Seine Begabung zum Beruf machen

Frau singt in ein Mikrofon.
Viele junge Menschen träumen von einer Karriere als Künstler. Insgesamt 94.000 Studierende waren im Wintersemester 2017/18 in einem künstlerischen Studiengang eingeschrieben.
Foto: Gerhard Blank

Künstlerische Studiengänge

Seine Begabung zum Beruf machen

Sänger, Maler, Schauspieler, Designer – es gibt viele Berufe, in denen man seine künstlerische Ader ausleben kann. Doch was braucht es außer Talent, um erfolgreich zu sein? Die Grundlage hierfür kann einer der rund 1.700 künstlerischen Studiengänge in Deutschland sein.

Berühmt werden, die großen Bühnen der Welt erobern – davon träumen viele Künstler. So auch die angehende Opernsängerin Valerie Eickhoff. Im Alter von zehn Jahren entdeckte sie ihre Leidenschaft fürs Singen: „Meine damalige Gitarrenlehrerin meinte, ich hätte eine schöne Stimme und solle Gesangsunterricht nehmen.“ Gesagt, getan. Dass diese Entscheidung richtig war, zeigt sich allein dadurch, dass sie bereits mit 16 Jahren parallel zur Schule ein zweijähriges Jungstudium an der Robert-Schumann-Hochschule (RSH) in Düsseldorf aufnehmen durfte. Mittlerweile absolviert sie dort seit 2014 den Vollzeitbachelorstudiengang Gesang.

Damit gehörte die 22-Jährige im Wintersemester 2017/18 zu den insgesamt etwa 94.000 Studierenden – inklusive angehender Lehrer im musischen Bereich –, die in Deutschland in einem künstlerischen Studiengang eingeschrieben waren.

Große Vielfalt an Studiengängen

Ein Porträt-Foto von Valerie Eickhoff

Valerie Eickhoff

Foto: Susanne Diesmer

Insgesamt gab es im Wintersemester 2017/18 rund 1.700 Studiengänge im Bereich Kunst, Musik und Design – knapp 80 mehr als noch ein Jahr zuvor; von A wie Alte Musik über D wie Dirigieren, K wie Kunst & Medien, S wie Szenisches Schreiben, bis hin zu T wie Tanz und Choreographie und V wie Visuelle Kommunikation. „Es haben sich in der Vergangenheit auch ganz neue Studiengänge hinzugesellt, im Rahmen der Digitalisierung zum Beispiel Digital Art und Interface Design, aber auch Literarisches Schreiben“, ergänzt Kirsten Mantho, Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit in Potsdam. Darüber hinaus verbinden Studiengänge wie Musical, Performance Studies oder 3-D-Animation mehrere Disziplinen miteinander. (Mehr über den Beruf des Creative Producers erfährst du in „Alle kreativen Fäden in der Hand“.)

Bei Studiengängen wie Architektur oder Design haben Studieninteressierte die Wahl, ob sie diese eher mit einem ingenieurwissenschaftlichen Fokus an Unis oder Fachhochschulen oder mit einem künstlerischen Fokus an Kunsthochschulen und -akademien studieren möchten. (Von einem Architekturstudium an einer Kunsthochschule liest du in „Gebäude gestalten als Kunstrichtung“.) Neben Bachelor und Master ist bei den künstlerischen Studiengängen das Diplom noch recht häufig anzutreffen, etwa im Bereich Schauspiel, vereinzelt auch der Magister.

Ein Porträt-Foto von Kirsten Mantho

Kirsten Mantho

Foto: privat

Rund 30 staatliche Kunsthochschulen und Kunstakademien gibt es in Deutschland. Hinzu gesellen sich diverse private Film-, Musik-, und Schauspielschulen. „Wer sich für das kostenpflichtige Angebot einer privaten Hochschule interessiert, sollte auf deren Renommee achten und ein Angebot wählen, das staatlich geprüft ist“, rät Kirsten Mantho. Volkmar Kampmann von der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV), Abteilung Künstlervermittlung, nennt einen weiteren Aspekt, den insbesondere angehende Schauspieler bedenken sollten: „Absolventen privater Schulen, deren Lehrangebote nicht staatlich zertifiziert werden, haben es in der Regel schwerer, Rollen im klassischen Bühnenbereich zu bekommen, als jene renommierter staatlicher Hochschulen.“ (Tätigkeitsbereiche von Künstlern zeigt die abi>> Übersicht auf: „Wo Künstler arbeiten können“.)

