Verschiedene Facetten des Verkehrs studieren

Münchner Freiheit.
Beim Thema Mobilität und Verkehrswesen variiert die Bandbreite der Studienfächer von Verkehrsplanung bis hin zur Betriebswirtschaftslehre und Marketing.
Foto: Martin Rehm

Studiengänge rund um urbane Mobilität

Verschiedene Facetten des Verkehrs studieren

Wer sich für Themen rund um Mobilität und Verkehrsplanung interessiert, kann im Studium unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Mal geht es um die Technik, mal plant man neue Stadtviertel oder befasst sich mit betriebswirtschaftlichen Fragen von Mobilität.

Bereits in der Oberstufe hatte Alina Arnold Erdkunde als einen ihrer Leistungskurse gewählt „und auch für das Studium habe ich nach einem Fach gesucht, in dem ich mich mit Räumen und Flächen sowie deren Gestaltung beschäftigen kann.“ So stieß sie auf den Bachelorstudiengang Mobilitätsmanagement an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden. „Das klang perfekt für mich“, erinnert sich die 21-Jährige: „Mir gefiel die Mischung aus Verkehrsplanung, Kommunikation und Marketing.“ Tatsächlich ist sie nun sehr zufrieden mit ihrer Wahl.

Zunächst lernte die Studentin Grundlegendes: Wie entsteht Verkehr? Wie analysiert man ihn? Und wie funktionieren Anlagen des öffentlichen Nahverkehrs? Ab dem dritten Semester werden bei Alina Arnold nun verstärkt praxisorientierte Fragen auf dem Programm stehen. „Wir erfahren unter anderem, mit welchen Maßnahmen man die Mobilität an einem Standort verbessern kann und wie man entsprechende Konzepte erstellt.“

Wie es für sie nach dem Studium weitergehen soll, weiß die 21-Jährige noch nicht. „Im fünften Semester haben wir ein Praktikum, das mir bei der Entscheidung sicher weiterhelfen wird“, erzählt sie. Grundsätzlich fände sie aber die Arbeit in einem Verkehrsplanungsbüro spannend – oder in einem Unternehmen, das an innovativen Mobilitätsansätzen wie dem autonomen Fahren beteiligt ist.

„Manchmal muss man genauer hinschauen“

„Im Bereich Mobilität gibt es sehr viele verschiedene Studienmöglichkeiten“, zeigt Simone Schober-Wischkony auf, Berufsberaterin der Agentur für Arbeit im niedersächsischen Braunschweig. „Teilweise kann man schon durch den Namen des Studiengangs erkennen, dass dieses Thema im Mittelpunkt steht, teilweise muss man aber genauer hinschauen.“

So gibt es Studienangebote, die sich explizit auf Mobilität fokussieren, etwa der Master „Mobilität und Infrastruktur“ am Karlsruher Institut für Technologie. In solchen Studiengängen kann es um die Planung von öffentlichem Nahverkehr, den reibungslosen Verkehrsablauf in einer Region und neue Verkehrskonzepte gehen.

„Es gibt aber auch betriebswirtschaftlich orientiertere Studiengänge wie Logistik oder Verkehrsmanagement“, sagt Simone Schober-Wischkony. Hier stehen organisatorische Prozesse im Vordergrund, etwa „Wie können die Waren pünktlich und effizient von A nach B geliefert werden?“

Von Architektur bis Urbanistik

Möglicherweise interessiert einen aber auch die technische Seite von Mobilität. Dann könnte ein Studium aus dem ingenieurwissenschaftlichen Spektrum passen, etwa Maschinenbau, Bauingenieurwesen oder Verkehrsingenieurwesen (siehe auch „Infrastruktur effizient gestalten“). Dort kann man unter anderem lernen, wie Schienen verlegt und Tunnel gebaut werden.

