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Fokussierung bringt Vielfalt

Ein junge Frau hält ein Seminar.
Die Möglichkeiten für Studieninteressierte in Deutschland sind in den letzten Jahren nochmals deutlich gewachsen.
Foto: Hans-Martin Issler

Studiere lieber ungewöhnlich: Kleine Fächer

Fokussierung bringt Vielfalt

Die Studienmöglichkeiten scheinen sich in den vergangenen Jahren vervielfacht zu haben – Kritiker sprechen von Wildwuchs. Im Interview mit abi>> erklärt Hochschulforscher Cort-Denis Hachmeister vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE), warum er das nicht so sieht.

abi>> Herr Hachmeister, Studieninteressierte können inzwischen aus rund 10.000 grundständigen Angeboten wählen, hinzu kommt noch eine bald ähnlich hohe Zahl an Masterstudiengängen. Explodiert die Zahl der Studiengänge und entstehen zu viele kleine Fächer?

Cort-Denis Hachmeister: Die Zahl der für Studienanfänger in Frage kommenden grundständigen Studiengänge ist in den vergangenen Jahren tatsächlich gar nicht so stark gestiegen. Vor zehn Jahren waren es auch schon über 9.500 Angebote. Zu den grundständigen kommen noch die weiterführenden Masterstudiengänge. Größer geworden ist allerdings die Vielfalt der angebotenen Studiengänge beziehungsweise deren Bezeichnungen. Das Angebot hat sich insofern ausdifferenziert.

abi>> Warum kommt es zu einer solchen Ausdifferenzierung?

Ein Porträt-Foto von Cort-Denis Hachmeister

Cort-Denis Hachmeister

Foto: Thomas Kunsch

Cort-Denis Hachmeister: Heutzutage sollen Bachelorstudiengänge schon in drei Jahren für bestimmte Berufsfelder qualifizieren. Eine gewisse Fokussierung auf bestimmte Felder eines Faches – Beispiel Tourismuswirtschaft – ist daher eine Möglichkeit für die Hochschulen, dieser Anforderung nachzukommen. Darüber hinaus werden neue Berufsfelder akademisiert, siehe das Fach Pflegewissenschaft. Es entstehen darüber hinaus neue Studiengänge aus Kombinationen bereits bestehender Fächer, zum Beispiel Bio-Ingenieurwesen (siehe auch „Experten zwischen den Disziplinen“). Oder es werden themenzentrierte Programme wie „Erneuerbare Energien“ entworfen, die Inhalte aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen zu einem Thema kombinieren. Manchmal werden Studiengänge auf Englisch umbenannt oder deren Bezeichnungen angepasst, um die spezielle Ausrichtung des Studiengangs an der jeweiligen Hochschule sichtbar zu machen – früher hieß der Studiengang zum Beispiel überall BWL, auch wenn die Schwerpunkte je nach Hochschule ganz andere waren.

abi>> Gibt es Fehlentwicklungen? Suggeriert manch neuer, spezialisierter Studiengang bloß eine vielversprechende Beschäftigungsmöglichkeit?

Cort-Denis Hachmeister: Die Studiengänge werden von den Hochschulen nicht gedankenlos konzipiert. Es werden sinnvolle Kombinationen von Fächern gewählt, wobei auch die potenzielle Nachfrage nach Absolventen auf dem Arbeitsmarkt in den Blick genommen wird. Mit der Akkreditierung gibt es darüber hinaus eine externe Qualitätssicherung. Bei innovativen, neuartigen Studiengängen kann eine Hochschule aber die Arbeitsmarktchancen und die Nachfrage seitens der Studieninteressierten tatsächlich zunächst nur schätzen und muss sie später überprüfen.

abi>> Wie können Studieninteressierte eine vernünftige Wahl treffen?

Cort-Denis Hachmeister: Die Vielfalt der Studienangebote ist sicherlich eine Herausforderung für Studieninteressierte, aber grundsätzlich eine positive Entwicklung. Wichtig sind gute Orientierungsportale wie studienwahl.de, um sich zurechtzufinden. Auf den Webseiten der Hochschulen gibt es dann die Möglichkeit, sich im Detail über Inhalte, Aufbau und Berufsperspektiven eines Studiengangs zu informieren.

abi>> Wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung ein?

Cort-Denis Hachmeister: Eine so starke Dynamik wie durch die Umstellung auf Bachelor und Master und durch die starke Zunahme an Studierenden in den vergangenen zehn Jahren werden wir in Zukunft vermutlich nicht mehr haben. Trotzdem werden die Hochschulen weiterhin in einem gewissen Umfang neue Programme ausprobieren und andere wegen mangelnder Nachfrage einstellen.

abi>> 27.03.2017

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