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Das Hobby zum Beruf machen

Junge Frau bei einer Probe mit ihrem Cello
Trotz schwieriger Berufsaussichten ist die Zahl der Bewerber an Musikhochschulen konstant hoch.
Foto: Sonja Brüggemann

Studiengänge in Kunst, Musik und Tanz

Das Hobby zum Beruf machen

„Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“: Was Karl Valentin vor hundert Jahren konstatierte, gilt noch immer. Um die Aufnahmeprüfungen künstlerischer Studiengänge zu bestehen, muss man viel Talent mitbringen. Das Studium ist harte Arbeit und der Arbeitsmarkt nicht einfach. Hier sucht Begabung nach Herzblut.

Rund zehn Minuten hatte Thurid Pribbernow Zeit, um auf ihrer Violine zu zeigen, was sie kann. Wertvolle Minuten, die sie ihrem Traumberuf Orchestermusikerin einen Schritt näherbrachten. Das ist nun zweieinhalb Jahre her. Damals bewarb sie sich an der Hochschule für Musik Nürnberg (HfM) für den Bachelor of Music im Hauptfach Violine. Das Vorspiel war einer von drei Prüfungsteilen. „Ich wurde in Musiktheorie geprüft und musste am Klavier vorspielen, aber die Performance an der Geige war entscheidend“, erzählt sie.

Bereits auf dem Musikgymnasium Schloss Belvedere in Weimar zeichnete sich für die heute 21-Jährige ab, dass sie die Musik zu ihrem Beruf machen wollte. Trotz ihrer Erfahrung und zahlreichen Erfolgen bei Wettbewerben und Konzerten, war sie beim Vorspiel nervös. „Man weiß, wie viel davon abhängt“, betont sie.

Athleten der besonderen Art

Ein Porträt-Foto von Thurid Pribbernow

Thurid Pribbernow

Foto: Privat

Ihr Studium dauert acht Semester. Die individuelle künstlerische Entfaltung spielt eine große Rolle: Jede Woche gibt es 120 Minuten Einzelunterricht, davon 90 Minuten Solo, 30 Minuten für Orchester. Hinzu kommen Musiktheorie und -geschichte, Körpertechnik und Übungen nach der Feldenkrais-Methode, mit der die Körperwahrnehmung geschult wird. Schließlich erbringen professionelle Musiker ähnliche körperliche Leistungen wie Hochleistungssportler.

Ansonsten verbringt Thurid Pribbernow viel Zeit mit Üben: Vier bis fünf Stunden pro Tag spielt sie alleine, im Ensemble und im Hochschulorchester. In Zukunft möchte sie am liebsten als Orchestermusikerin arbeiten. Sollte das nicht klappen, hat sie bereits einen Plan B: „Als freie Musikerin arbeiten oder unterrichten“, erklärt sie.

Bewerberüberschuss trotz schwieriger Berufsaussichten

Allein an der HfM Nürnberg gibt es über 50 Bachelor- und mehr als 20 Masterstudiengänge. Zu den angebotenen Studiengängen zählen neben den Orchesterinstrumenten auch Gesang, Klavier, Orgel, Gitarre, Akkordeon, klassisches Saxophon und Elementare Musikpädagogik. Zudem umfasst die Hochschule eine Abteilung für Jazz und eine für Alte Musik. In Deutschland kann man sowohl an Musikhochschulen und Konservatorien als auch an Universitäten mit einer Musikabteilung und Fachhochschulen studieren. Zu beachten ist hier, dass ein Studium an einer privaten Hochschule in der Regel kostenpflichtig ist.

Trotz schwieriger Berufsaussichten ist die Zahl der Bewerber konstant hoch. „Es gibt rund 1.000 Bewerber für alle Studienplätze. Nur um die 120 erhalten jährlich einen Platz“, erklärt der Studienberater der HfM, Alfons Brandl. Die Aufnahmeprüfung für die künstlerischen Studiengänge sieht ein Vorspiel im Hauptfach – Instrument oder Gesang – und eines im Pflichtfach Klavier sowie eine Prüfung in Musiktheorie und Gehörbildung vor. Spätester Abgabetermin für Bewerbungsunterlagen ist jedes Jahr der 15. März. Altersgrenzen gibt es keine.

An der Eignungsprüfung einer Hochschule kann man maximal zweimal teilnehmen. „Im Bereich der Musiktheorie und Gehörbildung bietet der Bayerische Tonkünstlerverband in Kooperation mit der Hochschule Kurse zur Prüfungsvorbereitung an. Sinnvoll ist es, im Hauptfach dem möglichen Wunschdozenten vor der Anmeldung zur Eignungsprüfung schon einmal vorzuspielen oder vorzusingen“, empfiehlt Alfons Brandl. Außerdem werden auf der Hochschulwebsite Musterklausuren zum Herunterladen bereitgestellt.

Darstellende oder bildende Kunst?

Ebenso breitgefächert wie die darstellende Kunst mit Sparten wie Ballett, zeitgenössischem und klassischem Tanz, Schauspiel, Musical oder Musiktheater sind die Studiengänge der bildenden Kunst, wozu Schwerpunkte wie Bildhauerei, Malerei, Plastik und Grafik, aber auch Film, Fotografie und Design gehören.

