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„Holz ist der wichtigste Bioenergieträger“

Ein Polter Baumstämme liegt am Rand eines Waldwegs.
Der Rohstoff Holz spielt eine sehr wichtige Rolle in der Energiegewinnung.
Foto: Hans-Martin Issler

Studiengänge mit Holz: Interview

„Holz ist der wichtigste Bioenergieträger“

Welche Rolle spielt Holz bei der Bioenergie? Und was sollte man am besten studieren, wenn man sich für das Thema interessiert? Darüber hat abi» mit Dr. Ronny Wirkner vom Deutschen Biomasseforschungszentrum (DBFZ) gesprochen.

abi>> Herr Wirkner, Sie sind Experte in Sachen Bioenergiesysteme. Welche Bedeutung haben diese in puncto Klimaschutz und Energieeffizienz?

Ein Porträt-Foto von Ronny Wirkner

Ronny Wirkner

Foto: Privat

Ronny Wirkner: Bekannt ist, dass es bestimmte klima- und energiepolitische Zielsetzungen in Deutschland, der EU, aber auch international gibt, die mit gewissen Herausforderungen einhergehen. Wie können die CO2-Emissionen gesenkt werden? In welcher Form lassen sich erneuerbare Energien einsetzen? Das sind nur einige Fragestellungen, auf die auch wir am Biomasseforschungszentrum Antworten suchen. Biomasse, also die Energie aus Pflanzen und Abfällen zum Beispiel aus der Forstwirtschaft und den damit verbundenen Wirtschaftszweigen, trägt aus unserer Sicht einen erheblichen Teil zum Erreichen der Ziele bei.

abi>> Welche Rolle spielt der Rohstoff Holz aktuell für die Energiegewinnung?

Ronny Wirkner: Eine sehr wichtige Rolle und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Insbesondere kommt er heutzutage bei der Wärmebereitstellung in Form von Brennholz, Pellets oder Hackschnitzel zum Einsatz und zwar sowohl in Privathaushalten als auch im industriellen Bereich. Im Gegensatz zu Öl, Gas und Kohle ist Holz kein endlicher Rohstoff, er wächst bei entsprechender Waldpflege – Stichwort nachhaltige Forstwirtschaft – kontinuierlich nach. Und das vor der eigenen Haustür. Allerdings darf nicht vergessen werden, dass der Wald auch für andere Sektoren wie die Holzindustrie ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist. Lokal gibt es hier und da bereits Konkurrenz zwischen der stofflichen und energetischen Verwertung des Holzes. An Alternativstandorten oder auf brachliegenden Landschaftsflächen Energieholzanbau zu betreiben, kann eine Lösung für die Zukunft darstellen.

abi>> Sie erforschen aber auch neue Verfahren zur stofflichen Weiterverwertung von Holzabfällen ...

Ronny Wirkner: Ja, das ist richtig. Hier würde ich gerne ein Forschungsprojekt in Bezug auf die Steigerung der Energieeffizienz von Holz erwähnen. Gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut und anderen Partnern aus Industrie und Forschung haben wir ein Verfahren entwickelt, mit dem 80 bis 90 Prozent der Holzabfälle stofflich genutzt werden können. Indem das Holz in seine Grundbestandteile zerlegt wird, kann die gewonnene Zellulose als Rohmaterial für Biokunststoffe verwendet werden – anstelle von Erdöl. Wie wir alle wissen, werden die Erdölreserven immer knapper. Im Bioraffinerie-Zentrum in Leuna ist seit 2012 eine derartige Anlage in Betrieb. Sie ist in Europa in dieser Form einzigartig. Wie man aus Biomasse chemische Grundstoffe für die Industrie gewinnen kann, ist ein Bereich, in dem noch viel Potenzial schlummert.

abi>> Welche Studienfächer sind vor diesem Hintergrund gefragt?

Ronny Wirkner: Seit einigen Jahren gibt es Studienfächer, die sich mit der Thematik Bioenergie gezielt beschäftigen. So bietet etwa die Universität Hohenheim einen Bachelor und Master für „Nachwachsende Rohstoffe und Bioenergie“ an, die TU Cottbus den Studiengang „Nachwachsende Rohstoffe und Energieträger aus Biomasse“. In der dynamischen Bioenergiebranche und in der Forschung braucht es vor allem Experten, die einen naturwissenschaftlichen, ingenieurtechnischen und landwirtschaftlichen Background haben. Für sie sehen die Karrieremöglichkeiten aufgrund der thematischen Überschneidungen sehr gut aus.

abi>> 16.11.2015