Aus einer ganz anderen Perspektive schauen Stadtentwickler, Architekten und Stadtplaner sowie Absolventen von Urbanistik-Studiengängen auf die Thematik. „Sie sind dafür da, das Umfeld so zu gestalten, dass Verkehrspläne tatsächlich umgesetzt werden können“, erklärt Simone Schober-Wischkony. Informatiker wiederum können an der Entwicklung von Apps für Busse und Bahnen sowie bei selbstfahrenden oder vernetzten Autos beteiligt sein.

Hinzu kommen interdisziplinäre Studienansätze: „Geografen können bei Großprojekten wie einem Bahnhofsbau eine wichtige Rolle spielen, weil sie das große Ganze sehen“, sagt die Beraterin. Besonders Humangeografen seien in der Lage, sowohl naturwissenschaftliche Zusammenhänge zu verstehen, Verkehrsströme zu analysieren als auch sozialwissenschaftliche Aspekte zu berücksichtigen. Das Wirtschaftsingenieurwesen mit Schwerpunkt Verkehr ist ebenfalls interdisziplinär angelegt und kombiniert laut Simone Schober-Wischkony technische mit wirtschaftlichen Inhalten.

„Interessiert einen der Bereich Mobilität, sollte man sich fragen, mit welcher Art Mobilität man sich beschäftigen möchte“, rät die Expertin. „Und wer sich nicht gleich nach dem Abitur festlegen möchte, kann auch erst ein allgemeineres Studium absolvieren und sich mit dem Master spezialisieren.“ Immerhin gibt es zahlreiche Masterangebote mit konkreten Schwerpunkten, zum Beispiel „Urbane Mobilität“ an der Technischen Hochschule Nürnberg oder „Bauingenieurwesen – Infrastruktur, Wasser und Mobilität“ an der Technischen Universität Kaiserslautern.

Komplexe Projekte erfordern vernetztes Denken

„Welche Fähigkeiten oder Interessen man für diese Themen im Bachelor oder Master mitbringen sollte, hängt stark vom jeweiligen Studiengang ab“, sagt die Berufsberaterin. Wer sich etwa für ein ingenieurwissenschaftliches oder betriebswirtschaftliches Studium entscheidet, sollte gerne mit Zahlen umgehen, weil Statistiken und Berechnungen eine wichtige Rolle spielen.

„Ganz allgemein gesprochen sollte man sich aber natürlich für den Bereich Verkehr interessieren“, betont Simone Schober-Wischkony. Gut wäre beispielsweise, wenn man den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs oder die Entwicklung neuer Antriebswege für Fahrzeuge spannend findet (siehe auch „Carsharing unter Strom“). Außerdem sollte man sich darüber klar sein, dass die meisten Projekte komplex angelegt sind und ein vernetztes Denken erfordern: „Man muss oft über den eigenen Tellerrand hinaus denken und im Berufsleben mit vielen anderen Experten zusammenarbeiten.“

Steigender Bedarf an Fachkräften

Diese Vielfalt spiegelt sich auch in den Einsatzmöglichkeiten für Absolventen wider. Je nach Qualifikation könne man laut der Berufsberaterin in Verkehrsbetrieben, Logistikabteilungen von Unternehmen, in Bauunternehmen, Ingenieur- oder Planungsbüros sowie bei Behörden, Kommunen, Ländern oder dem Bund arbeiten. Auch die Forschung ist ein mögliches Arbeitsgebiet (siehe auch „Optimierung ganzer Viertel“).

Grundsätzlich geht Simone Schober-Wischkony von guten Zukunftschancen aus: „Viele Experten sehen den Bereich Mobilität zusammen mit Verkehr, Transport und Logistik als Wachstumsmarkt.“ Schließlich nehme die Bedeutung von öffentlichem Nahverkehr weiter zu, neue Antriebsarten für Autos werden derzeit heiß diskutiert und jedes Unternehmen muss Waren termingerecht und kostengünstig transportieren. „Im Moment deutet alles darauf hin, dass das Thema Mobilität uns viel beschäftigen und es Bedarf an Fachkräften geben wird“, betont die Berufsberaterin (siehe auch „Visionen für den Stadtverkehr“).