Grundvoraussetzung: Talent und Biss

Wer meint, er könne nach dem Abitur einfach mal Ballett oder Klavier studieren, ohne bereits ab dem Kindesalter gelernt zu haben, wie man auf den Spitzen steht oder Etüden von Chopin, Schumann und anderen fehlerfrei rauf und runter spielt, wird kaum Glück haben: Sowohl für die Zulassung zum grundständigen als auch dem weiterführenden Studium müssen sich Bewerber in Eignungstests und Aufnahmeprüfungen beweisen.

Was alle künstlerischen Studiengänge also erforderlich machen: eine große Portion Talent – und Durchhaltevermögen, denn die Konkurrenz ist groß. „Im Bereich Schauspiel buhlen jedes Semester aufs Neue tausende Bewerber um ein paar Handvoll Studienplätze“, bestätigt ZAV-Experte Volkmar Kampmann. „Selbst diejenigen, die Talent haben und den starken Willen, spielen zu wollen, müssen meist mehrere Male vorsprechen.“ (Mehr zu Vorsprechmarathons im Bereich Schauspiel erfährst du im Erfahrungsbericht „Durchbeißen für den Traum vom Schauspielen“.)

Andere Bereiche, gleiche Situation: Wer einen Platz für ein Kunst- und Designstudium ergattern will, muss mit seiner Mappe mit Arbeitsproben überzeugen. Für die Zulassung zum Musikstudium sollte man damit glänzen, meist zwei Instrumenten zu beherrschen. Auch Gesangstudentin Valerie Eickhoff musste ihr Talent schon vor dem Studium unter Beweis stellen: „Ich absolvierte damals eine Eignungsprüfung, bei der das auswendige Vortragen einer Opernarie, einer Oratorienarie und einem Lied sowie Klavierspiel im Fokus stand“, erzählt sie.

Die 22-Jährige hatte Glück und schaffte es im ersten Anlauf – keineswegs der Normalfall: „Grundsätzlich sollte man sich auf mehrere Anläufe einstellen und parallel an mehreren Hochschulen bewerben, denn die Auswahlverfahren unterscheiden sich“, sagt Berufsberaterin Kirsten Mantho. Sie rät daher, sich mit den Aufnahmebedingungen der jeweiligen Hochschule vertraut zu machen und sich gezielt über mehrere Monate hinweg vorzubereiten, etwa mit Mappenkursen, Workshops oder intensivem Üben von Stücken beziehungsweise Rollen.

Muss es ein Studium sein?

Doch warum nicht einfach loslegen nach dem Abi? Insbesondere Theaterschauspieler sowie Musiker und Sänger im klassischen Bereich kommen um ein Studium nicht herum. „Um erfolgreich als Mezzosopranistin zu sein, brauche ich mehr als nur eine gute Stimme. Daher stehen im Studium neben Gesangsunterricht unter anderem auch Klavier- und Schauspielunterricht, Musikwissenschaft und -theorie sowie Italienisch auf dem Lehrplan“, erklärt Studentin Valerie Eickhoff. Sie hat gerade ihr erstes Engagement im Opernstudio Niederrhein bekommen – ein großer Erfolg für die junge Künstlerin.

In der Regel keine Festanstellung

Neben Talent und einer guten Ausbildung, braucht es mehr, um als Künstler erfolgreich zu sein. Zum Beispiel eine Persönlichkeit, dank derer man damit klarkommt, dass man mit großer Wahrscheinlichkeit freiberuflich arbeiten wird, betont Berufsberaterin Kirsten Mantho: „Ein Mensch mit einem extrem starken Sicherheitsbedürfnis, der wissen möchte, was am Ende des Monats auf seinen Konto landet, ist in den künstlerischen Berufen eher nicht gut aufgehoben.“ Von Vorteil seien auch eine gewisse Extrovertiertheit, Lust aufs Netzwerken, ein hohes Maß an Flexibilität und Belastbarkeit.
Hinzu kommt: „Neben der oftmals finanziellen Unsicherheit, muss man sich im Klaren sein, dass man – von wenigen Ausnahmen abgesehen – nicht rasend viel Geld verdienen wird“, ergänzt Volkmar Kampmann von der ZAV-Künstlervermittlung.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchworte: z.B. Bildende/r Künstler/in, Sänger/in, Fotograf/in etc.)

