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Studieren nach Strich und Faden

Eine junge Frau sitzt an einer Nähmaschine und näht zwei magentafarbene Stoffteile zusammen.
Gestalterisch, technisch, wirtschaftlich, pädagogisch: Wer sich später beruflich mit Textilien beschäftigen will, hat gleich mehrere Wege zur Auswahl. Dazu zählt auch die Wahl, nach dem Abitur eine Ausbildung, ein Studium oder die Kombination des dualen Studiums zu wählen.
Foto: Julien Fertl

Zukunfts-„Stoff“: Studieren rund um Textil

Studieren nach Strich und Faden

Mode designen, Stoffe herstellen, innovative Textilien entwickeln oder den Handel managen – es gibt viele Möglichkeiten, sich beruflich mit Textilien zu beschäftigen. Ebenso facettenreich sind die Studiengänge und Ausbildungen, die Abiturienten in die Branche führen.

Das neue Lieblings-Shirt ist gerade einmal drei Wochen getragen, da weckt eine Modebloggerin bei Instagram neue Begehrlichkeiten. Auf geht’s ins Modegeschäft oder in den Online-Shop, wieder wird der neueste Trend eingekauft. „Durch die Globalisierung und soziale Medien werden die Modezyklen immer kürzer. Trotzdem soll Kleidung meist so günstig wie möglich sein. Das ist nicht nur schlecht für die Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern und für die Umwelt, sondern auch für einen selbst“, findet Masterstudentin Tamara Laupichler: „Wir genießen nicht mehr, wir konsumieren nur.“

In ihrem Studiengang „Multichannel Trade Management in Textile Business“ an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg beschäftigt sich die 25-Jährige unter anderem damit, wie die Modewelt nachhaltiger werden kann.

Wirtschaft, Herstellung, Recht

Ein Porträt-Foto von Tamara Laupichler.

Tamara Laupichler

Foto: privat

Der Schwerpunkt des Masterstudiengangs liegt auf den Wirtschaftswissenschaften. Kenntnisse aus den Fächern Betriebswirtschaft, Controlling, Einkauf, Marketing, Produktmanagement und Intercultural Management werden dabei immer in Bezug zur Modebranche gesetzt: „Wir bewerteten etwa am Beispiel Hugo Boss, wie sich das Unternehmen am Markt positioniert und die eigene Marke stärkt“, erklärt die Studentin, die bereits im dritten und letzten Mastersemester ist. Hinzu kommen Fächer im Bereich Textil und Fertigung sowie Recht.

In Projektarbeiten wenden die Studierenden die Theorie an. Tamara Laupichler entwickelte etwa zusammen mit Kommilitonen ein Konzept für eine reale Firma, wie alte Kollektionen rentabel vermarktet werden können.

Verschiedene Einsatzfelder stehen offen

Das Thema Nachhaltigkeit kommt in verschiedenen Fächern zur Sprache. Damit hatte sich Tamara Laupichler bereits in ihrer Abschlussarbeit im Bachelorstudiengang Mode- und Designmanagement an der privaten Akademie Mode & Design in Hamburg beschäftigt: „Ich stellte die Frage, ob Entschleunigung in der Modewelt möglich ist, und untersuchte, wie die Branche fairer werden kann.“ Aufklärung der Kunden einerseits und ein Umdenken der Modeunternehmen andererseits könnten der Schlüssel sein, lautete ihr Fazit.

Auch beruflich fände es Tamara Laupichler spannend, zum Beispiel in der Nachhaltigkeitsabteilung eines großen Modeunternehmens zu arbeiten. Ebenso reizen sie das Produktmanagement mit Kontakt zu Lieferanten und dem Tüfteln an Produkten sowie der Vertrieb. In letzterem Bereich arbeitet sie derzeit neben ihrem Masterstudium beim Modehersteller Lascana, eine Marke des Handelskonzerns Otto. Dort wird sie auch ihre Masterarbeit verfassen – und dann mal sehen. „Egal in welchem Bereich ich später tätig sein werde, eines ist sicher: Die Branche ist unfassbar facettenreich.“

Gestalterisch, wirtschaftlich, technisch oder pädagogisch

Ein Porträtbild von Martina Hannesen

Martina Hannesen

Foto: Michael Becker

Diese Vielseitigkeit spiegelt sich auch im Angebot der Hochschulen wider, betont Martina Hannesen, Berufsberaterin der Agentur für Arbeit Krefeld. Je nach Neigung kommen verschiedene Studiengänge rund um Textil infrage: „Interessiere ich mich für den Handel oder kaufmännische Aspekte, wäre ein wirtschaftlicher Studiengang wie Textilmanagement möglich. Sind Naturwissenschaften mein Ding, bin ich im technischen Bereich gut aufgehoben, zum Beispiel in der Textil- und Bekleidungstechnik. Und bin ich gerne kreativ, könnte die gestalterische Richtung, klassischerweise Modedesign, ideal sein.“

Dass Internationalität in dieser Branche eine große Rolle spielt, zeigen Studiengänge wie „Textile and Clothing Management“ der Hochschule Niederrhein: „Nicht nur wird dieser Bachelor komplett auf Englisch gelehrt, sondern es besteht auch die Möglichkeit eines Doppelabschlusses in Kooperation mit der chinesischen Tianjin Polytechnical University“, zeigt die Expertin auf. (Mehr zu Studienmöglichkeiten und in welche Berufsfelder diese führen, erfährst du in „Textilien herstellen, verarbeiten, vermarkten, erforschen“. Einen künstlerischen Studiengang lernst du zudem in „Fantastische Welten auf der Bühne erschaffen“ kennen.) 