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchworte: Mobilität, Verkehr)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Suchworte: Mobilität, Verkehrswesen)
www.studienwahl.de

 

ILS Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung

www.ils-forschung.de

Projekt Urbane Mobiltät

Institute des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) forschen zum Thema urbane Mobilität
www.urmo.info/das-projekt-urbane-mobilitaet/

Mobil gewinnt

Eine gemeinsame Initiative vom Bundesverkehrsministerium (BMVI) und Bundesumweltministerium (BMUB)
www.mobil-gewinnt.de

Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg

Initiiert Projekte zum Mobilitätsmanagement
www.vm.baden-wuerttemberg.de/de/verkehrspolitik/nachhaltige-mobilitaet/mobilitaetsmanagement

Bundesverband Carsharing

Bietet unter anderem Kennzahlen zur Nutzung von Carsharing in Deutschland
www.carsharing.de

Studie INRIX 2016

Der internationale Verkehrsdatenanbieter ermittelt das Verkehrsaufkommen, unter anderem in Deutschland.
www.inrix.com/press-releases/scorecard-de/

BBM hoch drei

Die Bergische Univerisät Wuppertal untersucht in diesem Projekt mit verschiedenen Partnern, wie betriebliche Verkehrssysteme eines Viertels verbessert werden können.
www.oevm.uni-wuppertal.de/home/forschung/bmm-hoch-drei.html

Auto Club Europa (ACE)

Durch das Projekt „Gute Wege“ soll betriebliches Mobilitätmanagement gefördert werden, also Maßnahmen, um Arbeits- und Dienstwege effizient und nachhaltig zu gestalten.
www.ace.de/gute-wege

Verkehrsclub Deutschland (VCD)

Leitfaden mit dem Titel „Geschäftsreisen – erfolgreich, effizient, umweltverträglich“ (PDF)
www.vcd.org/fileadmin/user_upload/Redaktion/Publikationsdatenbank/Tourismus/VCD_Leitfaden_Geschaeftsreisen_2008.pdf

 

Studiengänge rund um urbane Mobilität

Visionen für den Stadtverkehr der Zukunft

Ob mit dem Rad, dem Bus oder dem Auto – es gibt verschiedene Möglichkeit und Kombinationen, um von A nach B zu kommen. Doch immer wieder steht man im Stau oder muss am Bahnhof beim Umsteigen warten. Experten auf dem Gebiet der urbanen Mobilität sorgen dafür, dass der Verkehr künftig flüssiger und idealerweise auch umweltfreundlicher laufen kann.

Viele Städter kennen das Gefühl: Eigentlich will man nur zum Einkaufen oder zur Arbeit fahren – und steht stattdessen mit dem Auto im Stau oder verpasst gerade den Anschlusszug. Einer Studie des Verkehrsdatenanbieters Inrix zufolge landete Deutschland drei Jahre lang in Folge auf Platz drei der verkehrsreichsten Länder Europas. Autofahrer standen demnach 2015 rund 38 Stunden im Stau. Vier deutsche Städte gehören laut der Studie sogar zu den Top 10 der verkehrsreichsten europäischen Städte. Einen Negativrekord stellte dabei Stuttgart auf: Dort verbrachten Fahrer im Jahr 2015 rund 73 Stunden im städtischen Stau.

Und die Situation wird sich tendenziell verschlechtern, denn in Zukunft werden immer mehr Menschen in Städten wohnen: Einer UN-Studie zufolge könnten bis zur Mitte des Jahrhunderts sogar rund zwei Drittel der Menschen in urbanen Gebieten leben – in Deutschland sind es bereits 75 Prozent.