www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Suchworte: z.B. Kunst, Gesang, Tanz, Film etc.)
www.studienwahl.de

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung. Informationen zu passenden Studiengängen und -berufen findest du in den Teilberufsfeldern „Bildende Kunst, Design, Restaurierung“, „Medien“ oder „Musik, Tanz, Schauspiel, Kulturwirtschaft“.
www.berufsfeld-info.de/abi

Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) – Künstlervermittlung

Berät und vermittelt darstellende Künstler und künstlerisch-technische Fachkräfte in Zeiten von Arbeitslosigkeit
https://zav.arbeitsagentur.de

Bundesverband Schauspiel

Vertritt die Interessen von Berufstätigen in den Bereichen Bühne, Film, Fernsehen und Sprache
www.bffs.de

Deutscher Bühnenverein

www.buehnenverein.de

Interessenverband deutscher Schauspieler e. V.

www.ids-ev.eu

Bundesverband Bildendender Künstlerinnen und Künstler (BKK)

www.bbk-bundesverband.de

Interessenverein Freie Kulturberufe (IFK)

www.freie-kulturberufe.de

Bundesverband Freie Darstellende Künste

https://darstellende-kuenste.de

 

Vorsprechen fürs Schauspielstudium

Durchbeißen für den Traum vom Schauspielen

Enea Boschen studiert Schauspiel im Bachelor an der Theaterakademie August Everding in München. Für abi>> berichtet die 21-Jährige darüber, wie schwierig es war, einen Studienplatz zu ergattern, und welchen Herausforderungen sie sich als Studentin stellen muss.

Was möchte ich mal werden? Diese Frage konnte ich schon in der Grundschule beantworten: Dank einer Theater-AG wusste ich schnell, dass ich Schauspielerin werden will. In der Rolle des Pagenjungen stolperte ich auf der Bühne herum, das Publikum reagierte auf mich, hat über meine Performance dieser komischen Figur gelacht. Dieser Moment war wohl mein berufliches Schlüsselerlebnis. Den Schultheater-AGs und Schauspielgruppen in der Freizeit folgte ein Ausflug an eine private Schauspielschule in Köln. Dieser war jedoch nicht nur kostspielig, sondern ich habe auch gemerkt, dass ich perspektivisch nicht weit kommen würde, wenn ich nicht an einer renommierten staatlichen Hochschule studiere. Diese bietet nämlich viel mehr Möglichkeiten.

Das Vorsprechen muss sitzen

Ein Porträt-Foto von Enea Boschen

Enea Boschen

Foto: privat

Ich hatte damals einen Dozenten, der mich für diesen Schritt ermutigt und mit mir für die Vorsprechen an mehreren Hochschulen emsig Monologe sprechen geprobt hat. Als Erstes bewarb ich mich an der renommierten Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin. Es ist schon verrückt, dass man mit 600 bis 900 Bewerbern um die wenigen Studienplätze buhlt.

In der ersten Vorsprechrunde konnte ich überzeugen. Doch meine Euphorie darüber ging über in Verbissenheit, die in viel zu viel Nervosität in der zweiten Runde mündete – und dort auch endete. „Mist“, dachte ich mir, ließ mich aber nicht entmutigen und sprach an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig vor. Auch hier wurde mein Lauf auf einen Studienplatz früh ausgebremst. Aufgeben war für mich aber keine Option.

Aller guten Dinge sind drei

Also ab nach München. Dort, an der Theaterakademie August Everding, gibt es ein dreistufiges Prüfungsverfahren. In der ersten Runde musste ich drei selbstständig erarbeitete Rollenausschnitte vortragen, diesmal aber nicht vor allen anderen Vorsprechern, sondern alleine – das setzte mich weniger unter Druck. In der zweiten Runde ging es für mich dann vor die gesamte Prüfungskommission. Geschafft! In der dritten Stufe kamen dann Prüfungen in Gruppen hinzu. Wieder geschafft! Irgendwie passte dieses Mal alles: Ich war auf eine positive Art nervös, fühlte mich sicherer beim Vorsprechen und die Prüfungsatmosphäre war super angenehm. Und siehe da: Ich bekam den Studienplatz!

