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Verschiedene Facetten des Verkehrs studieren

Münchner Freiheit.
Beim Thema Mobilität und Verkehrswesen variiert die Bandbreite der Studienfächer von Verkehrsplanung bis hin zur Betriebswirtschaftslehre und Marketing.
Foto: Martin Rehm

Studiengänge rund um urbane Mobilität – Hintergrund Studium

Verschiedene Facetten des Verkehrs studieren

Wer sich für Themen rund um Mobilität und Verkehrsplanung interessiert, kann im Studium unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Mal geht es um die Technik, mal plant man neue Stadtviertel oder befasst sich mit betriebswirtschaftlichen Fragen von Mobilität.

Bereits in der Oberstufe hatte Alina Arnold Erdkunde als einen ihrer Leistungskurse gewählt „und auch für das Studium habe ich nach einem Fach gesucht, in dem ich mich mit Räumen und Flächen sowie deren Gestaltung beschäftigen kann.“ So stieß sie auf den Bachelorstudiengang Mobilitätsmanagement an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden. „Das klang perfekt für mich“, erinnert sich die 21-Jährige: „Mir gefiel die Mischung aus Verkehrsplanung, Kommunikation und Marketing.“ Tatsächlich ist sie nun sehr zufrieden mit ihrer Wahl.

Zunächst lernte die Studentin Grundlegendes: Wie entsteht Verkehr? Wie analysiert man ihn? Und wie funktionieren Anlagen des öffentlichen Nahverkehrs? Ab dem dritten Semester werden bei Alina Arnold nun verstärkt praxisorientierte Fragen auf dem Programm stehen. „Wir erfahren unter anderem, mit welchen Maßnahmen man die Mobilität an einem Standort verbessern kann und wie man entsprechende Konzepte erstellt.“

Wie es für sie nach dem Studium weitergehen soll, weiß die 21-Jährige noch nicht. „Im fünften Semester haben wir ein Praktikum, das mir bei der Entscheidung sicher weiterhelfen wird“, erzählt sie. Grundsätzlich fände sie aber die Arbeit in einem Verkehrsplanungsbüro spannend – oder in einem Unternehmen, das an innovativen Mobilitätsansätzen wie dem autonomen Fahren beteiligt ist.

„Manchmal muss man genauer hinschauen“

„Im Bereich Mobilität gibt es sehr viele verschiedene Studienmöglichkeiten“, zeigt Simone Schober-Wischkony auf, Berufsberaterin der Agentur für Arbeit im niedersächsischen Braunschweig. „Teilweise kann man schon durch den Namen des Studiengangs erkennen, dass dieses Thema im Mittelpunkt steht, teilweise muss man aber genauer hinschauen.“

So gibt es Studienangebote, die sich explizit auf Mobilität fokussieren, etwa der Master „Mobilität und Infrastruktur“ am Karlsruher Institut für Technologie. In solchen Studiengängen kann es um die Planung von öffentlichem Nahverkehr, den reibungslosen Verkehrsablauf in einer Region und neue Verkehrskonzepte gehen.

„Es gibt aber auch betriebswirtschaftlich orientiertere Studiengänge wie Logistik oder Verkehrsmanagement“, sagt Simone Schober-Wischkony. Hier stehen organisatorische Prozesse im Vordergrund, etwa „Wie können die Waren pünktlich und effizient von A nach B geliefert werden?“

Von Architektur bis Urbanistik

Möglicherweise interessiert einen aber auch die technische Seite von Mobilität. Dann könnte ein Studium aus dem ingenieurwissenschaftlichen Spektrum passen, etwa Maschinenbau, Bauingenieurwesen oder Verkehrsingenieurwesen (siehe auch „Infrastruktur effizient gestalten“). Dort kann man unter anderem lernen, wie Schienen verlegt und Tunnel gebaut werden.

Aus einer ganz anderen Perspektive schauen Stadtentwickler, Architekten und Stadtplaner sowie Absolventen von Urbanistik-Studiengängen auf die Thematik. „Sie sind dafür da, das Umfeld so zu gestalten, dass Verkehrspläne tatsächlich umgesetzt werden können“, erklärt Simone Schober-Wischkony. Informatiker wiederum können an der Entwicklung von Apps für Busse und Bahnen sowie bei selbstfahrenden oder vernetzten Autos beteiligt sein.

Hinzu kommen interdisziplinäre Studienansätze: „Geografen können bei Großprojekten wie einem Bahnhofsbau eine wichtige Rolle spielen, weil sie das große Ganze sehen“, sagt die Beraterin. Besonders Humangeografen seien in der Lage, sowohl naturwissenschaftliche Zusammenhänge zu verstehen, Verkehrsströme zu analysieren als auch sozialwissenschaftliche Aspekte zu berücksichtigen. Das Wirtschaftsingenieurwesen mit Schwerpunkt Verkehr ist ebenfalls interdisziplinär angelegt und kombiniert laut Simone Schober-Wischkony technische mit wirtschaftlichen Inhalten.