Die Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBKSaar) bietet fünf grundständige Studiengänge an: Freie Kunst, Kommunikationsdesign, Kunsterziehung, Media Art & Design sowie Produktdesign. Auch an der HBKSaar gibt es drei- bis fünfmal so viele Bewerber wie Studienplätze. Die Bewerbungsmappe mit 20 Probearbeiten erscheint vielen als Nadelöhr. Auch hier ist das Auswahlverfahren anspruchsvoll. Aber: „Man sollte das nicht überbewerten“, sagt Rolf Sachsse, Prorektor für Studium und Lehre. „Ich habe Mappen gesehen, die sind in wenigen Stunden erstellt worden, andere in monatelanger Arbeit. Das spielt aber keine Rolle. Aus den Arbeiten muss für uns klar erkennbar sein, dass wir es mit einer Persönlichkeit zu tun haben, die sich weiterentwickeln kann.“

Gerade Freie Kunst könne man nicht lehren: „Vielmehr helfen wir den Studierenden, ihren Weg als Künstler zu gehen.“ Ebenso wichtig wie die eigene Mappe sind daher das Gespräch sowie die praktische Arbeit im zweiten Schritt der Eignungsprüfung. Rolf Sachsse empfiehlt, die Infotage an den Hochschulen zu besuchen, eine kleine Mappe vorzubereiten, die man in der Mappenberatung durchsprechen kann. Auch bei Kunsthochschulen oder -akademien gibt es staatliche und private Anbieter.

„Die Bewerbungsmappe sollte eine Bandbreite an Arbeiten zeigen, von der klassischen Zeichnung über eine malerische Studie, eine Collage bis hin zur Fotografie. Je enger das Thema, umso höher das Risiko, dass man nicht genommen wird.“ Hilfreich sei, die Schwerpunkte der jeweiligen Dozenten zu kennen und in der Mappe Arbeiten einzureichen, die dazu passen: „Wer es beim ersten Anlauf nicht schafft, sollte ein Jahr Erfahrung sammeln, bei Künstlern oder in Museen arbeiten, und es noch einmal versuchen“, lautet Rolf Sachsses Rat.

Anforderungen und Plan B

Ein Porträt-Foto von Jens Homberg

Jens Homberg

Foto: Privat

Eines ist dabei allerdings klar: Ein künstlerischer Studiengang erfordert ein hohes Maß an Begabung. „Das Schulfach Kunst kann hier nur ein Indikator sein. Viele beschäftigen sich bereits in jungen Jahren auch außerhalb der Schule intensiv mit Kunst oder Musik“, erläutert Jens Homberg, Berufsberater für akademische Berufe der Agentur für Arbeit Oldenburg-Wilhelmshaven. Das Berufsinformationszentrum Oldenburg organisiert seit Jahren für kunstinteressierte Abiturienten die Messe „Kunst und Design studieren“. „Hier können sich Interessenten aus erster Hand über die Anforderungen informieren. Dies kann bereits helfen, die Höhe der Messlatte besser einzuschätzen und vielleicht eine erste, professionelle Rückmeldung zu eigenen Arbeiten zu erhalten“, empfiehlt Jens Homberg. Für Studiengänge rund um Musik bieten die Hochschulseiten oft Beiträge, aus denen ersichtlich wird, welche Fähigkeiten in Theorie und Praxis im Auswahlverfahren verlangt werden. In jedem Fall ist es sinnvoll, sich an mehreren Hochschulen zu bewerben wenn man einen Studiengang in Kunst, Musik oder Tanz aufnehmen möchte.

Sollte es mit der künstlerisch-praktischen Schiene nicht klappen, gibt es Alternativen, die Kunst mit anderen Schwerpunkten zu verknüpfen, etwa im Bereich Lehramt, Musik- und Kunsttherapie, Gesellschaftswissenschaften und Technik. „In Musik-, Theater- und Medienwissenschaft setzt man sich zum Beispiel mit der geschichtlichen Entwicklung künstlerischer Darstellungsformen und ihrer Bedeutung für die Gesellschaft auseinander. Im technischen Bereich gibt es die Medien-, Bild- und Tontechniker oder auch die Medieninformatiker“, zählt Jens Homberg auf. Was sich hinter den Berufen verbirgt und welche Voraussetzungen gefragt sind, darüber informieren die Berufsberater in den Arbeitsagenturen vor Ort.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchworte: Kunst, Musik, Tanz)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit
http://kursnet-finden.arbeitsagentur.de

ZAV-Künstlervermittlung

www.zav-kuenstlervermittlung.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Das Informationsportal der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) unterstützt dich bei der Studienwahl. Staatliche und staatlich anerkannte deutsche Hochschulen veröffentlichen hier aktuelle Informationen über ihre Studien- und Promotionsmöglichkeiten.
www.hochschulkompass.de

Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK)

www.bbk-bundesverband.de

Deutscher Musikrat

www.musikrat.de

Künstlersozialkasse (KSK)

www.kuenstlersozialkasse.de

abi>> 28.12.2015

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