Seit 2016 studiere ich nun an der Theaterakademie August Everding, die zur Hochschule für Musik und Theater gehört, und lerne alle praktischen und theoretischen Fertigkeiten, die ich im Berufsleben als Schauspielerin brauche. Auf dem Lehrplan steht natürlich Schauspielunterricht in Praxis und Theorie, aber auch Gesang, Sprechen und Körperarbeit.

Der Kampf mit der eigenen Persönlichkeit

Ein wesentlicher Aspekt im Bachelorstudium spielt die Entwicklung der künstlerischen Persönlichkeit. Ich muss gestehen, dass diese Form des Auseinandersetzens mit mir selbst mich oft an meine Grenzen bringt. Es ist wie ein permanenter kleiner Kampf, den ich ausfechte. Ich muss mich immer wieder darauf besinnen, wozu ich das Ganze mache und dass es ein großes Geschenk ist, überhaupt an der August Everding studieren zu dürfen. Das bekommen wir auch immer wieder von unseren Dozierenden zu hören: Alles mitnehmen, in sich aufsaugen, das Studium geht schneller rum, als man denkt. Und schließlich geht es ja auch um meinen absoluten Traumjob: die Schauspielerei!

 

Architektur

Gebäude gestalten als Kunstrichtung

In welchen gesellschaftlichen, kulturellen, urbanen Räumen wollen wir leben – und vor allem wie? Das sind zentrale Fragen, die Architekturstudentin Christine von Raven (23) interessieren. Daher entschied sie sich für ein Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste (ABK) in Stuttgart.

In Christine von Ravens Architekturstudium steht das Entwerfen sowie das künstlerische und wissenschaftliche Arbeiten in allen Maßstäben im Fokus. „Genau diese Ausrichtung hatte mich davon überzeugt, Architektur nicht klassisch an der Uni, sondern an der Kunsthochschule zu studieren“, erklärt sie. In der Schule hatte sie Physik und Kunst als Leistungskurse, kam aber auch mit guten Noten in Mathematik nach Hause – alles Fächer, für die man als angehender Architekt Interesse haben sollte.

Nach dem Abitur und zwei Praktika in einem Architekturbüro sowie auf der Baustelle in einer Zimmerei stand fest, dass sie Architektin werden will. Inzwischen hat die 23-Jährige den Bachelor in der Tasche, studiert nun im Master, ebenfalls an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. „Ich hatte mir zwar einige Architekturstudiengänge an anderen Hochschulen angeschaut, habe mich aber letztlich für die ABK entschieden, da die Arbeitssituation hier einfach super ist.“ Damit meint die Studentin zum Beispiel die gut ausgestatteten Werkstätten und Ateliers, die internationale Vernetzung sowie die Möglichkeit, Lehrveranstaltungen der anderen Kunstdisziplinen der Akademie nutzen zu können.

Viele Freiheiten im Master

Ein Porträt-Foto von Christine von Raven

Christine von Raven

Foto: Christian Lohmann

„Im Mittelpunkt des viersemestrigen Masterstudiums steht der architektonische Entwurf unter Berücksichtigung des gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Kontextes und unter Nutzung aller Medien und Darstellungstechniken“, erklärt Christine von Raven. Neben dem Studium arbeitet sie als Werkstudentin in einem Stuttgarter Ingenieurbüro, das innovative Klima- und Energiekonzepte entwickelt und bewertet.

Das entspricht auch ihren Schwerpunkten im Studium, die insbesondere auf den Themen nachhaltiger Städtebau, Architektur der Zukunft und Urban Design liegen. „Das Schöne ist, dass hier zum einen Teamarbeit großgeschrieben wird, zum anderen man im Master viele Freiheiten hat, zum Beispiel was die Wahl des Entwurfsprojektes oder die Studieninhalte anbelangt.“ Die losen Strukturen erfordern viel Eigeninitiative und Disziplin. Die Devise an der Kunsthochschule lautet: nicht bloßes Aufgabenstellungen abarbeiten, sondern selbst Dinge entwerfen.

