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„Fachkompetenz allein reicht nicht“

Germanisches National Museum Nürnberg
Historiker finden beispielsweise in Museen, Bibliotheken oder Archiven Beschäftigung.
Foto: André Deco

Politik und Geschichte studieren: Interview

„Fachkompetenz allein reicht nicht“

Ernst Schmidt, Berater für akademische Berufe bei der Agentur für Arbeit Konstanz-Ravensburg, erklärt im Gespräch mit abi>>, was Studierende der Geschichte und Politikwissenschaften lernen, in welchen Tätigkeitsfeldern sie zum Einsatz kommen und wie sie ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern können.

abi>> Herr Schmidt, welche Kompetenzen erwerben Studierende der Geschichte und Politikwissenschaft?

Ernst Schmidt: Neben dem fachlichen Wissen lernen sie vor allem, selbstständig wissenschaftlich zu arbeiten. Das heißt: Sie lernen, wie sie strukturiert und systematisch vorgehen, sich komplexe Sachverhalte und Zusammenhänge erarbeiten, sich schnell in neue Themen einarbeiten und wie sie Wissen präsentieren und weitergeben. Das alles sind Kompetenzen von Geisteswissenschaftlern, die im späteren Berufsleben gefragt sind. Bei Historikern und Politologen sind zudem eine gute Allgemeinbildung und Sprachkenntnisse relevant. Gerade Geschichtsstudierende sollten Lateinkenntnisse mitbringen – auch wenn die nicht für alle Bachelorstudiengänge Voraussetzung sind – und in der Regel zwei weitere, moderne Fremdsprachen beherrschen. Im Studium gehört das interdisziplinäre Arbeiten dazu, sprich man eignet sich Wissen aus benachbarten Fachgebieten an, etwa Soziologie, Recht oder Wirtschaft.

abi>> Welche Berufsmöglichkeiten eröffnen sich mit diesen beiden Studiengängen?

Ein Porträt-Foto von Ernst Schmidt

Ernst Schmidt

Foto: Privat

Ernst Schmidt: Der Klassiker ist eine Tätigkeit als Lehrer für Geschichte oder Politik oder eine berufliche Laufbahn an einer Universität, zum Beispiel als Dozent. Allerdings sind an Hochschulen und auch bei Forschungs- und Wissenschaftsinstituten oder Stiftungen die Stellen rar gesät und die Verträge in der Regel befristet. Darauf muss man sich einstellen, wenn man eine wissenschaftliche Karriere anstrebt. Politologen und Historiker arbeiten auch in Museen, Bibliotheken oder in Stadt- und Landesarchiven, etwa als Bibliothekare oder Archivare. Die Medien sind ein weiteres wichtiges Berufsfeld. Geisteswissenschaftler können dort als Journalisten oder Redakteure, in der Öffentlichkeitsarbeit oder in der Unternehmenskommunikation unterkommen. Viele Politologen arbeiten auch in Verbänden, Gewerkschaften, Parteien oder Ministerien. Bei den meisten Berufen ist Kommunikationsfreude gefragt, zudem sollte man keine Scheu vor leitenden Positionen haben – und vor der Verantwortung, die sie mit sich bringen.

abi>> Wie sieht der Arbeitsmarkt aus?

Ernst Schmidt: Der Arbeitsmarkt ist eher schwierig zu bewerten, oft gibt es nur befristete Stellen oder Jobs auf Basis einer freien Mitarbeit. Was man auf jeden Fall braucht, sind Zusatzqualifikationen und häufig auch ein Masterstudium. Ich rate dringend dazu, möglichst viele Praktika während des Studiums zu absolvieren. Zum einen, um potenzielle Arbeitgeber kennenzulernen. Zum anderen, um herauszufinden, welcher Bereich einem liegt. So kann man dann auch die Ausrichtung eines möglichen Masterstudiums oder den Schwerpunkt des Studiums gezielter wählen. Es geht darum, sich systematisch ein Bewerberprofil für den Arbeitsmarkt zu erstellen. Dazu sollten nicht nur fachliche Kompetenzen gehören, sondern unbedingt auch Praxiserfahrungen. Auslandserfahrungen sind besonders wichtig, wenn man etwa im Bereich europäische Politik oder bei international agierenden Unternehmen und Institutionen arbeiten möchte.

abi>> 09.05.2016

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