Unterschiedliche Aspekte beachten

Das bringt erwartungsgemäß viele Herausforderungen mit sich, auch für die Stadt- und Verkehrsplaner. Denn wenn jeder mit dem Auto fährt, geht auf den Straßen bald nichts mehr. Doch auch das öffentliche Nahverkehrssystem und die Radwege müssen ausgebaut und weitere Alternativen geschaffen werden. Wie aber genau? Damit beschäftigen sich Experten aus dem Bereich „urbane Mobilität“.

Ein Porträt-Foto von Mirko Goletz

Mirko Goletz

Foto: privat

„Wir haben für die Zukunft viele spannende Fragen zu klären“, erklärt Mirko Goletz vom Institut für Verkehrsforschung am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Etwa, wie Flächen besser genutzt werden, Verkehrsprojekte finanziert oder auch nachhaltig gestaltet werden können. Denn: „Wir verzeichnen derzeit zwar einen starken Zuzug in Städte, doch Anpassungen im Verkehrssystem gehen langsamer voran“, sagt der Experte – neue Projekte und ihre Umsetzung brauchen ihre Zeit.

Carsharing, Mieträder, ÖPNV

Stadtplaner haben laut Mirko Goletz dabei verschiedene Möglichkeiten, die Situation zu steuern. Etwa über eine Kombination aus Verboten und Anreizen. So könnten Anwohnerparkzonen nahe Einkaufsstraßen oder Umweltzonen im Innenstadtbereich die Lust aufs eigene Auto senken, während Angebote wie Carsharing oder Mietrad-Stationen und die Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) mehr Menschen von gemeinschaftlich genutzten Verkehrsmitteln überzeugen.

Beim Carsharing können registrierte Nutzer ein Auto auch für sehr kurze Strecken oder Zeiträume mieten und zahlen neben einer Grundgebühr meist einen Zeit-, einen Kilometertarif oder eine Mischung daraus. Der Bundesverband Carsharing stellte in einer Studie fest, dass Menschen, die dieses Angebot nutzen, oft ganz auf ein eigenes Auto verzichten. „Ein Carsharing-Fahrzeug ersetzt bis zu 20 private Pkw und macht so umgerechnet bis zu 99 Meter zugeparkte Straßenkante frei“, fand der Bundesverband heraus.

Einfach das Auto stehen lassen und stattdessen nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, stellt jedoch keine alleinige Lösung dar. Stattdessen sprechen Experten wie Mirko Goletz von „Multimodalität“ und „Intermodalität“: Wer an verschiedenen Tagen unterschiedliche Verkehrsmittel nutzt, weil es gerade für den jeweiligen Zweck das Richtige ist, bewegt sich multimodal. Intermodalität bedeutet hingegen, dass man für einen Weg mehrere Transportmittel nutzt, beispielsweise mit dem Rad zur U-Bahn fährt und später noch in einen Bus umsteigt.

„Die Vision für die Zukunft ist, dass wir alle flexibler werden und situativ verschiedene Verkehrsmittel nutzen, also mal das Auto, mal den Bus nehmen“, sagt Mirko Goletz. Dann könne, so die Hoffnung, die Zahl der privaten Autos in den Städten sinken.

Angebot verbessern, Nutzung erhöhen

„Das Problem ist heute aber, dass man mit einem öffentlichen Verkehrsmittel allein oft nicht schnell genug ans Ziel kommt“, erklärt Mirko Goletz. Stattdessen verliere man viel Zeit beim Warten und Umsteigen. „Das Ziel ist deswegen, das Angebot so zu verbessern, dass Anschlüsse von Bus und Bahn besser aufeinander abgestimmt sind oder man für die ‚letzte Meile‘ einfach auf Leihräder oder E-Roller umsteigen kann.“

Außerdem sollte es seiner Ansicht nach einfacher werden, ein Ticket für den öffentlichen Nahverkehr zu kaufen, bei dem die ergänzenden Verkehrsmittel gleich mit dabei sind. Das Bundesverkehrsministerium unterstützt etwa die Einführung von elektronischen Tickets, die über Apps gekauft werden können und die in einigen Jahren die Papierfahrkarten ablösen sollen.