Vielseitige Einsatzmöglichkeiten nach dem Studium

Und nach dem Abschluss? „Wohin meine berufliche Reise geht, weiß ich noch nicht. Das Spannende ist ja, dass ich nicht unbedingt als Architektin arbeiten muss. Ich könnte auch im Bereich Design, Forschung und Lehre oder Ausstellungdesign Fuß fassen. Außerdem machen sich viele Absolventen mit einem eigenen, innovativen Büro selbstständig.“

Gut zu wissen: Ohne den Master of Arts in der Tasche hätte die 23-Jährige keine Chance, ihre Passion beruflich auszuleben. Denn für die berufliche Anerkennung durch die Architektenkammer ist ein vierjähriges Studium Pflicht – da reicht der Bachelorabschluss nach drei Jahren allein nicht aus.

 

Creative Producer

Alle kreativen Fäden in der Hand

Von der Idee bis zum visuellen Erlebnis: Tobias Rosen (35) arbeitet als Creative Producer. Der Oscar-nominierte Absolvent der Hamburg Media School mag es, Geschichten zu erzählen und hinter der Kamera als Strippenzieher die gesamte Produktion eines Filmes zu begleiten.

Als kleiner Junge, bedingt durch den Beruf seines Vaters, verbrachte Tobias Rosen sieben Jahre in Südafrika. Damals hatte er wohl nicht im Traum daran gedacht, dass er etwa drei Jahrzehnte später in Afrika einen Film auf die Beine stellen wird, der es bis nach Hollywood schaffen sollte.

Doch zurück auf Anfang: Nach der Schule studierte Tobias Rosen Schauspiel in München, erhielt in dieser Zeit erste Theaterengagements und wirkte seit 2005 regelmäßig bei Film- und Fernsehproduktionen mit. TV-Serien-Zuschauer dürften ihn insbesondere aus der ARD-Telenovela „Roten Rosen“ kennen, in der er von 2011 bis 2014 in der Rolle des Mick Eckarts mitgespielt hat.

Trotz seiner Erfolge vor der Kamera zog es den gebürtigen Nürnberger immer stärker hinter die Kamera: „Ich wollte selbst Geschichten erzählen und nicht Rollen in den Geschichten anderer spielen.“ Daher fiel 2014 sein Entschluss, Film im Fachbereich Produktion an der Hamburg Media School (HMS) zu studieren, um Creative Producer zu werden. Die HMS ist eine halb-staatliche Kooperation zwischen der Hamburger Behörde für Wissenschaft und Forschung, der Universität Hamburg und der Hochschule für bildende Künste Hamburg.

Verantwortung für Inhalt und Organisation

Ein Porträt-Foto von Tobias Rosen

Tobias Rosen

Foto: privat

Doch was ist ein Creative Producer überhaupt? Er ist Ideengeber, Organisator, Controller und Schnittstellenmanager in einer Person. „Zu meinen Aufgaben gehört zum Beispiel die Besetzung des Teams, also Darsteller, Regie, Ausstattung und Kamera. Mit einem Autor das Drehbuch entwickeln, Genehmigungen einholen, Drehpläne zusammen mit Regie und Produktionsleitung erstellen sowie die Überwachung des Projektes gehören auch dazu.“ Von der inhaltlichen Konzeption über die Durchführung bis zur Fertigstellung – ein Creative Producer begleitet den gesamten Produktionsprozess, teils auch, was die Finanzierung anbelangt. Nicht zu verwechseln ist der Beruf mit dem des Produzenten: Dieser entscheidet, welche Filme mit welchem Budget realisiert werden, und trägt die komplette finanzielle Verantwortung.

Um als Creative Producer erfolgreich zu sein, braucht es aufgrund der vielfältigen Aufgaben ein breit gefächertes Wissen – oder wie es die HMS auf ihrer Homepage ausdrückt: „kommunikationsstarke, juristisch gebildete, künstlerisch versierte und vor allem kaufmännisch verantwortungsvolle Creative Producer“. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass der 35-Jährige diesem Profil entspricht, hat er doch mit seiner Masterarbeit sogar das Oscar-Komitee überzeugen können: Dem Student Academy Award 2017 folgte die Nominierung in der Kategorie „Bester Kurzfilm“ der Hauptpreisverleihung.

