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Das Quäntchen mehr

Zwei junge Frauen sitzen in Hörsaal
Wer sich für ein Masterstudium entscheidet, verbringt in der Regel weitere zwei bis vier Semester im Hörsaal.
Foto: Verena Westernacher

Master – ja oder nein? Hintergrund

Das Quäntchen mehr

Wer studieren möchte, muss sich neben der Entscheidung für ein Fach auch überlegen, ob ein Abschluss für den späteren Beruf ausreicht – oder ob ein Masterstudium dem Bachelor folgen soll. Drei von vier Studierenden sagen „Ja“ zum Master.

Frédéric Letzner hat es bereits geschafft: Er hat vor Kurzem sein Masterstudium in Humanernährung an der Universität Bonn abgeschlossen. Begonnen hatte er dort mit dem Bachelorstudiengang Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften. „Das Bachelorstudium war sehr breit gefächert“, erzählt er. „Ich habe Grundlagenwissen in Biologie, Chemie, Physik, Anatomie, BWL, VWL und weiteren Fächern vermittelt bekommen.“

Dieses Basiswissen hat er nach seinem ersten Abschluss auch bereits praktisch angewandt: Bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung ließ er sich als Ernährungsberater zertifizieren und machte sich selbstständig. Auf den Masterabschluss wollte Frédéric Letzner trotzdem nicht verzichten: „Als Naturwissenschaftler gilt man mit einem Bachelor nur als halb ausgebildet. Wenn man dann mit Kollegen in Kontakt kommt, ist der erste Abschluss nicht viel wert“, so seine Erfahrung.

Warum ein Masterabschluss?

Ein Porträt-Foto von Frédéric Letzner

Frédéric Letzner

Foto: privat

Nach einem Semester im Fach Lebensmitteltechnologie hat er sein Masterstudium in Humanernährung absolviert. „Man lernt in diesem spezielleren Fach alles noch einmal von vorne“, berichtet der Ernährungswissenschaftler. „Themen wie Ernährungsphysiologie oder klinische Ernährung werden bis ins Detail beleuchtet. Außerdem wird im Masterstudium mehr Wert auf wissenschaftliches Arbeiten gelegt.“

Die thematische Spezialisierung hilft ihm in seiner Selbstständigkeit weiter. Mit zwei Jahren Berufserfahrung parallel zum Studium ist Frédéric Letzner nun schon als Ernährungsberater und Referent etabliert, gibt beispielsweise Seminare für Krankenkassen und Betriebe oder organisiert Gesundheitstage. „Der Masterabschluss ist für meinen Beruf sinnvoll. Es ist schon ein Unterschied für die Außenwirkung, ob ein Bachelor of Science oder ein Master of Science beim Namen steht.“

Große Mehrheit absolviert den Master

Die Entscheidung für einen Masterabschluss ist beliebt: „Die Ergebnisse verschiedener Studien zusammengefasst betrachtet, entscheiden sich ungefähr 75 Prozent aller Bachelorstudierenden derzeit dazu, ein Masterstudium aufzunehmen“, berichtet Heiko Quast vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) und fügt an: „An den Fachhochschulen sind es ungefähr zwei Drittel, an den Universitäten sogar etwa 90 Prozent der Studierenden.“

Die meisten Bachelorabsolventen möchten sich demnach weiter qualifizieren. Annegret Worm, Studienberaterin an der Universität Leipzig, kennt die Möglichkeiten: „Mit einem Masterstudiengang kann man sich weiter spezialisieren, indem man eigene Schwerpunkte im Vergleich zum allgemeineren Bachelor setzt. Oder man studiert in einer anderen Fachrichtung weiter, beispielsweise als Naturwissenschaftler, der seinen Master in Journalistik macht, um dann Wissenschaftsjournalist zu werden.“ (Mehr dazu erfährst du im Beitrag „Auf dem Weg zum Masterstudium“.)

Passende Wahl für verschiedene Ziele

Neben konsekutiven Masterstudiengängen, die inhaltlich auf einem zuvor absolvierten Bachelorstudium aufbauen, gibt es auch weiterbildende Master. Sie erfordern Berufserfahrung und bieten die Möglichkeit, sich parallel zum Job weiterzubilden. „Bei der Entscheidung für einen Master sollte auch der zukünftige Berufswunsch bedacht werden“, rät Annegret Worm. „Wenn man weiß, wo man hinwill, findet man auch den passenden Masterstudiengang dazu.“ (Mehr dazu erfährst du im Beitrag „Studieren in zwei Kulturen“.) Wer beispielsweise Lehrer werden möchte, muss in den meisten Bundesländern sowohl Bachelor als auch Master of Education nachweisen. (Mehr dazu erfährst du im Beitrag „Meister des Unterrichtens“.)