„Interessiert einen der Bereich Mobilität, sollte man sich fragen, mit welcher Art Mobilität man sich beschäftigen möchte“, rät die Expertin. „Und wer sich nicht gleich nach dem Abitur festlegen möchte, kann auch erst ein allgemeineres Studium absolvieren und sich mit dem Master spezialisieren.“ Immerhin gibt es zahlreiche Masterangebote mit konkreten Schwerpunkten, zum Beispiel „Urbane Mobilität“ an der Technischen Hochschule Nürnberg oder „Bauingenieurwesen – Infrastruktur, Wasser und Mobilität“ an der Technischen Universität Kaiserslautern.

Komplexe Projekte erfordern vernetztes Denken

„Welche Fähigkeiten oder Interessen man für diese Themen im Bachelor oder Master mitbringen sollte, hängt stark vom jeweiligen Studiengang ab“, sagt die Berufsberaterin. Wer sich etwa für ein ingenieurwissenschaftliches oder betriebswirtschaftliches Studium entscheidet, sollte gerne mit Zahlen umgehen, weil Statistiken und Berechnungen eine wichtige Rolle spielen.

„Ganz allgemein gesprochen sollte man sich aber natürlich für den Bereich Verkehr interessieren“, betont Simone Schober-Wischkony. Gut wäre beispielsweise, wenn man den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs oder die Entwicklung neuer Antriebswege für Fahrzeuge spannend findet (siehe auch „Carsharing unter Strom“). Außerdem sollte man sich darüber klar sein, dass die meisten Projekte komplex angelegt sind und ein vernetztes Denken erfordern: „Man muss oft über den eigenen Tellerrand hinaus denken und im Berufsleben mit vielen anderen Experten zusammenarbeiten.“

Steigender Bedarf an Fachkräften

Diese Vielfalt spiegelt sich auch in den Einsatzmöglichkeiten für Absolventen wider. Je nach Qualifikation könne man laut der Berufsberaterin in Verkehrsbetrieben, Logistikabteilungen von Unternehmen, in Bauunternehmen, Ingenieur- oder Planungsbüros sowie bei Behörden, Kommunen, Ländern oder dem Bund arbeiten. Auch die Forschung ist ein mögliches Arbeitsgebiet (siehe auch „Optimierung ganzer Viertel“).

Grundsätzlich geht Simone Schober-Wischkony von guten Zukunftschancen aus: „Viele Experten sehen den Bereich Mobilität zusammen mit Verkehr, Transport und Logistik als Wachstumsmarkt.“ Schließlich nehme die Bedeutung von öffentlichem Nahverkehr weiter zu, neue Antriebsarten für Autos werden derzeit heiß diskutiert und jedes Unternehmen muss Waren termingerecht und kostengünstig transportieren. „Im Moment deutet alles darauf hin, dass das Thema Mobilität uns viel beschäftigen und es Bedarf an Fachkräften geben wird“, betont die Berufsberaterin (siehe auch „Visionen für den Stadtverkehr“).

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchworte: Mobilität, Verkehr)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Suchworte: Mobilität, Verkehrswesen)
www.studienwahl.de

 

ILS Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung

www.ils-forschung.de

Projekt Urbane Mobiltät

Institute des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) forschen zum Thema urbane Mobilität
www.urmo.info/das-projekt-urbane-mobilitaet/

Mobil gewinnt

Eine gemeinsame Initiative vom Bundesverkehrsministerium (BMVI) und Bundesumweltministerium (BMUB)
www.mobil-gewinnt.de

Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg

Initiiert Projekte zum Mobilitätsmanagement
www.vm.baden-wuerttemberg.de/de/verkehrspolitik/nachhaltige-mobilitaet/mobilitaetsmanagement

Bundesverband Carsharing

Bietet unter anderem Kennzahlen zur Nutzung von Carsharing in Deutschland
www.carsharing.de

Studie INRIX 2016

Der internationale Verkehrsdatenanbieter ermittelt das Verkehrsaufkommen, unter anderem in Deutschland.
www.inrix.com/press-releases/scorecard-de/

BBM hoch drei

Die Bergische Univerisät Wuppertal untersucht in diesem Projekt mit verschiedenen Partnern, wie betriebliche Verkehrssysteme eines Viertels verbessert werden können.
www.oevm.uni-wuppertal.de/home/forschung/bmm-hoch-drei.html

Auto Club Europa (ACE)

Durch das Projekt „Gute Wege“ soll betriebliches Mobilitätmanagement gefördert werden, also Maßnahmen, um Arbeits- und Dienstwege effizient und nachhaltig zu gestalten.
www.ace.de/gute-wege

Verkehrsclub Deutschland (VCD)

Leitfaden mit dem Titel „Geschäftsreisen – erfolgreich, effizient, umweltverträglich“ (PDF)
www.vcd.org/fileadmin/user_upload/Redaktion/Publikationsdatenbank/Tourismus/VCD_Leitfaden_Geschaeftsreisen_2008.pdf

abi>> 23.10.2017

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