Ein weiterer Ansatz steht beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt im Mittelpunkt: Mirko Goletz ist dort am Projekt „Urbane Mobilität“ beteiligt, das seit 2015 läuft. „Wir forschen hier vor allem zur Intermodalität und wollen prüfen, wie man Umsteigepunkte verbessern kann.“ So könnten zum Beispiel Bahnhöfe so gestaltet werden, dass man einen Mehrnutzen hat, wenn man dort warten muss. Wer in der nahe gelegenen Drogerie noch schnell ein paar Einkäufe erledigen kann, stört sich weniger daran, dass er umsteigen muss, als jemand, der zehn Minuten nur an der Haltestelle herumsteht.

Ansätze für betriebliche Veränderungen

In den Bereich rund um urbane Mobilität gehören außerdem Ideen zum betrieblichen Mobilitätsmanagement, also die Arbeits- und Dienstwege betreffend. Dazu zählen Dienstfahrräder, Fahrgemeinschaften von Mitarbeitern eines Betriebes, Treffpunkte an Großparkplätzen sowie das Vermeiden von Geschäftsreisen, indem man zum Beispiel mehr durch Telefon- oder Videokonferenzen als bei Vor-Ort-Terminen regelt. Zu diesem Teilbereich bestehen bereits einige Projekte von Städten und Kommunen sowie der Bundesregierung: „Mobil gewinnt“ etwa ist eine kürzlich gestartete Initiative des Bundesverkehrsministeriums und des Bundesumweltministeriums. Betriebe sollen hier Unterstützung finden, um unter ihren Mitarbeitern die Nutzung von Autos effizienter zu gestalten oder Anreize für den Umstieg auf Fahrrad, Bus und Bahn zu schaffen.

 

Verkehrsingenieurwesen und Mobilität

Infrastruktur effizient gestalten

Gereon Lümmen studiert an der RWTH Aachen im Bachelor „Verkehrsingenieurwesen und Mobilität“. Der 23-Jährige lernt dort, wie Verkehrswege von Autos, Flugzeugen, Zügen und Co. optimal geplant werden.

Bei der Verkehrsplanung spielen komplexe Fragen eine Rolle, die von unterschiedlichen Experten geklärt werden müssen. Diese Vielschichtigkeit ist einer der Gründe, warum Gereon Lümmen mit seiner Studienwahl so zufrieden ist: Der 23-Jährige hat sich für den Bachelorstudiengang „Verkehrsingenieurwesen und Mobilität“ an der RWTH Aachen entschieden.

„Schon als Kind haben mich Autos, Flugzeuge und Züge fasziniert“, erinnert er sich. In der Oberstufe wurde ihm dann klar, dass er auch „etwas mit Verkehr“ studieren wollte. „Bei der Suche habe ich schnell gemerkt, dass es keine allzu große Auswahl an Studiengängen konkret mit Mobilität gibt. Deswegen bin ich relativ schnell auf das Angebot der RWTH gestoßen.“

In den ersten Semestern wurden Grundlagen geschaffen: „Wir hatten viele Veranstaltungen zusammen mit den angehenden Bauingenieuren“, erzählt der 23-Jährige. Dazu gehörten Mathe und Mechanik, aber auch Themen wie Tragwerksplanung. Später kamen weiterführende Fächer dazu, darunter Straßenplanung, Maschinenbau und Flughafenwesen. Kaufmännische Aspekte und Basisinformationen aus der Betriebswirtschaftslehre standen ebenfalls auf dem Studienplan, genauso wie Einblicke in die Stadt- und Regionalplanung.