Das Angebot für den Master ist vielfältig. Im Wintersemester 2016/17 gab es laut studienwahl.de in Deutschland knapp 7.400 konsekutive, also aus einem Bachelor und einem darauf aufbauenden Master bestehende Studiengänge im Angebot, die nach Bedarf anwendungs- oder forschungsorientiert, für ein Vollzeit- oder Teilzeitstudium angeboten werden. Hinzu kommen laut Hochschulkompass knapp 900 weiterbildende Masterstudienangebote, die in der Regel Berufserfahrung voraussetzen. Im Wintersemester 2015/16 waren nach Angaben des Statistischen Bundesamts rund 350.000 Studierende in Masterstudiengängen eingeschrieben. „Wer einen Master machen möchte und zu Mobilität bereit ist, bekommt einen Platz“, ergänzt Heiko Quast. (Mehr dazu erfährst du im Beitrag „Warum studiere ich weiter?“.)

Bessere Berufschancen locken

Ein Porträt-Foto von Heiko Quast

Heiko Quast

Foto: P. Nölle

Der DZHW-Experte hat die Gründe erforscht, warum sich Bachelorabsolventen für oder gegen die Fortsetzung des Studiums entscheiden: „Wer im Bachelorstudiengang gute Noten hat, entscheidet sich eher für einen Master. Ein wichtiger Faktor ist dabei, dass man sich den nächsten Abschluss zutraut. Außerdem spielen die erwarteten besseren Berufschancen mit höherem Einkommen eine große Rolle. Es ist auch eine Entscheidung zwischen früher Berufserfahrung mit Geld verdienen und wissenschaftlicher oder persönlicher Weiterbildung.“ (Mehr dazu erfährst du im Beitrag „Master und Berufspraxis bringen Vorteile“.) Diesen Faktor kennt auch Studienberaterin Annegret Worm aus ihrer Praxis: „Einige, die sich für den Master entscheiden, wollen einfach das Studentenleben weiter genießen. Sie wollen vielleicht eine neue Stadt erleben oder ins Ausland gehen.“

Ein solcher Wechsel ist seit der Umstellung auf das Bachelor-/Mastersystem leichter möglich, denn die Abschlüsse werden europaweit anerkannt. „Außerdem wechseln Studierende von Fachhochschulen für den Masterstudiengang häufig an Universitäten“, weiß der Experte vom DZHW. „Insgesamt bleiben ungefähr zwei Drittel der Studierenden an ihrer Hochschule. Vier bis fünf Prozent gehen ins Ausland.“

Rechtzeitig beraten lassen

Wer sich für einen Masterstudiengang entscheidet, sollte sich genau darüber informieren, welche Voraussetzungen er dafür erfüllen muss. Einige Angebote sind zulassungsbeschränkt, fordern gewisse Sprachkenntnisse oder andere fachliche Bedingungen. In seltenen Fällen gibt es sogar die Möglichkeit, ohne berufsqualifizierenden Abschluss einen Master machen zu können. So sind bei einigen künstlerischen Studiengängen Eignungstests wichtiger und bei weiterbildenden Mastern reicht manchmal die Berufserfahrung als Eignung aus. „Wenn man mit dem Gedanken spielt, ein Masterstudium aufzunehmen, lässt man sich am besten persönlich beraten“, empfiehlt Annegret Worm.

Neben fachlichen Voraussetzungen spielen aber auch finanzielle Aspekte eine Rolle. Die Entscheidung, weiter zu studieren, setzt voraus, dass man sich das Studium mit Semesterbeitrag, Lebenshaltungskosten und Geld für Materialien leisten kann. Dafür gibt es verschiedene Finanzierungshilfen – von BAföG über Stipendien bis hin zu Studienkrediten.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Master)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen und speziell nach Masterstudiengängen filtern lassen.
www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Portal der Hochschulrektorenkonferenz zu Studiengängen, Voraussetzungen, Studieninteressenstest und mehr
www.hochschulkompass.de

Studienfinanzierung

Infos zu Finanzierungsmöglichkeiten, wie BAföG, Stipendien, Studienkredite
www.hochschulkompass.de/studium/studienbeitraege-studienfinanzierung.html

Deutscher Akademischer Austauschdienst

Infos rund ums Studium im Ausland: Studien- und Fördermöglichkeiten, Praktika, Sprachkurse etc.
www.daad.de

abi>> 01.05.2017

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