“.)

Bei Studiengängen wie Architektur oder Design haben Studieninteressierte die Wahl, ob sie diese eher mit einem ingenieurwissenschaftlichen Fokus an Unis oder Fachhochschulen oder mit einem künstlerischen Fokus an Kunsthochschulen und -akademien studieren möchten. (Von einem Architekturstudium an einer Kunsthochschule liest du in „Gebäude gestalten als Kunstrichtung“.) Neben Bachelor und Master ist bei den künstlerischen Studiengängen das Diplom noch recht häufig anzutreffen, etwa im Bereich Schauspiel, vereinzelt auch der Magister.

Ein Porträt-Foto von Kirsten Mantho

Kirsten Mantho

Foto: privat

Rund 30 staatliche Kunsthochschulen und Kunstakademien gibt es in Deutschland. Hinzu gesellen sich diverse private Film-, Musik-, und Schauspielschulen. „Wer sich für das kostenpflichtige Angebot einer privaten Hochschule interessiert, sollte auf deren Renommee achten und ein Angebot wählen, das staatlich geprüft ist“, rät Kirsten Mantho. Volkmar Kampmann von der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV), Abteilung Künstlervermittlung, nennt einen weiteren Aspekt, den insbesondere angehende Schauspieler bedenken sollten: „Absolventen privater Schulen, deren Lehrangebote nicht staatlich zertifiziert werden, haben es in der Regel schwerer, Rollen im klassischen Bühnenbereich zu bekommen, als jene renommierter staatlicher Hochschulen.“ (Tätigkeitsbereiche von Künstlern zeigt die abi>> Übersicht auf: „Wo Künstler arbeiten können“.)

Grundvoraussetzung: Talent und Biss

Wer meint, er könne nach dem Abitur einfach mal Ballett oder Klavier studieren, ohne bereits ab dem Kindesalter gelernt zu haben, wie man auf den Spitzen steht oder Etüden von Chopin, Schumann und anderen fehlerfrei rauf und runter spielt, wird kaum Glück haben: Sowohl für die Zulassung zum grundständigen als auch dem weiterführenden Studium müssen sich Bewerber in Eignungstests und Aufnahmeprüfungen beweisen.

Was alle künstlerischen Studiengänge also erforderlich machen: eine große Portion Talent – und Durchhaltevermögen, denn die Konkurrenz ist groß. „Im Bereich Schauspiel buhlen jedes Semester aufs Neue tausende Bewerber um ein paar Handvoll Studienplätze“, bestätigt ZAV-Experte Volkmar Kampmann. „Selbst diejenigen, die Talent haben und den starken Willen, spielen zu wollen, müssen meist mehrere Male vorsprechen.“ (Mehr zu Vorsprechmarathons im Bereich Schauspiel erfährst du im Erfahrungsbericht „Durchbeißen für den Traum vom Schauspielen“.)

Andere Bereiche, gleiche Situation: Wer einen Platz für ein Kunst- und Designstudium ergattern will, muss mit seiner Mappe mit Arbeitsproben überzeugen. Für die Zulassung zum Musikstudium sollte man damit glänzen, meist zwei Instrumenten zu beherrschen. Auch Gesangstudentin Valerie Eickhoff musste ihr Talent schon vor dem Studium unter Beweis stellen: „Ich absolvierte damals eine Eignungsprüfung, bei der das auswendige Vortragen einer Opernarie, einer Oratorienarie und einem Lied sowie Klavierspiel im Fokus stand“, erzählt sie.

Die 22-Jährige hatte Glück und schaffte es im ersten Anlauf – keineswegs der Normalfall: „Grundsätzlich sollte man sich auf mehrere Anläufe einstellen und parallel an mehreren Hochschulen bewerben, denn die Auswahlverfahren unterscheiden sich“, sagt Berufsberaterin Kirsten Mantho. Sie rät daher, sich mit den Aufnahmebedingungen der jeweiligen Hochschule vertraut zu machen und sich gezielt über mehrere Monate hinweg vorzubereiten, etwa mit Mappenkursen, Workshops oder intensivem Üben von Stücken beziehungsweise Rollen.

Muss es ein Studium sein?

Doch warum nicht einfach loslegen nach dem Abi? Insbesondere Theaterschauspieler sowie Musiker und Sänger im klassischen Bereich kommen um ein Studium nicht herum. „Um erfolgreich als Mezzosopranistin zu sein, brauche ich mehr als nur eine gute Stimme. Daher stehen im Studium neben Gesangsunterricht unter anderem auch Klavier- und Schauspielunterricht, Musikwissenschaft und -theorie sowie Italienisch auf dem Lehrplan“, erklärt Studentin Valerie Eickhoff. Sie hat gerade ihr erstes Engagement im Opernstudio Niederrhein bekommen – ein großer Erfolg für die junge Künstlerin.

In der Regel keine Festanstellung

Neben Talent und einer guten Ausbildung, braucht es mehr, um als Künstler erfolgreich zu sein. Zum Beispiel eine Persönlichkeit, dank derer man damit klarkommt, dass man mit großer Wahrscheinlichkeit freiberuflich arbeiten wird, betont Berufsberaterin Kirsten Mantho: „Ein Mensch mit einem extrem starken Sicherheitsbedürfnis, der wissen möchte, was am Ende des Monats auf seinen Konto landet, ist in den künstlerischen Berufen eher nicht gut aufgehoben.“ Von Vorteil seien auch eine gewisse Extrovertiertheit, Lust aufs Netzwerken, ein hohes Maß an Flexibilität und Belastbarkeit.
Hinzu kommt: „Neben der oftmals finanziellen Unsicherheit, muss man sich im Klaren sein, dass man – von wenigen Ausnahmen abgesehen – nicht rasend viel Geld verdienen wird“, ergänzt Volkmar Kampmann von der ZAV-Künstlervermittlung.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchworte: z.B. Bildende/r Künstler/in, Sänger/in, Fotograf/in etc.)

www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Suchworte: z.B. Kunst, Gesang, Tanz, Film etc.)
www.studienwahl.de

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung. Informationen zu passenden Studiengängen und -berufen findest du in den Teilberufsfeldern „Bildende Kunst, Design, Restaurierung“, „Medien“ oder „Musik, Tanz, Schauspiel, Kulturwirtschaft“.
www.berufsfeld-info.de/abi

Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) – Künstlervermittlung

Berät und vermittelt darstellende Künstler und künstlerisch-technische Fachkräfte in Zeiten von Arbeitslosigkeit
https://zav.arbeitsagentur.de

Bundesverband Schauspiel

Vertritt die Interessen von Berufstätigen in den Bereichen Bühne, Film, Fernsehen und Sprache
www.bffs.de

Deutscher Bühnenverein

www.buehnenverein.de

Interessenverband deutscher Schauspieler e. V.

www.ids-ev.eu

Bundesverband Bildendender Künstlerinnen und Künstler (BKK)

www.bbk-bundesverband.de

Interessenverein Freie Kulturberufe (IFK)

www.freie-kulturberufe.de

Bundesverband Freie Darstellende Künste

https://darstellende-kuenste.de

abi>> 03.12.2018

weitere beiträge

  • zu BERUFE.TV (Öffnet sich in neuem Fenster)
  • zu den abi>> Podcasts