Interdisziplinarität macht den Reiz aus

Ein Porträt-Foto von Gereon Lümmen

Gereon Lümmen

Foto: privat

In diesem Studium geht es allerdings nicht darum, später selbst Autos oder Flugzeuge zu bauen: „Wir können uns später um die Infrastruktur kümmern – die Fahrzeuge für diese kommen aber von anderen Fachleuten.“ Das verdeutlichte auch ein praktisch orientiertes Projekt, bei dem sich die Studierenden eine Brachfläche in Aachen anschauten und ein Viertel planten, das man dort bauen könnte. Dabei beschäftigten sie sich mit verschiedenen Fragen: Wie viel Platz braucht man für Häuser, Gewerbeflächen und Straßen? Wo möchte man Grünflächen anlegen und wo Haltestellen für den öffentlichen Nahverkehr?

„Das Schöne ist, dass das Studium sehr interdisziplinär angelegt ist“, sagt Gereon Lümmen. „Natürlich spielt Technik eine große Rolle und man muss für viele Aspekte mathematisches Verständnis haben.“ Dennoch gehören auch andere Kenntnisse dazu. Beim Themenbereich Flughafenwesen zum Beispiel lernten der 23-Jährige und seine Kommilitonen, wie ein Terminal aufgebaut sein muss und was man beim Bau einer Landebahn beachten sollte. „Bei der Straßenplanung wurde uns dann beigebracht, wie steil und eng eine Kurve sein darf, wie Straßen entwässert werden und auf was man bei der Steigung achten muss.“

Dieser Aufbau des Studiums werde manchmal kritisiert, erzählt Gereon Lümmen: „Denn man bekommt Einblicke in viele verschiedene Bereiche, beschäftigt sich jedoch nicht tiefergehend mit einzelnen Themen.“ Dafür sei seiner Meinung nach jedoch der anschließende Master gedacht, bei dem man sich in vier Semester spezialisieren kann. Das ist auch Gereon Lümmens Plan. Davor heißt es noch, den Bachelor abzuschließen, in dem er derzeit im achten Semester studiert. „Ich brauche für das Bachelorstudium gerade etwas länger als die Regelstudienzeit von sechs Semestern, weil ich in der Fachschaftsverwaltung sehr aktiv bin“, erzählt er.

Optimistisch in die Zukunft

Im Frühjahr 2018 möchte er seinen Abschluss machen und den Master „Mobilität von Personen“ an der RWTH anschließen. In diese Richtung soll es dann auch beruflich gehen. „Ich kann mir gut vorstellen, entweder in einem Verkehrsbetrieb wie der Bahn oder dem öffentlichen Nahverkehr zu arbeiten. Oder aber, bei einem Ingenieurbüro anzufangen und mich dort mit Themen rund um die Verkehrsplanung zu beschäftigen.“

Auf jeden Fall schaut er optimistisch in die Zukunft. „Ich bin mir sicher, dass Mobilität ein wichtiges Thema bleiben wird“, sagt der 23-Jährige. „Verkehr wird es immer geben – und für die nächsten Jahrzehnte ist es sicher eine der großen Fragen, wie wir uns neuen Entwicklungen anpassen und mit dem Thema umgehen.“

 

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Optimierung ganzer Viertel

Katharina Schmitt (26) ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Bergischen Universität Wuppertal am Lehr- und Forschungsgebiet „Öffentliche Verkehrssysteme und Mobilitätsmanagement“. Dort forscht sie unter anderem daran, wie Betriebe die Mobilität ihrer Mitarbeiter verbessern können.

„Die Themen Verkehr und Mobilität betreffen jeden von uns“, findet Katharina Schmitt. Deswegen entschied sie sich nach dem Abitur für den Bachelorstudiengang Verkehrswirtschaftsingenieurwesen an der Bergischen Universität Wuppertal. „Mir gefiel die fachübergreifende Kombination aus Wirtschaft und Ingenieurwesen mit Schwerpunkt Verkehr“, erklärt sie.