Eine weitere Option ist das Lehramt: „Einzigartig in Deutschland ist das Textiltechnik-Studium auf Lehramt an Berufskollegs, den die Rheinisch-Westfälische Hochschule (RWTH) Aachen anbietet“, erzählt Martina Hannesen. (Mehr über dieses Studienfach erfährst du in „Von der Faser bis zum Textil“.) Außerdem ist es an einigen Hochschulen möglich, im Lehramtsstudium für Grundschulen oder die Sekundarstufe I das Fach „Textilgestaltung“ zu wählen.

Attraktiv für praktisch veranlagte Abiturienten, die trotzdem gerne studieren möchten, ist das duale Studium. Hier schließt man entweder neben einem Bachelorstudium eine Ausbildung im Unternehmen ab (ausbildungsintegriert), zum Beispiel die zum Produktionsmechaniker Textil, oder verbringt parallel zum Studium längere Praxisphasen im Betrieb (praxisintegriert).

Über eine Ausbildung zum Ziel

Ein Porträtbild von Christine Schneider

Christine Schneider

Foto: Südwesttextil e.V.

Alternativ können Abiturienten mit einem Faible für Textilien eine duale Berufsausbildung absolvieren, erklärt Christine Schneider, Leiterin Fachkräfte und Märkte beim Arbeitgeberverband Südwesttextil und nennt einige Beispiele: „Textil- und Modeschneider etwa sind gestalterisch tätig. Produktveredler Textil kümmern sich um chemische Aspekte, färben etwa Stoffe ein oder beschichten sie. Und Textillaboranten untersuchen und analysieren die chemischen und physikalischen Eigenschaften von Textilien.“ Für Abiturienten interessant ist zudem die doppelt qualifizierende Ausbildung zum Betriebswirt Textil, die mit einer kaufmännischen Ausbildung sowie dem Textilbetriebswirt abschließt.

Laut der Verbandsexpertin sind gerade bei den kleinen und mittelständischen Unternehmen Fachkräfte heißbegehrt, die ihren Beruf und die Branche durch eine Ausbildung von der Pike auf gelernt haben und sich parallel oder im Anschluss weiterbilden – durch ein Studium oder eine Weiterbildung zum Meister oder Techniker: „Solche jungen Fachkräfte werden händeringend gesucht“, versichert sie.

Gute Berufsaussichten gerade im technischen Bereich

Egal welcher Bildungsweg, Absolventen fänden einen aufnahmefähigen Arbeitsmarkt vor, betont Berufsberaterin Martina Hannesen: „An der in Krefeld und Mönchengladbach ansässigen Hochschule Niederrhein zum Beispiel ergattern rund 60 Prozent der Bachelorabsolventen des Fachbereichs Textil innerhalb von drei Monaten eine Stelle.“ Ein Großteil der freien Stellen betreffe technische Berufe, etwa als Ingenieur in der Textil- und Bekleidungsindustrie. Die deutsche Textilbranche sei zudem stark forschungsorientiert. (Mehr über Forschung mit Textilien erfährst du in „Stoffen zu neuen Funktionen verhelfen“.)

Das kann auch Christine Schneider von Südwesttextil bestätigen: „Insbesondere im Bereich der technischen Textilien stehen Absolventen alle Türen offen. Es ist immer wieder verblüffend, wie und wo überall Textilien zum Einsatz kommen: Die Außenhaut der Boeing 787 ‚Dreamliner‘ ist zum Beispiel nicht aus Metall gebaut, sondern besteht hauptsächlich aus Carbon-Gelegen.“ Carbon oder Kohlenstofffasern zeichnen sich durch ein optimales Verhältnis zwischen Belastbarkeit und niedrigem Gewicht aus – ideal für den Leichtbau. „Dank der vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten sind Fachleute für Textilien nicht nur klassisch in der Textil- und Bekleidungsindustrie stark gefragt, sondern in vielen weiteren Branchen wie der Luft- und Raumfahrt, der Automobilindustrie, im Baubereich oder der Medizintechnik.“

Klassische Arbeitgeber sind Textil- und Bekleidungshersteller, Webereien und Spinnereien, aber auch Zulieferer wie Maschinenhersteller oder Firmen für Textilchemie.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Textil)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Suchwort: Textil)
www.studienwahl.de

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit mit einem Überblick und Reportagen zu verschiedenen Berufswelten. (Suchwort: Textil; Berufswelten: z.B. Textilien; Handel, Verkauf und Vertrieb; Maschinen- und Anlagenbau)
www.berufsfeld-info.de

Gesamtverband textil+mode

www.textil-mode.de

Go Textile!

Kampagne des Gesamtverbands textil+mode zum Werben um Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten in der Branche
www.go-textile.de

abi>> 19.03.2018

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