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Viel mehr als nur Transport

Der Wirtschaftsingenieur an seinem Arbeitsplatz im Großraumbüro am Computer.Hier macht er Recherche, schreibt Berichte und hält Korrespondenz mit anderen Kollegen, Lieferanten und Kunden.
Knapp 150 Studiengänge gibt es in Deutschland im Bereich Logistik.
Foto: Frank Pieth

Logistik studieren

Viel mehr als nur Transport

Wie kommen Waren, Rohstoffe oder Informationen zum richtigen Zeitpunkt, in der passenden Qualität und Menge und zu einem günstigen Preis von A nach B? Für die Planung und Durchführung dieser hochkomplexen globalen Prozesse sind Logistikfachleute gefragt.

Carina Pöpperl wird solch eine Logistikexpertin. Die 23-Jährige studiert im vierten Semester Logistikmanagement an der Technischen Hochschule Mittelhessen in Friedberg. „Ich habe in der Schulzeit bereits ein Praktikum bei einem Automobilhersteller in England gemacht“, erzählt sie. „Die logistischen Prozesse in der Produktion haben mich da besonders interessiert. Ich finde es spannend, solche Prozesse zu verstehen, zu verbessern, steuern und planen zu können.“

Da ihr ein klassisches BWL-Studium zu allgemein war, entschied Carina Pöpperl sich für den Studiengang Logistikmanagement. „Mir war es wichtig, mich zu spezialisieren, damit ich später bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt habe. Besonders spannend finde ich die globale Ausrichtung des Studiengangs. So hat man auch bei Unternehmen im Ausland gute Jobchancen.“

Ein Porträt-Foto von Carina Pöpperl

Carina Pöpperl

Foto: privat

Der Studiengang an der TH Mittelhessen legt einen Schwerpunkt auf betriebswirtschaftliche und informationstechnische Themen und schließt mit dem Bachelor of Science ab. „Neben mathematischen und statistischen Grundlagen haben wir allgemeine Wirtschaftsfächer wie Finanzwirtschaft, Personalmanagement und Rechnungswesen“, erklärt Carina Pöpperl. „In informationstechnischen Modulen lernen wir programmieren und den Umgang mit logistischen Anwendungssystemen. Außerdem werden logistische Fächer angeboten, etwa Vorlesungen zu Verkehrssystemen.“ Im Rahmen von Exkursionen, Betriebsbesichtigungen und Projektarbeiten in Unternehmen können die Studierenden bereits während des Studiums erste Kontakte zur Wirtschaft knüpfen.

Wer Logistik studieren möchte, sollte neben guten mathematischen Kenntnissen Stärken in den Bereichen Strukturiertes Denken und Selbstorganisation haben. „Wichtig sind auch Englischkenntnisse“, weiß Carina Pöpperl. „In den höheren Semestern finden die Lehrveranstaltungen teilweise auf Englisch statt.“

Im sechsten Semester ist ein Pflichtpraktikum im Ausland vorgesehen, welches die Studentin gern bei einem Unternehmen in Asien oder Neuseeland absolvieren möchte. „Nach dem Bachelor möchte ich noch einen Master anhängen. In Friedberg kann man zum Beispiel Supply-Chain-Management studieren. Ein Auslandsstudium kann ich mir aber auch gut vorstellen“, erzählt Carina Pöpperl.

Zahlreiche Studienangebote

Ein Porträt-Foto von Uwe Leuck

Uwe Leuck

Foto: privat

Wer sich für ein Studium im Bereich Logistik interessiert, kann aus vielen Angeboten wählen. Knapp 150 Studiengänge zeigt das Portal studienwahl.de an, wenn man nach „Logistik“ sucht. „Die meisten gibt es an Hochschulen für angewandte Wissenschaften und, vor allem im Masterbereich, an Universitäten. Außerdem kann man Logistik an dualen Hochschulen und Berufsakademien studieren. Zudem gibt es einige Angebote von privaten Hochschulen, an welchen in der Regel Studiengebühren anfallen“, fasst Uwe Leuck, Berufsberater bei der Agentur für Arbeit Mannheim zusammen.

Logistik kann man als eigenständigen Studiengang, als Schwerpunkt, Vertiefungsrichtung oder als Fach innerhalb der Betriebswirtschaftslehre studieren. Es gibt jedoch auch Bezüge zur Technik beziehungsweise zum Ingenieurwesen und zur Informatik. Deshalb sollte man bei der Auswahl des Studiengangs genau darauf achten, welchen Schwerpunkt die verschiedenen Hochschulen setzen (s. Übersicht „Zwischen BWL und Technik“). So findet man in den Suchmaschinen unter dem Stichwort „Logistik“ nicht unbedingt immer alle Angebote für den Logistik-Bereich. Suchworte wie „Supply-Chain-Management“, „Verkehr“, „Mobilität“, „(Wirtschafts-)Informatik“ bzw. „(Wirtschafts-)Ingenieurwesen“ oder „digital“ bringen oft zusätzliche Ergebnisse.