Nach dem Bachelorstudium, das Themen wie den öffentlichen Personenverkehr, Güterverkehr, Straßenverkehrsplanung sowie BWL beinhaltete, schloss Katharina Schmitt den entsprechenden Masterstudiengang an. Parallel dazu arbeitete sie bereits als studentische und wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl. Das erleichterte ihr schließlich den Übergang direkt vom Master in ihre jetzige Position.

Komplexes Projekt mit vielen Beteiligten

Ein Porträt-Foto von Katharina Schmitt

Katharina Schmitt

Foto: Dominik Schmitt

Derzeit betreut die 26-Jährige das Forschungsprojekt „Betriebliches Mobilitätsmanagement im Bergischen Städtedreieck“, kurz „BMM hoch drei“. Gemeinsam mit weiteren Partnern arbeitet sie daran, die Verkehrssituation in mehreren Betrieben in Remscheid, Solingen und Wuppertal effizienter und nachhaltiger zu gestalten. Dabei sollen vor allem die Bedingungen im jeweiligen Viertel für das betriebliche Mobilitätsmanagement in Betracht gezogen werden.

Zuerst erfolgte eine Bestandsanalyse vor Ort. Hierfür musste Katharina Schmitt klären: Wo sind die Radwege? Wo sind die Bushaltestellen? Wie oft kommen die Busse? Hinzu kam beispielsweise eine Befragung von Studierenden und Beschäftigten der Hochschule, da diese ebenfalls zu einem Untersuchungsgebiet gehört. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin fragte, mit welchen Verkehrsmitteln die Studierenden und Beschäftigten zur Uni kommen und welche Veränderungen sie sich wünschen. „Unser Ziel ist, konkrete Vorschläge für Verbesserungen der Verkehrssituation geben zu können“, sagt Katharina Schmitt.

Die genauen Maßnahmen darf sie zurzeit noch nicht nennen. Möglicherweise könnte das Forschungsteam nach Abschluss der Analyse aber vorschlagen, dass die Radwege ausgebaut werden und die Busse zu bestimmten Zeiten häufiger fahren müssten oder es feste Stellplätze für Leihautos sowie Fahrradverleihsysteme geben soll.

Maßnahmen auch umsetzen

Für Katharina Schmitt ist das ein „extrem spannendes Projekt“, das allerdings auch mit dem Überwinden einiger Hürden verbunden ist: „Wir mussten zuerst einmal verschiedene Unternehmen dazu bewegen, mitzumachen“, erzählt die 26-Jährige. Immerhin sollen für mehrere Betriebe in einem Viertel Mobilitätskonzepte entwickelt werden. „Die nächste Herausforderung wird sein, die vorgeschlagenen Maßnahmen auch wirklich umzusetzen und etwas zu bewegen.“

Das Forschungsprojekt läuft noch bis April 2019. Was danach für sie folgen wird, weiß Katharina Schmitt noch nicht. Sie schreibt aber bereits an ihrer Promotion, die sie in etwa drei Jahren abschließen möchte. „Ich kann mir gut vorstellen, später einmal für eine Kommune oder ein Unternehmen im öffentlichen Personenverkehr zu arbeiten“, sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin. „Ich würde aber erst einmal sehr gern noch an der Universität bleiben, das Projekt weiter bearbeiten und wenn möglich auch meine Promotion hier abschließen.“

 

Experte für Elektromobilität

Carsharing unter Strom

Wie können Elektroautos für die gemeinschaftliche Nutzung eingesetzt werden? Diesen und weiteren Fragen rund um Elektromobilität geht Thorsten Sobe (31) für das Unternehmen Car2Go nach.

