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Leute, die die Welt erklären

Burg Pappenheim
Burgen, Schlösser, Ritter und Edelfrauen – das sogenannte dunkle Zeitalter übt seit jeher eine große Faszination auf die Menschen aus.
Foto: André Deco

Politik und Geschichte studieren

Leute, die die Welt erklären

Warum herrscht in Syrien Bürgerkrieg? Was steckt hinter den Konflikten zwischen Russland und dem Westen? Warum verlaufen Grenzen zwischen Ländern so und nicht anders? Wer unsere komplexe Welt verstehen und erklären will, ist bei einem Studium in Geschichte oder Politikwissenschaften gut aufgehoben.

Geschichte hat Kai Hölzen schon immer fasziniert: „Wenn ich alte Gebäude oder Landkarten betrachte, finde ich es wunderschön zu erfahren, wie alles früher war und warum Dinge sich zu dem entwickelt haben, was sie heute sind“, erzählt der Bachelorstudent, der an der Friedrich-Schiller-Universität Jena Geschichte studiert. Hier nehmen die Studierenden innerhalb von sechs Semestern die wichtigsten Epochen unter die Lupe. Neben vier Basismodulen – Alte Geschichte, Mittelalterliche Geschichte, Frühe Neuzeit sowie Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts – kann er unter mehreren Aufbau- und Vertiefungsmodulen wählen. „Mein Schwerpunkt ist die nordamerikanische Geschichte im 19. Jahrhundert“, erzählt der 26-Jährige, der gerade seine Bachelorarbeit schreibt und anschließend den Master in Nordamerikastudien machen will.

Für das Studium auf jeden Fall ein Muss: Neugier und eine große Portion Ausdauer. „Viel lesen gehört einfach dazu. Oft sind es auch sehr anspruchsvolle Texte, die man durcharbeiten, analysieren und vergleichen muss.“ Später würde Kai Hölzen gern an einer Hochschule oder in einer Gedenkstätte arbeiten. Schon heute führt er im Nebenjob Besucher durch die Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar.

Breites Studienangebot

Kai Hölzen ist einer von vielen: Im Wintersemester 2014/15 haben rund 44.000 Personen Geschichte studiert, rund 30.000 waren für Politikwissenschaften immatrikuliert. Gut 280 grundständige Studiengänge – darunter auch die, die auf ein Lehramt vorbereiten – vermitteln studienwahl.de zufolge die Grundlagen in Geschichte (Stand: April 2016). Einige davon, wie zum Beispiel „Europäische Geschichte“ oder Ägyptologie, sind auf bestimmte Regionen spezialisiert, andere, wie Altertumswissenschaften, auf einzelne Epochen.

Politikinteressierte können sich für einen von über 150 grundständigen Studiengängen entscheiden – inklusive Lehramtsstudiengänge. „In der Regel kann man im letzten Studiendrittel im Wahlpflichtbereich einen ersten Schwerpunkt setzen“, sagt Marco Blasczyk, Leiter der Zentralen Studienberatung der Goethe-Universität Frankfurt. „Die eigentliche Spezialisierung geschieht aber in beiden Fächern erst im Masterstudium.“

Im Master (fast 180 Studiengänge) können angehende Politikwissenschaftler ihren Fokus auch auf bestimmte Aspekte legen – zum Beispiel auf „Peace and Conflict Studies“ an der Uni Marburg – oder auf bestimmte Regionen – etwa Europa- oder Ostasienpolitik an der Uni Tübingen oder der Uni Bochum. Auch in den gut 340 Masterstudiengängen in Geschichte kann man sich auf Epochen, Regionen oder Länder spezialisieren.

Berufseinstieg für Historiker nicht einfach

Grundsätzlich gibt es für Historiker viele berufliche Perspektiven. Sie können Lehrer werden oder andere Tätigkeiten im Bildungswesen übernehmen, in den Medien arbeiten, im Bereich Dokumentation in Museen, Archiven und Bibliotheken, in der Öffentlichkeitsarbeit oder bei Stiftungen. Zudem sind sie als Geisteswissenschaftler in der Wirtschaft gefragt, weil sie in der Regel eine Menge von Wissensmanagement verstehen.

Allerdings liegen die Jobs nicht auf der Straße: „Das Niveau der Arbeitslosigkeit ist zwar gering, aber gerade in der ersten Zeit nach dem Studium liegt es höher als in anderen Fachrichtungen“, weiß Ralf Beckmann vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. Historiker arbeiten daher auch in fachfremden Berufen: Jeder zwanzigste ist zum Beispiel in der Öffentlichkeitsarbeit, der Unternehmensberatung, der Werbung oder der Marktforschung tätig.

Gezielt ein Profil erstellen

Und wie sieht es für Politologen aus? „Die Politikwissenschaften haben in den letzten Jahren, gemessen an der Zahl der Erwerbstätigen, an Bedeutung gewonnen“, sagt Arbeitsmarktexperte Beckmann. Die Arbeitslosenquote lag 2015 bei knapp fünf Prozent, doch die offenen studiennahen Stellen seien überschaubar. Politologen arbeiten darum vorrangig im Bildungswesen und bei Medienunternehmen, aber auch bei Verbänden oder Ministerien.

Für Studierende beider Fachrichtungen ist Praxiserfahrung enorm wichtig: So können sie sich rechtzeitig beruflich orientieren, ein Netzwerk aufbauen und pflegen und ein arbeitsmarktgerechtes Qualifikationsprofil entwickeln. „Ich rate aber von blindem Aktionismus ab, sondern empfehle, Praktika und Nebenjobs zielgerichtet auszuwählen“, sagt Marco Blasczyk. Bei der Entscheidungsfindung hilft etwa das Angebot des Career Centers, das Studierende an den meisten Hochschulen in Anspruch nehmen können (siehe auch das Interview „Fachkompetenz allein reicht nicht“ mit Ernst Schmidt).

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwörter: Politik, Geschichte)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen und die Ergebnisse nach deinen Wünschen filtern.
www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studien- und Promotionsmöglichkeiten sowie internationale Kooperationen
www.hochschulkompass.de

abi>> Infomappen

Willst du wissen, welche Studienberufe es in diesem Bereich gibt? Dann schau mal in die abi>> Infomappe 4.2 „Gesellschaft und Geschichte“ in deinem Berufsinformationszentrum (BiZ). Den Online-Katalog zur Auswahl interessanter Mappen gibt es unter
www.biz-medien.de/abi

Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands

www.historikerverband.de

Deutsche Vereinigung für Politische Wissenschaft

www.dvpw.de

Deutsche Vereinigung für Politische Bildung

www.dvpb.de

Deutscher Museumsbund

www.museumsbund.de

abi>> 09.05.2016

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