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Das Artensterben aufhalten

Ein Mann und eine Frau begutachten die Natur
Um das Artensterben und die Zerstörung unserer Umwelt aufzuhalten, sind Berufe im Bereich Naturschutz wichtiger denn je.
Foto: Thomas Lohnes

Landschaftsökologie – Interview

Das Artensterben aufhalten

Dr. Jan Thiele ist Leiter der Arbeitsgruppe Landschaftsökologische Modellierung beim Thünen-Institut für Biodiversität in Braunschweig. Mit abi» sprach er über die Studien- und Berufsmöglichkeiten im Bereich Landschaftsökologie und Naturschutz.

abi»: Welche Bedeutung haben Landschaftsökologie und Naturschutz für das Zusammenleben von Mensch und Natur – gerade in der heutigen Zeit?

Dr. Jan Thiele: Das Artensterben aufgrund von menschengemachten Veränderungen der Umwelt bedroht nicht nur die Natur, sondern hat auch verheerende Folgen für den Menschen. Landschaftsökologen versuchen, diese Aussterbewelle aufzuhalten und kümmern sich beispielsweise um den Schutz von Arten und Lebensräumen sowie um nachhaltiges Landmanagement.

abi»: Was sollte ich studieren, wenn ich als Landschaftsökologe arbeiten will?

Dr. Jan Thiele: Da kommen zum einen Bachelor- und Masterstudiengänge in Landschaftsökologie infrage, wie sie zum Beispiel an den Universitäten Münster, Oldenburg und Greifswald angeboten werden. Bei entsprechender Schwerpunktsetzung führen auch Studiengänge wie Naturschutz und Landschaftsplanung oder Geoökologie und Umweltnaturwissenschaften in das Berufsfeld.

abi»: Welche Fähigkeiten und Interessen sollte man für diese Studiengänge mitbringen?

Portrait Jan Thiele

Dr. Jan Thiele

Foto: Thünen-Institut

Dr. Jan Thiele: Man sollte in der Schule einige naturwissenschaftliche Kurse absolviert haben und über gutes schulisches Grundwissen in Biologie und möglichst auch Chemie verfügen, da naturwissenschaftliche Grundlagen einen erheblichen Teil des Bachelorstudiums einnehmen. Interesse für Physische Geographie sollte ebenfalls vorhanden sein, da in den Studiengängen Grundlagen in den Bereichen Boden, Landschaftsformen, Wasser und Klimatologie erlernt werden müssen. Auch ein Interesse für Pflanzen- und Tierarten gehört dazu, da sich Landschaftsökologie häufig mit Lebensgemeinschaften von Arten und Artenreichtum bzw. Biodiversität befasst.

abi»: Was unterscheidet die Landschaftsökologie von verwandten Disziplinen wie Geoökologie oder Landschaftsarchitektur?

Dr. Jan Thiele: Im Vergleich zur Landschaftsökologie sind Geoökologie-Studiengänge in der Regel stärker auf abiotische Prozesse, also zum Beispiel Erosion, Stofftransport in Gewässern etc. ausgerichtet. Dagegen fokussiert sich die Landschaftsökologie stärker auf die Kenntnis der Arten und ihrer Lebensgemeinschaften. Landschaftsarchitektur nimmt die Planung von Objekten wie Wohn- und Parkanlagen in den Fokus und behandelt die naturwissenschaftlichen und ökologischen Grundlagen nicht ganz so tief wie Landschafts- und Geoökologie. Landschaftsplanung liegt von den Inhalten her zwischen Landschaftsarchitektur und Landschaftsökologie. Dabei ist Landschaftsplanung stärker auf Planungsprozesse ausgerichtet als die Landschaftsökologie. Auch spielen in der Landschaftsplanung ökologische Zusammenhänge eine stärkere Rolle als in der Landschaftsarchitektur. Welcher Studiengang der richtige ist, hängt also von den persönlichen Interessen ab.

abi»: Wo arbeiten Landschaftsökologen?

Dr. Jan Thiele: Landschaftsökologen arbeiten zum Beispiel als freischaffende Kartierer oder Gutachter oder sind bei Landschaftsplanungsbüros, Naturschutzbehörden auf Kreis-, Bezirks- und Landesebene, Umweltverbänden, Trägern der Umweltbildung oder bei Landes- und Bundesministerien für Umwelt angestellt. Manche finden auch eine Anstellung bei großen Unternehmen mit eigener „Umweltabteilung.“ Oder sie entscheiden sich für eine wissenschaftliche Laufbahn in Richtung Professur an Universitäten und Fachhochschulen oder arbeiten als wissenschaftliche Mitarbeiter an Forschungsinstituten des Bundes.

abi>> 04.07.2019