Gerade in großen Städten ist Carsharing längst keine Seltenheit mehr. Man hat Freunde, die für gelegentliche Fahrten auf ihrem Smartphone nach einem Leihwagen in der Nähe suchen, oder sieht die Autos verschiedener Anbieter durch die Stadt fahren. Einer dieser Anbieter ist Car2Go, ein Tochterunternehmen der Daimler AG. Dort arbeitet Thorsten Sobe im Bereich Business Development.

Car2Go gibt es international an 26 Standorten, davon sieben Mal in Deutschland. „Nun möchten wir das Angebot an Elektro-Fahrzeugen ausbauen“, erklärt der 31-Jährige – genau hierfür ist er der Experte. An drei Standorten weltweit bietet das Unternehmen bereits ausschließlich E-Wagen an, einer davon ist Stuttgart, wo 550 Autos im Einsatz sind.

Um das E-Angebot auch in andere Städte zu bringen, muss der Experte etliche Fragen klären: Welche Städte eignen sich? Wo werden Ladestationen dann am meisten benötigt und wo können sie aufgestellt werden? Welche Systeme sind dafür am besten geeignet? Welche Automodelle und Batterien verwendet man? Und ganz grundsätzlich: Wie überzeugt man die Kunden von E-Wagen und deren Vorteilen?

Viel Gestaltungsspielraum

Ein Porträt-Foto von Thorsten Sobe

Thorsten Sobe

Foto: Car2Go GmbH

„Elektromobilität ist ein extrem spannender Bereich“, findet Thorsten Sobe. „Dort gibt es derzeit noch sehr viel Entwicklung, weswegen man auch selbst mitgestalten kann.“ So steht er etwa in engem Kontakt mit Entwicklungsabteilungen für neue Elektrofahrzeuge und -antriebstechniken. Immerhin ist noch nicht abschließend festgelegt, wie das Design solcher Autos optimalerweise aussehen sollte, wie der Ladeprozess verbessert und ob auch kabellos geladen werden kann.

„Hinzu kommt, dass diese Autos emissionsarm sind und ich so indirekt auch einen Beitrag zum Umweltschutz leisten kann“, beschreibt der 31-Jährige seine Motivation für das Thema. „Außerdem sind die Konzepte Elektromobilität und Carsharing beide noch relativ neu und haben starke Wachstumstendenzen.“

Allerdings geht damit auch eine gewisse Unsicherheit einher: „Vieles ist noch nicht geregelt. Wir wissen zum Beispiel gar nicht, welche Rahmenbedingungen es in zwei Jahren für Elektromobilität geben wird.“ Das sei für seine Tätigkeit reizvoll, erfordere aber auch eine gewisse Flexibilität.

Stelle eigens für ihn geschaffen

Darauf ist Thorsten Sobe jedoch gut eingestellt: Nach seinem Abitur studierte er zunächst Wirtschaftsingenieurwesen an der RWTH Aachen mit je einem Auslandssemester in London und Paris. Anschließend arbeitete er beim Autohersteller Daimler im Bereich Elektroantriebe und begann parallel seine Promotion, die er bei Daimler und an der École Polytechnique in Paris schreibt. Im Herbst 2017 möchte er diese mit der Verteidigung abschließen. Sein Thema: der Umgang mit den Unsicherheiten rund um Elektromobilität und wie Unternehmen trotzdem für die nächsten Jahre planen können.

Mit seiner Expertise passte er bestens zu seinem jetzigen Arbeitgeber, zu dem er Anfang 2016 wechselte – und wo die Stelle als Experte für Elektromobilität eigens für ihn geschaffen wurde. Dort möchte er in absehbarer Zeit auch bleiben. „Das Thema E-Mobilität gewinnt an Fahrt und bei Car2Go ist viel zu tun und mitzugestalten“, erklärt der 31-Jährige. Er könne sich vorstellen, zunehmend mehr Führungsverantwortung zu übernehmen. „In jedem Fall gibt es genug spannende Aufgaben in den nächsten Jahren, sodass es nicht langweilig wird.“

 


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Stand: 17.07.2019