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Immer draußen, bei Wind und Wetter

Ein Mann entnimmt mit einem Becher eine Wasserprobe und begutachtet  diese.
Wasserproben entnehmen, Insekten bestimmen und Pflanzen schützen: Die Aufgaben eines Landschaftsökologen sind vielfältig.
Foto: Andreas Franke

Landschaftsnutzung und Naturschutz

Immer draußen, bei Wind und Wetter

Ohne Wanderschuhe geht im Bachelorstudium von Tanja Mencke gar nichts. Die 29-Jährige hat gerade ihr sechstes und letztes Semester Landschaftsnutzung und Naturschutz in Eberswalde abgeschlossen. Die praktischen Übungen führten sie oft in matschiges, unwegsames Gelände.



„Meine erste Anschaffung im Studium, das waren richtig feste Wanderschuhe“, erinnert sich Tanja Mencke. Diese hat sie in sechs Semestern Landschaftsnutzung und Naturschutz an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde fast abgelaufen. „Zu fast allen theoretischen Seminaren gab es praktische Übungen“, erzählt sie. „Immer draußen, bei Wind und Wetter: Wasserproben aus einem Bach nehmen, im offenen Feld nach unten graben und ein Bodenprofil erstellen, Pflanzen und Insekten bestimmen.“ Die 29-Jährige aus Munster in der Lüneburger Heide hat das genossen. „Das ist mein Ding, absolut!“, sagt sie.

Vom Blumenladen an die Hochschule

Ein Porträtfoto von Tanja Mencke

Tanja Mencke

Foto: Jella Schnisch

Tanja Mencke hat ursprünglich Floristin gelernt und auch einige Jahre im Beruf gearbeitet, bevor sie 2012 die Fachoberschule für Agrarwirtschaft besuchte und ihre Hochschulreife machte. Eine Klassenkameradin brachte von einem Tag der Offenen Tür in Eberswalde einen Flyer mit, Tanja Mencke schaute auf der Homepage nach und entschied sich schnell für den Studiengang Landschaftsnutzung und Naturschutz.

Das obligatorische Vorpraktikum, das es heute in dieser Form nicht mehr gibt, wurde ihr wegen ihrer Berufserfahrung erlassen. Im ersten Semester ging es zunächst um Grundsätzliches: Um Tiere, Insekten- und Pflanzenbestimmung, aber auch um Wasser, Boden und Klima. Sie alle wirken in der Landschaft zusammen und bedingen sich gegenseitig. Im Verlauf des Studiums wurde es dann spezieller: Die Analyse von Ökosystemen ist Thema, aber auch Landschafts- und Raumplanung, Umweltkommunikation oder Ökonomie. Immer im Fokus steht die Praxis, bei einer Woche großem Landschaftspraktikum genauso wie bei Tagesexkursionen in die brandenburgische Umgebung. „Das führt beispielsweise in die Hohe Tatra nach Polen oder auch nach Italien in Naturschutzgebiete“, erklärt die Studentin.

Praxiseinsatz in der Umweltbildung

Praxis pur gibt’s im dritten Semester. Das ist ganz dem Einsatz vor Ort gewidmet. Tanja Mencke hat es in der Niedersächsischen Naturschutzakademie verbracht und im Bereich Umweltbildung gearbeitet. Dabei hat sie Fachseminare mitorganisiert, Veranstaltungen betreut und im regionalen Umweltbildungszentrum Besucher über Gewässerökologie und Wölfe informiert. „Der Wolf ist in die Heide zurückgekehrt und hier ein großes Thema“, erzählt sie.

Die Wahlpflicht-Module hat Tanja Mencke nach ihren persönlichen Interessen zusammengestellt. Sie hat gelernt, Gräser zu bestimmen, hat sich mit Dorfentwicklung und Wildtiermanagement beschäftigt, aber auch mit Agrar- und Umweltpolitik und wurde zudem mit speziellen Computerprogrammen vertraut. All diese Qualifikationen benötigt man als Schutzgebietsbetreuerin. In Eberswalde können diese Zusatzqualifikation pro Jahr nur 15 Studierende erwerben. Tanja Mencke ist eine von ihnen – und ist jetzt das, was die Amerikaner „Ranger“ nennen.

Im sechsten und letzten Semester hat Tanja Mencke das Vorkommen von Nachtfalterraupen untersucht und darüber ihre Bachelorarbeit geschrieben. Dafür musste sie oft nachts die Weiten der Lüneburger Heide durchstreifen, argwöhnisch beobachtet von den wilden, tierischen Bewohnern, deren Augen sie mit ihrer Stirnlampe zum Leuchten brachte. „Das war gruselig“, gesteht Tanja Mencke unumwunden ein. Nach der ersten Nacht hat sie sich deshalb Begleitung organisiert. Trotzdem kann sie sich keinen anderen Ort zum Leben vorstellen als ihre Heimat in der Lüneburger Heide. Deshalb sucht die Absolventin nun in der Gegend nach einer Stelle und bewirbt sich in Naturschutzgebieten, bei Naturschutzbehörden und Planungsbüros.

abi>> 18.10.2016