Von Hamburg über Afrika nach Hollywood

„Watu Wote – All of us“ lautet der Titel des 23-minütigen Kurzfilms über Terror und Mitmenschlichkeit. Er erzählt die wahre Geschichte einer Christin, die auf einer Busreise an der Grenze zwischen Kenia und Somalia von islamistischen Terroristen überfallen wird. „Mir war schon immer klar, dass ich meine Abschlussarbeit in Afrika drehen will. Auch wenn die Dreharbeiten an den Originalschauplätzen nicht immer einfach waren, ging ein Traum für mich in Erfüllung“, schwärmt der 35-Jährige.

Den „Goldjungen“ mit nach Hause bringen konnten Tobias Rosen und Regisseurin Katja Benrath leider nicht. „Trotzdem war es eine große Ehre und eine Bestätigung, dass ich beruflich den absolut richtigen Weg eingeschlagen habe“, resümiert der Creative Producer. Und es geht direkt weiter: Zuletzt hat er seinen ersten Kinofilm, „ROCCA verändert die Welt“ (Kinostart: März 2019) als Produzent für Relevant Films und Warner Brothers in Co-Produktion realisiert.

 

Künstlerische Studiengänge – Übersicht

Wo Künstler arbeiten können

Und wie geht es nach dem künstlerischen Studium weiter? abi>> listet auf, für welche Medien und in welchen Bereichen Absolventen verschiedener Studiengänge gefragt sind.

Film

Schauspieler/in, Regisseur/in, Film- und Video-Editor, Masken- und Kostümbildner/in, Sprecher/in, Drehbuchautor/in, Creative Producer, Dramaturg/in, Szenenbildner/in

Radio und Fernsehen

Schauspieler/in, Produzent/in, Regisseur/in, Masken- und Kostümbildner/in, Sprecher/in, Video-Journalist/in, TV-Produzent/in, Creative Producer, Szenenbildner/in, Dramaturg/in

Oper

Sänger/in, Musiker/in, Bühnenbildner/in, Masken- und Kostümbildner/in, Ensembleleiter/in, Dirigent/in, Komponist/in, Orchestermusiker/in

Ballett und Theater

Bühnentänzer/in, Schauspieler/in, Bühnenbildner/in, Masken- und Kostümbildner/in, Sänger/in, Artist/in, Choreograf/in, Dirigent/in, Chorsänger/in, Komponist/in, Dramaturg/in, Orchestermusiker/in, Regisseur/in, Szenische(r) Schreiber/in, Kabarettist/in

Verlage

Fotograf/in, Grafik- und Kommunikationsdesigner/in, Illustrator/in, Szenische(r) Schreiber/in, Comic-Zeichner/in, Schriftsteller/in, Lyriker/in

(Innen-)Architekturbüros

(Innen-)Architekt/in, (Bau-)Zeichner/in, Innenausstatter/in, Designer/in

Unternehmen der Neuen Medien

VFX-Artist (Spezialist für Animation und digitale Effekte), Digital Film Producer, Audio Producer, Game Art Animation Artist, Game Art & 3D Animation Artist, Visual Effects Animation Artist, Game Designer

Kirchengemeinden

Kirchenmusiker/in, Chorleiter/in, (Chor- & Gospel-)Sänger/in, Kantor/in

Firmenumfeld (Events, Workshops)

Artist/in, Musiker/in, Performance Künstler/in, Theaterschauspieler/in, Puppenspieler/in, Sänger/in, Kabarettist/in

Bildungsträger (Schulen, Hochschulen, VHS)

Dozierende/r bzw. Lehrkraft für Musik, Gesang, Bildende Künste etc.

Pädagogisch-therapeutische Einsatzgebiete

Musik-, Theater-, Bewegungspädagoge/-in, Musiktherapeut/in, Tanzlehrer/in, Atem-, Sprech- und Stimmlehrer/in

Mode- & Beautybereich

Modedesigner/in, Kostümbildner/in, Make-up Artist

Freie Bildende Kunst

Kunstschmied/in, Bildhauer/in, Keramiker/in, Maler/in, Fotograf/in, Graffiti-Künstler/in, Medienkünstler/in, Grafiker/in, Konzeptkünstler/in, Comic-Zeichner/in, Karikaturist/in, Illustrator/in


Diese Beiträge im abi-Portal könnten dich auch interessieren:

  • Gebäude gestalten als Kunstrichtung

  • Alle kreativen Fäden in der Hand

  • Wo Künstler arbeiten können

  • Durchbeißen für den Traum vom Schauspielen

Logo Bundesagentur f�r Arbeit
Stand: 22.05.2019