„Die Entscheidung für ein Bachelor-Studienfach mit Schwerpunkt oder Spezialisierung ist besonders dann günstig, wenn man schon weiß, in welchem Bereich der Logistik man später tätig werden möchte“, weiß Uwe Leuck.

So vielfältig wie die Ausrichtungen der Fächer sind auch die Studienformen: „Logistik oder BWL mit logistischem Schwerpunkt kann man in allen dualen Formen studieren, in internationalen Studiengängen mit obligatorischem Auslandssemester und an einigen Hochschulen auch als Fernstudium“, erklärt der Berufsberater. Wer sein Studium ohne Praktikumsanteile absolviert, sollte dennoch den Einblick in die Praxis suchen, rät Uwe Leuck. „In Praktika knüpft man erste wichtige Kontakte zu Unternehmen und kann ausprobieren, ob der Tätigkeitsbereich einem gefällt.“

Hohes Anforderungsprofil

Ein Porträt-Foto von Thomas Wimmer

Thomas Wimmer

Foto: privat

Karrierechancen gibt es im Bereich Logistik genug. „Mit mehr als drei Millionen Beschäftigten und rund 274 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2018 ist die Logistik in Deutschland der drittgrößte Wirtschaftsbereich. Gut die Hälfte aller logistischen Leistungen wird in Industrie und Handel erbracht, die andere Hälfte bei Logistikdienstleistern oder in hoch spezialisierten kleinen und mittelständischen Unternehmen“, erklärt Prof. Dr. Thomas Wimmer, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bundesvereinigung Logistik (BVL). „Absolventen von Logistikstudiengängen haben viele Arbeitsmöglichkeiten – in der IT bei der Anwendung von künstlicher Intelligenz, Expertensystemen, Warenwirtschaft, Import-Export-Software oder in der Planung und Steuerung von Warenströmen, im Controlling, im Einkauf, in der Disposition oder in der Beratung.“

Die Anforderungen an zukünftige Logistikmanager werden in verschiedenen Bereichen gestellt: „In Logistik und Supply-Chain-Management ist kein Tag wie der andere. Die Aufgaben sind vielfältig und bedürfen schneller Auffassungsgabe, Klarheit in der Analyse, Lösungsorientierung, Kontakt- und Entscheidungsstärke“, fasst der Experte der Bundesvereinigung Logistik zusammen. „Darüber hinaus müssen Logistiker die Schnittstellen ihrer Tätigkeit genau kennen, in Systemen denken und sich in Netzwerken bewegen können. Interkulturelle Kompetenz, Flexibilität, Kreativität und die Bereitschaft, den eigenen Arbeitsbereich immer aufs Neue zu optimieren, ergänzen das Anforderungsprofil.“ Besonders mit der zunehmenden Digitalisierung (s. Interview Informationstechnische Qualifikationen werden relevanter) sind Absolventen von Logistikstudiengängen mit Informatikkenntnissen gefragt.

Ein besonderes Augenmerk legen Logistikexperten auf die politischen und ökonomischen Krisen der Welt: „Logistiker mit ihren weltweit vernetzten Arbeitsfeldern reagieren sensibel auf solche Entwicklungen“, weiß Prof. Dr. Thomas Wimmer von der BVL. „Es gehört zu den Kernkompetenzen von Logistikexperten, Konzepte zu entwickeln, mit denen Unternehmen diesen Entwicklungen erfolgreich begegnen können – egal ob die Wirtschaft boomt oder die Konjunktur schwächelt.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: „Logistik“)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwort: „Logistik“).
studienwahl.de

Hochschulkompass

Das Hochschul- und Studiengangsinformationssystem der Hochschulrektorenkonferenz bietet Informationen über deutsche Hochschulen und internationale Kooperationen.
www.hochschulkompass.de

Berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung (Suche über die Kachel „Studium“ > „Verkehr und Logistik“)
www.berufsfeld-info.de

Logistik-studieren.de

Portal mit Informationen zu den unterschiedlichen Logistikstudiengängen und Hochschulfinder
www.logistik-studieren.de

Bundesvereinigung Logistik (BVL)

Netzwerk für Supply-Chain-Management und Logistik
www.bvl.de

Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik (IML)

Institut für Logistikforschung
www.iml.fraunhofer.de

Kompendium der TU München

Auf der Seite des Lehrstuhls für Fördertechnik, Materialfluss und Logistik werden zahlreiche logistische Fachbegriffe und Abkürzungen erklärt.
www.fml.mw.tum.de/fml/index.php?Set_ID=319

abi>> 17.06.2019

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