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Vom elterlichen Betrieb in die Berufsschule

Zu sehen ist ein Getreidefeld.
Was brauchen Planzen, damit sie wachsen? Für eine erfolgreiche Ernte sind viele Aspekte zu beachten.
Foto: Möller Medien

Agrarwirtschaft

Vom elterlichen Betrieb in die Berufsschule

Die Agrarwirtschaft verknüpft agrarwissenschaftliche mit wirtschaftlichen Themen und bietet damit eine interdisziplinäre Ausrichtung. Das schätzt auch Simon Müller (26), der an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen im fünften Semester Agrarwirtschaft studiert.

Dass er in der Landwirtschaft arbeiten möchte, wusste Simon Müller schon früh. Bereits in jungen Jahren steuerte er den Traktor auf dem Feld seiner Eltern. Mit zunehmendem Alter übernahmen er und sein jüngerer Bruder immer mehr Aufgaben auf dem Hof. Als er nach der 10. Klasse mit der Mittleren Reife vom Gymnasium abging, machte er eine Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker. In diesem Beruf arbeitete er zweieinhalb Jahre, bevor er noch eine Ausbildung zum Landwirt anschloss. Da sein Bruder den elterlichen Betrieb übernehmen und er selbst sein Wissen vertiefen wollte, dachte er über eine berufliche Weiterentwicklung nach und entschied sich für ein Studium. Aufgrund seiner Ausbildungen und der Berufserfahrung konnte er direkt in das Studium der Agrarwirtschaft einsteigen. „Mir gefällt die Arbeit in der Natur. Man arbeitet draußen und sieht, wie das, was man gesät hat, wächst und gedeiht. Und nach einem erfolgreichen Studienabschluss kann man nicht nur einen Betrieb leiten, sondern auch in den unterschiedlichsten Tätigkeiten im vor- und nachgelagerten Bereich der Landwirtschaft tätig werden“, begründet er diesen Schritt.

Ein breit gefächertes Studium

Ein Porträt-Foto von Simon Müller

Simon Müller

Foto: Privat

In den ersten drei Semestern des Agrarwirtschaft-Studiums vertiefte Simon Müller viele grundlegende Inhalte, mit denen er sich schon in der Ausbildung beschäftigt hatte: Was brauchen Pflanzen und Tiere zum Wachsen? Was müssen Landwirte über Tierhaltung wissen? Welche betriebswirtschaftlichen Fragen sind in Hinblick auf eine spätere Betriebsleitung wichtig? „Das Studium ist sehr breit angelegt. Im Versuchsbetrieb, der an die Hochschule angeschlossen ist, haben wir zum Beispiel Pflanzenbauversuche durchgeführt und Futterautomaten für Ferkel gebaut. Wir hatten aber auch Vorlesungen in BWL, VWL und Controlling, in denen es um die Kontrolle und Steuerung der Abläufe im Betrieb geht“, sagt er. Im vierten Semester absolvierten die Studierenden ein Praktikum. Simon Müller beschloss, in die Arbeit eines Berufsschullehrers hineinzuschnuppern. „Ich hatte während meiner Berufstätigkeit bereits einen Lehrling betreut. Daher wusste ich, dass ich gerne mit jungen Leuten arbeite und das Wissen, das ich mir angeeignet habe, weitergebe. So bin ich auf den Beruf des Berufsschullehrers aufmerksam geworden“, erklärt er.

Das eigene Wissen weitergeben

Das Praktikum bot ihm die Gelegenheit, im Unterricht zu hospitieren und selbst Unterrichtsstunden abzuhalten. „Am Anfang habe ich eine Unterrichtsstunde besucht und anschließend mit den schon vorbereiteten Materialien der Lehrkraft die gleiche Stunde in der Parallelklasse gehalten. Hierzu habe ich dann eine Rückmeldung bekommen. Mit den Landwirten im ersten Lehrjahr habe ich dann ein eigenes Unterrichtsprojekt durchgeführt, in dem wir den Kartoffelanbau von der Aussaat über die Ernte bis zur Lagerung betrachtet haben“, erzählt er. Das Thema lag ihm am Herzen, weil er es aus dem elterlichen Betrieb kennt und es in seiner eigenen berufsschulischen Ausbildung etwas zu kurz kam.

Im kommenden Semester beginnt Simon Müller mit der Forschung für seine Abschlussarbeit. Er beschäftigt sich mit dem Thema, welchen Einfluss starker Regen auf das Wachstum von Mais im Frühjahr hat. „Ich habe im Betrieb meiner Eltern Schäden an den Wurzeln der Pflanzen entdeckt und vermute, dass der starke Regen die Pflanzenschutzmittel an die Wurzeln getragen und so die Schäden verursacht hat. Mich interessiert, ob man diesen Effekt am Ende des Jahres überhaupt bemerkt, und wie man ihn mindern oder verhindern kann“, erläutert er. Die Bachelorarbeit wird er im siebten Semester schreiben. Das Praktikum hat Simon Müller so gut gefallen, dass er im Anschluss an sein Studium Berufsschullehrer werden möchte. Dafür muss er noch den Master in Agrarwirtschaft machen, anschließend kann er in das Referendariat einsteigen.

abi>> 25.11.2015